Heftiger Rostschaden an Deck

alles, was nicht in die übrigen Technik-Kategorien passt

Moderator: Moderatoren

Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Der Initiator
Fahrrad-Philosoph
Beiträge: 7095
Registriert: 2020-06-22 19:40:43

Heftiger Rostschaden an Deck

#1 Beitrag von Der Initiator » 2026-09-28 21:16:08

Als ich mein Boot vor zehn Jahren kaufte, war das schöne Teakdeck von drei Dachluken durchbrochen. Die waren nicht nur komplett sinnlos, sondern auch potthässlich. Die im Achterdeck habe ich noch 2016 verschlossen, die im Salon Anfang 2018 und zuletzt, im Herbst 2018, die in der Bugkajüte. Jedes Mal habe ich in den reingepfuschten Rahmen zwei Winkeleisen quer eingeschweißt, ein Bech darüber gelegt, mit Kleber abgedichtet und neue Deckstäbe drauf. Mit einem kleinen Unterschied: im Achterdeck und im Salon habe ich das Blech angeschweißt, in der Bugkajüte habe ich es nur aufgeklebt. Weshalb ich mich bei der letzten Luke gegen das Schweißen entschied, weiß ich nicht mehr.

Achterdeck und Salon sind weiterhin dicht. Das Holz über dem Salon habe ich voriges Jahr neu gemacht, das ist nicht schön geworden. Dabei habe ich gesehen, dass das Blech komplett rostfrei war. Auch über der Bugkajüte war das Holz nicht schön, zum einen habe ich die Nuten nicht tief genug gemacht, zum anderen war die Dichtmasse ungeeignet. Bisher war aber keine Zeit, auch vorne das Holz zu erneuern. Bis vor ein paar Wochen.

Wir hatten zeitweise viel Regen in Berlin und eines Tages regnete es in die Bugkajüte. So stark, dass ich Schüsseln unterstellen musste. Jetzt ging es nicht mehr darum, ob ich Zeit habe, sondern wie schnell ich den Schaden behebe. Vor zwei Wochen habe ich die Deckenverkleidung in der Bugkajüte abgenommen, Rost gesehen und die Stelle mit einem Schraubendreher geprüft.

260914 innen-.JPG
260914 innen-.JPG (256.15 KiB) 645 mal betrachtet
Der ging durch wie ein heißes Messer durch die Butter. Zwei Tage später habe ich die Deckstäbe abgenommen. Es erwartete mich das Grauen: das vor acht Jahren aufgeklebte 1 mm starke Blech war so stark verrostet, dass ich es wie Alufolie zusammenknüllen konnte!

Rost 1.JPG
Rost 1.JPG (242.69 KiB) 645 mal betrachtet
Rost 2.JPG
Rost 2.JPG (316.75 KiB) 645 mal betrachtet
Interessant ist, dass das sechzig Jahre alte Stahldeck in gutem Zustand ist und die 2018 eingeschweißten Winkeleisen praktisch rostfrei sind.

Ich habe dann in der Schlosserei gegenüber billig 2 mm verzinktes Blech bekommen, beidseitig zwei Zentimeter vom Zink befreit, das Blech aufgeschweißt und wieder mit Kleber abgedichtet. Die Deckstäbe sind schon wieder drauf, morgen werden die Fugen gefräst und Mittwoch kann ich hoffentlich verfugen.
Allgemein: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.
Speziell: Wenn ich ein Problem behebe, ploppen zwei neue auf.

Benutzeravatar
ingolf
abgefahren
Beiträge: 3323
Registriert: 2006-11-24 21:07:51
Wohnort: Berlin

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#2 Beitrag von ingolf » 2026-09-29 7:30:27

Jetzt weint irgendwo ein Tischler.
Verzinktes Blech war schon mal besser und bestimmt hast die Schweißerei hinterher mit Zinkfarbe geschützt.
Die Isolierung innen ist aber auch so eine Lunte, das am Blech von innen kondensierende Wasser wird darin noch gespeichert und kann so länger wirken. Innen braucht es noch eine Dampfsperre nicht -Bremse um das Blech zu schützen.
Außen schafft das "dichte" Holz ein ebenso optimales Klima für Eisenoxid. Das Wasser kommt rein aber nicht wieder heraus.
Hoffen wir mal dass es unter der Wasserlinie besser aussieht.
Grüße Ingolf
Flocken statt Feinstaub !

