Seite 12 von 14

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-05-26 20:31:44
von Lassie
Wir sind es, wir Konsumenten hüben und drüben, die den "Ausbeutern" in Form vom Kauf von deren Produkten überhaupt erst den Grund dazu geben, die Kontinente leerzuräumen und sie im Gegenzug mit Billigprodukten zu überschwemmen.
Servus,
das möchte ich mal unterstreichen, da ich selber mit meiner kleinen Firma Hersteller und Händler bin und eben statt in Fernost hier in Deutschland fertige.
Solange die Kundschaft nur den billigsten Preis will, aber nicht versteht, dass neben Produktions- auch Sozial-, Transport- und Steuerkosten auf ein Produkt kommen, wird es nichts mit sozial gerechter, ökologisch nachhaltiger und möglichst verantwortlicher Fertigung hier in Deutschland.
Die Fernost-Importeure, welche aus einem Lager in Polen oä via Amazon und Konsorten den Markt mit Billigprodukten überschwemmen zahlen halt leider hier in D weder Löhne noch Lohnnebenkosten oder wesentliche Steuern, von Beiträgen fürs Allgemeine Wohl wie Spenden etc. gar nicht zu reden.
Da helfen auch keine grünen Siegelchen, CO2-Kompensationen oder andere scheinheilige Nachhaltigkeitsversprechen, die eh nicht überprüfbar sind.

Nachhaltigkeit beginnt nicht bei den Forderungen bei den Herstellern & Händlern, sondern beim Kaufverhalten der Konsumenten. Wir können da nur Angebote machen und hoffen, dass wir genügend Kunden zum Überleben finden.

Viele Grüße
Jürgen, der einst 20 Jahre in Asien auf der Globalisierungswelle surfte, diese mittlerweile aber recht kritisch sieht.....

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-05-26 23:48:01
von Enzo
Jürgen, das hast du schön geschrieben
Lassie hat geschrieben:
2024-05-26 20:31:44
Jürgen, der einst 20 Jahre in Asien auf der Globalisierungswelle surfte, diese mittlerweile aber recht kritisch sieht...
ich bin mittlerweile ein Freund von Zöllen bis hin zu Einfuhrverboten, wenn diese Wareneinfuhr die heimische Produktion zerstört oder überhaupt den Aufbau einer kleinen Manufaktur verhindert. Dieses muss dann mit entsprechenden Handelsabkommen geregelt sein. Keine Freihandelsabkommen mit unbeschränkten Warenverkehr sondern Handelsabkommen.
Mein konsumreduzierteres und nachhaltigeres Leben in Ecuador ist nicht durch innere Überzeugung entstanden sondern den hiesigen Umständen geschuldet. Aber nach einigen Jahren vermisse ich nichts und stelle erfreut fest, dem Geldbeutel tut's auch gut :D

Gruß Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-05-27 8:07:37
von Kopilotin
Hallo Jens,
vielen Dank für deine tiefen Einblicke ins ecuadorianische/SA-Leben!
Ich freue mich jedes Mal über deine Berichte und lese sie mit Spannung. Ich kann nicht ausschließen, dass wir mal „auf einen Kaffee“ bei dir vorbeischauen, wenn wir unsere Reise auf den amerikanischen Kontinent nächstes Jahr beginnen werden… :D :cool:
Saludos,
Michaela

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-05-27 8:36:40
von Lassie
Mein konsumreduzierteres und nachhaltigeres Leben in Ecuador ist nicht durch innere Überzeugung entstanden sondern den hiesigen Umständen geschuldet. Aber nach einigen Jahren vermisse ich nichts und stelle erfreut fest, dem Geldbeutel tut's auch gut :D
Servus Jens,

das war auch unsere Erfahrung in Ländern wie Indonesien, Bangladesh, Vietnam oder Cambodia - es gibt nicht alles, es gibt es nicht immer, manches ist deutlich teurer wie gewohnt, aber mit etwas Anpassung an die lokale Marktsituation kommt man gut zurecht und vermisst per se nichts.

Vielen Dank für deine Berichte aus Ecuador!
LG Jürgen

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 17:02:23
von Enzo
Moin
mal wieder ein Lebenszeichen aus den nördlichen Anden Ecuadors. Das Land erlebt die schwerste Dürre seit 61 Jahren. Damals vertrocknete die Ernte und Milchkühe/Rindviecher wurden notgeschlachtet. In heutigen Zeiten haben wir zum Glück nur eine Stromkrise. Die wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes liegen trocken und sind fast komplett vom Netz gegangen. Täglich wird der Strom 10-12 Std abgestellt. Die Energiewende 2.0 läuft auf Hochtouren, reicht aber nicht. Die alten Öl-Gaskraftwerke werden ständig repariert und modernisiert. Hunday und MAN haben Dieselgenerstoren geliefert. Ein türkisches Kraftwerksschiff liegt bei Guayaquil vor Anker, zwei weitere sollen folgen. Private Unternehmen mit grossen Generstoren sind aufgefordert ins öffentliche einzuspeisen. Online Registrierung und schon wird ein Zähler gesetzt, jede KWh wird mit 25 Cent vergütet. Öl, Gas, Benzin und Diesel....alles wird verfeuert, Hauptsache am Ende kommt Strom raus.
Der Bau und Betrieb von Wind und Solarparks, meist spanische Unternehmen, verzögert sich immer weiter. Nach zwei-drei Jahren sind die rechtlichen Hürden für das Einspeisen von privaten Strom ins staatliche Netz geklärt, nun verlangen die privaten Investoren Garantien, dass der Strom auch abgenommen und bezahlt wird. Auf einen Vertrag mit der Regierung verlässt sich niemand, würde ich nicht tun :D Jetzt kommt die Weltbank ins Spiel, die soll Bürgschaften übernehmen. Das wird sich der Ausbau von Wind und Solar noch kräftig verzögern. Es gibt ja keine Strombörse auf dem Kontinent und wegen fehlender Übertragungsleitungen und rechtlicher Rahmenbedingungen kann ein privater Investor in Ecuador auch nicht mal eben sein Strom in Kolumbien oder Peru verkaufen. Alles nicht so einfach mit dem Ausbau der regenerativen Energie. Wenn es genügend regnet können die Wasserkraftwerke fast 90% des benötigten Stroms liefern.
Aber immer bewundernswert ist die Gelassenheit der Bevölkerung. Da kann ich viel von lernen. Die Menschen sind einfach krisenerprobt und nehmen es wie es kommt. " Kann man nichts machen, muss halt regnen". Damit ist das Thema erledigt.
Vollmond über dem Vulkan Imbabura
Vollmond über dem Vulkan Imbabura
20240818_183731_wYlLcJXL3h.jpeg
20240828_074355_JOM2aroR6I.jpeg
20240828_070916_sCbpRnvb0Z.jpeg
So sieht der Himmel seit drei Monaten aus. Die Betreiber von Solaranlagen können den ganzen Tag freudig auf ihren Ertragsmonitor schauen, die Betreiber von Wasserkraftwerken können die Tür zumachen und nach Hause gehen.
Die Sicherheitskrise, größtenteils auf einige Provinzen an der Küste beschränkt, hält weiterhin an. Täglich gibt's dutzende von Verhaftungen, aber Justiz und Gefängnisse sind überlastet. Straftäter werden dann nach kurzer Untersuchungshaft wieder nach Hause geschickt. Das frustet natürlich auch die Polizei, die einen guten Job macht. Die Fälle von Selbstjustiz, gerade in indigenen Landkreisen, nehmen zu. Kürzlich wurde ein Straftäter, hatte einen einheimischen LKW Fahrer überfallen und ermordet, von der Bevölkerung gestellt und im zentralen Park nach kurzer "Gerichtsverhandlung" kurzerhand aufgehängt. Die indigene Bevölkerung hat immer noch ihr eigenes Verständnis von Justiz. Gibt natürlich ein juristisches Nachspiel. Die Polizei muss ja nur die Videos in den sozialen Medien auswerten. Bei uns in den nördlichen Anden ist die Sicherheitslage weiterhin gut. Da könnte ich auch in Schleswig-Holstein leben.
Dann hatten zwei deutsche Touristen das Pech, mitten am Äquator von einer Lawine begraben zu werden. Keine Schlamm, sondern Schneelawine. Sind , samt dem Führer, nicht gefunden worden. Am gar nicht weit entfernten Vulkan Cayambe gibt's eine Piste rauf zu einem Refugio auf 4800m, von dort aus marschiert man dann nachts los um bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Dann zügig runter, bevor die Sonne den gefrorenen Schnee antaut. Manchmal gehen solche Besteigungen halt schief und unter ungünstigen Wetterbedingungen können die Bergretter der Feuerwehren dann auch nicht helfen.
Die Subventionen für Normalbenzin wurden wegen der schlechten Finanzlage des Staates komplett gestrichen und ich muss den üblichen internationalen Preis bezahlen. Liegt bei ungefähr 0,62 Euro/Liter.
Die Migration, auch hier immer wieder Thema. Peru hat über Nacht, vor den Wahlen in Venezuela, die Einteisen für Venezulaner verschärft. Nur noch mit gültigen Pass und Visum. Hat natürlich niemand und wer von Chile aus in den Norden oder von Ecuador aus in den Süden möchte, hängt fest. Ecuador hat das Abkommen mit China über das visafreie Reisen einseitig gekündigt. Die Mehrzahl der über 50.000 eingereisten Chinesen dieses Jahr, hat keine ordnungsgemäße Ausreise. Die gehen illegal nach Kolumbien und über den Darien Dschungel weiter nach Panama. Und die USA haben ein Abkommen mit Panama geschlossen, mit dem Ziel, Panama in eine Sackgasse zu verwandeln. Migranten festsetzen und geordnete Rückführung. Einige, von den USA bezahlte, Rückführungsflüge gingen schon nach Kolumbien, Ecuador und Indien. Nur nach Venezuela geht nicht.
Aber es gibt auch erfreulicheres. Mein Hausbau ist abgeschlossen, die letzte Inspektionen vom Bauamt ist glatt gelaufen. Nun habe ich es offiziell. " Das Haus entspricht den genehmigten Plänen und die Ausführung den statischen Anforderungen........" damit bekomme ich auch die hinterlegte Garantiesumme zurück und habe den Papierkram zum Verkauf vollständig.
Danach gings in den verdienten Urlaub. Ein paar Tage an die Küste, mal wieder etwas sauerstoffreichere Luft und das tropische Klima genießen.
20240730_170501_Wm1azTPv6H.jpeg
20240731_123852_5meSDFHk2B.jpeg
Schulbus
Schulbus
20240801_182052_qubKvaJk6k.jpeg
20240801_114157_DocBpjiF88.jpeg
20240801_114253_MWk1nL727I.jpeg
20240801_110520_HCXwCBeT3W.jpeg
20240731_122430_U6fPdmlb8H.jpeg
20240731_123621_7Zyf1IdK0Z.jpeg
Leere Strände und noch intakte Mangrovenwälder dicht an der kolumbianischen Grenze.

