Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

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Der Bonner
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Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#1 Beitrag von Der Bonner » 2019-11-16 19:07:49

Hallo Forum,
an meinem LKW wird das Verteilergetriebe mit Druckluft über ein 3 / 4 Wegeventil gesteuert (Geländegang / Straßen Gang / Längssperre). Die Steuerleitungen sind als Schneidringverbindung ausgeführt und mittels Schwenkverbindern mit dem Steuerventil verbunden. An meinem LKW waren sämtliche Verbindungen undicht. Meine Frage richtet sich nun nach den Schwenkverbindern. Sie waren hinten an der Verbindung zum Schraubenkopf wie auch an der Verbindung zum Ventil undicht. Ich konnte sie auch nicht durch weiteres Festziehen dicht bekommen. Ich werde die Schwenkverbindungen nun erneuern (die Kontaktflächen sehen nicht mehr glatt aus), habe aber hier eine Frage. Die Schwenkverbinder werden mit einer Hohlschraube mit M10X1 er Gewinde am Ventil befestigt. Wie oder mit welchem Drehmoment muss diese Schraube nun angezogen werden? Mein Dilemma: Die Schraube darf sicher nicht zu fest gezogen werden, sonst geht das Gewinde kaputt. Zu leicht darf es auch nicht sein, sonst wird es nicht dicht. Außerdem gehe ich davon aus, dass ich bei dieser Art der Verbindung auch nicht viele Versuche habe es hinzubekommen, ansonsten sind die Kontaktflächen wieder hin. Gibt es hier beim Festziehen etwas Besonderes zu beachten oder einfach eindrehen und „handwarm“ festziehen? Zu berücksichtigen ist ja auch, dass das Gehäuse des Ventils aus einer Gusslegierung gefertigt ist, so dass ich die normalen Werte für Stahl nicht zugrunde legen kann (oder doch?). Für Hinweise, wie man das fachmännisch macht, wäre ich dankbar.

Gruß
Horst
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Schwenkverbindung mit M10X1 er Hohlschraube
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Pirx
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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#2 Beitrag von Pirx » 2019-11-16 21:03:56

Zwischen Kopf der Hohlschraube und Schwenkverschraubung gehört ein Kupferdichtring. Und zwischen die Schwenkverschraubung und das Gegenstück (Steuerventil) gehört auch ein Kupferdichtring. Beide Dichtringe vermisse ich auf Deinem Bild. Ohne Dichtringe kannst Du so stark anziehen, bis die Hohlschraube reißt, dicht wird es trotzdem nie werden ...

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#3 Beitrag von ingolf » 2019-11-17 10:18:37

Hallo,
ich habe auch schon Schwenkverschraubungen ohne Dichtungen verarbeitet.
https://www.parker.com/parkerimages/eur ... 0-7-DE.pdf sollte sich etwas dazu finden lassen.
Grüße, Ingolf
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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#4 Beitrag von Der Bonner » 2019-11-17 11:47:14

Hallo Pirx, hallo Ingolf,

tatsächlich habe ich die Ermeto Parker Schwenkverschraubungen verbaut (lt. ET-Katalog). Hier werden keine Dichtringe benötigt. Natürlich habe ich im ersten Schritt versucht Kupferringe unterzulegen, ist aber Murks (das Gewinde der Hohlschraube taucht nicht mehr tief genug in das Ventil ein und es ist auch keine saubere Auflage für den Kupferring vorhanden).
Bei Europarts versucht man die Teile zu beschaffen, meine Frage zielte allerdings mehr auf die Montage ab. In einer anderen Unterlage gibt Parker ein Anzugsmoment von 23 Nm an, jedoch verschraubt in Stahl. Bei mir liegt aber eine Gusslegierung vor.
So eine Verschraubung habe ich noch nie gehabt. Wie schon geschrieben darf sie nicht zu lose sein, sonst ist es undicht, es darf auch nicht zu fest sein, sonst geht das Gewinde kaputt und es sollte beim ersten mal klappen, sonst funktioniert nachher die Dichtfläche nicht mehr....

Gruß
Horst
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35 ist die Schwenkverschraubung, 34 ist die Hohlschraube
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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#5 Beitrag von CharlieOnTour » 2019-11-17 11:52:25

Hallo Horst,
du kannst das Teil samt Hohlschraube auch durch eine Einschraubverschraubung vermutlich m10x1 auf L6 und einen vormontierten 90° Winkel vermutlich L6 aus dem Hydraulik Bereich ersetzen. Das Zeug bekommst du z.b. bei hansaflex.

Das Zeug ist für über 200 bar ausgelegt und dichtet hervorragend.

Gruß
Chris

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#6 Beitrag von CharlieOnTour » 2019-11-17 11:56:07

Zum Anzugsmoment in dem Ventil, egal ob Einschraubverschraubung oder Hohlschraube, nimm einen normal-langen Schlüssel passender Maulweite und zieh damit mit Gefühl an. Das passt dann vom Anzugsmoment schon wenn man nicht mit beiden Händen dran reisst.

