Moin,
mal eine etwas längere Zusammenfassung der letzten Monate.
Seit Weihnachten letzten Jahres haben wir wieder durchgängig Strom. Der Anteil der Wasserkraft am Strommix stieg von 30% auf 85%. Die Regenzeit traf ein. Allerdings so heftig das im südlichen Ecuador "Land unter" herrschte. Viele Straßen, Brücken gesperrt, teilweise zerstört. Erdrutsche waren an der Tagesordung, selbst im Juli gab es noch Erdrutsche und zerstörte Straßen in den östlichen Andenabhängen. Bei uns in den Anden ist nun endlich der Sommer angekommen....Trockenzeit. Viel Sonne, ab mittags Wind und volle UV Dröhnung. Die Temperaturen erreichten 27 Grad, Hitzealarm in den Anden. Aber es ist bisher das mit Abstand kälteste Jahr, dass wir am Äquator erleben.
Und ich habe mir noch Land auf 3000m Höhe angesehen. Pinien und Zypressenwälder, ein kleines Paradies. Lüneburger Heide......
Aber bei der jetzigen Wetterentwicklung wird es mir dort zu kalt.
Dann lieber ein paar Hundert Meter tiefer. Aber dort gibt's Mücken, von denen wir auf 2500m verschont sind. Keine Moskitos, Bremsen oder Zecken, hat auch was.
In der Küstenstadt Guayaquil wurden an mehreren Tagen Temperaturen unterhalb von 22 Grad gemessen. Eine neue Jahrhundert Kälte

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass 50% der Schnee und Eiskappen der Vulkane in den letzten 50 Jahren verschwunden sind und letztes Jahr der erste Gletscher Ecuadors für tot erklärt wurde.
Die fossilen Kraftwerke werden weiterhin erneuert und ausgebaut, auch schon lange im Bau befindliche Wasserkraftwerke gingen in den Betrieb. In der Hinsicht muss aber noch viel mehr passieren, die nächste Dürre kommt bestimmt und der jährliche Stromverbrauch steigt gewaltig. In spätestens 10 Jahren hat er sich verdoppelt.
Von Solarparks, trotz einiger Verträge, ist weiterhin nichts zu sehen. Viele Hürden wurden aus dem Weg geräumt, die Lateinamerikanische Entwicklungsbank bürgt den Investoren gegenüber, aber nun gehts um den Strompreis. Der liegt über den jetzigen 10 Cent bei internationalen Investoren mit jährlicher Gewinnausschüttung. Dafür wird immer häufiger über den Einstieg in die Kernenergie nachgedacht. Kleine modulare Kraftwerke. Man möchte sich nicht von noch einer wetterabhängigen Stromerzeugung abhängig machen. Mal schauen wohin die Reise geht. Grundsätzlich besteht die Überzeugung, ein günstiger Strompreis ist die Grundlage für Wirtschaftswachstum und Wohlstand.
Auf Grund der niedrigen Ölpreise fehlen Staatseinnahmen. Der "nicht erdölbasierte Export" wird immer stärker. Nun sind eine ganze Reihe an Minenprojekten vergeben worden. Gold und Kupfer laufen besser als Öl. Aber gerade diese Minen benötigen grosse Mengen an Strom und sollen zukünftig ihren Strom selber produzieren. Auch wurde der Industriestrompreis je nach Branche erhöht. Liegt nun bei 10-12 Cent/KWh. Als Entschädigung für die Stromausfälle brauchte ich als kleiner Kunde, weniger als 110 KWh monatlich, von Januar bis März nur die Grundgebühr und Netztentgelte bezahlen.
1,50/Monat. Dazu noch die 2 Dollar monatlich für unsere Feuerwehr.
