Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

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Haithabu84
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Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#1 Beitrag von Haithabu84 » 2020-06-19 10:50:40

Hallo,

ich bin ganz neu hier und habe auch direkt eine Frage. Kurz zu meinem Gefährt:

Habe vor kurzem einen Ural 4320 von Baujahr 84 gekauft. Motor und Getriebe sind in einem guten bis sehr guten Zustand, aber Aufbauten, Elektrik, Interieur sind das glatte Gegenteil. Viel Arbeit. Aber das war mir bewusst und es ist ein Projekt für die nächsten Jahre. Er soll nach und nach wieder zu einem Expeditionsmobil im Militärstil umgebaut werden. Derzeit ist der Koffer als auch die Kabine in Weiß lackiert. Viel über die Vorgeschichte ist nicht bekannt. Er war mal in Deutschland zeitweise als Arbeitsfahrzeug angemeldet und hat in einer Kiesgrube Gerätschaften von A nach B transportiert. Kies hat er wohl nicht transportiert, da die montierte Pritsche nicht kippbar war. Dann war mehrere Jahre immer nur sporadisch angemeldet und er wurde paar mal zum Truck Trial verwendet.

Jetzt zu eigentlichen Frage:

Ich habe Koffer als auch Pritsche dazubekommen. Meine Idee ist, beide als Wechselbrücke umzubauen. So das man das Fahrzeug auch mal fix zum Transporter machen kann. Der Koffer wurde irgendwann vor zich Jahren dazu gekauft und scheint kein originaler Ural-Koffer zu sein und schon gar kein LAK. Da fehlen die Radausbuchtungen/Radkästen. Leider konnte ich bisher kein Typenschild finden.

Metallarbeiten wären in Prinzip simpel: Rechtreckrohr aus Stahl jeweils einmal quer unter Pritsche und Koffer und dann an den Seiten Aufnahmen für die Ständer. Ebenfalls dann aus Stahl und Rechteckrohr. Dann müsste man jeweils noch eine Verriegelung und Aufnahme finden. Was kann man dafür verwenden?

Des weiteren würde mich interessieren: Das muss ja sicherlich vom TÜV abgenommen werden, an welchen Vorgaben muss man sich orientieren? Gibt es schon vorgefertige Sachen die man eventuell verbauen kann?

Gruß

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#2 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-19 20:29:55

Hallo Haithabu84,

zunächst mal herzlich willkommen und herzlichen Glückwunsch zur Fahrzeugwahl. :angel: Ich ahne um welchen Ural es sich handelt, der stand ziemlich weit im Süden?

Grundsätzlich wäre es sehr hilfreich, wenn Du Bilder vom Koffer und der Pritsche hier zeigen könntest. Dann könnte man sie vielleicht identifizieren. Es gibt beides aus ganz verschiedenen Materialien und verschieden konstruiert, entsprechend ist dir ohne etwas Konkretes schwer zu helfen. Die NVA hatte den Ural mit Wechselaufbau im Betrieb, eben mit LAK-Koffer und entsprechenden Traversen. Die Verriegelungen sind ganz normale Containeraufnahmen bzw. mit denen maßlich identisch.

Grüße...
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#3 Beitrag von Haithabu84 » 2020-06-19 22:39:05

Bild

Wenn Leute schon immer etwas ahnen, dann wird mir etwas mulmig. :mellow:

Eher aus der Mitte Deutschlands. Das ist auch gerade das einzige Bild was ich habe. Der wird nächste Woche per Tieflader abgeholt.

Der Koffer ist verkehrt herum drauf. Also der Eingang befindet sich derzeit hinter der Kabine.

Die Hauptbaugruppen schienen für mich in Ordnung, bis auf Kleinigkeiten. Die Aufbauten und Kabine sind natürlich arg mitgenommen. Aber es hält sich in Grenzen. Wenn er denn mal vor Ort ist, werde ich mir auch eine ToDo-Liste anfertigen. In erster Linie geht es mir um Erhalt, Instandsetzung und Konservierung.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#4 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-19 23:17:49

Alles klar, ich kenne zumindest die Verkaufsanzeige (und damit auch ein paar mehr Bilder). Ich hatte erst an ein anderes Fahrzeug gedacht, aber macht nichts. :)

Der Koffer ist ein originaler russischer Ural-Koffer aus Benziner-Zeiten und war bei der NVA z.B. als Panzerwerkstatt im Einsatz. Der Typ heißt K375 und ist verhältismäßig alt, älter als der Lkw, wahrscheinlich 1970er-Jahre. Ich habe den gleichen bei mir im Garten stehen, allerdings jünger und ein paar Fenster sowie Riffelblech weniger, dafür zwei Radhäuser mehr. Das Riffelblech wird aus einem bestimmten Grund dorthin gekommen sein (Rost), ist nicht original und verdeckt die Radhäuser.
Du wirst mit dem Koffer wahrscheinlich etwas Arbeit haben. Die KUNG-Koffer für Ural aus NVA-Beständen haben die unschöne Angewohnheit, an Tür- und Fensterrahmen sowie den Seitenkanten rostbefallen zu sein (das Bild deutet es ja an). Daraus einen Wechselaufbau machen geht vielleicht. Ob es sich lohnt musst du sehen, wenn Du ihn tatsächlich bei dir hast. Der Koffer hat einen eigenen Rahmen aus Stahl(blech), der auf die Rahmenbreite des Urals abgestimmt ist (ca. 80cm). Ob man den entfernen oder komplett umarbeiten kann ohne die Statik zu gefährden, kann ich nicht abschätzen. Wahrscheinlich muss man den Boden komplett umbauen, um ein gutes Ergebnis zu erhalten. Wenn man einfach noch Konsolen drunter baut, wird man relativ hoch kommen.
Ich würde wahrscheinlich die Pritsche auf ein brauchbares Anhängerfahrgestell setzen - wesentlich weniger Arbeit und Stress. Aber das ist natürlich nur ein Vorschlag. So es keine 2,69m breite, originale Uralpritsche ist.