Das Beste kommt gerade. Es regnet, die Regenzeit kommt. Vorhin noch blauer Himmel, dann ein leichter Schleier, die Luftfeuchtigkeit stieg von 30 auf 85%, und nun sieht der Himmel ziemlich finster aus. Hoffentlich regnet es auch im östlichen Amazonas-Tiefland, hier stehen keine Wasserkraftwerke. Dafür staubt es nicht mehr und die Waldbrandgefahr ist geringer.
nächtlicher Regen kommt als Schnee runter
nächtlicher Regen kommt als Schnee runter
Unser Landkreis geht von 5000m runter in subtropische 1600m

Woran sieht man, dass die Schul-Kindergartenferien Anfang September zu Ende sind? Zur Rush hour stehen auf den wichtigsten Kreuzung im Einzugsgebiet von Schule und Kindergärten Polizisten. Sie sorgen für einen sicheren Schulweg. Verkehrserziehung incl. Anschiss gibt's auch. Sowohl für die Kids als auch die Autofahrer :D Da geht halt auch die grosse 6 jährige Schülerin mit ihren 2 kleineren Brüdern an der Hand alleine nach Hause.
20240927_123920_eB7S7v8v57.jpeg
Ab 21 Juni gab's, wie jedes Jahr, die wichtigsten Feierlichkeiten. Inti Raimi, das alte Inka Sonnenfest. 2 Wochen geht dann so gut wie nichts :D
20240624_120706_HTaqChgq06.jpeg
20240624_115946_cGNdHUi66W.jpeg
20240624_114523_OjE3DCJc0o.jpeg
Hat hier in Cotacachi immer etwas kriegerisches. Die Besetzung der Plaza mit der katholischen Kirche erinnert daran, dass diese auf indigenem heiligen Land errichtet wurde. Der letzte Tag der Feierlichkeiten, immer ein Montag, ist den Frauen vorbehalten. Dann ziehen diese aus den umliegenden Bergen mit viel Musik, Tanz und Alkohol zur Plaza und es wird lange und fröhlich getanzt. Zum Schluss dürfen dann auch die Männer mitmachen.

Grüße aus Cotacachi

Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 17:25:50
von grijo
Vielen Dank für den Bericht

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 17:48:29
von fridolin_22
Bei dem Symbol auf dem Hut auf dem vorletzten Foto musste ich kurz zweimal hinsehen... :huh:

Gruß
Marc

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 18:33:07
von buckdanny
fridolin_22 hat geschrieben:
2024-09-29 17:48:29
Bei dem Symbol auf dem Hut auf dem vorletzten Foto musste ich kurz zweimal hinsehen... :huh:

Gruß
Marc
Swastika ist weltweit verbreitet, Adolf sein Modell ist um 45° gedreht.

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 18:35:07
von buckdanny
fridolin_22 hat geschrieben:
2024-09-29 17:48:29
Bei dem Symbol auf dem Hut auf dem vorletzten Foto musste ich kurz zweimal hinsehen... :huh:

Gruß
Marc
Swastika ist weltweit verbreitet, Adolf sein Modell ist um 45° gedreht.

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 19:03:07
von fridolin_22
buckdanny hat geschrieben:
2024-09-29 18:35:07
fridolin_22 hat geschrieben:
2024-09-29 17:48:29
Bei dem Symbol auf dem Hut auf dem vorletzten Foto musste ich kurz zweimal hinsehen... :huh:

Gruß
Marc
Swastika ist weltweit verbreitet, Adolf sein Modell ist um 45° gedreht.
Drum habe ich ja 2x hinsehen müssen. Neben den 45° gehört das auch gespiegelt...

Gruß
Marc

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-09-29 20:38:52
von Enzo
fridolin_22 hat geschrieben:
2024-09-29 19:03:07
buckdanny hat geschrieben:
2024-09-29 18:35:07
fridolin_22 hat geschrieben:
2024-09-29 17:48:29
Bei dem Symbol auf dem Hut auf dem vorletzten Foto musste ich kurz zweimal hinsehen... :huh:

Gruß
Marc
Swastika ist weltweit verbreitet, Adolf sein Modell ist um 45° gedreht.
Drum habe ich ja 2x hinsehen müssen. Neben den 45° gehört das auch gespiegelt...

