Kleine, transportable Klimaanlage

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Moerk
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Kleine, transportable Klimaanlage

#1 Beitrag von Moerk » 2019-04-27 11:16:50

Hallo Experten,

Hat einer von Euch schon mal dieses Ding in Natur gesehen oder sogar ausprobiert?

http://www.u-gofresco.com/de/#section-2

Es soll 10 Grad Temperaturdifferenz können und arbeitet mit 12 V oder 24 V.

Freue mich über Eure Einschätzung,
Christoph
Schritt 1: Feuerwehrauto gekauft - Erledigt
Schritt 2: Feuerwehrauto umgerüstet und Gutachten zur Anmeldung erhalten, zugelassen - Erledigt
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Schritt 5: Innenausbau DoKa
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Gogomobil
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Re: Kleine, transportable Klimaanlage

#2 Beitrag von Gogomobil » 2019-04-27 12:00:05

Also nach den Leistungsangaben ist das wohl ausreichend für eine mittlere Hundehütte mit guter Isolation. Schon die Angabe "bis 10°C Temperaturdifferenz" ist ja schön relativ ausgedrückt. 24 V bei 18-20A macht schöngerechnet keine 500 W Aufnahmeleistung bei den üblichen Wirkungsgraden der kleinen Klimaanlagen sind wir dann bei eher etwas unter als über 1kW Wärmeabfuhr. Ein Mensch gibt allein schon 100 W Wärme ab ohne Anstrengung, bleiben bei 2 Mann noch 800 W zur "Kühlung" nee das wird nix in der Praxis - oder das Teil belüftet nur die vollisolierte Schlafkoje.
Fahrerhaus mit Scheiben ohne Isolierglas und Motorwärme.... geht nicht, Volumenstrom da müsste wenigstens so groß sein wie das serienmäßige Gebläse es auch liefert, dürfte knapp werden. Wenn schon simpel dann ne 230 V Mobilklimaanlage in Kleinanzeigen... kaufen, kostet mit Wandler weniger und bringt mehr Wärmeleistung und läuft auch im "sicheren Umluftbetrieb" mit Schlauch durchs Fenster etc.
Übrigens bei beiden mobilen Lösungen muss das Kondenswasser ja auch noch mobil, also in Schalen, aufgefangen und entleert werden, auch wartungsintensiv mit Kleckerpotential.
Einfache Überlegung ohne groß zu rechnen: Wie groß ist die Scheibenfläche am Fahrerhaus? wieviel Strom kann man auf der Fläche mit Solarpaneelen erzeugen? Dazu kommt auf die Fläche der Scheiben etwa 5 mal mehr "Wärme" Energie als Strom erzeugt wird und die muss zur Konstanthaltung, nicht Kühlung, mindestens raus plus die 100-200 W Menschheizung. Beim Koffer wirds dann trotz Dämmung noch knapper. Schon im PKW, ok ohne große Dämmung, brauchen die Kompressoren min ab ca 3kW aufwärts (wenn auch nicht dauernd) um wirksam runter zu kühlen, da merkt man die 500 W des 24V Gerätes dann wohl kaum.
Ist wohl so wie Kühlschrank und Peltierkühltasche, der Schrank kühlt auf 10 Grad runter, die Tasche auf bis zu 10° Differenz bei gleicher Stromaufnahme. Also gleich nen Kühlschrank nehmen bzw "echte" Klimaanlage.

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Tomduly
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Re: Kleine, transportable Klimaanlage

#3 Beitrag von Tomduly » 2019-04-27 12:33:53

Moin!

Die 12V-Version zieht lt. Datenblatt 37A Dauerstrom. Das muss man erst mal bereitstellen. Wenn man für die Batterie C/10 als zulässigen Dauerstrom ansetzt, sollte die Kapazität der Batterie mindestens 370Ah betragen. Bei einer Entladetiefe von 50% kann man dann 185Ah nutzen, ergäbe rechnerisch 5h Betrieb aus der vollgeladenen Batterie. 370Ah@12V aus Bleibatterien wiegen als solide Gel-Ausführung ca. 128kg.
Standard-Lichtmaschinen liefern 35-55A, da bleibt bei laufendem Motor und laufender Klimaanlage nicht viel übrig, bzw. entlädt man die Batterie trotz laufender LiMa. Bei Stellplätzen mit Landstrom braucht man ein Batterieladegerät, das für Pufferbetrieb geeignet ist und wenigstens 40A Dauerstrom liefern kann.

Die 24V-Version ist mit 18A Strombedarf angegeben, d.h. die Kapazität der 24V-Batteriebank muss mindestens 180Ah betragen. Auch hier ergeben sich bei 50% Entladung 5h Betriebsdauer. Man braucht zwei 12V-Batterien mit je 180Ah, was gewichtsmäßig in Blei-Gel ca. 125kg sind. Das ist plausibel, wenn man davon ausgeht, dass die 12V- und die 24V-Version der Klimaanlage leistungsmäßig annähernd gleich sind.
Vorteil der 24V-Variante ist die geringere Strombelastung der Lichtmaschine (nur 18A), denn die typische 24V-Lima liefert auch 55A, wie das 12V-Pendant. Für die Versorgung per Landstrom reicht ein 20A-Ladegerät mit Pufferfunktion.

Technisch sinnvoll wäre die Kombination mit einer hinreichend großen PV-Anlage auf dem Kofferdach. PV-Module (mindestens vier mit je mindestens 200Wp, um die ungünstigen Aufstellbedingungen flach auf dem Dach auszugleichen) könnten bei voller Sonneneinstrahlung genügend Strom liefern, um die Batterie bei laufender Klimaanlage zu puffern, also die Entladung auszugleichen. Man hat allerdings dann einen Interessenkonflikt: die PV-Anlage will pralle Sonne, die Familie will den Laster lieber im Schatten unter großen Bäumen haben. Abnehmbare PV-Module, die man frei in die Landschaft stellt, wären eine Alternative, ist mit vier Modulen a 160x80cm und 15kg Modulgewicht aber auch mit Arbeit verbunden und mit Bruchgefahr, wenn man die Dinger bei jedem Standortwechsel vom Dach nehmen muss und wieder drauf wuppen. Zudem können die Dinger bei Windböen umkippen oder nachts Beine kriegen und am nächsten Morgen verschwunden sein.

Ob die Kälteleistung von 3250 BTU bzw. 950W am Ende ausreicht, die Bude effektiv runterzukühlen, kann man sicher ausrechnen, wenn man das Raumvolumen, die Dämmwerte der Raumhülle und den Energieeintrag durch die direkte und indirekte Sonneneinstrahlung und durch die umgebende Lufttemperatur kennt. Wenn man das Kofferdach flächig mit als Tropendach montierten PV-Modulen beschattet, links und rechts eine Markise ausfährt um die Seitenflächen des Koffers abzuschatten, könnte das in Kombination evtl. funktionieren. Sollte man aber mal nachrechnen.

Grüsse
Tom

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