Guten Mogen,
es ist geschafft..... Die Kiste läuft wieder. Ich hoffe auch noch länger.
Ursache:
Entweder das Pflanzenöl, den der Vorbesitzer mit in den Tank gebracht hat, oder aber die, von mir eher vermutete, Dieselpest. Die Dieselpest soll an den Oberflächen in der Kraftstoffversorgung zu leichten Ablagerungen/Korrosion führen. An den empfindlichen Teilen wie Stößel der Dieselpumpe, Pumpkolben der Einspritzpumpe, den Druckventilen oberhalb der Pumpkolben und den Überströmventilen führt dieses dann zum Ausfall/festhängen. Bei mir waren alle Teile betroffen (aber auch alle). Es hat förmlich zusammengeklebt. Das ganze wurde wahrscheinlich durch Sauerstoffeinfluß noch verstärkt. Die ESP hat dann ihren Dienst vollkommen eingestellt, als ich sie unwissentlich ein paar Tage ohne Kraftstoff hatte. Kraftstoff wurde über ein verklebtes, nicht mehr dichtendes Überströmventil absaugt.
Also Einspritzpumpe habe ich ausgebaut und im oberen Pumpenteil zerlegt.
Eigentlich wollte ich Bilder dabei machen, aber irgendwie im Eifer des Gefechts..... Aber das ganze sieht auch gleich zu dem aus, was 14 Beiträge weiter oben von Ullchen gezeigt wurde (in der Arcor-Bildergallerie).
Generell wurde von allen, die mit Motoren zu tun haben, von dem zerlegen abgeraten und "das kann nur ein Fachmann machen, von denen ein kaum noch welche gibt". Mein Kommentar dazu.... Blödsinn, solange die Pumpe nicht neu einstellen muß. Man sollte allerdings genau wissen, wo man was macht um die Einstellungen nicht zu verändern.
Ablauf bei mir:
Pumpe ausbauen, da man sonst nicht wirklich gut rankommt. Ober alternativ um die Pumpe richtig viel Luft zum arbeiten schaffen.
Beim Ausbauen habe ich bei mir die Pumpe zwischen Luftpresser und Spritzmomentversteller getrennt. Dort ist ein Flansch, den ich recht gut anzeichnen konnte. Dieser Flansch ist genaugenommen die Einstellung des Förderbeginns. Also Position genau makiert (mehrfach) um das später wieder genau zusammenbauen zu können.
Ebenfalls beim Lösen der Verschraubung der Einspritzpumpe die genaue Postion der Pumpe makieren.
Vorher muß dann noch die ganze Kraftstoffversorgung, die Gaspedalmimik, eventuell die Handgasverstellung und die Hochdruckleitungen zu den Einspritzdüsen abgeschraubt werden. Ist ein haufen Arbeit. Müßte ich es nochmal machen, würde ich versuchen die ESP eingebaut zu lassen. Ist allerdings dann bei den Folgeschritten Quälerei.
Dann ran an die Pumpe.
Vorab eine gute Info von Saurer. 6 Kästchen machen und diese mit den Zylindernummern versehen. Alle Teile immer so einsortieren, daß alles wieder zum alten Zylinder zurückfindet.
Ach ja und noch eine WICHTIGE Empfehlung. Immer 3 Zylinder machen und dann wieder zusammenbauen. So hat man immer noch die anderen 3 zur Kontolle, wie es zusammen gehört
Als erstes die Überwurfmuttern (wo die Druckleitung drauf montiert ist) oben auf der Einspritzpumpe lösen. Hier habe ich mir auch Makierungen gesetzt, um diese hinterher wieder genau an die richtige Position zu bekommen. Die Besonderheit bei mir, daß dort oben nur ein Vielzahn drauf ist, für den ich keinen Adapter habe. Somit kann ich dieses Teil nicht mit einem Drehmomentschlüssel passend andrehen. Das Teil ausgebaut und gereinigt (ist ein recht unspektakuläres Teil).
Zum reinigen wurde oben schon einiges geschrieben. So richtig lösen tut sich das Zeug eh nicht. Man kann es fast nur fein runterschleifen. Ich selbst habe die Teile immer mit WD 40 eingelegt und damit auch sauber gemacht. Zwischenzeitlich mal mit Bremsenreinger draufhalten. Schadet nicht. Nur habe ich dann, wenn der Bremsenreiniger verfolgen ist, gleich wieder WD40 drauf gemacht. Die Teile müssen allesamt immer ölig/sauber sein.
Als nächstes sieht man von oben die Druckventile, die ein Rücklaufen des Kraftstoffs aus der Hochdruckleitung zurück in die ESP verhindern sollen. Die Feder für das Ventil saß schon oben in der Verschraubung und ist schon weg. Diese Ventile kann man nun nach oben herausziehen. Die Teile hingen bei mir so fest, daß die sich kaum lösen konnten. Hab sie mit einen Schraubendreher fast alle nach oben herausklemmen müssen.