Das spannendste Ereignis diese Jahr waren Präsidentschaftswahlen. Überraschend deutlich gewann der bisherige Präsident Noboa mit seinem bürgerlich/konservativen Bündnis. Trotz Strom und Sicherheitskrise, trotz wirtschaftlicher Stagnation und Kürzung von Subventionen. Die linke Präsidentschaftskandidatin Gonzales und der Ex Präsi Correa machten entscheidende Fehler. Correa in seinem belgischen Asyl, immer noch Anführer der linken Bewegung und ein enger Mitarbeiter Maduros, zog in einem Interview mit dem russischen Fernsehen die "Dollarisierung" Ecuadors in Zweifel und Gonzales positionierte sich dicht, für viele zu dicht, neben Maduro und Ortega. Venezuela und Nicaragua, die leuchtenden Beispiele des "Sozialismus des 21 Jahrhunderts". Das ging dann auch den Wählern des indigenen Kandidaten, im ersten Wahlgang immerhin entscheidende 5%, zu weit. Obwohl ein linkes Bündnis mit Gonzales bestand, lief die indigene Wählerschaft zu Noboa über. Der Linksruck in Südamerika scheint allgemein vorbei. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Inflation, innere Sicherheit und Korruptionsbekämpfung gehören nicht zu den Kernkompetenzen dieser Bewegung. Ein wenig neidisch schaute ich auf die vielen Auslandsecuadorianer. Jeder ist im zentralen Wahlregister digital registriert. Da weiss die Wahlleitung, in Madrid leben 70.000 Wahlberechtigte, da eröffnen wir 5 Wahllokale. In Valencia reicht ein Wahllokal für die 1500 Wähler. In den USA leben 600.000 Wähler, da Bedarf es einiger Wahllokale mehr.
Schon bei normalen Fristen ist ein logistischer und finazieller Aufwand ( DHL Express, UPS usw.) an einer Bundestagswahl teilzunehmen. Bei der letzten ging, trotz Auswärtigen Amt und Botschaft, gar nichts.
Die Wahl Trumps zum US Präsidenten schlug keine grossen Wellen. Man nimmt es wie es kommt und Noboa hat einen recht guten Draht ins Weisse Haus. Unter Biden lief ja auch nicht so viel.
Auch wenn die Entwicklungshilfe Projekte eingestellt wurden und in der US Latinogemeinde grosse Verunsicherung herrscht, geht die amerikanische Unterstützung im Sicherheitsbereich weiter und es wurden bisher viel weniger Ecuadorianer abgeschoben als in den Jahren zuvor unter Biden. Die amerikanische Marine operiert in internationalen Gewässern rund um die Galapagos Inseln und hat auch die Genehmigung sich in den nationalen ecuadorianischen Gewässern aufzuhalten. Dort darf sie jedoch keine Schiffe aufbringen, sondern muss die ecuadorianische Küstenwache anfordern. Je stärker in den Häfen kontrolliert wird, desto häufiger wird das Kokain auf hoher See auf Containerschiffe umgeladen. Darüber hinaus gibt es finanzielle und technische Unterstützung. Nach langem Drängen stehen die beiden größten ecuadorianischen Banden nun auf der amerikanischen Terrorliste.
Im US Zollchaos wurden 15% Zölle festgelegt. Ecuador hat die 40% Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus US Amerikanischer Produktion kräftig gesenkt. Allerdings beliefern amerikanische Hersteller den ecuadorianischen Markt grösstenteils aus Werken in China und Südkorea. Eine grosse Sorge ist das Ausbleiben der vielen Milliarden US Dollar, die jährlich von den US Auslandsecuadorianern nach Ecuador überwiesen werden. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ich kenne kaum einen Ecuadorianer, der keine Verwandschaft in den USA hat. Viele Latinos trauen sich nicht zur Arbeit, der amerikanische Bau und Aggrarsektor leidet gewaltig. Baustellen stehen still und die Ernte verrottet auf den Feldern. Ersatz für die Latinos gibt's nicht.