Sollte das originale Typenschild des Koffers noch da sein, befindet es sich mutmaßlich im Innenraum über der Hecktür (jetzt noch Fronttür) und beinhaltet Typ, Nummer und Baujahr. So ist es zumindest bei meinem.

Auf alle Fälle schön, dass sich jemand dem Fall angenommen hat. :) Die Bilder sahen ja etwas nach Arbeit aus. Aber wird schon. Nur Mut. :rock:

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#5 Beitrag von Haithabu84 » 2020-06-20 9:59:57

Das Teil was du meinst, habe ich auch gesehen. Der war mir zu weit weg und wäre natürlich schon fast fertig gewesen. Aber ich wachse gern mit meinen Projekten. :D

War auch eine Überlegung: Der ursprüngliche Besitzer wollte die Pritsche ebenfalls zu einem Anhänger umfunktionieren. Wäre tatsächlich einfacher.

Derzeit ist an der Pritsche auch noch das komplette Heck, also mit Elektrik. Mir fehlen jetzt für hinten komplett die Rücklichter. Des weiteren fehlen derzeit auch noch am Ural selbst die Traversen, die befinden sich ebenfalls an der Pritsche. Der Koffer ist derzeit nur aufgesetzt auf paar Holzbalken. Ich werde vermutlich das Riffelblech entfernen und mal einen Blick riskieren. Danach werde ich ja sehen wie schlimm es ist.

Ich finde leider zu diesem Koffer kaum Informationen im Netz: Besteht der hauptsächlich aus Metall oder sind da noch irgendwo GFK-Elemente eingebaut?

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#6 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-20 10:42:45

Moin,

der Koffer gehört original auf Holzbalken, die in 2 nach unten offenen U-Eisen liegen. Die Balken sind etwa 75x75 mm und liegen mit der Unterseite auf der vollen Länge auf dem Lkw-Rahmen. Verschraubt wird das Ganze über zwei Winkel hinten und Elemente, die man als die russische Interpretation von Briden in Kombination mit Federlagerung beschreiben könnte. Wenn das Wetter etwas besser wird, mache ich Dir im Tagesverlauf mal einige Fotos, wie der Unterbau original aussieht. Extra Quertraversen sind da keine, das macht alles der Rahmen des Koffers.
Der Koffer an sich ist ein Sandwich aus 2 mm Alu (außen), dann Schaum und innen einige Millimeter Sperrholz. Einen extra Rahmen in den Sandwichplatten gibt es meiner bisherigen Kenntnis nach nicht, abgesehen von etwas Kantholz um Fenster und Türen. Was auch gerne verrottet, wenn die Fensterrahmen erst einmal durch sind. Es gibt auch welche, wo Dielung innen an der Decke oder den Schrägen ist. GFK ist da überhaupt nicht drinnen. Der Boden ist im Original von unten nach oben erst die Rahmenkonstruktion, dann ein verzinktes Stahlblech, darauf Schaum und dann Dielung. Diverse Anbauteile (Fenster, Türen) und der seitliche Rammschutz (jetzt Riffelblech) sind aus Stahl und rosten. Auch einige der Winkel der Außenhaut. Die glatten Flächen sind Alublech.

Die Elektrik ist dein geringstes Problem, die muss ja nur von hüben nach drüben. :)

Es gibt für die kleineren, konstruktiv gleichen Koffer vom GAZ-66 und zum Teil vom ZIL-131 russische Literatur im Netz, zum Uralkoffer ist mir derzeit online nichts bekannt. In deutscher Sprache ist mir nichts bekannt.

Es kann durchaus sein, dass die Pritsche einen völlig anderen Unterbau hat, der mit dem Koffer und ggf. auch dem Fahrgestell nichts gemein hat. Wie gesagt - ich weiß ja nicht, ob es eine originale Ural-Pritsche ist. Wenn nein, kann es sonstwas sein. Wenn ja, werden Geschichten wie Wechselbrücke oder Anhänger eh schwierig(er), weil die originale Pritsche breiter als 2,55m ist.
Wenn ich die Bilder richtig in Erinnerung habe ist es sowieso ein Kofferfahrgestell, auf das eigentlich keine Ural-Pritsche und auch kein LAK mit Traversen gehört. Da sind einige Unterschiede im Fahrgestell zum Pritschenchassis. Nichts unüberwindliches, aber sollte man ein Auge drauf haben.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#7 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-21 18:11:58

Hallo Haithabu,

schneller ist es nicht geworden. Die versprochenen Bilder:

Bild

Bild

Bild

Bild

Wesentlichster Unterschied: Dein Koffer hat im Original 2 Radhäuser pro Seite und eben mehr Fenster.
Die beiden Längsträger sind die erwähnten U-Eisen mit Holzbalken darin. Der Abstand beträgt zirka 80cm.

Grüße...
Zuletzt geändert von Lampenhalter am 2020-06-21 23:40:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#8 Beitrag von pshtw » 2020-06-21 22:49:54

Moin,
Wie soll das denn mit zwei einzelnen Traversenträgern bei Verschräkung funktionieren? Dann müsste ja die eine Traverse beweglich gelagert sein? Die wie auch immer geartete originale (Feder-)lagerung entfällt ja, oder ?
Nach meinem Verständnis müsste man einen kompletten, durchgehenden Hilfsrahmen bauen, mit eigener Lagerung, auf den dann entweder der Koffer oder die Pritsche montiert wird. Nur zur Sicherheit, ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, Der LKW Rahmen ist ja nicht verwindungssteif, oder?
Gruß
Peter
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#9 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-21 23:27:28

Ja, der Ural-Rahmen ist verwindungsweich. Die NVA hat das bei den LAK-Traversen tatsächlich so gelöst, dass die vordere Traverse als Wippe ausgeführt ist.