Als nächstes kommt das "Gehäuse" von dem Druckventil. Hier gibt es unterschiede. Entweder das Teil liegt so einfach drin und wird nach oben mittels einer Kunststoffscheibe gedichtet, oder wie bei mir, es ist rundum ein Dichtring zur Seite. Das Teil mir Vorsicht herausnehmen. Wenn dieses nicht geht, kann man es später noch mittels des Pumpkölbchen nach oben drücken.
Als nächstes geht es unten weiter. Seitendeckel der ESP sollte schon ab sein.
WICHTIG: Finger weg von den Alu-farbigen Zahnkränzen der Zahnstange. Dort ist so eine schöne Schraube, die zum spielen verleiten kann. Damit würde man aber die Pumpe verstellen !!!!!Die Federn habe ich auch drin gelassen. Wenn man diese rausnimmt, kommt einen der Zahnkranz entgegen. Auch schlecht....
Also der Pumpkolben wird von der Feder nach unten auf den Bolzen gedrückt, der über die unten liegende Nokenwelle angehoben wird. Hier befindet sich eine Unterlegescheibe, die in den Pumpkolben eingelegt ist und durch die Feder nach unten gedrückt wird. Diese Unterlegscheibe muß raus, um den Pumpkolben nach oben herauszuziehen. Ich habe es so gemacht, daß ich mir zwei Schraubendreher die Feder (incl. eine zweiten U-Scheibe) nach oben gedrückt habe und meine Freundin dann diese U-Scheiber herausgefummelt hat. Die U-Scheibe ist so gebaut, daß sie einen Schlitz zur Seite hat, um sie so von dem Pumpkolben herunterzustreifen. Ist ein wenige fummelei. Ach ja, nicht mit den Fingern unter der Feder herumfummeln.... könnte weh tun....
Federn dann wieder herunterlassen und weiter gehts.
Pumpkolben demontieren.
Als erstes sind seitlich am Gehäuse Schrauben angebracht, die das Gehäuse von dem Pumpkolben gegen verdrehen sichern. Diese (bei mir Imbusschrauben) müssen etwas gelöst werden. Ohne diesese ist ein herausheben nicht möglich.
Als nächstes kann man den Pumpkolben incl. deren Führung nach oben herausnehmen.
Das dumme ist nur, von oben sieht man nur eine Glatte Fläche. In der Mitte des Kolbens ist ein Loch zu sehen. Dort kann eventuell ein Gewinde sein, in dem man eine Schraube eindrehen kann und darüber den Kolben nach oben herausziehen kann. Ich hatte aber das passende Werkzeug nicht, so daß ich den Kolben von unten mit einen Schraubendreher nach oben herausgeschoben habe. Man muß dabei von ziemlich schräg unten nach oben drücken, um oben den Kolben zu bekommen. Es geht aber.
Ach ja, wenn sich die Druckventile nicht herausnehmen lassen habe, werden diese jetzt bei der Aktion mit nach oben herausgeschoben.
Zur Erinnerung: Immer erst nur 3 Stück ausbauen, um die anderen 3 zur Einbaukontrolle zu haben. Die Pumpkölbchen müssen hinterher genau richtigrum eingebaut sein. Sonst klappt es später nicht mehr mit dem Nachbarn .... äh.... Kraftstoff fördern.
So, das war es schon mit dem auseinanderbauen. Außer das Überströmventil, was im Rücklauf der Pumpe sitzt. Dieses kann mit einem Schraubendreher, den man in den Rücklaufleitungsanschluß der Pumpe steckt, herausgedreht werden. Ist eine Schraube mit Feder und eine Kugel. Diese Kugel unbedint sauber machen. Zusätzlich noch den Sitz der Kugel mit sauber machen. Habe hierfür einen kleinen dünnen Senkfräser verwendet und damit mit der Hand die Kanten etwas egalisiert (zweck der sehr wichtigen Abdichtung). Nach dem Einbau hat man einen gewaltigen Unterschied beim Kraftstoffpumpe gehört. Es ist wieder ein richtig schönes feines Surren zu hören, was sich vorher eher gequält angehört hatte.
Als nächste steht der Putztag an.
Bei den Pumpkolben und den Druckventilen hatte ich ja "Totalausfall". Es war kein einziger mehr richtig frei zu bewegen. Alles mit Wiederstand bis zur extremen Verweigerung. Die Teile hatte ich schon ein paar Tage in WD40 eingelegt gehabt. Die Pumpkolben aus der Führungshülse konnte ich aber nur noch mit Hammer und Bolzenaustreiber trennen. Ein paar feste Schläge und die Teile lassen sich trennen. ACHTUNG: Dabei aufpassen, daß man mit dem Bolzenaustreiber nicht die Wandungen der Führungshülse berührt. Man könnte sich sonst da eventuelle Schadstellen in die Führung reinarbeiten.
