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Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-13 20:28:48
von orangina
Danke für den Hinkley Link.
Ja, Physik ist Physik auch wenn es manche nicht hören wollen.
https://youtube.com/shorts/z_Jj06Sq8L0? ... 9FaI3d2QoZ
Schade das es in letzter Zeit immer mehr polarisiert und man sich nicht einfach an Fakten und der Wissenschaft orientiert...
@Enzo:Danke für deinen Bericht. Wenn die Sonne das ganze Jahr recht gleichmäßig scheint und die Pflanzen und Früchte gut wachsen, warum ist da PV nicht die Lösung des Stromproblems? PV ist inzwischen so günstig und China kann in großen Mengen liefern... Für Speicher gilt das gleiche. Module aufs Dach, Wechselrichter und Speicher und schon sollte es im Eigenheim keine großen Probleme mit Stromausfälle mehr geben.
Habe eben mal kurz in die Klimatabelle geschaut. In Quito gibt es über das Jahr zwischen 6 und 8 Sonnenscheinstunden pro Tag. Damit sollte PV einen Großteil abdecken können...
Wie siehst du das? Was würde dagegen sprechen?
Immer positiv bleiben!
Grüße,
Markus
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 1:07:04
von lura
Moin Enzo, interessanter Bericht. Danke. Bekommst Du jetzt mit 65 Deine Rente aus D nach Ecuador?
Ich gehe übrigens schon mit 60 ohne Probleme als Pensionär durch.

Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 6:15:48
von Enzo
Moin Markus,
orangina hat geschrieben: ↑2025-09-13 20:28:48
warum ist da PV nicht die Lösung des Stromproblems
Ganz so einfach ist es nicht. Es haben zwar sehr viele Menschen Eigentum, aber nicht die finanziellen Möglichkeiten einer Solaranlage. Die meisten sind froh, jetzt zum Schulanfang, die Lernmittel und Schuluniformen bezahlen zu können. Und ein Kredit für eine Solaranlage mit 13% Zinsen geht gar nicht. Ein grosser Teil der Familien hat ganz andere Sorgen. Da ist der fehlende, eigene Solarstrom ein Luxusproblem.
Natürlich ist es technisch kein Problem, das gesamte Solarzeugs kommt auch aus China. Kostet hier aber bedeutend mehr als in Deutschland. Bei Wechselrichtern und Speichern ganz besonders. Für die breite Masse einfach unerschwinglich. Nur in den sehr wohlhabenden Gegenden sehe ich viel mehr Solarpanele als früher.
Wir leben weiter nördlich von Quito, haben noch mehr Sonnenstunden, aber eine Solaranlage ist wirtschaft gesehen ein Fiasko. Der Strom wird viel zu teuer.
Eine Solaranlage kostet mich rund 10.000 US$. Dann wären wir vom Netz ganzjährig unabhängig.
Ziehen wir 10.000$ vom Festgeldkonto ab, entgehen uns jährlich 1000$ Zinsen. Jahr für Jahr......
Unsere jährliche Stromrechnung betrug max 250$, eher weniger. Ab diesem Monat kann ich den Rentnertarif beantragen, 50% Ermäßigung. Dann fällt die Kalkulation der Solaranlage noch schlechter aus, wird der jährliche finanzielle Verlust noch größer.
Im LKW haben wir eine kleine Solaranlage, da juckt es mich nicht, wenn der Strom mal abgestellt wird.
Stromabschaltung ist ein Ärgernis aber kein Weltuntergang. Das Leben geht fast normal weiter. Die Menschen um mich herum sind krisenerprobte Lebenskünstler. Geschäfte, private Haushalte haben einen kleinen Notstromer. Supermärkte, Einkaufszentren, Tankstellen usw haben grosse Dieselstromer. Mobilfunk und Internet laufen auch ohne Strom aus dem Netz ungestört. Nur Bargeld sollte man in der Tasche haben.
Nur für die Industrie und das wirtschaftliche Wachstum ist zuverlässig Strom nötig. Zu jeder Tages und Nachtzeit. Nach 10 Jahren Wasserkrafts Boom stellt man nun fest, nur mit Wasserkraft und einigen alten Öl/Gaskraftwerken gehts nicht. Nun kommen, ganz nüchtern, mögliche Option auf den Tisch. Kernenergie, Wind/Sonne, oder neue Gaskraftwerke. Ecuador hat noch große unerschlossene Gasvorkommen. Damit ließen sich Gaskraftwerke preisgünstig betreiben. Die von dir angesprochene Polarisierung spüre ich hier nicht. Ob Wasser, Wind, Sonne, Gas,Öl, Kernenergie.....Hauptsache Strom
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 8:58:44
von Der Initiator
Und wie sollen die sich dann Mini-Atomkraftwerke leisten?