Die originalen sowjetischen Federlager bestehen aus Gewindestangen, starken Blechstreifen, Federn, Tellern und Muttern. Das sieht aus wie folgt (hab vergessen ein Foto vom Original zu machen, deswegen schnelle Skizze :blush: ):

Bild

Mit:

1 Muttern und Kontermuttern
2 Blechstreifen (ca. 10 bis 12 mm stark)
3 Gewindestange
4 Kofferrahmen (rot schraffiert)
5 Fahrzeugrahmen (grün schraffiert)
6 Federteller
7 Feder

Davon gibt es 6 Stück, 3 an jeder Seite. Hinten ist wie gesagt ein aus Winkeln gebautes Festlager.

Diese Teile sind so konzipiert, dass man einfach und mit wenig Hilfsmitteln Aufbauten auch im Feld tauschen kann. Alles Normteile oder sehr leicht zu fertigen. "Wechselaufbauten" im Sinne von Containerschloss und viermal klick sind es dennoch nicht.

Grüße...
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#10 Beitrag von Pirx » 2020-06-22 7:23:55

Lampenhalter hat geschrieben:
2020-06-21 23:27:28
Die originalen sowjetischen Federlager bestehen aus Gewindestangen, starken Blechstreifen, Federn, Tellern und Muttern. Das sieht aus wie folgt (hab vergessen ein Foto vom Original zu machen, deswegen schnelle Skizze :blush: ):
Du hast den Holzbalken vergessen.
Nr. 4 sollte ein nach unten offenes U-Profil mit eingelegtem Holzbalken sein.

Pirx
Der mit der Zweigangachse: 15 Vorwärtsgänge, 3 Rückwärtsgänge, Split, Schnellgang, Differentialsperre
---
"Immer bedenken: Hilfe ist keine Einbahnstrasse, Geholfen-Werden ist kein Recht und es liegt an jedem selbst, inwieweit er sich hier in der Gemeinschaft (die im Extremfall so einiges gemeinsam schafft) involviert und einbringt."
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#11 Beitrag von Haithabu84 » 2020-06-22 8:49:14

Vielen Dank @Lampenhalter. Sehr interessant. Jetzt habe ich zumindest mal eine Vorstellung wo es hingeht.

Werde es vermutlich auch wieder so machen. Aber finale Entscheidung fälle ich wahrscheinlich erst, wenn dann mal alles vor Ort ist. Da werde ich auch nochmal paar Bilder machen.

Es muss sich auch erstmal zeigen, wie schlimm der Rost gewütet hat. Wenn da schon so ein Riffelblech dran gezimmert wurde, weiß man nie. Ich werde dann anfangen das Teil von Innen komplett zu entkernen, die ganze alte und teilweise schon beschädigte Verkleidung werde ich rausreißen. Da wird man dann sehen ob der Rost innen schon zugeschlagen hat. Dann mal bisschen beregnen oder abkärchern.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#12 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-22 10:04:22

Pirx hat geschrieben:
2020-06-22 7:23:55
Lampenhalter hat geschrieben:
2020-06-21 23:27:28
Die originalen sowjetischen Federlager bestehen aus Gewindestangen, starken Blechstreifen, Federn, Tellern und Muttern. Das sieht aus wie folgt (hab vergessen ein Foto vom Original zu machen, deswegen schnelle Skizze :blush: ):
Du hast den Holzbalken vergessen.
Nr. 4 sollte ein nach unten offenes U-Profil mit eingelegtem Holzbalken sein.

Pirx
Hallo Pirx,

ja, das versteckt sich zusammengefasst unter der Bezeichnung "Kofferrahmen"...was es ja irgendwie auch ist. :angel:

@haithabu:

Ja, lass mal alles in Ruhe bei Dir ankommen. Ich bin gespannt was Du berichtest und auch auf die Fotos.

Grüße...
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#13 Beitrag von DäddyHärry » 2020-06-24 20:41:39

Da haben wir doch eine serienmäßige Federlagerung...
Und dann noch für geländetaugliche LKW...
Welchen Federweg hatte denn die CA im Lastenheft??
Gruß Härry
Die Bundesfamilienministerin warnt:
Fläschchengeben führt bei Vätern zum Auftreten von Stilldemenz!

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#14 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-24 23:50:52

DäddyHärry hat geschrieben:
2020-06-24 20:41:39
Da haben wir doch eine serienmäßige Federlagerung...
Und dann noch für geländetaugliche LKW...
Welchen Federweg hatte denn die CA im Lastenheft??
Gruß Härry
Der Federweg der Kofferlagerung ist gar nicht so besonders groß. Ich müsste nachschauen, aber im Bereich 5...10 cm. Wie groß der Federweg vom Lkw und die Rahmenverwindung ist weiß ich nicht. Aber ich würde sagen erheblich größer. Die originalen Russenkoffer sind im Gegensatz zum LAK eher verwindungsweich. Die machen einiges mit im extremen Gelände. Das DDR-GFK würde sich nicht so verwinden.
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#15 Beitrag von Haithabu84 » 2020-06-29 20:27:27

Am vergangenen Samstag war es nun soweit, der Uri wurde abgeholt und in die Heimat verfrachtet. Daheim angekommen, habe ich noch am Sonntag angefangen das Ungetüm abzukkärchern, die Innenverkleidung rauszureißen und danach mit Diesel-Öl einzusprühen. Beim Abkärchern kam sogar teilweise das original Tarnmuster zum Vorschein (Bilder kann ich bei Bedarf nachreichen).

