Probleme Scheibenwischermotor Iveco 80-16 AW inkl. Lösung

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tschwerto
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Probleme Scheibenwischermotor Iveco 80-16 AW inkl. Lösung

#1 Beitrag von tschwerto » 2020-10-27 12:35:33

Kurzfassung: Gibt es plötzlich ein extrem schlagendes Geräusch im Scheibenwischermechanismus, sollte kontrolliert werden, ob das Halteblech des Kugellagers im Scheibenwischermotor noch an der korrekten Position ist.

Langfassung:
Wir hatten das Problem, das plötzlich auf der Autobahn der Scheibenwischermechanismus ein starkes schlagendes Geräusch gemacht hat und die Wischerblätter sogar an den Scheibendichtgummi angekommen sind. Wir sind dann sofort bei der nächsten Raststätte raus. Ohne Scheibenwischer ist im Regen nicht so toll und das Geräusch hörte sich richtig ungesund an. Der Scheibenwischermechanismus hat schon immer etwas geklappert, aber definitiv nicht so stark!
Der Mechanismus sah gut und nahezu spielfrei aus. Schnell war klar, dass die Ausgangsachse des Scheibenwischermotor starkes Spiel hat, also etwa 10° radial oder mehr. Der Scheibenwischermotor wurde ausgebaut und es war erstichtlich, dass mittels einer Madenschraube das Spiel der Elektromotorwelle axial eingestellt werden kann. Ich hab dann also die Madenschraube hineingedreht und das Axialspiel der Motorenwelle aufgehoben. Dadurch war dann auch das Radialspiel an der Ausgangsachse eliminiert. Gut, Motor wieder eingebaut. Scheibenwischer eingeschalten. Das Klacken war weg, aber kurz darauf gab es ein knarzendes noch ungesunderes mahlendes Geräusch und der Motor wollte kaum mehr drehen....
Ok, Motor nochmals raus. Dann haben wir das Schneckengetriebe geöffnet. Da gibt es auch noch eine Schraube mit Kontermutter, mit der das Axialspiel der Ausgangsachse eingestellt werden kann. Das war aber ok. Achtung, darunter gibt es eine Kugel, nicht verlieren und beim Zusammenbau wieder einsetzten! Ich habe dann den Schneckenantrieb gereinigt und neu gefettet, aber eigentlich sah der noch ganz gut aus, fast keine Abnützung zu erkennen. Gut, Motor wieder eingebaut und die Madenschraube für das Axialspiel der Elektromotorwelle wieder herausgedreht, so dass wieder Spiel vorhanden war. Das knarzende Geräusch war immer noch vorhanden und der Motor wollte kaum mehr drehen, hat sich gar nicht gut angehört. Also Motor nochmals raus. Dann habe ich den Elektromotor selbst geöffnet. Da war schnell ersichtlich, dass die Motorenwelle hinten (als auf der vom Getriebe abgewandten Seite) am Gehäuse angestanden ist und Abrieb produziert hat. Das ist deshalb passiert, weil ich die Welle mittels der Madenschraube bis ans andere Ende gedrückt hatte. Dieser Abrieb kam dann in das Gleitlager am hinteren Teil des Motors und hat das knarzende Geräusch verursacht. Ich habe mich noch gewundert, warum der Motor nach hinten keinen Anschlag oder kein Axiallager hat. Gegen vorne kommt er an die Madenschraube, welche Innen aus Kunststoff ist. Den Abrieb habe ich entfernt, alles sauber gemacht, die Position der Motorenwelle mittels Madenschraube wieder so eingestellt, wie es ursprünglich war. Das war an den Kohlenschleifer gut zu erkennen. Motor wirder zusammengebaut und eingebaut. Das knarzende Geräusch war weg, aber das schlagende Geräusch war immer noch da. Wenn kein Wasser auf der Scheibe war, dann wars ok, weil genug Reibung vorhanden war. Mit Wasser ist der Scheibenwischer aber wieder am Ende in die Gummidichtung geknallt und das schlagende Geräusch war wieder vorhanden. Naja, der Regen hat aufgehört und wir hatten noch anderes vor an dem Tag. Wir sind also weiter gefahren.
Ich habe mir in der Nacht nochmals alles genau überlegt und kam zum Schluss, dass die Motorenwelle inklusive Kugellager zwischen Rotor und Schneckenrad sich eigentlich nicht bewegen lassen darf. Der Aussenring des Kugellager sollte meiner Meinung nach irgendwie mit dem Gehäuse verbunden sein (gepresst, verklebt oder mittels Formschluss). Also am nächsten Morgen den Motor nochmals ausgebaut und auseinander gebaut. War ganz schnell erledigt, wir hatten ja auch schon etwas Übung. Siehe da, es gibt ein Halteblech für das Kugellager!!! Die Schraube hat sich gelöst und das Blech ist nach aussen gerutscht und der Aussenring des Kugellagers war axial nicht mehr gesichert und die Welle des Elektromotors konnte sich somit axial um mehrere Millimeter bewegen.
Die Schraube war wohl schon länger locker, weshalb schon immer ein leichtes Klackern zu hören war, aber als sich das Halteblech verschoben hat, wurde es plötzlich richtig übel. Gut, Halteblech an die richtige Position geschoben, Schraube gut angezogen und mit der Madenschraube behutsam das Spiel aufgehoben.
P1130282_klein.jpg
Scheibenwischermechanik
P1130275_vorher.jpg
falsche Position Halteblech. Ja, hätte man bereits bei der ersten Demontage des Motors sehen können...
P1130276_nachher.jpg
korrekte Position Halteblech
P1130269_madenschraube.jpg
Madenschraube für das Einstellen des Axialspiel der Elektromotorwelle. Dort wo der rote Pfeil ist, nicht dort wo der Schraubenzieher ist!
P1130211_gleitlager.jpg
Das hintere Gleitlager, welches den Abrieb abbekommen hat. Das braune ist Fett, der Abrieb ist schwierig zu erkennen.
P1130209_Welle.jpg
Das Ende der Elektromotorenwelle, welches am schwarzen Gehäuse angekommen ist und Abrieb verursacht hat.

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