MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

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lura
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#31 Beitrag von lura » 2020-09-08 23:20:38

Die Regelung ohne Scheibe kenne ich auch, die gilt m.W. auch bei Privatfahrten, da hier keine Lenkzeitkontrolle vorgenommen wird.
Gruß
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MichaelW
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#32 Beitrag von MichaelW » 2020-09-09 12:55:03

Hallo,
lura hat geschrieben:
2020-09-08 23:20:38
Die Regelung ohne Scheibe kenne ich auch, die gilt m.W. auch bei Privatfahrten, da hier keine Lenkzeitkontrolle vorgenommen wird.
Nochmal: Man muss unterscheiden zwischen Fahrtenschreiber und EG-Kontrollgerät. Der Fahrtenschreiber schreibt die Geschwindigkeit auf, das EG-Kontrollgerät auch die Zeiten. Zwar macht der (alte mit Diagrammscheiben ausgestattete) Fahrtenschreiber das im Prinzip auch, ist aber ein anderes Gerät.
Fahrtenschreiberpflicht ist rein in der StVZO verankert, da gibt es keine Unterschiede zwischen privat oder gewerblich.
Wenn du in den Fahrtenschreiber keine Scheibe einlegst, kann er auch keine Geschwindigkeit aufzeichnen. Unterschied gibt es beim digitalen Kontrollgerät, wenn du da keine Karte steckst, zeichnet das Gerät trotzdem die Geschwindigkeit auf, es wird dann praktisch als Fahrtenschreiber betrieben. Beim anderen musst du, wenn Fahrtenschreiberpflicht besteht, auch eine Scheibe einlegen.

Gern auch nochmal ausführlich (nur die hier wesentlichen Punkte) aus StVZO §57a

" (1) Mit einem nach dem Mess- und Eichgesetz in Verkehr gebrachten Fahrtschreiber sind auszurüsten
1. Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,5 t und darüber,
(...)"

Soweit dürfte das klar und unmissverständlich sein. Zu den Ausnahmen komme ich gleich. Aber erstmal zur Benutzungspflicht:

"(2) Der Fahrtschreiber muss vom Beginn bis zum Ende jeder Fahrt ununterbrochen in Betrieb sein und auch die Haltezeiten aufzeichnen. Die Schaublätter – bei mehreren miteinander verbundenen Schaublättern (Schaublattbündel) das erste Blatt – sind vor Antritt der Fahrt mit dem Namen der Führer sowie dem Ausgangspunkt und Datum der ersten Fahrt zu bezeichnen; ferner ist der Stand des Wegstreckenzählers am Beginn und am Ende der Fahrt oder beim Einlegen und bei der Entnahme des Schaublatts vom Kraftfahrzeughalter oder dessen Beauftragten einzutragen; andere, durch Rechtsvorschriften weder geforderte noch erlaubte Vermerke auf der Vorderseite des Schaublatts sind unzulässig. Es dürfen nur Schaublätter mit Prüfzeichen verwendet werden, die für den verwendeten Fahrtschreibertyp zugeteilt sind. Die Schaublätter sind zuständigen Personen auf Verlangen jederzeit vorzulegen; der Kraftfahrzeughalter hat sie ein Jahr lang aufzubewahren. Auf jeder Fahrt muss mindestens ein Ersatzschaublatt mitgeführt werden."

Damit dürfte klar sein, dass da auch ein wie beschrieben ausgefülltes Schaublatt rein muss.

Falls anstelle eines Fahrtenschreibers ein EG-Kontrollgerät eingebaut ist, gilt folgendes:
"(3) Die Absätze 1 bis 2 gelten nicht, wenn das Fahrzeug an Stelle eines vorgeschriebenen Fahrtschreibers mit einem Kontrollgerät im Sinne des Anhangs I oder des Anhangs I B der Verordnung (EWG) Nr. 3821/85 ausgerüstet ist. In diesem Fall ist das Kontrollgerät nach Maßgabe des Absatzes 2 zu betreiben; bei Verwendung eines Kontrollgerätes nach Anhang I B der Verordnung (EWG) Nr. 3821/85 muss die Fahrerkarte nicht gesteckt werden. (...)"

Also auch soweit klar.

Nun zu den Ausnahmen:

Einmal gilt §72 (2), Punkt 6e:
"§57a Absatz 1 (Fahrtschreiber) tritt außer Kraft am 1. Januar 2013 für erstmals in den Verkehr kommende Kraftfahrzeuge."

Dürfte auch klar sein - keine Fahrtenschreiberpflicht mehr bei Fahrzeugen mit EZ nach dem 01.01.2013.

