Anpressdruck beim Kleben

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Anpressdruck beim Kleben

#1 Beitrag von Pin » 2017-02-04 13:19:21

Hallo Leute
... brauche euren Rat.

Wie die einen oder anderen Wissen, bin ich dabei einen Stahlrahmen Kabinenaufbau auf meinen Pinzgauer zu bauen.
Mittlerweilen ist der Stahlrahmen geschweisst und steht bereit für die Pulverbeschichtung.

Als nächstes werde ich die Aussenhaut-Bleche auf den Grundrahmen mit Sikaflex 265 kleben.

Klebeaufbau / Ablauf:
  • - Stahlrahmen Profilkonstruktion (Pulverbeschichtet)
    - Distanzgummi 4mm
    - Sikaflex Raupen auf den Profilrahmen (inkl. Vorbehandlung, Primer)
    - Blech (Chromstahl) anbringen.
    - Pressen bis auf eine Dicke von 4 mm (Distanzgummi)
Bei der Umsetzug stellen sich mir jedoch einige Fragen:
  • - Soll ich den Grundrahmen legen und die Bleche von oben auf den Grundrahmen aufkleben
    - Soll ich den Grundrahmen aufs Fahrzeug montieren und die Bleche anschliessend senkrecht ankleben
    - Wie kriege ich den nötigen anpressdruck hin, insbesondere wenn ich die Bleche senkrecht anklebe
Was sind eure Erfahrungen bzw. Tipps?

Gruss
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Zuletzt geändert von Pin am 2017-02-05 1:08:31, insgesamt 1-mal geändert.

marylin
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Re: Anpressdruck keim Kleben

#2 Beitrag von marylin » 2017-02-04 14:16:43

Einen Anpressdruck gibt es nicht, da ja die verbleibenden mm den "druck" von selbst ergeben.
LEdiglich einen Einbau unter Spannung kannst vergessen.
Das 265 ist leider in der Praxis wie Schmierseife, wenn man denkt "ETWAS" Gewicht könnte eine Stabivorgang einleiten.
Das Gegenteil ist der Fall- 5 Stunden lang alles gut beobachtet, und am Morgen das böse Erwachen- die Chose ist um 3 cm irgendwohin wo es nicht 100% eben war gerutscht.
Ich trag fett genug auf (natürlich vorher abkleben) und verreib das Ganze damit ich eben keine Raupen mehr habe zu einer Art Spitzpyramide (innen hoch aussen niedrig) dann drück ich auf Endmaß und warte . Bei senkrechten Klebearbeiten seh ich ein Problem ohne Fixierung.
Sika 265 ist unlösbar- Korrekturen kaum
möglich. Mittlerweile nehm ich wieder K+D- das löst bei 85 Grad wenigstens wieder.

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egn
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Re: Anpressdruck keim Kleben

#3 Beitrag von egn » 2017-02-04 14:56:38

Bei Sika braucht man eine Klebschicht die dick genug ist um unterschiedliche Längenänderungen durch Temperatur auszugleichen.

Damit das funktioniert braucht man in regelmäßigen Abständen entsprechende Abstandshalter mit mehreren mm Dicke. Gummis sind dazu meiner Meinung nach ungeeignet. Ich verwende dazu immer eine oder mehrere Beilagscheiben. An diesen Stellen kann man dann auch Pressen. Bei unterschiedlichen Material kann man auch Kunststoffplättchen nehmen.

Bei größeren Flächen den Klebstoff nicht mit einer Zahnspachtel aufbringen, sondern einzelne Raupen, oder mehrere Raupen als Pyramide bei größerer Dicke, setzen mit Abstand zueinander, damit die Luftfeuchtigkeit dazwischen kann, sonst härtet Sika nicht aus. Erst nach Trocknung (mehrere Tage) die Lücken verfugen.