Ansich scheint es eine solide Grundlage für einen Aufbau zu sein. Natürlich eine Menge Arbeit. Am schlimmsten ist mir bisher eigentlich die Kabine aufgefallen, der Boden ist sehr von Rost zerfressen. Der Rahmen hingegen, entpuppt sich sogar als die kleinste Baustelle, der sah einfach tadellos aus. Bisschen Oberflächen-Rost. Mehr nicht.

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Mittlerweile glaube ich aber nicht das es sich um einen Ural-Koffer oder KUNG handelt, da sich hinter dem Riffelblech keine Radläufe verstecken. Es scheint mir als wäre der von einem Gaz oder einem Zil. Der Rahmen war schon ordentlich zerfressen.

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Einiges wurde sogar schonmal umgebaut, sogar inkl. 230V-Boardnetz und Laderegler. Aber alles Hundealt. Teilweise gab es an der Deckenverkleidung etwas Wasserschaden vermutlich durch Kondenswasser, auch die Wandverkleidungen waren teilweise schon aufgebrochen. Ich muss da auch erstmal mit einem befreundeten Karosserie-Bauer reden, ob da noch was zu retten ist.

Ansonsten kurz Probegefahren: Der Motor läuft erstaunlich gut. Mit der Schaltung steh ich noch etwas auf Kriegsfuß, die ist verdammt gewöhnungsbedürftig. Vor allem der Moment wo man vom Ersten in den Zweiten schalten will ist heikel. Die Funktion derbeiden Hebel für Abzweiggetriebe und Differential konnte wir mit vereinten Kräften am Sonntag noch feststellen. Linker Hebel für Abzweig war klar, aber bei Differential ist die Funktion bisher für mich zumindest noch ganz einleuchtend. Ich weiß das er die Sperre bedient, aber er ließ sich zum Schluss irgendwie nicht mehr komplett nach Vorne drücken. Da muss ich auch erstmal schauen was da verkehrt ist.

Aber auch an der Technik gibt es einiges zu machen: Betriebsbremse geht gar nicht - Druck hin und wieder da, aber keine Funktion, vermutlich die Radbremszylinder; Wasserpumpe undicht; komplette Beleuchtung ohne Funktion; Auspuff quasi kaum noch Existent; Lenkung vorne links ist irgendetwas im Argen.

Menge Arbeit, aber soll ja auch nicht in zwei Tagen fertig sein. :lol:

Bin für Tipps und Tricks sehr dankbar :unwuerdig:

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#16 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-29 20:55:41

Hallo,

Miss mal, wie lang der Koffer außen ist. Wenn da, wie ich vermute, etwa 4,60 m herauskommen, ist es definitiv ein Ural-Koffer. Die ZIL-Koffer sind 4 m lang und die GAZ-Koffer noch kürzer (3,2 m). Die Ural-Koffer sind für beide Fahrgestelle zu lang.
Was mit den Radläufen passiert ist, weiß der Geier. Sind denn die Anfahrschutzkanten ringsrum noch dran? Oder hat die auch jemand weggehext? (Ringsrum laufende Blechleisten an der Unterkante, etwa 3x5 cm).

Der Kabinenboden ist beim Ural die klassische Rostbaustelle. Die Lüftungsklappe oben vor der Windschutzscheibe ist niemals dicht, da läuft immer Wasser hinein und sammelt sich unter der Fußmatte. Das haben ganz viele, egal ob Diesel oder Benzin.

Die Hebel (der Reihe nach):

* kurz, einzeln, direkt vor der Beifahrersitzbank: Abzweiggetriebe. Nach vorne eingeschaltet, nach hinten (Hebel steht senkrecht nach oben): ausgeschaltet. Normalerweise hängt da die Seilwinde dran, die bei dir nicht verbaut ist. Ob der Hebel eine Funktion hat, musst du schauen. Kommt drauf an, ob am Nebenatrieb irgendwas angebaut ist.

* 2 längere Hebel mittig unterm Amaturenbrett:
* vom Fahrer aus gesehen erster Hebel: Schalthebel vom Verteilgergetriebe. Nach vorne: Straßengang (schnell), ganz nach hinten: Geländeuntersetzung (langsam). Dazwischen Neutralstellung (Fahrzeug bleibt stehen).
* vom Fahrer aus gesehen entfernter Hebel: Mitteldifferenzialsperre. Nach vorne: Ausgeschaltet, nach hinten: Eingeschaltet.

Der erste Gang...kann man benutzten, muss man aber auch nicht. :angel:

Grüße...

PS: Auffällig am Rahmen: Die Anschläge der Hinterachsen sind mal nach unten versetzt worden (Doppel-T-Träger), um den "Federweg" zu begrenzen. Ich bin mir nicht zu 100% sicher, glaube aber, dass das nicht original ist. Das könnte etwas mit dem Kofferumbau und den fehlenden Radhäusern zu tun haben.
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#17 Beitrag von Lampenhalter » 2020-06-29 23:41:39

Betreffs Betriebsbremse und warum sie nichts tut: Das kann viele Ursachen haben. Schau erstmal grundlegend drüber und mache dich damit vertraut.

Erstmal am Manometer kontrollieren, ob Du Luft hast. Wenn nein, ums Auto herumlaufen und horchen, ob es irgendwo zischt. Wenn es das tut: Luftleck suchen. Wenn es das nicht tut: Manometer oder Kompressor hin. In diesem Fall mal die Entwässerungsventile unten an den Druckkesseln ziehen. Wenn da ordentlich Druck drauf ist, hat das Manometer einen weg, eine Leitung ist geknickt ect. Tut es das nicht - suchen wieso keine Luft ankommt.