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 11:57:33
von Argonaut82
Moin Enzo,
vielen Dank für deine tollen Berichte! Könntest gern mal ne Reportage mit dem NDR o.Ä. über deine Erfahrungen machen…
Grüße Martin
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 13:37:52
von Enzo
Der Initiator hat geschrieben: ↑2025-09-14 8:58:44
Und wie sollen die sich dann Mini-Atomkraftwerke leisten?
Das lässt dir wohl keine Ruhe......

Infrastruktur Großprojekte können nur mit ausländischer Hilfe, Krediten und privaten Investoren realisiert werden. Die vielen Milliarden für den Bau der Wasserkraftwerke kamen größtenteils aus China. Die Firmen, die diese Projekte realisierten natürlich auch. Ohne China wäre der Bau der Wasserkraftwerke nicht möglich gewesen. Im Gegenzug erhielt China Zugang zu den hiesigen Rohstoffen......
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 13:40:16
von Der Initiator
Mich wundert nur, dass nach deiner Darstellung offensichtlich die Bevölkerung
Enzo hat geschrieben: ↑2025-09-14 13:37:52
Infrastruktur Großprojekte
selbst bezahlen soll. Schließlich bestimmt nicht die Technologie, sondern die Leistung eines Kraftwerkes, ob es ein Großprojekt ist, oder? Und solche Ungereimtheiten möchte ich eben erklärt bekommen.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 13:58:45
von Enzo
lura hat geschrieben: ↑2025-09-14 1:07:04
Moin Enzo, interessanter Bericht. Danke. Bekommst Du jetzt mit 65 Deine Rente aus D nach Ecuador?
Ich gehe übrigens schon mit 60 ohne Probleme als Pensionär durch.
Moin Bernd, noch habe ich mein gesetzliches Renteneintrittsalter nicht erreicht. Da fehlen noch 15 oder 16 Monate. Nächstes Jahr mache ich ein Termin bei der Rentenversicherung und fliege nach Deutschland. Dann werden alle Unklarheiten beseitigt.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 15:55:59
von Enzo
Der Initiator hat geschrieben: ↑2025-09-14 13:40:16
Mich wundert nur, dass nach deiner Darstellung offensichtlich die Bevölkerung
Enzo hat geschrieben: ↑2025-09-14 13:37:52
Infrastruktur Großprojekte
selbst bezahlen soll. Schließlich bestimmt nicht die Technologie, sondern die Leistung eines Kraftwerkes, ob es ein Großprojekt ist, oder? Und solche Ungereimtheiten möchte ich eben erklärt bekommen.
Die Bevölkerung zahlt doch immer die Infrastruktur. Als Steuerzahler. Autofahrer, Stromkunde....... Wenn ich von Grossprojekten schreibe, dann sind es Projekte, die einen enormem finanziellen Aufwand erfordern. Das hat ersteinmal nichts mit Technik oder Leistung zu tun. Natürlich sollte am Ende die Gegenleistung stimmen. Und solch Projekte kann Ecuador nicht alleine stemmen. Da kann man nicht mal eben ein "Investitionsbooster" aus dem Ärmel schütteln.
Einiges läuft hier anders als in Deutschland. Das kostenlose, öffentliche Gesundheitswesen wird über die Steuerzahler finanziert. Der Straßenbau wird mit Steuermitteln realisiert, dann privaten Betreibern übergeben. Über die Maut wird die Erhaltung, der kostenlose Abschlepper und die Bereitstellung von Krankenwagen finanziert.
Der Staat, also alle, finanzieren den Bau von Kraftwerken und dem Ausbau des Stromnetzes aus Steuermitteln. Der Stromkunde zahlt nur die laufenden Betriebskosten.
