Moin,
als ich jung war, hatte ich oft kein Geld für Batterien und dementsprechend öfter Startprobleme. Wenn ein 2. Fahrzeug zur Verfügung steht, ließ sich immer gut ein Vorderrad aufbocken und ein Gurt darumwickeln, den man dann mit einem PKW vom Rad zieht. Das hat immer sehr zuverlässig funktioniert. Man sollte dabei die richtige Drehrichtung beachten und mit dem PKW recht zügig ziehen, langsam zu zieht man leicht den LKW vom Wagenheber und der Pkw bleibt dann ruckartig stehen. Ein Tischtuch zieht man auch besser mit einem Ruck unter dem Geschirr heraus.
Ich gehe davon aus, dass das auch mit einem Motorrad funktioniert, habe das aber nie gemacht. Von Hand: daran glaube ich nicht, auch nicht mit mehreren Personen. Eventuell könnte es auch mit einem durchgehenden Pferd klappen, müsste man mal versuchen.
Hatte schon einmal überlegt, ob man ein Schubkarren-Rad auf eine Motorflex spannen kann und damit dann ein Vorderrad so auf Schwung bringt, dass der Motor anspringt. Habe die Motorflex als Reserveanlasser aber nie praktisch getestet.
Alternativ gäbe es Druckluftstarter fertig zu kaufen, leider zu nicht witzigen Preisen. Der wäre insbesondere darum interessant, weil mein Tatra-Motor für einen zweiten Anlasser vorbereitet ist. Insbesondere mit der Reifendruckregelanlage hätte man leicht Zugriff auf die Reifenluft als Notstart-Energie.
Vor allem sollte man aber dafür sorgen, dass es nach Möglichkeit nicht zum Ausfall des ja eigentlich sehr zuverlässigen E-Starters kommt:
- ich hatte im 170 bisher immer einen gebrauchten Ersatz-Anlasser und eine Ersatz-Lima an Bord. Im Tatra fehlt der Anlasser noch. Ob eine Lima an Bord muss, weiß ich nicht, eventuell ist ein Notbetrieb auch nur mit der PV möglich.
- Ausreichend große Batterien einbauen, die zum Anlasser und zum Motor passen. Batterien mit weniger Kapazität, oder auch PKW-Batterien mit ausreichend Kapazität, haben sich nie ausgezahlt (Student hatte ja kein Geld) und sind nach kurzer Zeit ausgefallen.
- Unbedingt aufpassen, dass die Starter- und Aufbaubatterien über Winter nicht tiefenentladen und damit zerstört werden. Im Vergleich zu meiner Jugend gibt es inzwischen für Kleingeld Kennlinien-Ladegeräte und Solaranlagen, welche die Situation deutlich entschärfen und Batteriepflege bedeutet einfacher (Ladegerät kann den ganzen Winter angeschlossen bleiben) und viel billiger (Kennlinienladegrät und Studenteneinkommen sind vor 25 Jahren nicht zusammengekommen) machen.
- Man muss beachten, dass Batterien bei Kälte nicht mehr richtig geladen werden. Bei LiFePo ist schon bei 0 grad Schluss, aber auch Bleibatterien sind bei starkem Frost nicht mehr zu gebrauchen. Dass Kälte zudem die Leistung der Batterie begrenzt, kommt erschwerend hinzu. Aber der negative Effekt von Kälte wirkt sich immer deutlich stärker auf die Ladung der Batterie aus, denn auf die Entladung. Wer plant bei starker Kälte zu reisen, sollte Vorkehrungen treffen, die Batterien vor allen während der Fahrt zum Laden zu heizen. Die Leistung von elektrischen Heizmatten ist dabei fragwürdig, Tatra greift dafür bei der Sonderausstattung „Arktik“ auf warmes Motoröl und im Stand auf Diesel-Dochtlampen zurück.
- Man sollte die Aufbaubatterien so auslegen, dass man den LKW damit im Zweifel starten kann. Das ist bei LiFePo nicht ganz so einfach, weil das BMS in der Regel keine ausreichenden große Ströme zulässt (oder verträgt). Man könnte das BMS zwar zum Starten überbrücken, dafür muss man aber an den -Pol der Zellen herankommen, was in der Regel nur bei Eigenbauten möglich ist.
Habe vor kurzem herausgefunden, dass es von Daly ein günstiges BMS gibt, dass angeblich geeignet ist, einen LKW zu starten. 700A Startstrom, 2000A Peak und eine Möglichkeit, Schutzfuntionen per Knopfdruck vorübergehend abzuschalten klingen für mich auch für einen Selbstbau einer Aufbaubatterie interessant, weil man sich dann auch mit LiFePo im Aufbau selbst Starthilfe geben kann.
https://de.dalybms.com/car-starting-bms ... g-product/
- eine kräftige Solaranlage hilft eventuell auch, die Batterien voll zu halten. Andererseits verführt sie aber auch dazu, mehr elektrische Großverbraucher im LKW zu betreiben, welche ggf. die Batterie leeren oder vorzeitig verschleißen. Hier fehlen mir die Langzeiterfahrungen, weil ich erst seit ein paar Wochen PV auf dem Dach habe.
- Keine 12V von der Brücke zwischen den Batterien entnehmen, auch nicht ein bisschen!
- Dafür sorgen, dass der Motor gut anspringt: keine Luft im Diesel, Einspritzdüsen und Förderbeginn, Kompression. Ein Motor mit Reiheneinspritzpumpe springt bei normalen Temperaturen immer sofort an, wenn alles in Ordnung ist.
Wenn man Startprobleme hat, kann man versuchen, die Startwilligkeit des Motors zu verbessern:
- Beim Start Vollgas und getretene Kupplung.
- Staterspray oder Bremsenreiniger machen den Motor zündwilliger. Wenn man weiß, dass es ein schwieriger Start wird, das Zeug am besten schon vor dem ersten Startversuch anwenden.
- Flammstartanlagen bringen mächtig Feuer in den Ansaugkrümmer.
- Motor und/oder Batterien vorwärmen. Batterien über Nacht mit in den geheizten Aufbau nehmen. Motor lässt sich recht gut mit einem Grill vorwärmen, wenn man Windschutz schaffen kann, weil das ohne große Flammen passiert und die Höhe des Grills recht nah am Motor/Tank/Batteriekasten ist.
Für extreme Wintertouren weitere technische Maßnahmen treffen, um Batterien (während der Fahrt und eventuell auch im Stand) sowie eventuell auch den Motor vorheizen zu können. Zusätzlich kann man für große Kälte eventuell die Ladeschlusspannung der Lima erhöhen, dünneres Motoröl verwenden ect.
Soweit mein Notstart-Latein.
MLG
Felix