Gruß
Marc
Ich habe das erste Mal vor Jahren auch irritiert geguckt, zumal das Kreuz in beiden Varianten verwendet wird. Die Bedeutung konnte mir bisher kein Hutträger erklären. Evtl sollte ich jemanden fragen, der nicht gerade feiert und der Sprache kaum noch mächtig ist :joke:

Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-07 16:47:51
von Enzo
Moin
endlich.....die Regenzeit ist gekommen. Bei uns hat es die letzten 7 Nächte kräftig geregnet und auch im östlichen Tiefland ist die Dürre vorbei. Die Wasserkraftwerke können wieder eingeschränkt arbeiten und die nächsten Tage wird der Strom nur 2-4 Std täglich abgeschaltet. Es geht voran :D
Da hat dieses Land zu 100% auf Wasserkraft gesetzt und muss nun feststellen, ohne eine zweite, wetterunabhängige, immer betriebsbereite Backup Infrastruktur geht's nicht. Das macht dann auch den Kostenvorteil der erneuerbaren Energien zunichte. Und nur darum ging es bei dem Bau der Wasserkraftwerke. Hatte so gar nichts mit Co2 Emissionen und Klimawandel zu tun. Bin gespannt wohin die Stromreise geht. Noch ein wenig Wind, Sonne und Wasserkraft. Dazu Geothermie und höchste Priorität hat die Erneuerung und Modernisierung der alten Gaskraftwerke. In Verbindung damit soll ein grosses Gasfeld im Golf von Guayaquil erschlossen werden. Damit soll dann eine, über das Jahr gesicherte, Stromversorgung gewährleistet sein.
Für mich recht spannend, diese Stromentwicklung. Als wir nach Ecuador kamen stand das letzte von 14 Wasserkraftwerken vor der Fertigstellung und das Land schwelgte im Stromüberschuss. Elektrische Durchlauferhitzer und Induktionsherde wurden subventioniert. Nun ist man froh, jederzeit auf Gas zu kochen können :D

Gruß Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-25 16:25:40
von Enzo
Moin, zu früh gefreut. :frust:
Nichts mit Regenzeit. Kaum angefangen und schon vorbei. Es herrscht wieder sommerlich trockenes Wetter Bei uns in der Sierra war der Regen erst einmal ausreichend, im östlichen Tiefland nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dort spricht man nun von über drei Monaten Dürre. Peru, Ecuador, Kolumbien vermelden aufs Neue historische Tiefstände der Flüsse. Auch dies sind wichtige Zuflüsse des Amazonas. Besserung nicht in Sicht.
Klar, El Niño war heftig dieses Jahr, aber es mehren sich die Stimmen, ob durch schon zu grosse Regenwaldzerstörung das natürliche System aus den Fugen geraten ist. Passend dazu, dieses Jahr auch historische Höchststände der durch Brände zerstörten Regenwaldflächen. Meist durch Brandrodung entstanden. Betroffen sind vor allem Brasilien und Bolivien.
Die Wasserkraftwerke dümpeln herum und gehen zeitweise ganz vom Netz. Also wieder 8-10 Std täglich Stromabschaltungen. So schnell wird es sich nicht ändern. Wir und der halbe Kontinent hoffen auf die grosse Regenzeit ab Dezember im Tiefland.....abwarten.
Aber es geht immer noch schlimmer, siehe Cuba :positiv:

Bis Ende des 1 Quartals 2025 sollen die jetzigen Einkaufsmassnahmen greifen und die Stromerzeugung mit Öl und Diesel kräftig gesteigert sein.
Unser Haus ist noch nicht verkauft, aber die Nachfrage ist, trotz der hiesigen Probleme, vorhanden. Einige Interessenten sind schon aus den USA angereist. Müssen nur ihr Haus den Staaten vorher verkaufen. Aber nun ist die Wahl, vorher geht nichts. Kommen mir alle ein wenig gelähmt vor.
Gerade wurde beschlossen, bei Kauf eines Stromerzeugers oder Solarpanelen entfällt die Mehrwertsteuer. Trotzdem kostet das gesamte Solarzeugs mehr als das doppelte als in Spanien. Da hatte ich zuletzt die Preise studiert. Extrem sind die Preise bei Speichern/ Batterien. Ich wollte mal wieder vernünftige Aufbaubaubatterien installieren. 2× 200Ah Gel.
Bei Kosten von 1050,00 US Dollar nahm ich Abstand von dem Vorhaben. 2×100Ah Lithium kostet dann noch mal fast das Doppelte. Aber zur Zeit ist das Land eh leergekauft. Solarpanele, Speicher oder Inverter......kaum noch zu bekommen. Nicht weil es sich in irgendeiner Form finanziell rechnet, nur damit überhaupt Strom vorhanden ist. Mein alter Mastervolt Wechselrichter, vom Baujahr her absolut H tauglich :D, musste noch nie so viel arbeiten. Läuft nun 12-14 Std täglich ununterbrochen.
Kürzlich wurden die Zulassungszahlen für Neufahrzeuge veröffentlicht. In einem insgesamt schwächelnden Automarkt legen die Elektrofahrzeuge, auch Hybride zählen dazu, deutlich zu. Mittlerweile haben sie 14% Marktanteil. Reine E Fahrzeuge liegen bei 2%. BYD konnte seine Verkaufszahlen, im Vergleich zum letzten Jahr, verdoppeln.
Befreit von Einfuhr und Luxussteuer, sowie Mehrwertsteuerbefreit kommt da eine gewaltige staatliche Förderung zusammen. Das Einstiegsmodell, der Dolphin mit 400km Reichweite, würde sonst statt 20.000$ mehr als 30.000$ kosten. Der Strom für E Fahrzeuge wird auch noch subventioniert. Eine Akkuladung für 400km kostet rund 2,00 US Dollar. Das ist eine Hausnummer. Fehlt nur noch der Strom :D
Aber schon erstaunlich für ein Land wie Ecuador, dass keine ambitionierte Klimapolitik in der Agenda hat und Klimawandel/Neutralität so überhaupt kein Thema sind. Nicht in der Bevölkerung, den Medien und der Politik. Solche Maßnahmen würde ich dann eher von Ländern erwarten, die mit einer ambitionierten Klimapolitik daherkommen.
Auch ohne öffentliche Diskussion weiß die Regierung, niemand kauft aus Gründen der Klimaneutralität ein Elektroauto.Dazu bedarf es handfesterer Argumente. In Quito sind die E Fahrzeuge von der Pico/Placa Regelung ausgenommen. Zur den Stosszeiten morgens und abends dürfen den einen Tag nur Fahrzeuge mit geradem Kennzeichen fahren, den anderen Tag ist nur ungerades Kennzeichen erlaubt. Und das Parken auf den öffentlichen, sonst kostenpflichtigen Parkplätzen, ist kostenlos.
Auf der letzten Automobilmesse war Renault mit 4 rein elektrischen Modellen am Start. Die haben sich was vorgenommen. Genießen hier einen ausgezeichneten Ruf und können preislich gut in der asiatischen Liga mitspielen. Die Fahrzeuge werden, wie die Mehrzahl der hiesigen Fahrzeuge, in China produziert. Bin gespannt ob Renault der Firma BYD paroli bieten kann. Auch Chevi hat sein Montagewerk in Quito geschlossen und den beliefert den Markt von China aus. Der Trend ist eindeutig.
Auf einer grossen Mülldeponie in Quito hat der spanische Betreiber die Methan Rückgewinnungsanlage fertig gestellt und liefert Strom für 40.000 Haushalte. Desweiteren finanziert Japan das erste Geothermie Kraftwerk, nicht weit entfernt. Kein riesen Kraftwerk aber ein Anfang. Allen ist klar, daß Land braucht neben der Wasserkraft eine dezentrale Stromerzeugung, möglichst mit Wind, Solar, Biomasse und Geothermie. Aber ohne ausländische Investoren/Entwicklungsbanken finanziell nicht zu bewerkstelligen.
Haus fertig, höchstens mal Staubwischen und Rasen mähen, Geld erfolgreich versenkt, kann das Jahr ruhig ausklingen. Zeit, diverse angefangene Arbeiten bei uns auf dem Grundstück zu Ende zu bringen. Ein neues Bauprojekt will ich nicht anfangen, der hiesige Grundstücksmarkt ist mir jetzt zu teuer geworden. 40.000 -45.000 Dollar für ein unerschlossenes 400m2 Grundstück in bescheidener Lage. Da hört es auf, das macht die Bauerei unwirtschaftlich. Mehr als 120-130.000$ für ein schlüsselfertiges Haus mit 125 m2 gibt der Markt nicht her. Zinsen sind weiterhin unverändert. Baufinanzierug liegt bei 13%. Dafür gibt's, wie schon die letzten 10 Jahre, 9,5-10,5 % Zinsen für einjährige Spareinlagen. Steuerfrei und bei einer Inflationsrate unter 1% durchaus lukrativ. Wird nur für Anleger immer schwieriger Gelder zu transferieren. Staat und Banken versuchen die Geldströme der organisierten Kriminalität trocken zu legen. Ein Freund von mir, regelmäßig in Ecuador, hat sich 5000.00 Dollar von seinem deutschen Konto auf sein hiesiges überwiesen. Das Geld ging wieder zurück. Ohne Herkunftsnachweis, natürlich notariell beglaubigt und ins spanische übersetzt, geht es nicht.
Das ganze Jahr über haben wir uns an unseren Zitronen, Bananen und Apfelsinen erfreut. Nun soll es abwechslungsreicher werden. Hochbeet und Spaliere gebaut. Taxo, Maracuya, Wein gepflanz. Apfelbaum und Blaubeerbüsche, dazu Erdbeeren und Salat. Aber ein Granatapfel hängt an unserem Baum und der Avocadobaum blüht zum ersten Mal. Vom Klima her, kann man alles pflanzen, was auch aus Deutschland bekannt ist. Dazu Gewächse, wie man sie aus Südeuropa kennt und dann noch eher subtropisches Zeugs. Im Gegensatz zu Deutschland hat man 12 Monate im Jahr Erntezeit.
Vorgestern die neuen Stromausfallpläne, weiterhin 8-10 Std täglich, bekommen. Die haben schon einen Plan bis Ende November. Erstaunlich, so viel Plan ist völlig ungewohnt, kennen wir gar nicht :joke:
Aber heute ist die Welt wieder in Ordung, der Strom muss 14 Std täglich abgeschaltet werden. Neuer Plan :D
Gibt jetzt eine Vereinbarung mit der Industrie und den Arbeitnehmern. 4 Tage Woche mit jeweils 10 Std Arbeitszeit. Manche Betriebe arbeiten von Montag bis Donnerstag, andere von Donnerstag bis Sonntag. Damit kann der Stromverbrauch besser verteilt werden. Solcherlei Entscheidungen sind ganz fix getroffen, da sind alle Beteiligten sehr flexibel.
Ab morgen wird bei uns von 7.00-14.00 und von 17.00-24.00
der Strom abgestellt. Also Wechselrichter.....halte durch :D