Unser Präsident tourt viel im Ausland herum. Wirbt um Investoren, Exporte ecuadorianischer Produkte, Partner im Kampf gegen die internationale organisierte Kriminalität und die legale Migration von Ecuadorianern ist Thema. Die üblichen Länder sind die USA, China, Spanien, Italien, Israel und die Golfstaaten. Mit China wurde eine verstärkte wirtschaftliche Zusammarbeit im Rahmen des Handelsabkommens vereinbart und ein Handelsabkommen mit Südkorea wurde im August ratifiziert. Auch mit Kanada liegt ein fast unterschriftsreifes Abkommen vor. Mit der EU besteht eh schon länger ein Abkommen. Nun tourt eine Delegation durch Japan. Das Land will sich wirtschaftlich einfach breiter aufstellen. Keine einseitigen Abhängigkeiten von den USA oder China. Ecuador bemühte sich schon seit Jahren um ein Handelsabkommen mit den USA, diese Bemühungen wurden nun eingestellt. Lieber Unabhängigkeit als ein beschissenes Abkommen. Wichtig bleibt die Wirtschaftsgemeinschaft "Comunidad Andina", die Andengemeinschaft. Gegründet nach dem Vorbild der EG. Freier Handel, Reiseerleichterungen und mehr internationale Zusammenarbeit. Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gehören dazu. Themen sind zur Zeit die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich und ein gemeinsamer Strommarkt. Ich kannte diesen Staatenverbund überhaupt nicht. Mir fiel nur auf, dass auf ecuadorianischen Reisepässen neben Ecuador auch "Comunidad Andina" steht. Das letzte mal, als ich von Deutschland kommend in Quito ankam, bildeten sich größere Schlangen bei der Migración für internationale Einreisen. Kurzerhand raus aus der Schlange und scharf links abgebogen. Kurs zum verweisten Schalter der Comunidad Andina. Der Beamte guckt meinen deutschen Reisepass an, dann mich......seit wann ist Deutschland Mitglied der Comunidad Andina?

"Deutschland nicht, aber ich lebe in Ecuador und bin Bürger der Andengemeinschaft". "Ja dann Herzlich Willkommen in Ecuador" und schon war die schnelle Einreise erledigt.
Mit Spanien läuft ein vielversprechendes Abkommen für ecuadorianische Saisonarbeiter. Mit Italen gibt's ein neues Abkommen zum erleichterten Zugang von Studenten und Arbeitsvisa. Da werden zukünftig noch viel mehr Ecuadorianer ihr Glück in Spanien und Italien suchen. Ist halt kulturell und sprachlich wesentlich einfacher als Deutschland. Die dortigen, derzeitigen Verhältnisse sind für Facharbeiter aus Drittländern nicht besonders attraktiv. Die USA als Migrationsland stehen nach wie vor ganz oben auf der Liste.
Aber mir hat Trump den Verkauf unseres Hauses vermasselt. Seine Politik der allgemeinen Verunsicherung führt dazu, dass wir viele entscheidungslose Interessenten haben. Die sind zur Zeit völlig "durch den Wind". Der Immobilienmarkt steht recht still zur Zeit in Cotacachi. Und nicht nur dort. Auch in anderen US amerikanischen Hochburgen.
Gerade hat Spanien angekündigt 600 Mio Dollar in Solarparks in Ecuador zu investieren. Hängt wohl mit den neuen EU Klimaregeln zusammen, was die Errichtung von Solaranlagen in Drittländern betrifft. Auch China will 400 Mio Dollar in Solarparks investieren. Den Chinesen traue ich noch am ehesten zu, etwas zeitnah auf die Beine zu stellen. Das chinesische Interesse liegt sicherlich am ecuadorianischen Strommarkt. In Peru sind 60% Prozent des Strommarktes in chinesischer Hand. Chinesische Autobauer besitzen schon Flächen in direkter Nachbarschaft des neuen chinesischen Hafens an der peruanischen Küste. Dort sollen