Am einfachsten ist es wenn Du horizontal kleben kannst. Du musst das halt dann in mehreren Schritten machen.
Gruß Emil

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Re: Anpressdruck keim Kleben

#4 Beitrag von marylin » 2017-02-04 15:01:58

egn hat geschrieben:
damit die Luftfeuchtigkeit dazwischen kann, sonst härtet Sika nicht aus. Erst nach Trocknung (mehrere Tage) die Lücken verfugen.

n.
Stimmt-- hab ganz vergessen daß ich Löcher in den Rohren hatte die den Zutritt ermöglichen sollen

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Enzo
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#5 Beitrag von Enzo » 2017-02-05 1:23:48

Gibt ein gutes Sika Marine Handbuch zum Download. Dort werden Klebetechniken erklärt.
Ich hatte die aufrechte Montage gewählt. Einmal fixiert, Nietloecher dort gebohrt., wo eh ein Profil drüber kommt, dann abgenommen und den Kleber drauf. Dann Platte angenietet, da musst du dann Scheiben in der erforderlich Stärke hinterlegen.
Gruß Jens

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Re: Anpressdruck beim Kleben

#6 Beitrag von Pin » 2017-02-05 8:04:42

Sali Enzo, marylin

Das war ein guter Tipp mit dem Marine Handbuch.
Habe unter https://www.svb.de/media/content/pdf/da ... ndbuch.pdf eine entsprechende Kopie gefunden.

marylin hat geschrieben: Das 265 ist leider in der Praxis wie Schmierseife, wenn man denkt "ETWAS" Gewicht könnte eine Stabivorgang einleiten.
Das Gegenteil ist der Fall- 5 Stunden lang alles gut beobachtet, und am Morgen das böse Erwachen- die Chose ist um 3 cm irgendwohin wo es nicht 100% eben war gerutscht.
Da werde ich doch lieber den Grundrahmen ablegen und die Bleche von oben auflegen und mit Schraubzwingen leicht fixieren.

Gruss
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#7 Beitrag von Pin » 2017-02-05 8:46:59

Bezüglich Abstandhalter würde ich zwingend Gummi/Elastomer in gleicher Shore Härte wie der Kleber verwenden (Sikaflex 265 Shore Härte 45). Andernfalls können unliebsame Ausbeulungen an den Distanzstücke entstehen.

Als Alternative könnte ich mir auch Distanzteile vorstellen welche nach dem Kleben wieder entfernt werden.

Gruss
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#8 Beitrag von marylin » 2017-02-05 18:47:07

Pin hat geschrieben:
Da werde ich doch lieber den Grundrahmen ablegen und die Bleche von oben auflegen und mit Schraubzwingen leicht fixieren.

Gruss
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Eher NICHT fixieren.... ausser es ist sicher daß die Fixierung nach 4 Stunden nicht IGRENDEINE Richtung vorgibt. Das passiert schnell....

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egn
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#9 Beitrag von egn » 2017-02-06 7:30:43

Die Fixierung sollte dran bleiben bis das Sika richtig fest ist.

Ich verwende jetzt übrigens meisten Soudal Fixall Turbo.

Es ist in 20 Minuten schon handfest und kann nach 3 Std belastet werden bei einer ähnlichen Belastbarkeit von Sika.
Gruß Emil

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mario1
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#10 Beitrag von mario1 » 2017-02-06 15:52:00

Wir haben das auch mit Sika an unserer Verlängerung geklebt.
Rückwand immerhin knapp 2X2m verklebt und mit Panzerband in Position gehalten.
Das hat 1a geklappt. Wo will se auch hin.

Seitlich hatte ich noch oben 2 Nieten gesetzt als Positionsgeber. An der Rückwand fand ichs überflüssig.
Hattten 2mm Alublech

2 Saugheber mit dachlatten oder dergleichen als Stütze wäre auch ne Lösung

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Re: Anpressdruck beim Kleben

#11 Beitrag von Pin » 2017-02-06 17:26:36

Danke für euer Ideen.