Ich hoffe nun sind alle Klarheiten beseitigt
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 16:42:01
von Der Initiator
Und das alles gilt nur für Solarkraftwerke, nicht für Kernkraftwerke? Ernsthaft? Oder liegt es einfach daran, dass Solarkraftwerke bereits erhältlich sind, es die mini-AKW aber noch gar nicht gibt, da also gar keine Kosten drohen? Bring' es doch mal auf den Punkt, bisher eierst du nur herum.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 18:23:49
von Enzo
Das gilt für alles wo am Ende Strom rauskommt. Und jetzt gehe mir mit den Mini Kernkraftwerken nicht weiter auf den Sack

Akzeptiere einfach, dass ausserhalb Deutschlands die Kernenergie als ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung angesehen wird und auch ein Land wie Ecuador sich Gedanken über einen möglichen Einstieg macht. Da guckt man auch nach Schweden, wo Wasserkraft und Kernenergie zwei starke Säulen sind.
Hier waren auch Expertenteams aus Skandinavien und Island, Standorte für Thermal Kraftwerke ausfindig machen. Japan hat das erste kleine Thermal Kraftwerk in Ecuador finanziert und den Bau technisch unterstützt. Die Überlegungen gehen in alle Richtungen.
Zur Zeit, als Sofortmaßnahmen, werden halt die Netzinfrastuktur und die Öl/Gaskrafterke erneuert, damit mehr Strom zur Verfügung steht. Öl und Gas sind ja vorhanden.
Bei allen Überlegungen darf man eines nicht vergessen.
Es gibt hier kein großes Stromverbundsystem mit anderen Ländern. Da muss Ecuador zu allererst sein benötigten Strom selber produzieren. Die Übertragungsleitungen in die Nachbarschaft geben nicht viel her. Und wenn in Ecuador die Wasserkraft ausfällt, dann sieht es in Peru und Kolumbien ähnlich aus. Nur diese beiden Länder haben genügend fossile Kraftwerke um den Ausfall zu kompensieren. Wenn Deutschland nicht auf seine Nachbarschaft zurückgreifen kann und zu jeder Tages und Nachtzeit seinen benötigen Strom selber produzieren muss, wie würde dann über die Energiesicherheit in Deutschland diskutiert werden?
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 21:41:57
von Der Initiator
Mir geht es nicht um Atomkraft. Da braucht keins mehr zu argumentieren, der Käse ist gefressen.
Worum es ging, habe ich erklärt. Du verstehst es nicht, musst du auch nicht. Es tut mir (ein bisschen jedenfalls) leid, dass du das persönlich nimmst. Wenn du dich von mir angegriffen fühlst, entschuldige ich mich dafür, das war und ist nicht meine Absicht.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-14 23:51:24
von Enzo
Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen. Warum auch? Bin ja nicht für die Energiepolitik verantwortlich.
Mag sein, dass ich nicht verstehe, was du genau wissen möchtest. Kann gut sein, dass ich dir diese Antworten auch nicht geben kann, weil ich nicht als Energieminister tätig bin und vieles selber nicht verstehe. Ich kann nur von Aussen das Geschehen beobachten und beschreiben. Warum manch Projekte im Strombereich mit Schwierigkeiten realisiert wurden, immerhin realiert, andere jedoch im Sande verlaufen, weiss ich nicht. Und Solarparks gehören zur Zeit in die Kategorie "im Sande verlaufen".
Kannst mich gerne auf ein Bier per PN anschreiben falls du Fragen hast. Ich bemühe mich immer, auf diesem Weg zu antworten.
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-15 20:16:33
von DäddyHärry
Der Initiator hat geschrieben: ↑2025-09-14 16:42:01
Und das alles gilt nur für Solarkraftwerke, nicht für Kernkraftwerke? Ernsthaft? Oder liegt es einfach daran, dass Solarkraftwerke bereits erhältlich sind, es die mini-AKW aber noch gar nicht gibt, da also gar keine Kosten drohen? Bring' es doch mal auf den Punkt, bisher eierst du nur herum.
[ot]
Wieso eigentlich noch gar nicht gibt...?
Flugzeugträger, U-Boote, Eisbrecher werden dadurch angetrieben. Was verhindert die zivile Nutzung?
[/ot]
Sorry, Jens, aber es hat hier gerade gepasst....