Montagewerke entstehen und die chinesischen Autobauer bekommen den Strom zum Vorzugspreis. Aber auch für Ecuador ist der neue Hafen von Vorteil. Ecuador-Peru-China, die neue Route im Rahmen der Seidenstrasse verkürzt die Lieferketten gewaltig. Ecuadorianische Exporte nach China sind im Aufwind, dass Handelsabkommen tut sein übriges. Die Paketflut von diversen Online Plattformen ( Temu, Shein, Amazon usw.) wurde kräftig eingedämmt. Keine Zollfreiheit mehr für Pakete mit einem Warenwert unterhalb von 400$. Zum Schutz der regionalen Händler und der heimischen Industrie. 57% aller Fahrzeug Neuzulassungen stammen aus chinesischer Produktion. Tendenz weiter steigend. Als wir uns vor 10 Jahren in Ecuador niederließen waren es 3,5%. Ich bin immer noch erstaunt, wie schnell sich der Automarkt verändert. Zumeist Benziner und Hybride. Nur im Segment der Pickups kommen immer mehr Dieselfahrzeuge auf den Markt. Da sind die chinesischen Motorenentwickler fleißig am Arbeiten. Es befinden sich auch häufig Motoren von Isuzu oder Mitsubishi unter der Motorhaube. Aber der am stärksten wachsende Markt, auf geringem Niveau, sind reine E Fahrzeuge. 50% der verkauften Elektrofahrzeuge entfallen auf BYD. Danach folgen Kia und Chevi. Das Angebot von E Fahrzeugen im Preissegment zwischen 17.000-25.000$ wird ständig größer. Meist mit Reichweiten zwischen 300-400km. Volkswagen hat konsequenterweise keine Elektrofahrzeuge im Programm. Im LKW Sektor entwickelt sich Sinotruk zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber für Hino. Von der leichten bis zur schweren Klasse, Sinotruk führt die Verkaufszahlen an. Die LKWs genießen einen sehr guten Ruf und das Servicenetz wird immer dichter. Da scheint die enge Zusammenarbeit mit MAN China zu fruchten.
Die Wirtschaft wächst mit gut 3% recht kräftig, die Inflation liegt bei 0,7% und es wurde im ersten Halbjahr ein noch nie dagewesener Exportüberschuss erzielt. Bananen, Thunfisch, Garnelen, Kaffee, Kakao, Schnittblumen, Blaubeeren und immer mehr Gemüsezeugs. Brokkoli oder Blumenkohl für die USA und die EU. Keine Jahreszeiten, keine beheizten Treibhäuser, das Grünzeugs wächst immer. Ideale Standortbedingungen. Das grösste Problem bleibt die Sicherheitskrise. Der Kampf um die Vertriebswege des kolumbianischen Kokains, ein grosser Teil nach Europa, fordert täglich viele Opfer. Unter Pedros Friedenspolitik in Kolumbien haben die Narcos der ELN, Farc und wie sie alle heißen ihren Einfluss gewaltig ausgebaut und können sich fast ungestört, gerade in den Grenzprovinzen zu Ecuador, austoben. Rund 600km Grenze stehen unter der Kontrolle der Narcos. Viel kolumbianische Unterstützung kann Ecuador zur Zeit nicht erwarten. Die Stimmung zwischen den beiden Präsidenten ist "frostig". Nächstes Jahr sind in Kolumbien Präsidentschaftswahlen und der sehr aussichtsreiche konservative Kandidat starb jetzt an Verletzungen eine Attentates. Mutmaßlich angeordnet durch Farc Dissidenten. Dieser Kandidat hatte einen härteren Kurs gegen die Paramilitärs angekündigt. Hier im Norden leben viele geflüchtete Kolumbianer. Sollte die Gewalt in Kolumbien weiter eskalieren, dann kommen mit Sicherheit noch viele dazu. Letzte Woche unterhielt ich mich mit einem Kolumbianer. Lebt seit kurzem mit seiner Familie in Cotacachi. Hat sich 3 Hektar Land auf einer benachbarten Hacienda gepachtet und produziert Tomaten/Paprika. Sein Land in Kolumbien musste er verlassen, weil er sich weigerte Coca anzubauen. Auf der Finca von Freunden arbeiten zwei kolumbianische Brüder. Sie konnten mit Hilfe des UN Flüchtlingshilfwerk ihre konfliktreiche Provinz verlassen. Wurden an einem sicheren Ort untergebracht, bis die Papiere für Ecuador fertig waren und wurden dann zur Grenze gebracht. In Ecuador gilt Kolumbien nicht als sicheres Herkunftsland.