Werde in dem Fall die Chromstahlbleche mit Dachlatten und Schraubzwingen so in Position bringen, dass die Bleche nicht verrutschen können.
Die Bleche werden ich nur mit "sanftem" Druck auf den Endabstand (4mm) bringen, ohne diese zu fixieren bzw zu pressen.

Gruss
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Re: Anpressdruck keim Kleben

#12 Beitrag von Wuiderer » 2018-04-16 22:10:03

egn hat geschrieben:
2017-02-04 14:56:38
Bei Sika braucht man eine Klebschicht die dick genug ist um unterschiedliche Längenänderungen durch Temperatur auszugleichen.

Damit das funktioniert braucht man in regelmäßigen Abständen entsprechende Abstandshalter mit mehreren mm Dicke. Gummis sind dazu meiner Meinung nach ungeeignet. Ich verwende dazu immer eine oder mehrere Beilagscheiben. An diesen Stellen kann man dann auch Pressen. Bei unterschiedlichen Material kann man auch Kunststoffplättchen nehmen.

Bei größeren Flächen den Klebstoff nicht mit einer Zahnspachtel aufbringen, sondern einzelne Raupen, oder mehrere Raupen als Pyramide bei größerer Dicke, setzen mit Abstand zueinander, damit die Luftfeuchtigkeit dazwischen kann, sonst härtet Sika nicht aus. Erst nach Trocknung (mehrere Tage) die Lücken verfugen.

Am einfachsten ist es wenn Du horizontal kleben kannst. Du musst das halt dann in mehreren Schritten machen.
Servus Emil,
Von welcher Schichtdicke redest du denn da ca?
Gruß Clemens

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Re: Anpressdruck beim Kleben

#13 Beitrag von Weickenm » 2018-04-16 22:42:58

Servus Clemens,

Die Mindestklebschichtdicke sollte sich im Datenblatt des Klebstoffe finden lassen.
Falls du über deinen Shibboleth Account (Hochschul Account) Zugang zum Springerlink hast, kannst du mal nach den Büchern von Gerd Habenicht schauen, der hat da was sehr interessantes verfasst.
Darüber hinaus gibt dir DIN 923 einen guten Überblick über die einzelnen Klebstoffe.

Beste Grüße
Florian
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#14 Beitrag von ADK-Fahrer » 2018-04-17 7:03:16

Wenn ich das richtig verstanden habe, klebst Du die Außenhaut auf die Pulverbeschichtung?
Damit habe ich weniger gute Erfahrungen gemacht.
Was ist wenn sich die Beschichtung mit der Zeit vom Rahmen löst?
Sika ist auf jeden Fall eine gute Wahl, wenn sich K+D bei 85° löst..., die sind in der Sonne ggf. mal erreicht....
Ruß
Hanno
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Es stimmt übrigens nicht, dass Teile die man dabei hat, nicht kaputt gehen.
Richtig ist dagegen, dass Probleme die man mit Bordmitteln beheben kann, keine Probleme sind!

stonedigger
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Re: Anpressdruck beim Kleben

#15 Beitrag von stonedigger » 2018-04-18 12:47:32

Hallo,

im Gegensatz zu Pattex (welcher ja auf beiden Seiten aufgetragen wird und unbedingt Druck benötigt) ist Druck bei Sika sogar kontraproduktiv. Sika benötigt eine Mindest-Schichtdicke um die vorgegebene Zugfestigkeit zu erreichen. Druck würde den Kleber herauspressen (es sei denn Du hast wie z.B. beim Klebe-Airline-Profil Kammern, die den Klebstoff nicht weglassen und sozusagen als Abstandhalter fungieren). Dass beim Verkleben die Verarbeitungshinweise entscheidend sind (Oxidschicht entfernen, Cleaner, Primer, Kleber, Benetzen, Verbinden) sollte klar sein. Wichtig ist, dass Sika 260 oder 252 feuchtigkeitshärtend sind. D.h. es empfiehlt sich einen dünnen Sprühnebel auf den aufgebrachten Kleber aufzubringen. Sonst wartet man unter Umständen Tage oder Wochen, bis der Kleber ausgehärtet ist.
Weiterhin entwickelt Sika seine max. Zugfestigkeit erst ab einer gewissen Dehnung. Nur so lassen sich die im Datenblatt angegebenen positiven und gewollten Eigenschaften "vibrationshemmend" und "dehnungsausgleichend" erreichen.