Gruß Härry
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-16 21:48:27
von Manfred_D
Enzo hat geschrieben: ↑2024-09-29 17:02:23
Moin
mal wieder ein Lebenszeichen aus den nördlichen Anden Ecuadors. Das Land erlebt die schwerste Dürre seit 61 Jahren. Damals vertrocknete die Ernte und Milchkühe/Rindviecher wurden notgeschlachtet. In heutigen Zeiten haben wir zum Glück nur eine Stromkrise. Die wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes liegen trocken und sind fast komplett vom Netz gegangen. Täglich wird der Strom 10-12 Std abgestellt. Die Energiewende 2.0 läuft auf Hochtouren, reicht aber nicht. Die alten Öl-Gaskraftwerke werden ständig repariert und modernisiert. Hunday und MAN haben Dieselgenerstoren geliefert. Ein türkisches Kraftwerksschiff liegt bei Guayaquil vor Anker, zwei weitere sollen folgen. Private Unternehmen mit grossen Generstoren sind aufgefordert ins öffentliche einzuspeisen. Online Registrierung und schon wird ein Zähler gesetzt, jede KWh wird mit 25 Cent vergütet. Öl, Gas, Benzin und Diesel....alles wird verfeuert, Hauptsache am Ende kommt Strom raus.
….
Danke für den tollen und ausführlichen Bericht. Finde ich super wertvoll und allemal besser als so viele andere Informationen die oftmals nicht der eigenen Wahrnehmung entstammen.
Es wird wohl noch ein wenig dauern bis wir bei euch sein werden. Aber ich melde mich dann bestimmt….. - wenn alles klappt starten wir Mai/Juni 26 in Halifax oder September in Veracruz… aber erstmal muss der LKW fertig werden
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-16 22:24:45
von Enzo
Einfach melden. Hast ja gelesen, dass Besuch immer willkommen ist.
Fröhliches Schrauben und einen guten Start...
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-17 8:59:02
von 4x4tripping
Enzo hat geschrieben: ↑2025-09-14 6:15:48
Ziehen wir 10.000$ vom Festgeldkonto ab, entgehen uns jährlich 1000$ Zinsen. Jahr für Jahr......
Grüsse nach Equador
Wo hast Du denn Festgeld 10 % p.a. in USD ergattert?
Hierzulande bekomme ich max 3,75 % p.a. mit viel Rechereche. DH Festgeld lohnt im Vergleich zu anderen Alternativen nicht wirklich.
An deiner Rechnung ändert sich natürlich trotzdem nicht viel, mit einem Aktiendepot und z.B. dem MSCI World sind diese Zins und Zinseszinserträge ja auch gegeben, wenn man die letzten 10 Jahre anschaut. Aber eben nicht garantiert...
Und auch mit 3.75 % p.a. ist der Zinsertrag höher als deine aktuellen Stromkosten: 3,75 % p.a. ≈ 375$ Ertrag bei 10k USD.
trippin
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-17 13:46:30
von Enzo
4x4tripping hat geschrieben: ↑2025-09-17 8:59:02
Wo hast Du denn Festgeld 10 % p.a. in USD ergattert?
Dies ist der durchschnittliche Zins der letzten 10 Jahre bei hiesigen Cooperativen, also Genossenschaftsbanken, die im jährlichen Rating im besten Segment auftauchen. Dann mit Einlagensicherung von 32.500 US $. Die Zinsen werden monatlich ausgezahlt und sind bei Laufzeiten von mindestens 365 Tagen steuerfrei. Bei kürzeren Laufzeiten werden 2% Steuern auf die Erträge fällig. Gibt bei anderen Cooperativen noch höhere Zinsen, sind jedoch schlechter bewertet und dementsprechend ist die gemeinschaftliche Einlagensicherung geringer. Wir sind seit 2015 Mitglieder bei zwei Cooperativen, die uns empfohlen wurden und die schon seit 50-60 Jahren erfolgreich am Start sind. Beide haben eine Filiale in Cotacachi, kurze Wege. Nicht nur höhere Zinsen, auch ein wesentlich freundlicher und besserer Service als bei hiesigen Banken. Ein Bankkonto benötige ich leider trotzdem, da die Cooperativen nur national tätig und nicht mit dem internationalen System verbunden sind.
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-17 15:10:58
von lura
Cooperativen sind immer ne gute Möglichkeit, die Agro GmbH in D sind auch oft lukrativ,man kommt nur an Anteile nicht ran.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-09-24 18:10:19
von Enzo
Moin,
Streichung der Dieselsubventionen, ein ganz heißes Eisen, da war der Widerstand vorherzusehen.Die Versammlung der indigenen Völker rief letzte Woche zum Streik auf. Die Völker des Amazonas-Tieflandes beschlossen jedoch nicht teilzunehmen. Aber es klar, die indigenen Gemeinschaften Cotacachis und dem benachbarten Otavolo starteten Sonntag Abend und blockierten alle Nebenstraßen und die Panamerica. Meine Nachbarschaft ist wieder auf dem Kriegspfad. Im Rest des Landes rollt der Verkehr fast ungestört, bei uns geht nichts. Polizei und Militär zogen sich nach heftigen Widerstand erst einmal zurück.