Ein großes Problem ist der stark gestiegene Goldpreis für die innere Sicherheit. Illegale Goldminen werden attraktiver. Die Narcos investieren ihr Geld in modernes Equipment zur Goldgewinnung. Illegales Gold lässt sich viel einfacher den internationalen Märkten zuführen als Drogengeld. Ein Millardengeschäft mit zur Zeit 1500 Hektar zerstörten Regenwald in Ecuador. Im Vergleich zu Peru noch sehr wenig, aber trotzdem. Kürzlich geriet eine Militärpatroullie auf dem Weg zu einer Goldmine in den Hinterhalt der "kolumbianischen Grenzkommandos" und 11 ecuadorianische Soldaten wurden getötet. Nun operieren dort unten Spezialeinheiten der Armee, unterstützt durch Drohnen und den gerade von Airbus gelieferten Mehrzweck Hubschraubern. Eigentlich eher für Katastrophenfälle gedacht, steht nun die militärische Nutzung im Vordergrund. Damit soll das immer weitere Eindringen von kolumbianischen Paramilitärs nach Ecuador eingedämmt werden. Früher wurde das Equipment beschlagnahmt, heute zerstört das Militär Gebäude, Bagger, Radlader, Pumpen, Generatoren nur noch mit Sprengstoff. Die illegalen Goldausfuhren übertreffen fast die legalen Minenaktivitäten. Jetzt kommt bei der Zoll und Wirtschaftsbehörde Palantir zum Einsatz um kriminelle Strukturen und Scheinfirmen leichter aufzudecken.
Mit den neuen Machtverhältnissen im Parlament konnten Gesetzte verabschiedet werden, die die Befugnisse der Sicherheitskräfte erweitern. Dies betrifft Hausdurchsuchungen, Überwachung von Telekommunikation und die Feststellung von Vermögenswerten und Kontobewegungen Der Einfluss der Richter wurde gestutzt. Zu viele sind korrupt und arbeiten mit der organisierten Kriminalität zusammen. Zweifelhafte Urteile und nicht erklärbare Vermögenswerte sind der Hauptgrund für manch Entlassung. Einige weitere Gesetzte erfordern eine Verfassungsänderung. Dies geht nur mit einer Zustimmung bei einem Volksentscheid. Nur mit parlamentarischen Mehrheiten kann die Verfassung nicht geändert werden. Dieses Instrument der direkten Demokratie kannte ich vorher nicht und finde es einfach nur gut. Bei manch sehr deutlichen Zustimmungen oder auch Ablehnungen werden die Politiker im Parlament, ob Regierung oder Opposition, wieder ein wenig "geerdet".
Der neue Innenminister ist der "Bad boy" der Regierung. Ständig an vorderster Front, hat er sehr eindringlich den kriminellen Netzwerken und der Korruption in den Behörden und Justiz den Kampf angesagt. Kommt sehr glaubhaft rüber, der scheint es wirklich ernst zu meinen. Jetzt fehlr nur noch die Fertigstellung von neuen Hochsicherheits Gefängnissen. Die alten sind der organisierten Kriminalität nicht gewachsen. Sie sind eher eine Operationsbasis und eh völlig überfüllt. Kürzlich hat Ecuador schon 1000 kolumbianische Häftlinge nach Kolumbien abgeschoben, die einen Teil ihrer Strafe abgessen hatten. Gerne würde die Regierung auch die 4000 venezolanischen Häftlinge abschieben. Aber dies ist unmöglich. Zwischen Ecuador und Venezuela gibt's keine diplomatischen Vertretungen und Gespräche.
Unser Leben ist von all diesen Problemen völlig unberührt, in unserer Ecke gehts entspannt und geruhsam zu wie immer. Die Hafenstädte Manta und Guayaquil sind weit und dort konzentrieren sich die Machtkämpfe der unterschiedlichen Gangs und Kartelle. In weiten Teilen des Landes lässt es sich so sicher leben oder reisen wie in Deutschland.
Ecuador und ich, das passt immer noch sehr gut. Die hiesige Lebensfreude und Lebensqualität möchte ich nicht missen.