Der Druck muss bis etwa 7,35 bar kommen, bei etwa 6,2...6,5 bar sollte der Kompressor wieder zuschalten.

Der Ural-4320 hat im Fahrerhaus betreffs Bremse zwei rote Warnlampen und einen Summer. Diese helfen in begrenztem Maße bei der Fehlersuche.
Erstmal Funktionskontrolle: Neben jeder Warnlampenleiste rechts und links vom Lenkrad im Amaturenbrett ist jeweils ein eckiger Knopf. Wenn man den drückt, sollten alle Lampen leuchten und bei einem der beiden Knöpfe auch der Summer anspringen. Ist das nicht der Fall: Kaputte Lämpchen austauschen.
In der linken Leiste ist die zweite Lampe von rechts die für zu geringen Luftdruck im Bremssystem. Die Lampe links daneben sagt Dir, dass ein Fehler im Hydraulikteil vorliegt (Mangel an Bremsflüssigkeit, falscher Abstand Trommel-Bremsbelag ect.). Beide Lampen leuchten bei Betätigung des Bremspedals ggf. auf.

Bitte sei Dir bewusst (die Warnung kommt bestimmt auch noch von anderen, ich habe sie so ähnlich bekommen :angel: ), dass die Uralbremse sehr speziell ist. Es ist eine hydraulische Bremse, die mit Druckluft gesteuert wird. Die Steuerluft ist einkreisig und es gibt KEINE Federspeicher wie bei gewöhnlichen Lkw sowie KEINE mechanische Verbindung vom Bremspedal zu den hydraulischen Bremskreisen. Hast du keine Druckluft mehr, hast du auch NULL Betriebsbremse. Das einzige was dich dann noch hält - mehr oder weniger - ist die mechanische Handbremse auf der Kardanwelle. Die Handbremse wirkt nicht auf die Radbremsen. Bei deinem Fahrzeug kommst Du nicht umher, sämtliche Teile der hydraulischen Bremsanlage zu zerlegen, zu inspizieren und anschließend sehr wahrscheinlich ausnahmslos wegzuschmeißen und mit Neuteilen zu ersetzen. Ich bin an der Baustelle auch gerade dran, selbst bei meinem Fahrzeug ist da viel Schrott dabei und meiner war bis letztes Jahr jedes Jahr in der Werkstatt und hat eine Sicherheitsprüfung bestanden.
Auch die scheinbar kupfernen Luftleitungen sind keine Kupferleitungen und rosten. Ebenso wie die Druckluftkessel (kein Lufttrockner verbaut!) gerne Löcher haben. Videos von Ural-4320 ohne Bremsen sind im russischen Netz ein immer wieder gerne gesehener Klassiker. Wahlloses Beispiel (eher harmloser Blechschaden):



In diesem Sinne - sei vorsichtig bei der Bremse, hol dir ggf. fachkundige Hilfe und maximale Erfolge. :)
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#18 Beitrag von willem » 2020-06-30 11:18:13

Lampenhalter hat geschrieben:
2020-06-29 23:41:39
...sehr wahrscheinlich ausnahmslos wegzuschmeißen und mit Neuteilen zu ersetzen...
Und aus Erfahrung wichtig: Zum ersetzen von 6 bremsen braucht es mindestens 8 Neuteilen (usw für andere wichtige Teilen). Und die Neuteilen muss Mann bevor Einbau auch erst instandsetzen :ninja:

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#19 Beitrag von uraljack » 2020-06-30 13:10:54

Bremsen sind mit das wichtigste Thema am Ural, wer fahren möchte, sollte auch zum stehen kommen. Apropo fahren, ich nehme den 1. Gang nur im Gelände, ansonsten fahre ich immer im 2. Gang an. So als Tipp!

Viel Spaß beim Schrauben, ich habe meinen Ural 2010 gekauft und erst 2012 durch die Vollabnahme und H-Gutachten gebracht. War ne Menge Arbeit.
Grüße!

Jan

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#20 Beitrag von MartinK » 2020-06-30 15:02:26

Hei, die Bremszylinder kauft man neu, dann baut man die auseinander und wirft die neuen russischen Topfmanschetten einfach weg und tauscht die gegen vernünftige von z.B. FTE / FAG R3430 in 34,88 oder 34,92mm (1 3/8 Zoll). Die selbe Größe haben diverse Unimog U421.

Zur Wechselbrücke habe ich nichts beizutragen. ;-)

Gruß, Martin
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#21 Beitrag von Haithabu84 » 2020-07-01 19:32:11

Ich habe jetzt nochmal gemessen, er ist tatsächlich 4,60m lang. Aber irgendwie fehlt bei mir, im Gegensatz zu deinem @Lampenhalter, der komplette Unterbau. Bei mir befindet sich da nur eine simple Rahmenkonstruktion.

Die erwähnte Anfahrschutzkante ist nur noch an den Stirnseiten vorhanden, auf den Längsseiten wurden die abgeflext und das Riffelblech drüber gezimmert.

Bild

Bild

Sieht erst mal danach aus, als würde da eine ganze Weile nicht an den Koffer zu denken sein.