Gruß aus dem sonnigen Cotacachi


Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-25 16:35:24
von Der Initiator
Enzo hat geschrieben:
2024-10-25 16:25:40
Aber schon erstaunlich für ein Land wie Ecuador, dass keine ambitionierte Klimapolitik in der Agenda hat und Klimawandel/Neutralität so überhaupt kein Thema sind. Nicht in der Bevölkerung, den Medien und der Politik.
Hm...Zugleich schreibst du
Enzo hat geschrieben:
2024-10-25 16:25:40
Befreit von Einfuhr und Luxussteuer, sowie Mehrwertsteuerbefreit kommt da eine gewaltige staatliche Förderung zusammen. Das Einstiegsmodell, der Dolphin mit 400km Reichweite, würde sonst statt 20.000$ mehr als 30.000$ kosten. Der Strom für E Fahrzeuge wird auch noch subventioniert.
usw. Passt irgendwie nicht, wer macht denn dort Steuern und Subventionen, wenn nicht die Politik?

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-26 0:53:32
von Seebser
Ich habe die Aussage so verstanden, dass Ecuador ohne viel darüber zu reden die E.Mobilität massiv unterstützt, während andere Länder die Medial und in der Politik viel Umweltschutz propagieren sehr viel weniger machen.

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-26 13:55:07
von Enzo
Einige politischen Entscheidungen sind äusseren Umständen geschuldet, andere kann ich mir nicht erklären, weil tatsächlich nicht so viel geredet, erklärt und debattiert wird. Da geht's eher norddeutsch zu "nicht lange schnacken, Kopf in Nacken" :joke:
Die Subventionen für Super und Normalbenzin wurden auf Druck des IWFs abgeschafft. Sonst keine neuen Kredite. Die zollfreie Einfuhr von Elektrofahrzeugen ist dem Handelsabkommen mit China geschuldet. Dafür kann Ecuador dann Garnelen und Thunfisch, so viel es will, zollfrei nach China exportieren, also sehr vereinfacht ausgedrückt.
Warum ein reines E-Fahrzeug zudem von Luxus und Mehrwertsteuer befreit ist, keine Ahnung. Bisher hat sich noch keiner medienwirksam hingestellt und dies als Beitrag zur Klimaneutralität angepriesen. Evtl ist es mal in einem Nebensatz erwähnt worden und ich habe es nicht mitbekommen. Oder es ist noch Bestandteil des alten großen Planes. Produktion von günstigen Strom aus Wasserkraft, Subventionierung von "Stromfressern", wenn es dazu beiträgt den Verbrauch von subventionierten fossilen Energien zu senken. Kostet den Staat unter dem Strich deutlich weniger. Aber nun sind die Subventionen für Benzin eh gestrichen und die Wasserkraftwerke liegen trocken.
Egal........ Steuerbefreiungen sind immer gut :joke: auch wenn ich nun nicht gerade der Käufer eines neuen Autos bin. Und nächstes Jahr bin ich "altersbedingt" auch mehrwertsteuerbefreit und das Benzin wird wieder günstiger :D

Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-26 15:38:33
von Landei
Enzo hat geschrieben:
2024-10-26 13:55:07
Und nächstes Jahr bin ich "altersbedingt" auch mehrwertsteuerbefreit und das Benzin wird wieder günstiger :D

Jens

Das wäre doch mal etwas für das Wahlprogramm der „Grauen Panther“ :joke:

(und dann kommt die MWSt Befreiung, —außer auf Pürierstäbe, Kukident und Hoseneinlagen… :ninja: )


Der Traktionswechsel ohne großes Geschmeiß drumherum klingt interessant, wenn auch recht widersprüchlich. Ich würde ja schon gerne mal in 50 Jahren vorbeischauen, wie sich die unterschiedlichen Herangehensweisen an Änderungen auf der Welt letztlich ausgewirkt haben werden.
Wenn sich Reichsbürger beharrlich über 100 Jahre halten (und gefühlt auch noch vermehren?) , dann gibt es in 50 Jahren bestimmt auch Fossilbürger :D .

Ich drücke deinem Wechselrichter die Daumen!

Jochen

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-26 16:50:16
von Enzo
Landei hat geschrieben:
2024-10-26 15:38:33
wenn auch recht widersprüchlich
Genauso ist es
Landei hat geschrieben:
2024-10-26 15:38:33
Das wäre doch mal etwas für das Wahlprogramm der „Grauen Panther“
Dann aber auch als Ausgleich die Ausgaben des Sozialstaats auf Null setzten. Dies gäbe dann auch finanziellen Spielraum für die Mehrwertsteuerbefreiung der Rentner.

Schönes Wochenende

Jens

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2024-10-27 11:04:35
von Joe
Moin,

danke für die Infos und Fotos. Und natürlich die Einblicke in Land und Leute.
lg
Joe

