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Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-09 0:57:03
von Till
poonc hat geschrieben:
2020-05-08 11:21:20
Angenommen man schleppt ein permanent Angetriebenes Fahrzeug eine längere Strecke ab, muss man dann
a) beide Kardanwellen ausbauen
oder reicht es,
b) das VTG in Leerlauf zu schalten (bei der mechanischen Schaltung möglich) ?

Im Zweifelsfall wäre mir ein Schaden im VTG lieber als im Schaltgetriebe...
Weil die Frage sehr allgemein ist, auch eine allgemeine Antwort: ja, es macht Sinn immer beide Kardanwellen auszubauen.

Erstens gehst Du Schmierpropblemen aus dem Weg (wie es DaPo gerade geschildert hat), zweitens kennst Du unter Umständen nicht die genaue Pannenursache. Bei einem möglichen Schaden im VTG oder Getriebe bist Du so auf der sicheren Seite.

Mir wäre eine reine Leerlaufschaltung zum Schleppen viel zu unsicher. Stell Dir vor der Schalthebel vibriert sich in irgendeine Schalt- oder Zwischenposition beim Schleppen? Oft sind Schaltgetriebe einfacher zu bekommen als Verteilergetriebe, für mich ein weiteres Argument aufzupassen und die Kardanwellen an den Achsen zu entkoppeln. Niemand will zusätzliche Überraschungen bei solchen Aktionen.

In diesem Sinne... Mast- und Schotbruch!

Till

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-09 12:17:59
von Ulf H
... jeder Abschlepper, den ich bisher auf das Thema angesprochen habe, hat eine einfache Meinung: beide Wellen weg, dann ist man auf der sicheren Seite und es geht zudem noch schneller als zu recherchieren, welche Welle ggf. dranbleiben könnte ...

Gruss Ulf

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-09 17:30:32
von DaPo
Hallo,

Es kommt natürlich darauf an, aus welchem Grund abgeschleppt werden soll.

Beide Wellen zu den Achsen zu lösen macht nur Sinn, wenn ein Fehler im Verteilergetriebe vorliegt oder vermutet wird. Sonst zwischen Getriebe und VG lösen und fertig. Steht auch so in den Anleitungen der meisten Allrad-LKW, die ich kenne, und auch oft als Aufkleber im Bereich der Fahrertür.

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-09 22:47:28
von Wombi
Ulf H hat geschrieben:
2020-05-09 12:17:59
... jeder Abschlepper, den ich bisher auf das Thema angesprochen habe, hat eine einfache Meinung: beide Wellen weg, dann ist man auf der sicheren Seite und es geht zudem noch schneller als zu recherchieren, welche Welle ggf. dranbleiben könnte ...

Gruss Ulf
Dabei denkt aber keiner an die Drecksarbeit des "armen" Kerls bei -10 °C und Schneefall und Schneedecke auf der Fahrbahn oder im Graben
DaPo hat geschrieben:
2020-05-09 17:30:32
Hallo,

Es kommt natürlich darauf an, aus welchem Grund abgeschleppt werden soll.



Beide Wellen zu den Achsen zu lösen macht nur Sinn, wenn ein Fehler im Verteilergetriebe vorliegt oder vermutet wird. Sonst zwischen Getriebe und VG lösen und fertig. Steht auch so in den Anleitungen der meisten Allrad-LKW, die ich kenne, und auch oft als Aufkleber im Bereich der Fahrertür.

Das höre ich zum ersten mal ... und auch eben bei mir am Aufkleber schnell nachgeschaut ... ich konnte es nicht glauben nur eine Welle weg .... Aufkleber sagt ... beide Wellen weg und VTG >>> Getriebe bleibt.

Wär mir auch neu gewesen.

Hast Du mal ein Foto von so einem Aufkleber ???

Gruß, Wombi

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-10 7:23:41
von OliverM
Wombi hat geschrieben:
2020-05-09 22:47:28



Dabei denkt aber keiner an die Drecksarbeit des "armen" Kerls bei -10 °C und Schneefall und Schneedecke auf der Fahrbahn oder im Graben


Gruß, Wombi
Ich schon, da ich in jungen Jahren schon oft genug die Drecksarbeit machen durfte. :motz:

Wombi hat geschrieben:
2020-05-09 22:47:28

Wär mir auch neu gewesen.

Hast Du mal ein Foto von so einem Aufkleber ???

Gruß, Wombi
Mir auch . Ich pers. kenne kein Fahrzeug, wo im Falle eines Falles nicht beide Wellen demontiert werden müssen ...........was nicht heißen muss, daß es das nicht gibt. Dabei habe ich aber meine Hubbrille lieben gelernt . Muß man dann doch nur eine Welle lösen .