Die meisten Läden und Geschäfte sind geschlossen, äußerst ruhig im Zentrum. Wir haben rechtzeitig unsere Vorräte aufgestockt und sitzen es jetzt aus.
Gerade ist unser Präsi in Otavalo eingetroffen, mal schauen was er für Gastgeschenke mitgebracht hat
Meine Frau wollte die Tage zu einem deutschen Arzt nach Otavalo und ich benötige nach einem freien Fall eine neue Lesebrille, muss jetzt warten. Nächste Woche will ich einen Kumpel am Flughafen Quito abholen, da komme ich nicht hin. Mal schauen wie es bis dahin aussieht.

- Nichts los in der Stadt

- Shuttle Service zur Panamerica
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-04 18:34:05
von Enzo
Moin, weiterhin Stillstand in der nördlichen Provinz Imbabura. Das Epizentrum befindet sich in Otavalo und Cotacachi. Die Panamerica und viele Nebenstraßen sind weiterhin blockiert.
Bei dem Versuch einen LKW Convoy mit Lebensmitteln und Treibstoff, begleitet von viel Militär und Polizei, von Quito nach Ibarra durchzudringen, gab's an der Anschlusstelle Cotacachi heftigsten Widerstand. LKWs brannten, viele Verletzte und ein, von Militärs erschossener, Demonstrant aus Cotacachi. Als ich die Bilder sah, war ich froh, dass es nur einen Toten gab.
Im Anschluss traf eine Delegation aus Vertretern der EU, UN und dem italienischen Botschafter ein. Die Möglichkeit eines Dialoges schaffen. Daraufhin konnte zumindest ein humanitärer LKW Convoy nach Ibarra fahren.
Der wirtschaftliche Schaden ist gewaltig. Die Blumenzüchter können ihre Ware nicht zum Flughafen ausliefern, haben Verluste von täglich 1 Mio Dollar. Die Bauern kippen jeden Tag 150.000-200.000 Liter Milch weg. Kann nicht abgeholt werden. Gerade für die kleinen Landwirte, die eh immer von der Hand in den Mund leben, katastrophal. Die Gaslieferanten kommen nicht durch, da bleibt die Küche kalt. Tankstellen sind grösstenteils auch leergelaufen. Geschäftsinhaber werden massiv bedroht, wenn sie ihre Geschäfte öffnen. Vor allem in Otavalo. Hier in Cotacachi kippt die Stimmung. Viele sind absolut genervt und unterstützen den Streik nicht. Schon mal gar nicht, wenn die eigenen Leute nicht in die Krankenhäuser kommen, weil die Fahrzeuge nicht durchgelassen werden. Dem Krankenhaus in Otavalo ging der Sauerstoff aus, der LKW mit Sauerstoff an Bord wurde weiter entfernt festgehalten. Erst als Krankenhausmitarbeiter, Gemeindevertreter, Bürgermeisterin und rote Kreuz sich auf den machten, konnte der LKW passieren. Geht überhaupt nicht.
Nun startet die EU und die katholische Kirche einen Versuch zum Dialog. Der Präsident lehnt jegliche Forderungen der indigenen Völker konsequent ab. Weder werden die Streichung der Dieselsubventionen zurückgenommen noch die Mehrwertsteuer von 15 auf 12% gesenkt. Er zeigt keinerlei Dialogbereitschaft. Seine kaum vorhandenen Kommunikation ist nicht besonders förderlich und wird dafür auch von vielen kritisiert. Auch denen, die diesem Streik nichts abgewinnen können.
Mittwoch landete ein Freund in Quito. Ich sollte ihn am Flughafen abholen. Normalerweise eine Strecke von 1,5 Std. Habe alle Möglichkeiten durchgespielt. Wenn ich nachts über Nebenstraßen Cotacachi verlasse, in der Hoffnung dass einige Blockaden nicht besetzt sind, kann ich mich zur Küste durchschlagen und mit einem gewaltigen Umweg Quito erreichen. Geschätzte Fahrzeit 16 Std, wenn alles gut geht und ich nicht mit 4 zerstochenen Reifen strande. Also keine Option. Gäbe noch eine Alternative. Aber nicht nachts und ohne Allrad. Die Strecke ist schon am Tage herausfordernd. Aber im Dunklen, bei Nebel und Regen.......