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 17:05:58
von Enzo
Moin,

mal eine etwas längere Zusammenfassung der letzten Monate.
Seit Weihnachten letzten Jahres haben wir wieder durchgängig Strom. Der Anteil der Wasserkraft am Strommix stieg von 30% auf 85%. Die Regenzeit traf ein. Allerdings so heftig das im südlichen Ecuador "Land unter" herrschte. Viele Straßen, Brücken gesperrt, teilweise zerstört. Erdrutsche waren an der Tagesordung, selbst im Juli gab es noch Erdrutsche und zerstörte Straßen in den östlichen Andenabhängen. Bei uns in den Anden ist nun endlich der Sommer angekommen....Trockenzeit. Viel Sonne, ab mittags Wind und volle UV Dröhnung. Die Temperaturen erreichten 27 Grad, Hitzealarm in den Anden. Aber es ist bisher das mit Abstand kälteste Jahr, dass wir am Äquator erleben.
20250706_085447 (2).jpeg
20250715_062700 (2).jpeg
Und ich habe mir noch Land auf 3000m Höhe angesehen. Pinien und Zypressenwälder, ein kleines Paradies. Lüneburger Heide......
Aber bei der jetzigen Wetterentwicklung wird es mir dort zu kalt.
20250617_110502 (2).jpeg
20250617_100922 (2).jpeg
20250617_110701 (2).jpeg
Dann lieber ein paar Hundert Meter tiefer. Aber dort gibt's Mücken, von denen wir auf 2500m verschont sind. Keine Moskitos, Bremsen oder Zecken, hat auch was.
In der Küstenstadt Guayaquil wurden an mehreren Tagen Temperaturen unterhalb von 22 Grad gemessen. Eine neue Jahrhundert Kälte :D Zur Wahrheit gehört aber auch, dass 50% der Schnee und Eiskappen der Vulkane in den letzten 50 Jahren verschwunden sind und letztes Jahr der erste Gletscher Ecuadors für tot erklärt wurde.
Die fossilen Kraftwerke werden weiterhin erneuert und ausgebaut, auch schon lange im Bau befindliche Wasserkraftwerke gingen in den Betrieb. In der Hinsicht muss aber noch viel mehr passieren, die nächste Dürre kommt bestimmt und der jährliche Stromverbrauch steigt gewaltig. In spätestens 10 Jahren hat er sich verdoppelt.
Von Solarparks, trotz einiger Verträge, ist weiterhin nichts zu sehen. Viele Hürden wurden aus dem Weg geräumt, die Lateinamerikanische Entwicklungsbank bürgt den Investoren gegenüber, aber nun gehts um den Strompreis. Der liegt über den jetzigen 10 Cent bei internationalen Investoren mit jährlicher Gewinnausschüttung. Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke. Man möchte sich nicht von noch einer wetterabhängigen Stromerzeugung abhängig machen. Mal schauen wohin die Reise geht. Grundsätzlich besteht die Überzeugung, ein günstiger Strompreis ist die Grundlage für Wirtschaftswachstum und Wohlstand.
Auf Grund der niedrigen Ölpreise fehlen Staatseinnahmen. Der "nicht erdölbasierte Export" wird immer stärker. Nun sind eine ganze Reihe an Minenprojekten vergeben worden. Gold und Kupfer laufen besser als Öl. Aber gerade diese Minen benötigen grosse Mengen an Strom und sollen zukünftig ihren Strom selber produzieren. Auch wurde der Industriestrompreis je nach Branche erhöht. Liegt nun bei 10-12 Cent/KWh. Als Entschädigung für die Stromausfälle brauchte ich als kleiner Kunde, weniger als 110 KWh monatlich, von Januar bis März nur die Grundgebühr und Netztentgelte bezahlen.
1,50/Monat. Dazu noch die 2 Dollar monatlich für unsere Feuerwehr.
Das spannendste Ereignis diese Jahr waren Präsidentschaftswahlen. Überraschend deutlich gewann der bisherige Präsident Noboa mit seinem bürgerlich/konservativen Bündnis. Trotz Strom und Sicherheitskrise, trotz wirtschaftlicher Stagnation und Kürzung von Subventionen. Die linke Präsidentschaftskandidatin Gonzales und der Ex Präsi Correa machten entscheidende Fehler. Correa in seinem belgischen Asyl, immer noch Anführer der linken Bewegung und ein enger Mitarbeiter Maduros, zog in einem Interview mit dem russischen Fernsehen die "Dollarisierung" Ecuadors in Zweifel und Gonzales positionierte sich dicht, für viele zu dicht, neben Maduro und Ortega. Venezuela und Nicaragua, die leuchtenden Beispiele des "Sozialismus des 21 Jahrhunderts". Das ging dann auch den Wählern des indigenen Kandidaten, im ersten Wahlgang immerhin entscheidende 5%, zu weit. Obwohl ein linkes Bündnis mit Gonzales bestand, lief die indigene Wählerschaft zu Noboa über. Der Linksruck in Südamerika scheint allgemein vorbei. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Inflation, innere Sicherheit und Korruptionsbekämpfung gehören nicht zu den Kernkompetenzen dieser Bewegung. Ein wenig neidisch schaute ich auf die vielen Auslandsecuadorianer. Jeder ist im zentralen Wahlregister digital registriert. Da weiss die Wahlleitung, in Madrid leben 70.000 Wahlberechtigte, da eröffnen wir 5 Wahllokale. In Valencia reicht ein Wahllokal für die 1500 Wähler. In den USA leben 600.000 Wähler, da Bedarf es einiger Wahllokale mehr.
Schon bei normalen Fristen ist ein logistischer und finazieller Aufwand ( DHL Express, UPS usw.) an einer Bundestagswahl teilzunehmen. Bei der letzten ging, trotz Auswärtigen Amt und Botschaft, gar nichts.
Die Wahl Trumps zum US Präsidenten schlug keine grossen Wellen. Man nimmt es wie es kommt und Noboa hat einen recht guten Draht ins Weisse Haus. Unter Biden lief ja auch nicht so viel.
Auch wenn die Entwicklungshilfe Projekte eingestellt wurden und in der US Latinogemeinde grosse Verunsicherung herrscht, geht die amerikanische Unterstützung im Sicherheitsbereich weiter und es wurden bisher viel weniger Ecuadorianer abgeschoben als in den Jahren zuvor unter Biden. Die amerikanische Marine operiert in internationalen Gewässern rund um die Galapagos Inseln und hat auch die Genehmigung sich in den nationalen ecuadorianischen Gewässern aufzuhalten. Dort darf sie jedoch keine Schiffe aufbringen, sondern muss die ecuadorianische Küstenwache anfordern. Je stärker in den Häfen kontrolliert wird, desto häufiger wird das Kokain auf hoher See auf Containerschiffe umgeladen. Darüber hinaus gibt es finanzielle und technische Unterstützung. Nach langem Drängen stehen die beiden größten ecuadorianischen Banden nun auf der amerikanischen Terrorliste.
Im US Zollchaos wurden 15% Zölle festgelegt. Ecuador hat die 40% Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus US Amerikanischer Produktion kräftig gesenkt. Allerdings beliefern amerikanische Hersteller den ecuadorianischen Markt grösstenteils aus Werken in China und Südkorea. Eine grosse Sorge ist das Ausbleiben der vielen Milliarden US Dollar, die jährlich von den US Auslandsecuadorianern nach Ecuador überwiesen werden. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ich kenne kaum einen Ecuadorianer, der keine Verwandschaft in den USA hat. Viele Latinos trauen sich nicht zur Arbeit, der amerikanische Bau und Aggrarsektor leidet gewaltig. Baustellen stehen still und die Ernte verrottet auf den Feldern. Ersatz für die Latinos gibt's nicht.
Unser Präsident tourt viel im Ausland herum. Wirbt um Investoren, Exporte ecuadorianischer Produkte, Partner im Kampf gegen die internationale organisierte Kriminalität und die legale Migration von Ecuadorianern ist Thema. Die üblichen Länder sind die USA, China, Spanien, Italien, Israel und die Golfstaaten. Mit China wurde eine verstärkte wirtschaftliche Zusammarbeit im Rahmen des Handelsabkommens vereinbart und ein Handelsabkommen mit Südkorea wurde im August ratifiziert. Auch mit Kanada liegt ein fast unterschriftsreifes Abkommen vor. Mit der EU besteht eh schon länger ein Abkommen. Nun tourt eine Delegation durch Japan. Das Land will sich wirtschaftlich einfach breiter aufstellen. Keine einseitigen Abhängigkeiten von den USA oder China. Ecuador bemühte sich schon seit Jahren um ein Handelsabkommen mit den USA, diese Bemühungen wurden nun eingestellt. Lieber Unabhängigkeit als ein beschissenes Abkommen. Wichtig bleibt die Wirtschaftsgemeinschaft "Comunidad Andina", die Andengemeinschaft. Gegründet nach dem Vorbild der EG. Freier Handel, Reiseerleichterungen und mehr internationale Zusammenarbeit. Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gehören dazu. Themen sind zur Zeit die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich und ein gemeinsamer Strommarkt. Ich kannte diesen Staatenverbund überhaupt nicht. Mir fiel nur auf, dass auf ecuadorianischen Reisepässen neben Ecuador auch "Comunidad Andina" steht. Das letzte mal, als ich von Deutschland kommend in Quito ankam, bildeten sich größere Schlangen bei der Migración für internationale Einreisen. Kurzerhand raus aus der Schlange und scharf links abgebogen. Kurs zum verweisten Schalter der Comunidad Andina. Der Beamte guckt meinen deutschen Reisepass an, dann mich......seit wann ist Deutschland Mitglied der Comunidad Andina? :D "Deutschland nicht, aber ich lebe in Ecuador und bin Bürger der Andengemeinschaft". "Ja dann Herzlich Willkommen in Ecuador" und schon war die schnelle Einreise erledigt.