Gruß

Oliver

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-10 13:24:31
von DaPo
Hallo,

der letzte Allrad LKW ist bei uns schon vor Jahren vom Hof gegangen, da wird es mit einem Foto schwierig. Aber ich schau mal nach, ob sich noch zufällig irgendwo eines findet.

Anders herum, wo soll der Sinn liegen, wenn beispielsweise "nur" der Motor, die Kupplung oder das Schaltgetriebe defekt sind, zwei Wellen auszubauen anstatt einer (zwischen dem defekten Aggregat und dem voll funktionsfähigen Verteilergetriebe)?


@Oliver,
Mit Hubbrille ist natürlich wieder was ganz Anderes...

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-10 14:08:50
von ClausLa
Mahlzeit,

wenn die Eingangswelle für die Schmierung des VTG zuständig ist, man das Ding auf Neutral stellt (falls das geht) und den ANtrieb abkoppelt, möllert das Ding beim Abschleppen ohne Schmierung. :eek:

Zudem kommt man manchmal besser an die Abtriebskardanwellen, da reicht es ja, den jeweiligen Flansch an der Achse zu lösen und die (dann stehende) Welle mit einem Spanngurt o.ä. hochzubinden.

Besonderheit VW LT 4x4, (das geländegängigste Toastbrot), die Schmierung erfolgt im VTG durch die Kette zum Vorderachsantrieb, Fahren ohne vordere Kardanwelle (weil grad bei GKN) und ohne zugeschalteten Allrad ruiniert das Dingens recht schnell. :frust:

Hier nochwas dazu:

https://data.epo.org/publication-server ... ument.html

Gruß Claus

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-10 14:14:23
von Till
Es geht doch hier nicht um eine spezielle Abschleppsituation sondern um Leute aus dem Forum die sich über generelle Vorhergehensweisen informieren wollen. Diese Interessenten haben ein technisches Verständnis, das zumindest so weit geht, sich mit dem Thema auseinandersetzen zu wollen. Von denen kannst Du nicht erwarten, dass sie sofort die Ursache erkennen und dann ausdifferenzieren welche Kardanwelle ausgebaut werden muss. Selbst wenn Du meinst genug Sachverstand (und/oder die passende Ausbildung) zu haben, sind mögliche Folgen bei Fehleinschätzungen schnell fatal. Das steht in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand.

Ich bleibe dabei, immer beide Wellen runter, Punkt.

Grüße,

Till

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-11 9:18:38
von sico
Bei VTGs mit Zuschalt-Allradantrieb könnte beim Abschleppen die Kardenwelle zur Vorderachse dran bleiben.
Beim Abschleppen dreht dann die vordere Kardanwelle nur den Flansch am VTG, bei nicht eingelegtem Allrad= offener Klaue drehen sich jedoch die Wellen des VTG nicht mit und damit auch die Kardanwelle VTG/Schaltgetriebe und damit auch die Ausgangswelle des Schaltgetriebes nicht.
mfg
Sico

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-11 12:47:36
von Lampenhalter
Allgemeine Aussagen sind schwierig. Im Zweifel würde ich die Wellen wahrscheinlich auch rausbauen. Jemand, der regelmäßig ein ganz spezielles Fahrzeug fährt sollte i.d.R. auch wissen, wie es abzuschleppen ist.
Beim Ural dürfen bei längerer Schleppdistanz (>150 km mit abgeschalteten Motor) beide Kardanwellen am VTG dranbleiben, aber die Zwischengelenkwelle zwischen Getriebe und VTG ist auszubauen. Warum? Weil das VTG keinen Schaden nimmt solange es dreht, auch nicht mit abgeschalteten Motor. Wohl aber die Lager im Wechselgetriebe. Den Verteiler einfach abschalten will der Hersteller aber auch nicht. Vielleicht, weil dann darin bestimmte Teile nicht mehr geschmiert werden. Sowas sollte aber in der Bedienungsanleitung stehen.

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-11 13:33:05
von Wombi
sico hat geschrieben:
2020-05-11 9:18:38
Bei VTGs mit Zuschalt-Allradantrieb könnte beim Abschleppen die Kardenwelle zur Vorderachse dran bleiben.
Beim Abschleppen dreht dann die vordere Kardanwelle nur den Flansch am VTG, bei nicht eingelegtem Allrad= offener Klaue drehen sich jedoch die Wellen des VTG nicht mit und damit auch die Kardanwelle VTG/Schaltgetriebe und damit auch die Ausgangswelle des Schaltgetriebes nicht.
mfg
Sico

Aufkleber sagt, ..... beide raus .... muß irgend einen Grund geben.