Jetzt den Bolzen wieder genommen und mit Öl in die Führung rein und drehen und wieter vorarbeiten. Drehen und vorarbeiten, in sofern man es mit dem Widerstand noch schafft. Als Hilfemittel habe mich mir zwei Holzklötze (können das Metall nicht beschädigen) genommen, und den Bolzen unten an den beiden Flügeln gefasst. ACHTUNG: Die Flügel sind wichtig und dürfen auf alle Fälle nicht mechanisch beschädigt werden. Also keine Zange ansetzen !!!
Also drehen und immer wieder rein und raus und nach 10 Minuten ist man durch..... Es ist nicht zu fassen, daß das Teil, was man eben noch mit Gewalt da rausgeschlagen hat, jetzt darin hin und her flutscht, als ob nie etwas gewesen wäre.
Es muß sich also jedes Teil absolut ohne Wiederstand in dem anderen Teil bewege lassen.
Und immer wieder die Teile einsprühen und sauber machen..... Ist was abends für den Fernseher. Aber Wäscheklammer für die Holde nicht vergessen (für deren Nase).....
Als nächstes noch, soweit es geht, das Gehäuse von der ESP außen wie innen sauber machen. Beim Einbau darf kein Schmutz mehr dabei sein. Gewindegänge von den Verschraubungen nicht vergessen. Und immer wieder einölen....
Jetzt alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen. Dabei auf folgendes achten.
- Das Gehäuse von dem Pumpzylinder (hat bei mir ein rundes Loch und einen Langschlitz, wo die Imbusschraube eingedreht werden kann) muß in der richtigen Richtung eingebaut werden. Ebenfalls müssen die Löcher für den Kraftstoffeinlass und Auslass in die richtige Richtung zeigen.
- Die Entlastungsöffnung, die im Pumpkolben von oben sichtbar ist, muß die gleiche Stellung haben wie vorher. Die Flügel von dem Pumpkolben müssen dafür die Führung unten einrasten. Es gibt eigentlich nur zwei mögliche Stellungen. Hier an den noch eingebauten Zylindern orientieren.
- Das Gehäuse von dem Pumpzylinder wir ja durch seitliche Verschraubungen (Imbusschrauben) fixiert. Diese müssen wieder eingedreht werden. Als Empfehlung: Die Imbusschrauben herausdrehen und die Position des Zylinders mittels eines dünnen Schraubendrehers vornehmen um dann mit der Imbusschraube fixieren zu können.
- Druckventile richtig rum einbauen (das Gehäuse vom Druckventil). Kann leicht in der Reichtung verwechselt werden.
- Beim Einlegen der Unterlegescheiben unter der Feder darauf achten, daß diese auf dem unteren Wulst des Pumpkölbchen liegt. Es kann leicht beim einlegen passierne, daß sich das Pumpkölbchen nach oben wegschiebt. Dann liegt die Scheibe darunter und die Pumpe funktioniert nicht. GANZ WICHTIG, wenn die Pumpe eingebaut bleibt, daß dieses nochmals sorgfältig kontrollier wirde. Ein Startversuch würde bei einem Fehler die Pumpe zerstören !!!!!!
- Kontrolle durch drehen der Einspritzpumpe zwischendurch durchführen. Hier ist es natürlich vorteilhaft, wenn die Pumpe ausgebaut ist. Wenn dieses nicht der Fall ist, dann ein Vorderrad anheben, großer Gang rein und mit dem Vorderrad den Motor vorsichtig drehen.
- Kontrolle der Zahnstange. Dazu das Gasgestänge aushängen und den Hebel mit der Hand bewegen. Man sieht die Zahnrädchen sich in der Pumpe bewegen. Diese sollte absolut ohne Wiederstand laufen.
Wenn die Pumpe dann soweit zusammengebaut ist:
- Kraftstoff reinpumpen
- alles entlüften
- nochmals nach offenen Verschraubungen suchen
- sind noch Teile über ????
- und starten mit voller Förderleistung.
- ich hatte noch zusätzlich die Hochdruckleitungen an den Einspritzdüsen gelöst und erstmal Sprit bis dahin gefördert.
- Wenn der Motor dann läuft, und man die Kölbchen seitlich arbeiten sieht.... wie schön....., dann den Seitendeckel nicht vergessen....
So, jetzt hoffe ich, daß es das bei meinem Laster gewesen ist.
Falls jemand noch ein paar weiterführende Infos hat oder ich wichtige Punkte übersehen habe, dann bitte schreiben.
Ach ja, viel Spaß beim werkeln. Und bei dem nächsten Laster, den ich kaufe, werde ich den Deckel von der ESP abschrauben, das Gasgestänge herunternehmen und testen, ob das ganze leichtgängig läuft.....
Gruß Michael
PS.: Ergänzung: Nach der ganzen reinigerei sollte man die Öle in der ESP tauschen. Die Suppe vom saubermachen läuft alle unten in das Kurbelgehäuse und das sollte man mal tauschen (beide, wenn zwei getrennte Ölbehälter wie bei mir vorhanden sind).