Mit Spanien läuft ein vielversprechendes Abkommen für ecuadorianische Saisonarbeiter. Mit Italen gibt's ein neues Abkommen zum erleichterten Zugang von Studenten und Arbeitsvisa. Da werden zukünftig noch viel mehr Ecuadorianer ihr Glück in Spanien und Italien suchen. Ist halt kulturell und sprachlich wesentlich einfacher als Deutschland. Die dortigen, derzeitigen Verhältnisse sind für Facharbeiter aus Drittländern nicht besonders attraktiv. Die USA als Migrationsland stehen nach wie vor ganz oben auf der Liste.
Aber mir hat Trump den Verkauf unseres Hauses vermasselt. Seine Politik der allgemeinen Verunsicherung führt dazu, dass wir viele entscheidungslose Interessenten haben. Die sind zur Zeit völlig "durch den Wind". Der Immobilienmarkt steht recht still zur Zeit in Cotacachi. Und nicht nur dort. Auch in anderen US amerikanischen Hochburgen.
Gerade hat Spanien angekündigt 600 Mio Dollar in Solarparks in Ecuador zu investieren. Hängt wohl mit den neuen EU Klimaregeln zusammen, was die Errichtung von Solaranlagen in Drittländern betrifft. Auch China will 400 Mio Dollar in Solarparks investieren. Den Chinesen traue ich noch am ehesten zu, etwas zeitnah auf die Beine zu stellen. Das chinesische Interesse liegt sicherlich am ecuadorianischen Strommarkt. In Peru sind 60% Prozent des Strommarktes in chinesischer Hand. Chinesische Autobauer besitzen schon Flächen in direkter Nachbarschaft des neuen chinesischen Hafens an der peruanischen Küste. Dort sollen
Montagewerke entstehen und die chinesischen Autobauer bekommen den Strom zum Vorzugspreis. Aber auch für Ecuador ist der neue Hafen von Vorteil. Ecuador-Peru-China, die neue Route im Rahmen der Seidenstrasse verkürzt die Lieferketten gewaltig. Ecuadorianische Exporte nach China sind im Aufwind, dass Handelsabkommen tut sein übriges. Die Paketflut von diversen Online Plattformen ( Temu, Shein, Amazon usw.) wurde kräftig eingedämmt. Keine Zollfreiheit mehr für Pakete mit einem Warenwert unterhalb von 400$. Zum Schutz der regionalen Händler und der heimischen Industrie. 57% aller Fahrzeug Neuzulassungen stammen aus chinesischer Produktion. Tendenz weiter steigend. Als wir uns vor 10 Jahren in Ecuador niederließen waren es 3,5%. Ich bin immer noch erstaunt, wie schnell sich der Automarkt verändert. Zumeist Benziner und Hybride. Nur im Segment der Pickups kommen immer mehr Dieselfahrzeuge auf den Markt. Da sind die chinesischen Motorenentwickler fleißig am Arbeiten. Es befinden sich auch häufig Motoren von Isuzu oder Mitsubishi unter der Motorhaube. Aber der am stärksten wachsende Markt, auf geringem Niveau, sind reine E Fahrzeuge. 50% der verkauften Elektrofahrzeuge entfallen auf BYD. Danach folgen Kia und Chevi. Das Angebot von E Fahrzeugen im Preissegment zwischen 17.000-25.000$ wird ständig größer. Meist mit Reichweiten zwischen 300-400km. Volkswagen hat konsequenterweise keine Elektrofahrzeuge im Programm. Im LKW Sektor entwickelt sich Sinotruk zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber für Hino. Von der leichten bis zur schweren Klasse, Sinotruk führt die Verkaufszahlen an. Die LKWs genießen einen sehr guten Ruf und das Servicenetz wird immer dichter. Da scheint die enge Zusammenarbeit mit MAN China zu fruchten.
Die Wirtschaft wächst mit gut 3% recht kräftig, die Inflation liegt bei 0,7% und es wurde im ersten Halbjahr ein noch nie dagewesener Exportüberschuss erzielt. Bananen, Thunfisch, Garnelen, Kaffee, Kakao, Schnittblumen, Blaubeeren und immer mehr Gemüsezeugs. Brokkoli oder Blumenkohl für die USA und die EU. Keine Jahreszeiten, keine beheizten Treibhäuser, das Grünzeugs wächst immer. Ideale Standortbedingungen. Das grösste Problem bleibt die Sicherheitskrise. Der Kampf um die Vertriebswege des kolumbianischen Kokains, ein grosser Teil nach Europa, fordert täglich viele Opfer. Unter Pedros Friedenspolitik in Kolumbien haben die Narcos der ELN, Farc und wie sie alle heißen ihren Einfluss gewaltig ausgebaut und können sich fast ungestört, gerade in den Grenzprovinzen zu Ecuador, austoben. Rund 600km Grenze stehen unter der Kontrolle der Narcos. Viel kolumbianische Unterstützung kann Ecuador zur Zeit nicht erwarten. Die Stimmung zwischen den beiden Präsidenten ist "frostig". Nächstes Jahr sind in Kolumbien Präsidentschaftswahlen und der sehr aussichtsreiche konservative Kandidat starb jetzt an Verletzungen eine Attentates. Mutmaßlich angeordnet durch Farc Dissidenten. Dieser Kandidat hatte einen härteren Kurs gegen die Paramilitärs angekündigt. Hier im Norden leben viele geflüchtete Kolumbianer. Sollte die Gewalt in Kolumbien weiter eskalieren, dann kommen mit Sicherheit noch viele dazu. Letzte Woche unterhielt ich mich mit einem Kolumbianer. Lebt seit kurzem mit seiner Familie in Cotacachi. Hat sich 3 Hektar Land auf einer benachbarten Hacienda gepachtet und produziert Tomaten/Paprika. Sein Land in Kolumbien musste er verlassen, weil er sich weigerte Coca anzubauen. Auf der Finca von Freunden arbeiten zwei kolumbianische Brüder. Sie konnten mit Hilfe des UN Flüchtlingshilfwerk ihre konfliktreiche Provinz verlassen. Wurden an einem sicheren Ort untergebracht, bis die Papiere für Ecuador fertig waren und wurden dann zur Grenze gebracht. In Ecuador gilt Kolumbien nicht als sicheres Herkunftsland.
Ein großes Problem ist der stark gestiegene Goldpreis für die innere Sicherheit. Illegale Goldminen werden attraktiver. Die Narcos investieren ihr Geld in modernes Equipment zur Goldgewinnung. Illegales Gold lässt sich viel einfacher den internationalen Märkten zuführen als Drogengeld. Ein Millardengeschäft mit zur Zeit 1500 Hektar zerstörten Regenwald in Ecuador. Im Vergleich zu Peru noch sehr wenig, aber trotzdem. Kürzlich geriet eine Militärpatroullie auf dem Weg zu einer Goldmine in den Hinterhalt der "kolumbianischen Grenzkommandos" und 11 ecuadorianische Soldaten wurden getötet. Nun operieren dort unten Spezialeinheiten der Armee, unterstützt durch Drohnen und den gerade von Airbus gelieferten Mehrzweck Hubschraubern. Eigentlich eher für Katastrophenfälle gedacht, steht nun die militärische Nutzung im Vordergrund. Damit soll das immer weitere Eindringen von kolumbianischen Paramilitärs nach Ecuador eingedämmt werden. Früher wurde das Equipment beschlagnahmt, heute zerstört das Militär Gebäude, Bagger, Radlader, Pumpen, Generatoren nur noch mit Sprengstoff. Die illegalen Goldausfuhren übertreffen fast die legalen Minenaktivitäten. Jetzt kommt bei der Zoll und Wirtschaftsbehörde Palantir zum Einsatz um kriminelle Strukturen und Scheinfirmen leichter aufzudecken.
Mit den neuen Machtverhältnissen im Parlament konnten Gesetzte verabschiedet werden, die die Befugnisse der Sicherheitskräfte erweitern. Dies betrifft Hausdurchsuchungen, Überwachung von Telekommunikation und die Feststellung von Vermögenswerten und Kontobewegungen Der Einfluss der Richter wurde gestutzt. Zu viele sind korrupt und arbeiten mit der organisierten Kriminalität zusammen. Zweifelhafte Urteile und nicht erklärbare Vermögenswerte sind der Hauptgrund für manch Entlassung. Einige weitere Gesetzte erfordern eine Verfassungsänderung. Dies geht nur mit einer Zustimmung bei einem Volksentscheid. Nur mit parlamentarischen Mehrheiten kann die Verfassung nicht geändert werden. Dieses Instrument der direkten Demokratie kannte ich vorher nicht und finde es einfach nur gut. Bei manch sehr deutlichen Zustimmungen oder auch Ablehnungen werden die Politiker im Parlament, ob Regierung oder Opposition, wieder ein wenig "geerdet".