Der Koffer ist im übrigen nicht original und kam wohl erst später. Ob der jemals auf dem Teil richtig angebracht war, konnte mir auch keiner sagen. Bisschen über die Historie des Uris konnte ich was herausfinden: Erster Halter war die Bundeswehr (also definitiv auch von der NVA gekommen), 1991 ist er dann nach Arenshausen verkauft worden, dort fuhr er für eine Industrie-Lackierwerkstatt als selbstfahrende Arbeitsmaschine. Die haben dann für teuer Geld eine sehr robuste Pritsche bauen lassen mit Unterfahrschutz, Rohrrahmenkonstruktion, Stecksystem und neuer Elektrik (Die habe ich dazu bekommen). Da wurde unter anderem auch ein Warnblinker nachgerüstet. 2002 letzten Tüv bekommen und scheinbar 2003 stillgelegt und verkauft.
PS: Auffällig am Rahmen: Die Anschläge der Hinterachsen sind mal nach unten versetzt worden (Doppel-T-Träger), um den "Federweg" zu begrenzen. Ich bin mir nicht zu 100% sicher, glaube aber, dass das nicht original ist. Das könnte etwas mit dem Kofferumbau und den fehlenden Radhäusern zu tun haben.
Einen Hinweis das direkt was am Rahmen verändert wurde, konnte ich nicht finden. Ich habe daher mal mit Online-Bildern verglichen. Ein direkter Unterschied ist mir nicht aufgefallen. Hier nochmal das Heck von meinem:

Bild
Bild
Bild

im Vergleich zu diesem hier, sehe ich kaum einen Unterschied:

https://images.app.goo.gl/WwTesdc6pQMsXyCe8

Bis auf den Abschlussteil, sieht das eigentlich sehr ähnlich aus.

Lampen funktionieren bei mir nur die wenigsten. Links funktioniert nur der für Kühlerwasser (Wobei der im Betrieb flackert, weil Kühlerwasser oberer Zulauf der Wasserpumpe undicht ist) und die Hydraulik Betriebsbremse. Rechts gar keine. Was sind das für Lampen? Welche Fassung? (Bin nur kurz nach der Arbeit rangefahren und hatte nicht viel Zeit).

Zur Bremse: Luft habe ich, die bleibt so bei bisschen mehr als 7 Bar stehen (unterer Zeiger). Wenn ich auf die Bremse drauftrete schlägt auch kurz der obere Zeiger aus.

Kennt jemand eigentlich gute Adressen für Ersatz- und Verschleißteile. Gern auch in Russland oder Ukraine. Radbremszylinder und Bremsbeläge für die Trommeln findet man zuhauf auf Ebay oder Ebay Kleinanzeigen. Aber Filter und Dichtungen eher weniger. Auch Anbauteile sind eher verdammt selten, das war mir auch vorher bewusst... viele schreiben aber das in den Herkunftsländern genügend auch zum ordentlichen Preis vorhanden wäre auch wenn die Lieferung paar Wochen dauert (stört mich eher weniger). Die Frage ist aber: Wo genau?

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#22 Beitrag von MartinK » 2020-07-01 21:46:54

Hallo. Ich habe bereits mehrmals gute Erfahrungen mit Sergej Denk gemacht. https://www.sowjetautos.de/
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#23 Beitrag von Lampenhalter » 2020-07-01 22:09:56

Hallo Haithabu,

So langsam sieht man klarer.

An deinem Fahrgestell sind min. 2 Dinge geändert worden. Ich hab mir mal eines deiner Fotos geliehen:

Bild

Man sieht:

Ganz linker Pfeil: Nach unten versetzte Anschläge. Der Doppel-T-Träger auf den die Pfeilspitze zeigt, gehört da original nicht hinein. Ich mache dir ein Foto von meiner Aufhängung.

Mittlerer Pfeil: Der "Querträger" (senkrechter Pfeil) ist geschraubt und nicht genietet. Was sagt uns das? Es ist kein "Querträger". Denn abgesehen von der Hecktraverse sind alle Querträger genietet. Auch das Lochbild ist eher untypisch für einen Rahmenträger. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Halterung für die Seilwinde. Die gab es bei deinem Fahrzeug und sie ist nachträglich ausgebaut worden, wie man an den Abdrücken der Schrauben sieht (ganz rechter Pfeil). In die vier Löcher gehören eigentlich die Schrauben der Seilwinde. Das erklärt auch, wieso ein Nebenantrieb verbaut ist, aber nichts dranhängt.

Die Erklärung ist wahrscheinlich einfach. Seilwinde und originaler Uralkoffer vertragen sich auch mit korrektem Unterbau in der Höhe nur sehr schlecht. (Ich bin an der Baustelle auch gerade dran :dry: .) Ab Werk war die Kombination nicht vorgesehen. Die Winde steht 12,5 cm nach oben über den Rahmen, zu hoch für den Koffer. Auch die ganzen Kardanwellen für die Winde verlaufen oberhalb des Rahmens. Also hat man alles kurzerhand ausgebaut. Nur den "Querträger" hat man für die Stabilität belassen. Im originalen Kofferfahrgestell ist er übrigens nicht drin.
Und weil ein Wunderknabe aus welchem Grund auch immer (wahrscheinlich Platz im Innenraum) die Radhäuser weggemacht hat, stießen die Räder bei voller Verschränkung an den Kofferboden (der ja auch noch tiefer als gewöhnlich liegt). Deswegen die Federwegsbegrenzer (Doppel-T-Träger).

Das von dir verlinkte Bild ist kein Ural-4320, sondern ein Ural-43202 für 7 Tonnen Nutzlast, ohne militärische Ausrüstung. Und mit anderen Reifen und Rädern. Es gibt noch ein paar weitere Unterschiede, zum Beispiel die Aufbaulager und eben die Hecktraverse (Ausführung für Fahrzeuge ohne Winde). Für dich kommt dieses Bild (Ural-43203) in Frage:

https://www.trucksplanet.com/photo/ural ... 3203_1.jpg

Wie man sieht, gehört der schräg hängende "Querträger" da nicht hinein.
Und man sieht auch die originale Anschlaghöhe.