Die niedrigen Lebensunterhaltungskosten, gerade im Bereich der regionalen Obst und Gemüseprodukte sowie Energiekosten sind ein weiterer Grund. Am besten gefällt mir das Leben ohne bürokratische Spassbremsen und Regularien. Die gibts natürlich auch. Aber wenn man aus dem überregulierten Deutschland kommt entsteht dieser Eindruck. Leben und leben lassen ist die Devise.
Unser recht junges Stadtviertel wächst kontinuierlich. Zugereiste Ecuadorianer aus den Großstädten, Kanadier, US Amerikaner, Deutsche, Spanier und nun auch Australier. Die eh schon immer etwas angespannte Stimmung zwischen Amerikanern und Kanadiern hat merklich verschlechtert

Es gibt ne Reihe von hier lebenden Amerikanern, die sich eindeutig als Trump Anhänger positionieren. Ich denke immer nur, wie blöd muss man sein. Ihr begebt euch auf ganz dünnes Eis.
Kürzlich habe ich unseren 25 Jahre alten Lada Niva, er schwächelte wieder einmal, verkauft. 9 Jahre sind genug. War anfangs ein komisches Gefühl. Seit 45 Jahren plötzlich kein Auto mehr. Aber ich brauche auch nicht zwingend eins, dass Bussystem ist einfach super. Man kann sie fast überall an der Strasse entern und der Fahrer stoppt dort, wo ich raus möchte. Hat man sperriges Zeugs eingekauft, springt der Beifahrer raus, öffnet die Stauklappen und lädt ein. Und der ganze Service zu einem sehr günstigen Preis. Mit dem Fahrpreis zur 2 Std entfernten Hauptstadt, lomme ich in Hamburg mit der U Bahn noch nicht einmal zum Hauptbahnhof.Nun bleibt es vorerst bei "autofrei". Ausserdem bin ich jetzt 65zig und zahle nur noch die Hälfte

- Warten auf den Bus
Besuche gab es mehrere. Ein Freund aus Lüneburg verschiffte sein Motorrad nach Chile um Patagonien zu bereisen. Aber nicht ohne einen "kurzen Abstecher" zu uns herauf.
Der Wombi kam vorbei auf dem Weg nach Cartagena und machte den Wagen für die Verschiffung klar.
Und dann haben wir Unregelmäßig Besuch von Reisenden aus Lateinamerika. Zumeist Chilenen, Argentinier oder Kolumbianer. Meist ergibt es sich zufällig beim Einkaufen oder an der Strasse. Ein kostenloser und sicherer Stellplatz werden gerne genommen. Wir sind auf Reisen von so vielen Einheimischen eingeladen und unterstützt worden, dann ist es schön, etwas zurückgeben zu können. Und Besuch bringt ja auch immer etwas Schwung in die Bude.
Und nun kam noch ein Besuch, auf den wir schon länger warteten. Alte Freude aus Lüneburg. Manch einem bekannt als Inhaber des Ex AMR und Veranstalter des AMR Globetrotter Treffen in Amelinghausen.
Nachdem die Apfelsinen, Zitronen und Bananenproduktion ganzjährig recht gut läuft, hängt der Avocadobaum zum ersten Mal voller Früchte. Und auch der kleine Apfelbaum stand in voller Blüte. Dazu Maracuya und Taxo, nur der Nussbaum, eine Macadamia, braucht noch 2-3 Jahre. Gar nicht schlecht für jemanden, der davon überhaupt keine Ahnung hat. So ganz ohne Jahreszeiten ist das Beschneiden der Bäume etwas komplizierter als in Deutschland.
Die Frau spielt 3-4 die Woche Pickelball. Der Sport erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Erst von den Amis eingeschleppt, sind immer mehr Ecuadorianer dabei. Nun werden schon Turniere veranstaltet. Entweder in Cotacachi oder in Quito.
Dann gründen sich immer mehr Laufclubs. Eine neue soziale Bewegung. Runter vom Sofa, raus aus den sozialen Medien und gemeinsam mit Anderen laufen. Bei manchen steht der sportliche Aspekt im Vordergrund, bei vielen die Geselligkeit. Wird schon als das neue "Tinder" bezeichnet. Ich laufe täglich mit dem Hund. Auch gesellig...