SD

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Re: Anpressdruck beim Kleben

#16 Beitrag von stonedigger » 2018-04-18 12:59:26

Sorry, habe jetzt gelesen, dass meine Hinweise oben schon erwähnt wurden.

Sika schreibt zur den Schichtdicken in Ihrer Broschüre Kleben und Dichten:
Therm. Längenausdehnungskoeffizienten Alpha von Alu = 24 x 10 Hoch -6 1/K :

Delta S = 1/2 x L x (Alpha Material 1 + Alpha Material 2) x 10 Hoch -6 1/K x Delta T =
mit Bauteil 8m Länge, Kombi GFK und Stahl
1/2 x 8000 x (30 - 12) x 10 Hoch -6 x 80° = 4,3mm

d = Delta s / 50% = 4,3 / 50% = 8,6mm

Um so dicker die Schichtdicke um so länger dauert die Aushärtung

SD

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Re: Anpressdruck beim Kleben

#17 Beitrag von Pin » 2018-04-21 8:51:43

Hallo Leute

Ich habe mitlerweilen meine Kabine mit Sika 265 sowie dem entsprechender Grundierung und Primer geklebt.
Das Resultat kann sich sehen lassen!

Die Dicke des Klebers liegt bei ca 4 mm somit für meine Ansprüche (Ausdehnungen) sollte dies ausreichend sein.
Meine Befürchtungen, dass ich die Bleche, wärend des Trocknungsphase anpressen muss waren unbegründet. Es war lediglich wichtig dafür zu sorgen, dass die Bleche nicht nach unten verrutschen können. Eine grössere Herausforderung war, denn nötigen Anpressdruck zu erzeugen um die Sikawürste auf die 4 mm Dicke zu drücken. D.h. da mussten wir zu zweit mit aller Kraft drücke und ziehen um die Bleche auf die entsprechende Position zu bringen.

Bezüglich Sika Kleber habe ich mich sehr ausführlich mit einem Sika-Mitarbeiter unterhalten und er hat mich sehr gut beraten.
  • Materialien : Chromstahlblech, Pulverbeschichteter Stahlrahmen
    Info: K2 Lackierung ist auch guter Untergrund. Wichtig ist, das die 2K Lackierung/Pulverbeschichtung Top Qualität ist.
    Rohes Metal (Stahl / Alu) ist ungünstig, da der Stahl & Alu rosten/oxidieren können was die Klebeverbindung längerfristige schwächen kann.
    Bei Feuerverzinkung sollte man ebenfalls aufpassen, da es bei der Feuerverzinkung keine reine Oberfläche gibt und je nach qualität des Zinkbad andere Stoffe eingeschlossen werden können. D.h. man es Kleben doch wird keine Garantie auf die Klebequaltität gegeben.
  • Vorbereitung
    Pulverbeschichtung und Blech reinigen mit Isopropanol / Azeton
    Schleifen SVF (Schleiffliess M3 Scotch)
    Nochmals mit Isopropanol / Azeton reinigen
    5 min warten
    SA100 fusselfreiem Lumpen auftragen (nur fein auftragen)
    10 Minuten warten
    206 GP (Melaminschaum fein auftragen, PowerClean Air))
    20 – 30 Minuten (bis max. 2.5 Stunden) warten
  • Kleben
    Sikaflex 265
    Dreieck raupen auftragen
    Sika 265 Kleben.jpg
    Nass in Nass verkleben falls möglich.
  • Trockung
    4mm ersten 24 Stunden
    1mm jeder weitere Tag

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