Gruß, Wombi

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-11 13:35:07
von sico
Wombi hat geschrieben:
2020-05-11 13:33:05
sico hat geschrieben:
2020-05-11 9:18:38
Bei VTGs mit Zuschalt-Allradantrieb könnte beim Abschleppen die Kardenwelle zur Vorderachse dran bleiben.
Beim Abschleppen dreht dann die vordere Kardanwelle nur den Flansch am VTG, bei nicht eingelegtem Allrad= offener Klaue drehen sich jedoch die Wellen des VTG nicht mit und damit auch die Kardanwelle VTG/Schaltgetriebe und damit auch die Ausgangswelle des Schaltgetriebes nicht.
mfg
Sico

Aufkleber sagt, ..... beide raus .... muß irgend einen Grund geben.

Gruß, Wombi
Servus Hans,
die Hinweise in den Bedienungsanleitungen müssen natürlich narrensicher sein.
Meine Überlegung ist das sicher nicht.
LG
Sigi

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-11 14:37:52
von sico
sico hat geschrieben:
2020-05-11 9:18:38
Bei VTGs mit Zuschalt-Allradantrieb könnte beim Abschleppen die Kardenwelle zur Vorderachse dran bleiben.
Beim Abschleppen dreht dann die vordere Kardanwelle nur den Flansch am VTG, bei nicht eingelegtem Allrad= offener Klaue drehen sich jedoch die Wellen des VTG nicht mit und damit auch die Kardanwelle VTG/Schaltgetriebe und damit auch die Ausgangswelle des Schaltgetriebes nicht.
mfg
Sico
Der Knackpunkt an meiner Überlegung könnte folgender sein:
Die Ausgangswelle zur Vorderachse eines VTG mit Zuschalt-Allrad hat üblicherweise zwei Lagerstellen. Direkt am Flansch neben dem WDR ist ein Wälzlager. Das andere Ende dieser Welle ist gleitgelagert und steckt in einer zentrischen Bohrung der Ausgangswelle zur Hinterachse.
Dieses Gleitlager ist zwar geschmiert im Ölsumpf, aber es verträgt vermutlich keine länger andauernden Drehzahlen im Rahmen einer längeren Abschleppaktion.
Auch die Schiebemuffe zum Zuschalten der Vorderachse ist gleitgelagert und somit gefährdet.

Deshalb beide Kardanwellen von den Achsen lösen ist auf jeden Fall der sichere Weg.
mfg
Sico

Re: Gedanken/Fragen zur Druckluftversorgung beim Abschleppen

Verfasst: 2020-05-12 11:27:23
von DaPo
Hallo zusammen,
ClausLa hat geschrieben:
2020-05-10 14:08:50
wenn die Eingangswelle für die Schmierung des VTG zuständig ist, man das Ding auf Neutral stellt (falls das geht) und den ANtrieb abkoppelt, möllert das Ding beim Abschleppen ohne Schmierung. :eek:
genau aus diesem Grund stellt man ja NICHT auf Neutral.

siehe auch:
DaPo hat geschrieben:
2020-05-08 16:58:02
Im Zweifelsfall reicht es, die zwischen Getriebe und VG zu lösen, und das VG dann NICHT in den Leerlauf zu schalten.
:idee:



Lampenhalter hat geschrieben:
2020-05-11 12:47:36
Allgemeine Aussagen sind schwierig.
Sagte ich ja oben schon.
Lampenhalter hat geschrieben:
2020-05-11 12:47:36
Im Zweifel würde ich die Wellen wahrscheinlich auch rausbauen. Jemand, der regelmäßig ein ganz spezielles Fahrzeug fährt sollte i.d.R. auch wissen, wie es abzuschleppen ist.
Es kommt eben darauf an, was los ist. Narrensicher ist die Methode, beide Wellen zu den Achsen auszubauen, sicherlich. aber eben auch oft völlig unnötig.
Lampenhalter hat geschrieben:
2020-05-11 12:47:36
Beim Ural dürfen bei längerer Schleppdistanz (>150 km mit abgeschalteten Motor) beide Kardanwellen am VTG dranbleiben, aber die Zwischengelenkwelle zwischen Getriebe und VTG ist auszubauen. Warum? Weil das VTG keinen Schaden nimmt solange es dreht, auch nicht mit abgeschalteten Motor.
Deja vu... :angel:
Wombi hat geschrieben:
2020-05-11 13:33:05
Aufkleber sagt, ..... beide raus .... muß irgend einen Grund geben.
Die Narrensicherheit. Weil man so auf jeden Fall immer auf der sicheren Seite ist (außer bei Achsschäden...). Wirklich nötig ist das aber in den seltensten Fällen. eigentlich nur, wenn was im VG im Argen ist, oder das Fahrzeug mittels Abschleppbrille transportiert wird, da hier Vorder- und Hinterachse nicht gleich schnell drehen.