Der Koffer ist mit 100%er Sicherheit ein originaler Uralkoffer, an dem viel herumgeflext wurde. Aus meiner bescheidenen Perspektive, die natürlich nicht maßgeblich sein muss, ist das ein wirtschaftlicher Totalschaden. Ein neuer alter in gutem Zustand kommt mit etwa 2000€.

Was für Leuchtmittel in den Warnlampen sind, hab ich noch nicht versucht herauszufinden. Am besten Du guckst nach und berichtest dann. :) Oder es weiß jemand anderes.

Warnblinker gab es ab Werk. Meiner hat auch einen original und in der Betriebsanleitung steht er drin.

Welcher Tank ist bei Dir eingebaut? Geht der Tankstutzen nach vorne weg oder sitzt er auf der Oberseite?

Grüße...
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#24 Beitrag von Haithabu84 » 2020-07-02 8:28:07

Sehr interessant.

Über einen Verwandten habe ich Zugriff auf ein paar sehr gute Karosserie- und Stahlbauer. Wenn es richtig verstanden habe, ist der untere Aufbau eigentlich ziemlich einfach gestaltet und dieser sollte zumindest einfach umzusetzen sein: Auf der kompletten Länge des Koffers im selben Abstand zu dem Fahrzeug-Rahmen zwei Träger, dort auf der Länge - zwischen den Querträgern - jeweils nach unten offen (Also dann quasi ein U-Träger) für die Holzbalken. Auf den Querträger jeweils mit dreieckigen Flacheisen als Verstrebung befestigt. Die Holzbalken sind ja eher nur für die Lagerung das nicht Metall auf Metall liegt.

Man müsste dazu vermutlich mal einen originalen Koffer ausmessen und sich daraufhin einen Plan erstellen. Kannst du mal die obere und untere Kante der Längsträger zum Boden des Koffers messen? Danach kann man schauen ob man den Anfahrschutz und die Seitenbleche wiederherstellen kann. Klar kostet auch paar Talers, aber erst mal einen Koffer wieder finden der im brauchbaren Zustand ist. Aber bis da endlich dann der Koffer drauf ist, wird noch einiges an Zeit vergehen. Vorher muss der Untersatz mal in einen ordentlichen Zustand.

Der Tankstutzen ist an der oberen Seite und ist zur Fahrerseite hin geneigt. So wie auf diesem Bild: https://previews.123rf.com/images/artzz ... 3%9Fe-.jpg

Der scheint auch original zu sein, weil beim Abkärchern der obere Lack abging und das alte Tarnmuster zum Vorschein kam.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#25 Beitrag von christian » 2020-07-02 12:05:37

Wenn dein Koffer innen feucht ist, ist er Schrott. Der Wandaufbau ist (von innen nach außen): Sperrholz/ Isolation Sperrholz / Aluminium-Blech aufgenietet/genagelt. Man kann sich vorstellen, was Feuchtigkeit damit macht…
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#26 Beitrag von Haithabu84 » 2020-07-02 12:35:34

Feucht ist er noch nicht, zumindest riecht es nicht modrig oder schimmlig, die Isolierung und Verkleidung hätte ich sowieso neu aufgebaut. Teilweise ist halt die oberste Schicht abgeplatzt, wie man auf den Bildern sehen kann. Darunter blättert dann die Isolierung und die erste Holzschicht heraus. Ich muss mal beim nächsten richtigen Schauer/Regen drauf achten ob es innen feuchte Wände gibt. Ganz abschreiben will ich das Teil noch nicht. Jetzt wird er erst mal als Lager herhalten.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#27 Beitrag von christian » 2020-07-02 12:39:23

Isolierung erneuern wird eine Heldentat! Die ist vollflächig mit dem Oberholz und Unterholz verklebt!!!
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#28 Beitrag von Haithabu84 » 2020-07-02 12:56:55

christian hat geschrieben:
2020-07-02 12:39:23
Isolierung erneuern wird eine Heldentat! Die ist vollflächig mit dem Oberholz und Unterholz verklebt!!!
Was ist wenn ich komplett Isolierung mit Ober- und Unterholz entferne? So wie ich das verstanden habe ist die Außenhaut Aluminium. Wenn ich die komplette Innenverkleidung entferne, kann ich doch daran wieder neue Sandwichplatten anbringen oder Alubutyl, dann Schaumstoffisolierung und zum Schluss mit Siebdruckplatten verkleiden. Oder habe ich da einen Denkfehler?

Klar eine Menge Arbeit, aber was besseres steht mit gerade nicht zur Verfügung. Vor paar Wochen wurde noch ein K-375 angeboten, der ist aber scheinbar weg. Glaube auch nicht das das Angebot noch größer wird.

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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#29 Beitrag von Lampenhalter » 2020-07-02 13:10:38

Haithabu84 hat geschrieben:
2020-07-02 8:28:07
Sehr interessant.

Über einen Verwandten habe ich Zugriff auf ein paar sehr gute Karosserie- und Stahlbauer. Wenn es richtig verstanden habe, ist der untere Aufbau eigentlich ziemlich einfach gestaltet und dieser sollte zumindest einfach umzusetzen sein: Auf der kompletten Länge des Koffers im selben Abstand zu dem Fahrzeug-Rahmen zwei Träger, dort auf der Länge - zwischen den Querträgern - jeweils nach unten offen (Also dann quasi ein U-Träger) für die Holzbalken. Auf den Querträger jeweils mit dreieckigen Flacheisen als Verstrebung befestigt. Die Holzbalken sind ja eher nur für die Lagerung das nicht Metall auf Metall liegt.