Benutzeravatar
Der Initiator
Fahrrad-Philosoph
Beiträge: 7095
Registriert: 2020-06-22 19:40:43

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#3 Beitrag von Der Initiator » 2026-09-29 7:56:11

Das erste Blech war auch verzinkt und nein, ich habe das jetzt ganz einfach - nein, mehrfach - mit Brantho Korrux Nitrofest übermalt. Das habe ich übrigens vergessen zu berichten - 2018 habe ich die Rostschutzfarbe vergessen. Weshalb da irgendwelche Holzbarone heulen sollten, verstehe ich nicht, aber das "dichte Holz" kannste gepflegt vergessen. Da ist nichts dicht, das läuft einfach seitlich wieder raus :D Apropos raus - die Isolierung habe ich nicht erneuert, die war sowieso nutzlos. Allerdings habe ich sie rundum drin gelassen. Schadet nicht, wie ich im Salon gesehen habe.

Das restliche Deck stört sich auch gar nicht an dem Wasser, obwohl die Fugen zwischen den Deckstäben bestimmt seit Jahrzehnten undicht sind. Die zu sanieren geht dann schon in Richtung Holzboot und Vermögensaufbau: wie macht man mit einem Holzboot ein kleines Vermögen? Indem man mit einem großen Vermögen anfängt.

Ich sehe das Problem eher darin, dass ich das Blech nicht aufgeschweißt, also leitend mit dem Rumpf verbunden, sondern isoliert aufgeklebt habe. Darauf brachte mich ein vor längerer Zeit mit einem Maschinenbau studierenden Nachbarn. Ein Indiz dafür ist das einwandfreie Blech über der Salonluke.
Allgemein: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.
Speziell: Wenn ich ein Problem behebe, ploppen zwei neue auf.

Benutzeravatar
ingolf
abgefahren
Beiträge: 3323
Registriert: 2006-11-24 21:07:51
Wohnort: Berlin

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#4 Beitrag von ingolf » 2026-09-29 8:43:35

Die Verzinkung des ersten Bleches war nicht zufällig "Sedzimirverzinkt"? Das taugt nichts. Feuerverzinkt ist auch weniger wert seitdem da kein Blei mehr drin sein darf.
Der gelernte Holzwurm empfindet Gram wenn der Beitel als Meißel aushelfen muss.
Grüße Ingolf
Flocken statt Feinstaub !

DäddyHärry
Allrad-Philosoph
Beiträge: 3982
Registriert: 2007-06-06 10:39:15
Wohnort: Berlin-Lichterfelde

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#5 Beitrag von DäddyHärry » 2026-09-29 9:22:05

Ingolf, gräm dich nicht. Bei dem Blätterteig hätte wohl auch ein Ceranfeldschaber ausgereicht! Der geneigte TE nimmt halt, was der Werkzeugkasten hergibt.

Gruß Härry
If you want to leave footprints in the sand of times, wear Work shoes.
(Tom Zupancic)

Benutzeravatar
Der Initiator
Fahrrad-Philosoph
Beiträge: 7095
Registriert: 2020-06-22 19:40:43

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#6 Beitrag von Der Initiator » 2026-09-29 10:33:55

Nur theoretisch, der Kleber war dick und stabil, das mögen die Ceranfeldschaber nicht.
Allgemein: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.
Speziell: Wenn ich ein Problem behebe, ploppen zwei neue auf.

Benutzeravatar
Landei
Allrad-Philosoph
Beiträge: 3914
Registriert: 2007-08-03 10:24:53
Wohnort: Niedersachsen

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#7 Beitrag von Landei » 2026-09-29 11:37:40

Kleiner Tipp:

Recherchiere einmal nach Cusi3 Löten.