Der neue Innenminister ist der "Bad boy" der Regierung. Ständig an vorderster Front, hat er sehr eindringlich den kriminellen Netzwerken und der Korruption in den Behörden und Justiz den Kampf angesagt. Kommt sehr glaubhaft rüber, der scheint es wirklich ernst zu meinen. Jetzt fehlr nur noch die Fertigstellung von neuen Hochsicherheits Gefängnissen. Die alten sind der organisierten Kriminalität nicht gewachsen. Sie sind eher eine Operationsbasis und eh völlig überfüllt. Kürzlich hat Ecuador schon 1000 kolumbianische Häftlinge nach Kolumbien abgeschoben, die einen Teil ihrer Strafe abgessen hatten. Gerne würde die Regierung auch die 4000 venezolanischen Häftlinge abschieben. Aber dies ist unmöglich. Zwischen Ecuador und Venezuela gibt's keine diplomatischen Vertretungen und Gespräche.
Unser Leben ist von all diesen Problemen völlig unberührt, in unserer Ecke gehts entspannt und geruhsam zu wie immer. Die Hafenstädte Manta und Guayaquil sind weit und dort konzentrieren sich die Machtkämpfe der unterschiedlichen Gangs und Kartelle. In weiten Teilen des Landes lässt es sich so sicher leben oder reisen wie in Deutschland.
Ecuador und ich, das passt immer noch sehr gut. Die hiesige Lebensfreude und Lebensqualität möchte ich nicht missen.
Die niedrigen Lebensunterhaltungskosten, gerade im Bereich der regionalen Obst und Gemüseprodukte sowie Energiekosten sind ein weiterer Grund. Am besten gefällt mir das Leben ohne bürokratische Spassbremsen und Regularien. Die gibts natürlich auch. Aber wenn man aus dem überregulierten Deutschland kommt entsteht dieser Eindruck. Leben und leben lassen ist die Devise.
Unser recht junges Stadtviertel wächst kontinuierlich. Zugereiste Ecuadorianer aus den Großstädten, Kanadier, US Amerikaner, Deutsche, Spanier und nun auch Australier. Die eh schon immer etwas angespannte Stimmung zwischen Amerikanern und Kanadiern hat merklich verschlechtert :D Es gibt ne Reihe von hier lebenden Amerikanern, die sich eindeutig als Trump Anhänger positionieren. Ich denke immer nur, wie blöd muss man sein. Ihr begebt euch auf ganz dünnes Eis.
Kürzlich habe ich unseren 25 Jahre alten Lada Niva, er schwächelte wieder einmal, verkauft. 9 Jahre sind genug. War anfangs ein komisches Gefühl. Seit 45 Jahren plötzlich kein Auto mehr. Aber ich brauche auch nicht zwingend eins, dass Bussystem ist einfach super. Man kann sie fast überall an der Strasse entern und der Fahrer stoppt dort, wo ich raus möchte. Hat man sperriges Zeugs eingekauft, springt der Beifahrer raus, öffnet die Stauklappen und lädt ein. Und der ganze Service zu einem sehr günstigen Preis. Mit dem Fahrpreis zur 2 Std entfernten Hauptstadt, lomme ich in Hamburg mit der U Bahn noch nicht einmal zum Hauptbahnhof.Nun bleibt es vorerst bei "autofrei". Ausserdem bin ich jetzt 65zig und zahle nur noch die Hälfte :D
20250113_132957 (2).jpeg
Warten auf den Bus
Warten auf den Bus
Besuche gab es mehrere. Ein Freund aus Lüneburg verschiffte sein Motorrad nach Chile um Patagonien zu bereisen. Aber nicht ohne einen "kurzen Abstecher" zu uns herauf.
20241201_085931 (2).jpeg
20241123_175208 (2).jpeg
Der Wombi kam vorbei auf dem Weg nach Cartagena und machte den Wagen für die Verschiffung klar.
20250318_152018 (2).jpeg
Und dann haben wir Unregelmäßig Besuch von Reisenden aus Lateinamerika. Zumeist Chilenen, Argentinier oder Kolumbianer. Meist ergibt es sich zufällig beim Einkaufen oder an der Strasse. Ein kostenloser und sicherer Stellplatz werden gerne genommen. Wir sind auf Reisen von so vielen Einheimischen eingeladen und unterstützt worden, dann ist es schön, etwas zurückgeben zu können. Und Besuch bringt ja auch immer etwas Schwung in die Bude. :D
20250605_144617 (2).jpeg
Und nun kam noch ein Besuch, auf den wir schon länger warteten. Alte Freude aus Lüneburg. Manch einem bekannt als Inhaber des Ex AMR und Veranstalter des AMR Globetrotter Treffen in Amelinghausen.
20250905_070826 (2).jpeg
Nachdem die Apfelsinen, Zitronen und Bananenproduktion ganzjährig recht gut läuft, hängt der Avocadobaum zum ersten Mal voller Früchte. Und auch der kleine Apfelbaum stand in voller Blüte. Dazu Maracuya und Taxo, nur der Nussbaum, eine Macadamia, braucht noch 2-3 Jahre. Gar nicht schlecht für jemanden, der davon überhaupt keine Ahnung hat. So ganz ohne Jahreszeiten ist das Beschneiden der Bäume etwas komplizierter als in Deutschland.
20250420_084138 (2).jpeg
20250726_070655 (2).jpeg
20250726_070811 (2).jpeg
20250726_070509 (2).jpeg
Die Frau spielt 3-4 die Woche Pickelball. Der Sport erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Erst von den Amis eingeschleppt, sind immer mehr Ecuadorianer dabei. Nun werden schon Turniere veranstaltet. Entweder in Cotacachi oder in Quito.
Dann gründen sich immer mehr Laufclubs. Eine neue soziale Bewegung. Runter vom Sofa, raus aus den sozialen Medien und gemeinsam mit Anderen laufen. Bei manchen steht der sportliche Aspekt im Vordergrund, bei vielen die Geselligkeit. Wird schon als das neue "Tinder" bezeichnet. Ich laufe täglich mit dem Hund. Auch gesellig...
Meine Frau benötigte einen neuen ecuadorianischen Personalausweis. 10 Jahre waren rum. So langsam muß das Chekkarten Format vergrößert werden.
Name, Vornamen, Geburtsdatum und Ort, Nationalität, Namen der Eltern, Familienstand, wenn verheiratet Name des Ehepartners, Bildungsstand (ohne Schulabschluss kein Führerschein), Blutgruppe, Organspender Si/No, Volkszugehörigkeit (wir sind blancos), QR Code und Fingerabdruck. Nur die Adresse steht nicht drauf, da wäre auch kein Platz mehr :D Aber das die Blutgruppe nun nicht nur im Führerschein steht, finde ich gut. Ich habe ja keinen nationalen und darf auch keinen machen. Dazu müsste ich apostellierte Bescheinigungen meines Bildungsstandes vorlegen. Ohne Schulabschluss kein Führerschein. Und am Schalter der Beantragung des Ausweises kann man dann ganz formlos festlegen, ob Organspender oder nicht. Nur die Sache mit den Blancos finde ich diskriminierend, weil man mit den Gringos in einen Hut geworfen wird. Bei der letzten Volkszählung konnte ich noch " blanco europeo" auswählen :D
Gerade wird bei Ministerien und deren Mitarbeiter, der öffentlichen Verwaltung und den Staatsunternehmen ein wenig personell ausgemistet. Die ganze Apparatur wurde in den Jahren gewaltig aufgebläht. Ziel ist ein schlankerer, digitaler und effizienterer Staat. Nicht die argentinische Kettensäge, eher ecuadorianische Laubsäge :joke: Aber zumindest ein Anfang.
Der Fussball spielt hier natürlich auch eine grosse Rolle, Ecuador hat sich vorzeitig für die WM qualifiziert und die Reise Agenturen sind schon mit Komplettpaketen am Start. Drei Gruppenspiele, Flug, Unterkünfte und Transfer. Preise zwischen 10.000-13.000 Dollar. Dazu noch das Visum, von dem niemand weiss, wie teuer es nächstes Jahr ist. 300, 1000 oder 10.ü00 Dollar? Kleines Überraschungsei......falls überhaupt Visa ausgestellt werden. Aber es leben ja genügend Ecuadorianer in Nordamerika, das wird für sie ne große Party.
Dann gab's dieses Jahr wieder eine kleine Verschärfung von Einweg Plastik. Es muss jetzt 30% recyceltes Plastik enthalten. Ecuador hat es sich schon vor vielen Jahren gesetzlich verboten, sein Müll im Ausland zu verklappen. Also muss etwas mit dem Plastikmüll passieren. Bevor der Müllwagen kommt, sammeln die Recycler mit ihren Lastmopeds Plastikflaschen, Pappe und ähnliches vom Bürgersteig und bringen es zu Aufkäufern. Diese müssen staatlich festgesetzte Preise bezahlen. Von dort gehts zu den Produzenten von Plastiktüten, Gartenmöbel, Blumenkübel, Terrassendielen und ähnliches. Da hat sich in den Jahren eine kleine Recyclingindustrie aufgebaut. Ein Pfandsystem für Plastikflaschen gibt's nicht und eine Mülltrennung ist rein freiwillig. Mit Verboten tut man sich zum Glück recht schwer hier.
Und nun wurden die Dieselsubventionen komplett gestrichen. Der Preis steigt von 1,80 auf 2,80/Gallone. Diesel kostete vor einigen Jahren noch 1,03$. Der Schmuggel soll trocken gelegt werden. Es verschwinden gigantische Mengen an Diesel nach Kolumbien und Peru. Ausserdem profitieren private Dieselfahrer von diesen Subventionen. Und Leute, die sich einen neuen Diesel Pickup leisten können, müssen nun nicht gerade subventioniert werden. Stattdessen gibt es nun Entschädigungen für die Transportwirtschaft und Fischerei. Auch die rund 25.000 selbständigen Busfahrer werden entschädigt, damit die Fahrpreise stabil bleiben.