Man müsste dazu vermutlich mal einen originalen Koffer ausmessen und sich daraufhin einen Plan erstellen. Kannst du mal die obere und untere Kante der Längsträger zum Boden des Koffers messen? Danach kann man schauen ob man den Anfahrschutz und die Seitenbleche wiederherstellen kann. Klar kostet auch paar Talers, aber erst mal einen Koffer wieder finden der im brauchbaren Zustand ist. Aber bis da endlich dann der Koffer drauf ist, wird noch einiges an Zeit vergehen. Vorher muss der Untersatz mal in einen ordentlichen Zustand.

Der Tankstutzen ist an der oberen Seite und ist zur Fahrerseite hin geneigt. So wie auf diesem Bild: https://previews.123rf.com/images/artzz ... 3%9Fe-.jpg

Der scheint auch original zu sein, weil beim Abkärchern der obere Lack abging und das alte Tarnmuster zum Vorschein kam.

Mir dämmert langsam immer mehr, dass der Koffer tatsächlich nichts mit deinem Fahrgestell zu tun hat. Das hatte ich vorher anders angenommen. Der Tank ist aber schon das nächste Anzeichen. Der Koffer verträgt sich nämlich auch nicht mit dem Tank. Du würdest den Tankstutzen nicht mehr aufbekommen. Es gibt extra Tanks mit Tankstutzen nach vorne, um unter dem Koffer hervorzukommen:

http://www.panzerbaer.de/helper/pix/nva ... er-010.jpg

(So sieht der Koffer übrigens original mit Radhäusern aus.)

Außerdem wirst du sehr wahrscheinlich feststellen, dass dein Fahrzeugrahmen kürzer als der Koffer ist. Das ist jetzt keine Vollkatastrophe, wenn man den Rahmen des Koffers eh neu machen muss. Aber es gehört original nicht so. Die Kofferfahrgestelle sind 335 mm länger (hinterer Überhang). Was mit diesem Rahmen zum Beispiel nicht geht: Den originalen Ersatzradhalter am Heck des Koffers montieren. Dazu ist der Rahmen zu kurz.

Auf deinem Lkw war original eine Pritsche oder ein LAK drauf. Beide sind etwa 40 cm kürzer als der Koffer.

Rest per PN. :happy:
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Re: Ural 4320 Wechselbrücke selbst bauen?

#30 Beitrag von Pirx » 2020-07-02 14:06:59

Haithabu84 hat geschrieben:
2020-07-02 12:35:34
Feucht ist er noch nicht, zumindest riecht es nicht modrig oder schimmlig, die Isolierung und Verkleidung hätte ich sowieso neu aufgebaut. Teilweise ist halt die oberste Schicht abgeplatzt, wie man auf den Bildern sehen kann. Darunter blättert dann die Isolierung und die erste Holzschicht heraus. Ich muss mal beim nächsten richtigen Schauer/Regen drauf achten ob es innen feuchte Wände gibt. Ganz abschreiben will ich das Teil noch nicht. Jetzt wird er erst mal als Lager herhalten.
Ich glaube, Du hast den Aufbau eines Sandwich-Koffers noch nicht ganz verstanden. Der Trick dabei ist, daß es keine getrennte Außenhaut, Isolierung und Innenverkleidung gibt. Das ist alles ein einziges Teil, nämlich eine sogenannte Sandwich-Platte. Alles ist vollflächig miteinander verklebt und selbsttragend.

Normalerweise ist ein derart aufgebauter Koffer Schrott, wenn die äußeren Schichten so beschädigt sind, daß Wasser in den Schaum eindringen kann. Phil und Orli hatten vor etlichen Jahren einen LKW mit einem solchen Koffer gekauft und bald festgestellt, daß der Koffer durch eingedrungene Feuchtigkeit unbrauchbar war. Da sie sich aber in die Form dieses Aufbaus verliebt hatten, haben sie eine aufwendige Rettungsaktion gestartet, genau wie es Dir vorschwebt. Innenschicht und Schaum wurden entfernt, in das übrigbleibende Blech wurde ein Stahlkäfig eingeschweißt und mit Styrodurplatten neu isoliert und eine neue Innenverkleidung angebracht. Das ist eigentlich finanzieller Nonsens, aus dem eigentlich sehr vorteilhaften Sandwich-Koffer wurde ein Stahlskelett-Koffer mit Aluminium-Beplankung und über die Arbeit dafür brauchen wir nicht zu reden. Ein kompletter Neubau eines Koffers wäre sicher schneller (und billiger) gewesen.

Beide sind nicht mehr im Forum aktiv, und das damalige, alte Forum (auch unter dem Euphemismus "Archiv" bekannt), ist nicht mehr im Netz. Ihre Homepage gibt es aber noch:
http://orli.ws/

Zum Kofferumbau existiert leider nur noch eine Bildersammlung:
http://vorwerk.ws/index.htm

Die ältesten Bilder (mit der Koffersanierung) finden sich ganz unten in der linken Menüleiste. Als Beispiele einige Links dazu:
http://vorwerk.ws/Data/page.htm?203,0
http://vorwerk.ws/Data/page.htm?201,0
http://vorwerk.ws/Data/page.htm?186,0

Wenn Dich das nicht abschreckt, dann mach halt weiter mit dem Gammel-Koffer. Aber sag' nicht, wir hätten Dich nicht gewarnt! :p

Pirx

P.S.: Ich besitze selbst einen solchen Koffer und für mich ist gerade die Kombination von zeitgenössischer Optik der 1970er Jahre mit modernem Wandaufbau aus Sandwich, guter Isolierung und geringem Gewicht das Schöne an diesen Koffern. Warum man dann das Sandwich mit hohem Aufwand durch einen konventionellen Aufbau ersetzen sollte, erschließt sich mir nicht.
Der mit der Zweigangachse: 15 Vorwärtsgänge, 3 Rückwärtsgänge, Split, Schnellgang, Differentialsperre
---
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