Gruß
Chris

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#7 Beitrag von Der Bonner » 2019-11-17 12:17:40

Hallo Chris,

danke für Deine Antwort. Die Alternative ist interessant. Wahrscheinlich kann ich das an zwei Stellen umsetzen, an der dritten Stelle könnte es vom Platz her eng werden. Ich werde berichten. Und anziehen … handfest.
Danke und einen schönen Sonntag...
Gruß
Horst

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#8 Beitrag von DaPo » 2019-11-19 14:06:36

Hallo Horst,

die Schwenkverschraubung wird zur (zugehörigen) Hohlschraube hin intern abgedichtet sein (da ist dann auch das Drehmoment egal), mir ist aber noch nicht ganz klar, wie das Gewinde der Hohlschraube zum Ventil hin abgedichtet wird. Sitzt an der Schwenkverschraubung eine dichtung? Auf den Bildern kann man das leider nicht erkennen, und es gibt etliche Versionen der Teile bei Parker. Im Zweifelsfall würde ich da einfach etwas Hydraulikdichtung auf das Gewinde geben.


Das Ventil sieht nach einen Wabco 463 037 xxx 0 aus, dieselbe Baureihe kommt auch bei vielen Unimogs zum Einsatz.
dort sind keine Schwenkverschraubungen verbaut, sondern einfache Hohlschrauben mit Ringösen (und zwei Kupferdichtringen, wie Pirx schrieb). Von da an geht es per Tecalan-Leitung weiter. Vielleicht wäre dies die Einfachste und auch kostengünstigste Lösung?
Grüße
DaPo (Daniel)

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#9 Beitrag von Der Bonner » 2019-11-19 15:28:44

Hallo Daniel,

zunächst zum Ventil: Ja, es handelt sich um die WABCO Nummer 463 037 00 40.
Durch Ingolfs Beitrag motiviert, habe ich mich am Wochenende noch mal vor den Rechner gesetzt. Die Verschraubung wird ja nun von (Emerto) Parker hergestellt. Über die Händlersuche auf deren Homepage habe ich gesehen, dass es ein Vertriebsbüro bei mir in Duisburg gibt. Da bin ich hingefahren und von einem Lageristen gut beraten worden.
Die im IVECO verbaute Verschraubung heißt SWVE06LLMOMD. Sie ist in dieser Liste aufgeführt: https://www.parker.com/static_content/p ... 5%20DE.pdf
Ich habe bei mir den Typ "A" verbaut, da ist dann ein metallischer Dichtkantenring, der unten gegen das Ventil abdichtet, integriert. Oben am Kopf wird wohl durch einen Kragen, der sich an der Schwenkverschraubung befindet, beim Anziehen gegen den Schraubenkopf abgedichtet.
Beim Typ "B" ist oben zusätzlich ein O-Ring integriert und die untere Dichtung ist ebenfalls gummiert. Dass ist je nach Anwendungsfall möglicherweise besser.
Die Schwenkverschraubung ist für Drücke bis 63 bar geeignet. Warum man diese Verbindungsart für das Fahrzeug vorgesehen hat, würde ich auch gerne wissen. Die Teile sind auch viel teurer als die von Euch vorgeschlagenen Alternativen. Lt. BW Ersatzteilkatalog war das aber so ab Werk vorgesehen und ist nicht etwa später in einer Werkstatt verbastelt worden.
Ich habe mir gestern 3 Schwenkverbindungen bestellt, die werde ich nun verbauen und schauen ob es dicht wird. Wenn nicht, höre ich auf mit diesen Teilen und gehe ich auf die von Euch vorgeschlagenen Alternativen.

Gruß
Horst

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Re: Anzugsvorschrift Schwenkverbindung

#10 Beitrag von DaPo » 2019-11-19 18:15:56

Hallo Horst,

OK, dann ist mir jetzt auch klar, wie das abdichtet. Danke für die Teilenummer.

Wenn die Verschraubung bis 63 Bar angegeben ist, sollte es reichen, die Schraube so weit fest zu schrauben, daß der Dichtring unten leicht gestaucht wird, im LKW sind da ja nur maximal 8 Bar drauf...


Warum das so verbaut wurde, weiß ich auch nicht. Aber bei Militärfahrzeugen ist oft Zeug verbaut, dessen Sinn sich nicht immer sofort erschließt. Und Kosten spielten früher ja auch nicht so eine große Rolle (heute ist das anders), da wurde gekauft was der Hersteller angeboten hat, Preis eher nebensächlich.

Rein technisch sehe ich da keinen Sinn drin, Schwenkverschraubungen zu verbauen.
Grüße
DaPo (Daniel)

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