Moin,
ich denke unser Fehler beim einstellen ist recht klar: der Regelstangenanschlag war nicht in Position. In diesem Video wird der Regelstangenanschlag meiner Pumpe erklärt, leider in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Bei ca. 3:30 demontiert er den Öldruckzylinder, aber er lässt den Gashebel auf Vollförderung stehen sodass die Regelstange trotz demontieren Zylinder auf Vollförderung/Kaltstart stehen bleibt. Erst bei ca. 4:30 bewegt er die Regelstange Richtung Nullförderung und der Anschlag schnappt in Position.
https://youtu.be/jH5mfeInt4M?si=ih8RuVYLIAN3AWQq
Leider weiß ich immer noch nicht, welchen Einfluss die Kaltstartstellung auf den Förderbeginn hat. Könnte es nicht auch sein, dass bei Kaltstart einfach Pumpenelemente maximal auf Vollförderung gedreht werden, um maximal viel = maximal lange einzuspritzen? Ohne weitere Anpassung der Kolbenelemente. Und das bei zunehmender Fördermenge die ESP auch zunehmend früher einspritzt?
Meine Pumpe ist von Motorpal und heißt PV12A9S917 in der Einstellvariante 3401. Die 12 wird für 12 Zylinder stehen und die 9 ist vermutlich der Kolbendurchmesser in mm. Die Bezeichnung „PV“ und die äußere Ähnlichkeit lässt einen Lizenznachbau einer Bosch PV vermuten. Ich kann mir aber auch trotz Lizenznachbau gut vorstellen, dass die Pumpen und deren Elemente durchaus für einzelne Motoren speziell angepasst wurden.
Auch wenn ich in der Literatur nichts zu der Kaltstarteinrichtung finde, kann ich folgendes sicher beobachten:
- Der Motor Rußt erheblich, wenn er kalt mit Vollgas gestartet wird. Steht Öldruck an, ist das Verhalten nicht mehr da.
- Das Motorgeräusch ist in Kaltstartstellung sehr aggressiv, es „knallt“ richtig bei den ersten Zündungen. Das Verhalten würde ich bei „früh“ einordnen.
Beides kann man bei kalten und bei warmem Motor beobachten.
Weiter soll der Motor laut WHB bei Nullförderung auf 5+-2 Grad vor OT eingestellt werden. Ich habe ihn in Kaltstart-Stellung experimentell auf 17,5 Grad vor OT eingestellt und der Motor läuft gut.
Das heißt er beginnt m.E. in Kaltstartstellung ca. 8-15 Grad früher tropfen, ansonsten würde der Motor jetzt offensichtlich schlecht laufen. Für mich ist ein früherer Förderbeginn (eventuell einfach, weil die Pumpe generell mit steigender Fördermenge den Beginn nach vorne zieht) auch nicht widersprüchlich:
- dass der Motor Rückwärts anspringt, kann ich mir bei einem Einzylinder vorstellen, bei einem Zwölfzylinder jedoch nicht: die Kraft einer Frühzündung steht hier in einem ganz anderen Verhältnis zur rotierenden Masse.
- wenn der Frühe Einspritzbeginn gleichzeitig mit einer deutlich längeren Einspritzdauer einhergeht, kann ich mir vorstellen, dass die frühe Zündung auch nicht sonderlich gegen den Anlasser arbeitet. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine frühere Zündung auch vor OT Summe mehr Schub auf die Kurbelwelle bringt, weil dann nach OT einfach mehr Feuer und Schub passiert, als wenn erst spät eingespritzt wird und die Ventile schon wieder öffnen, bevor viel nutzbare Verbrennung stattgefunden hat.
Interessantes Detail: in der Ausstattungsvariante „Arktik“ hat der Tatra zwei Anlasser statt nur einem, die bei Kaltstart (es gibt da Prozeduren bis -60 grad) dann beide eingesetzt werden sollen. Ich dachte das sei, um den Motor mit gefrorenem Öl überhaupt schnell genug drehen zu können. Eventuell sind die aber auch dafür da, gegen eventuelle Frühzündungen anzudrehen.
Fazit: Ich kann mir gut vorstellen, dass ein schnell laufender Zwölfzylinder andere Maßnahmen für den Kaltstart hat, als einzylindrige Traktoren und sich daher nicht alles direkt übertragen lässt. Aber ohne klare Dokumentation bleibt das meiste Spekulation.
MLG
Felix