Aber heute früh um Mitternacht ist ein Fahrer mit 4 Passagieren am Flughafen Quito gestartet. Mein Kumpel ist mit an Bord. Wenn es weiterhin gut läuft, könnte er heute Nachmittag eintreffen. Falls sie an einer Einfallstrasse nach Cotacachi gestoppt werden, kann ich von der anderen Seite kommen.
Vorletzte Woche hatte ich noch eine, in Cotacachi gestrandete Fahrradreisende eingesammelt und bei uns einquartiert. Sie konnte nach ein paar Tagen weiter in den Norden, Richtung Kolumbien radeln. Auf kleinsten Nebenstraßen gab's wenige Blockaden und die dortigen Indigenen halfen ihr jedesmal das schwere Rad über ihre Baumstämme und Steine zu tragen. Evtl sollte ich mir doch noch ein Fahrrad kaufen

Wir hatten schon mal eines. Aber die Steigungen machten kein Spaß.
Seit zwei Tagen nimmt der Verkehr an unserer kleinen Ausfallstrasse zu. Vorzugsweise zwischen 3.00 und 4.00. Der Gaswagen ist ja kaum zu überhören, der klötert und klappert ja kräftig. Da rollen einige LKWs durch und beliefern die Geschäfte. Die Blockade scheint löchriger zu werden. Nachher mal die Strasse runterlaufen und schauen was dort los ist. Soviel zum Streik bei uns. Wir sind gut aufgestellt und haben nichts auszustehen. Eng wird es erst, wenn uns die Zigaretten ausgehen. Dann ist Krise
Schönes Wochenende
Gruß aus Cotacachi
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-08 17:12:20
von Puffi
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-08 23:55:49
von Enzo
Moin,
wenn Steine auf das gepanzerte Fahrzeug des Präsidenten geworfen werden, dann schafft es Ecuador auch in die deutschsprachigen Nachrichten.
Der Streik hält weiter an, das Epizentrum befindet sich in Otavalo und Cotacachi. Diese Städte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Im Rest Ecuadors gehts fast normal zu. Bis auf sporadische Demos und Blockaden. Eine kleine indigene Minderheit terrorisiert ihre eigenen Leute. Niemand soll arbeiten, die Geschäfte dürfen nicht öffnen. Gibt eh nicht mehr viel.
Der neu gewählte Präsident der indigenen Versammlung will Macht demonstrieren und fordert unaufhörlich dazu auf, dass alle indigenen Provinzen und Landkreise sich dem Streik anschließen. Bisher erfolglos. Er fordert die Senkung der Mehrwertsteuer, Rücknahme der Streichung der Dieselsubventionen und Freilassung aller verhafteten Demonstranten. Auch jene, die in Otavalo die Polizeistation angriffen und viele Fahrzeuge verbrannten. Von verletzten Polizisten und Miliärangehörigen ganz zu schweigen.
Unser Präsident lehnt alle Forderungen konsequent ab und ist nicht bereit zu verhandeln. Also Stillstand, Pattsituation. Niemand will sein Gesicht verlieren. Die nördliche, wichtige Geschäftsstadt Ibarra wird von der Küste und vom Norden her versorgt, dort gehts fast normal zu, die Schulen sind geöffnet. Auch wenn der Weg jetzt statt 2,5 Std nach Quito gute 12 Std dauert. Polizei und Militär halten sich zurück und räumen nicht die Panamerica zwischen Ibarra und Quito. Schon mal gar nicht auf Höhe Cotacachi und Otavalo. Man möchte vermeiden, dass sich die gewaltbereiten Blockierer als Opfer der Staatsgewalt inszenieren können.
Die meisten in Cotacachi sind total genervt, gefrustet und viele finaziell am Ende.
Ab morgen ist langes Wochenende und halb Quito und Ibarra werden die Küste stürmen. Den hiesigen Geschäftsleuten tränen jetzt schon die Augen. Otavalo und die Lederstadt Cotacachi sind beliebte Ausflugsziele. Das fällt nun aus.