Merkwürdigerweise hatte da selbst mein Bekannter, der Fachpraxislehrer für Schweißen ist, bis neulich zwar etwas von gehört, aber keinerlei Erfahrung damit.

Ich sehe in diesem Verfahren den wirklich großen Vorteil, feuerverzinkte Bleche ohne vorherige Entfernung der Zinkschicht einbauen zu können und ebenfalls die Tatsache, das die Lötnähte nicht rosten.

Genau in deinem Beispiel wäre das von Vorteil gewesen.
Jochen

Benutzeravatar
Der Initiator
Fahrrad-Philosoph
Beiträge: 7095
Registriert: 2020-06-22 19:40:43

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#8 Beitrag von Der Initiator » 2026-09-29 18:39:07

Landei hat geschrieben: ↑
2026-09-29 11:37:40
Kleiner Tipp:

Recherchiere einmal nach Cusi3 Löten.
Danke, habe ich schon mal etwas zu gesehen. Ist interessant, aber ich glaube, ich habe damals beschlossen, nichts neues mehr anzufangen. Ich gucke nochmal, vielleicht revidiere ich meine Ansicht ja. Das Schweißen dieses Mal war fürchterlich, ich habe Planen gespannt und musste mir trotzdem noch eine Tauchplane über den Kopf ziehen, weil mir der Wind das Gas weggeblasen hat :blush:
Allgemein: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.
Speziell: Wenn ich ein Problem behebe, ploppen zwei neue auf.

Benutzeravatar
Landei
Allrad-Philosoph
Beiträge: 3914
Registriert: 2007-08-03 10:24:53
Wohnort: Niedersachsen

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#9 Beitrag von Landei » 2026-09-30 10:34:44

Was bedeutet für dich „nichts neues mehr anzufangen“?

Du tüdelst an dein Schweißgerät einfach nur ne Buddel Argon 4.6. ran (sofern du das nicht schon hast) und legst als Draht eine Rolle Cusi3 ein (ja, Teflonseele im Schweißpaket ist zwar besser, aber es geht auch ohne).

Und dann wird gepunktet. Ich sehe da nichts grundsätzlich Neues dran, bzw. bei den wenigen Einsätzen meines Schweißgerätes fange ich gefühlt jedes Mal neu an…

Wenn dir der Wind das Gas wegbläst, dafür müsste doch das Verfahren mit Fülldraht geeignet sein (das ich ich auch nur theoretisch kenne)?

Jochen

Jimmy
süchtig
Beiträge: 994
Registriert: 2011-07-19 14:39:14
Wohnort: Starnberg

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#10 Beitrag von Jimmy » 2026-09-30 14:07:41

ingolf hat geschrieben: ↑
2026-09-29 8:43:35
Der gelernte Holzwurm empfindet Gram wenn der Beitel als Meißel aushelfen muss.
Grüße Ingolf
War bestimmt, aus Mangel an dem brühmten "IKEA-Bleistift" zum Größenvergleich, dort sanft abgelegt.

Gruß,
Jimmy

Benutzeravatar
Der Initiator
Fahrrad-Philosoph
Beiträge: 7095
Registriert: 2020-06-22 19:40:43

Re: Heftiger Rostschaden an Deck

#11 Beitrag von Der Initiator » 2026-09-30 20:38:16

Landei hat geschrieben: ↑
2026-09-30 10:34:44
Du tüdelst an dein Schweißgerät einfach nur ne Buddel Argon 4.6. ran (sofern du das nicht schon hast) und legst als Draht eine Rolle Cusi3 ein (ja, Teflonseele im Schweißpaket ist zwar besser, aber es geht auch ohne).
Da ist es schon, das neu-anfangen: bei meinem Schweißgerät habe ich den Schweißdraht in der Hand :D Und wenn Cusi3 auch Schutzgas braucht, dann gewinne ich ja nichts ggü WIG.
Allgemein: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.
Speziell: Wenn ich ein Problem behebe, ploppen zwei neue auf.

Antworten