sonnige Grüße aus Cotacachi
Jens
Gefeiert wird häufig
Gefeiert wird häufig
20250630_153626 (2).jpeg
20250630_151945 (2).jpeg
20250418_110638 (2).jpeg

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 17:31:10
von Wombi
Sag mal, hast Du 2 gebrochene Beine und bist 2 Wochen am tippern gewesen ? :eek:

Gruß aus der Heimat,

Wombi

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 17:59:35
von Der Initiator
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 18:12:30
von Enzo
Wombi hat geschrieben:
2025-09-13 17:31:10
Sag mal, hast Du 2 gebrochene Beine und bist 2 Wochen am tippern gewesen ? :eek:

Gruß aus der Heimat,

Wombi
Das war ein Langzeitprojekt :D du glaubst gar nicht, wie viele Entwürfe ich zwischengespeichert habe.

Lieben Gruß

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 18:24:59
von Enzo
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 17:59:35
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:
Na dann pass auf deine Erbsensuppe auf. Das war kein Scherz. Mögliche Standorte wurden schon ausgeguckt und die hiesigen Atomwissentschaftler trauen sich denn sicheren Umgang mit der Kernenergie zu. Ist ein realistisches Zukunftsszenario. Damit ist Ecuador ja nicht alleine. Aber der Weg dorthin ist noch sehr lang.

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 18:30:39
von franz_appa
Hi

Danke für diesen Lagebericht - sehr informativ - und von einem local ja auch echt glaubwürdig.

Grüße nach Ecuador

natte

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 19:34:03
von Ulf H
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 17:59:35
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:
... das ist leider kein Witz, international wird so die Zukunft der Kernenergie gesehen, auch hier in Schweden ... mit einem vollzogenen und stabilen Kernenergieausstieg ist Deutschlande ein bewundernswerter Exot ...

Gruss Ulf

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 19:40:53
von Der Initiator
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 18:24:59
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 17:59:35
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:
Na dann pass auf deine Erbsensuppe auf. Das war kein Scherz. Mögliche Standorte wurden schon ausgeguckt und die hiesigen Atomwissentschaftler trauen sich denn sicheren Umgang mit der Kernenergie zu. Ist ein realistisches Zukunftsszenario. Damit ist Ecuador ja nicht alleine. Aber der Weg dorthin ist noch sehr lang.
Dann informiere dich mal ein bisschen... Der erste Möchtegernhersteller hat aufgegeben, alle anderen brauchen nach eigener Angabe eher Jahrzehnte als Jahre. Zum Ausgleich werden die aber teurer als die großen, vor allem der Betrieb. Wer mit so etwas rechnet, will keinen Strom :joke:

Mal sehen, wem von uns eher das Lachen vergeht... :spassbremse:

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 19:43:55
von Der Initiator
Ulf H hat geschrieben:
2025-09-13 19:34:03
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 17:59:35
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:
... das ist leider kein Witz, international wird so die Zukunft der Kernenergie gesehen, auch hier in Schweden ... mit einem vollzogenen und stabilen Kernenergieausstieg ist Deutschlande ein bewundernswerter Exot ...

Gruss Ulf
Deshalb hat Schweden drei von sechs schon abgeschaltet, richtig? Und neulich, die Stromprobleme in Schwedens Süden, woher kamen die? Richtig, weil kein Wind war und das große AKW leider leider gerade unplanmäßig in Reparatur war :joke:
Lies dir gerne auch mal Hinkley durch.

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 19:48:32
von Ulf H
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 19:43:55
Ulf H hat geschrieben:
2025-09-13 19:34:03
Der Initiator hat geschrieben:
2025-09-13 17:59:35
Enzo hat geschrieben:
2025-09-13 17:05:58
Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke.
Puh, das war knapp, fast wäre meine Erbsensuppe auf Bildschirm und Tastatur gelandet. Witze erzählen kannst du, so ganz trocken nebenbei :totlach:
... das ist leider kein Witz, international wird so die Zukunft der Kernenergie gesehen, auch hier in Schweden ... mit einem vollzogenen und stabilen Kernenergieausstieg ist Deutschlande ein bewundernswerter Exot ...

Gruss Ulf
Deshalb hat Schweden drei von sechs schon abgeschaltet, richtig? Und neulich, die Stromprobleme in Schwedens Süden, woher kamen die? Richtig, weil kein Wind war und das große AKW leider leider gerade unplanmäßig in Reparatur war :joke:
Lies dir gerne auch mal Hinkley durch.
Ich halte die Dinger auch fuer nutzlos und gefährlich ... das hat die schwedische Regierung aber nicht abgehalten von ihrer bisherigen Haltung die vorhandenen aufzubrauchen, abzugehen ... es soll sogar das Gesetz geändert werden, nachdem Kernkraftwerke nur an den bestehenden Standorten gebaut werden duerfen ...

Gruss Ulf

Re: Lagebericht Ecuador

Verfasst: 2025-09-13 19:52:24
von Der Initiator
Ist dir dein Konjunktiv aufgefallen? Wie gesagt, Hinkley, nur damit du mal einen Zeitrahmen hast. Ach so, einen finanziellen natürlich auch.