Die Tomatenzüchter bei uns können ihre Märkte nicht beliefern, Tomaten gibt's reichlich, bevor sie weggeschmissen werden. Diverse Schnittblumen für den Export ebenfalls. Gehen auf den Komposthaufen. Frische Milch gibt's fast geschenkt, bevor sie auf auf dem Acker entsorgt wird. Baubranche steht komplett still. Gibt keinen Zement und Bewehrungseisen mehr.
Ich als weißer Zugereister halte mich raus, das müssen die Indigenen unter sich regeln.
Gruß von meiner Insel Cotacachi
Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-09 0:03:57
von Der Initiator
Enzo hat geschrieben: ↑2025-10-08 23:55:49
wenn Steine auf das gepanzerte Fahrzeug des Präsidenten geworfen werden, dann schafft es Ecuador auch in die deutschsprachigen Nachrichten.
Die "Junge Welt" hatte vorige Woche einen Artikel zum Streik drin.
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-12 16:13:24
von Enzo
Der Streik und die Strassenblockaden halten weiterhin an. Nach dreiwöchiger Unterbrechung der Lieferketten wird die Luft langsam dünn.
Für heute ist ein Marsch der Indigenen nach Quito angekündigt. Um Gewaltexesse und Zerstörung von Infrastruktur, wie im Jahr 2022, zu verhindern wurden 5000 Militärs nach Quito verlegt.
Werden von rund 5000 Polizisten der Nationalpolizei unterstützt.
Der Präsident der indigenen Völker beharrt weiterhin auf die Erfüllung seiner Forderungen, unser Präsident lehnt jegliche Verhandlungen ab. Eine, für alle Beteiligten, neue Situation. Bisher konnte die indigene Bevölkerung, obwohl eine kleine Minderheit, mit ihren Streiks den vorherigen Regierungen Zugeständnisse erpressen.
Für viele ist die kaum noch vorhandene Gasversorgung so richtig scheisse. Gasherde und Gas Durchlauferhitzer sind ja Standard. Wir machen warmes Wasser mit Strom und bei Streikankankündigung habe ich sofort unsere beiden deutschen 5kg Flaschen randvoll gefüllt und die dafür verwendete heimische 15kg Flasche gegen eine volle gewechselt. Im Gegensatz zu vielen anderen sind wir ja lernfähig

Damit können wir noch lange kochen.
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-12 19:56:06
von ellwood25
Hi Jens,
so langsam wünsche ich euch dann doch eine Einigung. Da sieht schon ganz schön leer aus.
Viel Glück,
Florian
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-10-13 13:41:42
von Enzo
ellwood25 hat geschrieben: ↑2025-10-12 19:56:06
Hi Jens,
so langsam wünsche ich euch dann doch eine Einigung. Da sieht schon ganz schön leer aus.
Viel Glück,
Florian
Moin Florian, das sieht nicht nur so aus
Die meisten Geschäfte, auch der große Mercado sind geschlossen. Äpfel und Tomaten gibt's reichlich, Paprika ist auch vorhanden, die Produzenten können ihre Märkte in Quito oder Guayaquil nicht beliefern. Milch gibt's direkt vom Bauer in der Nachbarschaft.
Für heute ist mit Hilfe vom Roten Kreuz und Militär ein humanitärer Convoy angekündigt. Lebensmittel, Medikamente, Tierfutter und Gas sollen in die betroffenen Region gebracht werden. Begleitet von der ecuadorianischen Vizepräsidentin und Pressevertretern.
Gruß Jens
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-11-15 20:56:30
von Der Initiator
Ein humanitärer Konvoi... Dazu steht auch etwas
in diesem Artikel
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-11-15 23:09:01
von Ulf H
Wäre interessant, wie Jens das von innen sieht ... ich merke ja hier von Schweden aus, wenn in Deutschen Medien berichtet wird, dass die Berichte sehr viel "deutsche Meinung" enthalten ...
Gruss Ulf
Re: Lagebericht Ecuador
Verfasst: 2025-11-15 23:42:19
von Der Initiator
Nun, dass deutsche Medien zu viel über Ecuador berichten, scheint nicht der Fall zu sein. Im Gegenteil, da muss schon außergewöhnliches passieren:
Enzo hat geschrieben: ↑2025-10-08 23:55:49
wenn Steine auf das gepanzerte Fahrzeug des Präsidenten geworfen werden, dann schafft es Ecuador auch in die deutschsprachigen Nachrichten.
In dem Artikel steht einiges, was sich einfach und bequem überprüfen lässt.