Meine Frau benötigte einen neuen ecuadorianischen Personalausweis. 10 Jahre waren rum. So langsam muß das Chekkarten Format vergrößert werden.
Name, Vornamen, Geburtsdatum und Ort, Nationalität, Namen der Eltern, Familienstand, wenn verheiratet Name des Ehepartners, Bildungsstand (ohne Schulabschluss kein Führerschein), Blutgruppe, Organspender Si/No, Volkszugehörigkeit (wir sind blancos), QR Code und Fingerabdruck. Nur die Adresse steht nicht drauf, da wäre auch kein Platz mehr

Aber das die Blutgruppe nun nicht nur im Führerschein steht, finde ich gut. Ich habe ja keinen nationalen und darf auch keinen machen. Dazu müsste ich apostellierte Bescheinigungen meines Bildungsstandes vorlegen. Ohne Schulabschluss kein Führerschein. Und am Schalter der Beantragung des Ausweises kann man dann ganz formlos festlegen, ob Organspender oder nicht. Nur die Sache mit den Blancos finde ich diskriminierend, weil man mit den Gringos in einen Hut geworfen wird. Bei der letzten Volkszählung konnte ich noch " blanco europeo" auswählen
Gerade wird bei Ministerien und deren Mitarbeiter, der öffentlichen Verwaltung und den Staatsunternehmen ein wenig personell ausgemistet. Die ganze Apparatur wurde in den Jahren gewaltig aufgebläht. Ziel ist ein schlankerer, digitaler und effizienterer Staat. Nicht die argentinische Kettensäge, eher ecuadorianische Laubsäge

Aber zumindest ein Anfang.
Der Fussball spielt hier natürlich auch eine grosse Rolle, Ecuador hat sich vorzeitig für die WM qualifiziert und die Reise Agenturen sind schon mit Komplettpaketen am Start. Drei Gruppenspiele, Flug, Unterkünfte und Transfer. Preise zwischen 10.000-13.000 Dollar. Dazu noch das Visum, von dem niemand weiss, wie teuer es nächstes Jahr ist. 300, 1000 oder 10.ü00 Dollar? Kleines Überraschungsei......falls überhaupt Visa ausgestellt werden. Aber es leben ja genügend Ecuadorianer in Nordamerika, das wird für sie ne große Party.
Dann gab's dieses Jahr wieder eine kleine Verschärfung von Einweg Plastik. Es muss jetzt 30% recyceltes Plastik enthalten. Ecuador hat es sich schon vor vielen Jahren gesetzlich verboten, sein Müll im Ausland zu verklappen. Also muss etwas mit dem Plastikmüll passieren. Bevor der Müllwagen kommt, sammeln die Recycler mit ihren Lastmopeds Plastikflaschen, Pappe und ähnliches vom Bürgersteig und bringen es zu Aufkäufern. Diese müssen staatlich festgesetzte Preise bezahlen. Von dort gehts zu den Produzenten von Plastiktüten, Gartenmöbel, Blumenkübel, Terrassendielen und ähnliches. Da hat sich in den Jahren eine kleine Recyclingindustrie aufgebaut. Ein Pfandsystem für Plastikflaschen gibt's nicht und eine Mülltrennung ist rein freiwillig. Mit Verboten tut man sich zum Glück recht schwer hier.
Und nun wurden die Dieselsubventionen komplett gestrichen. Der Preis steigt von 1,80 auf 2,80/Gallone. Diesel kostete vor einigen Jahren noch 1,03$. Der Schmuggel soll trocken gelegt werden. Es verschwinden gigantische Mengen an Diesel nach Kolumbien und Peru. Ausserdem profitieren private Dieselfahrer von diesen Subventionen. Und Leute, die sich einen neuen Diesel Pickup leisten können, müssen nun nicht gerade subventioniert werden. Stattdessen gibt es nun Entschädigungen für die Transportwirtschaft und Fischerei. Auch die rund 25.000 selbständigen Busfahrer werden entschädigt, damit die Fahrpreise stabil bleiben.
sonnige Grüße aus Cotacachi
Jens

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