Desweiteren kommen noch in Betracht die Ausnahmen nach §57a (1):
"Dies gilt nicht für:
(...)
4. Fahrzeuge, die in § 18 Absatz 1 der Fahrpersonalverordnung vom 27. Juni 2005 (BGBl. I S. 1882), die zuletzt durch die Artikel 1, 4 und 5 der Verordnung vom 22. Januar 2008 (BGBl. I S. 54) geändert worden ist, genannt sind,
5. Fahrzeuge, die in Artikel 3 Buchstabe d bis g und i der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 (ABl. L 102 vom 11.4.2006, S. 1), die durch die Verordnung (EG) Nr. 1073/2009 (ABl. L 300 vom 14.11.2009, S. 88) geändert worden ist, genannt sind."

Also mal da nachschauen. §18 Absatz 1 der FahrPersV gibt schonmal keine Ausnahmen her, die für die hier vorhandenen Fahrzeuge zutreffen könnten. Also mal in die Verordnung 561/2006 schauen, dort finden wir dann:
" i Nutzfahrzeuge, die nach den Rechtsvorschriften des Mitgliedsstaats, in dem sie verwendet werden, als historisch eingestuft werden und die zur nichtgewerblichen Güter- oder Personenbeförderung verwendet werden."
--> Also Ausnahme bei H-Zulassung in Verbindung mit privater Nutzung.

Auch wenn sowohl die FahrPersV also auch die 561/2006 für den privaten Transport oder auch für Womos nicht gelten, so gilt trotzdem der §57a StVZO. Der bezieht sich ja bei den Ausnahmen nur auf die Auflistungen in der FahrPersV bzw. 561/2006, nicht auf die Gültigkeit der Vorschriften selbst. Man wollte sich wohl nur die zusätzliche Auflistung der Ausnahmen in der StVZO sparen.

--> Also: Wenn Fahrtenschreiberpflicht, dann auch Benutzungspflicht. Alles andere bitte dann mal anhand entsprechender Gesetzes- bzw. Verordnungstexte oder Ausführungbestimmungen belegen. Bitte nicht anhand von "Aussagen" von Polizisten, TÜV-Prüfern, Zulassungsstellen oder Ähnlichem. Es gibt keine Ausnahmen für Privatfahrten und mir ist auch keine spezielle für Wohnmobile über 7,5t bekannt. Dass vielfach Unwissenheit verbreitet ist und das wenig kontrolliert wird, steht auf einem anderen Blatt.

Gruß,
Michael
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#33 Beitrag von querys » 2020-09-09 14:38:32

Danke Michael, dass du das so schön aufbereitet hast.
Definitiv ein Grund bei über 7,5t für LKW mit H statt So-KFZ Wohnmobil ohne H.
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garem
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#34 Beitrag von garem » 2020-09-09 15:46:29

MichaelW hat geschrieben:
2020-09-09 12:55:03

--> Also: Wenn Fahrtenschreiberpflicht, dann auch Benutzungspflicht. Alles andere bitte dann mal anhand entsprechender Gesetzes- bzw. Verordnungstexte oder Ausführungbestimmungen belegen. Bitte nicht anhand von "Aussagen" von Polizisten, TÜV-Prüfern, Zulassungsstellen oder Ähnlichem.
Von mir auch erst einmal vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Ich habe aber ein Problem damit, wenn sich jemand (sorry Michael, aber ich kenne dich so nicht weiter) über gut geschultes Personal gleich mehrfach und querbeet setzt. Ich habe vor nicht allzulanger Zeit meinen Führerschein gemacht und dort war genau das Thema Fahrtenschreiber intensiv besprochen worden. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Fahrschule über dieses Thema nicht Bescheid weiß. Ich selber, gebe ich zu, habe die gültigen Gesetze nicht studiert, da es für mich bis jetzt auch keinen Sinn gemacht hatte. Dies werde ich wohl noch einmal dank dieser Diskussion nachholen, aber das steht auf meiner to-do-Liste ganz hinten. Bis dahin vertraue ich mal der Fahrschule.

Nichts für ungut, viele Grüße.
Jens
Life‘s an adventure.

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MichaelW
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#35 Beitrag von MichaelW » 2020-09-09 16:08:58

Hallo,
garem hat geschrieben:
2020-09-09 15:46:29
Ich habe aber ein Problem damit, wenn sich jemand (sorry Michael, aber ich kenne dich so nicht weiter) über gut geschultes Personal gleich mehrfach und querbeet setzt.
Ich sage ja nicht, dass die alle keine Ahnung haben. Ich kann dir aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es da viele Stellen gibt, die diverse Vorschriften nicht kennen. Ganz vorne stehen da übrigens oft auch Polizisten (damit meine ich jetzt nicht die Fachleute für entsprechende Themen, die kennen sich meist sehr gut aus) oder gern auch Fahrlehrer.
garem hat geschrieben:
2020-09-09 15:46:29
Ich habe vor nicht allzulanger Zeit meinen Führerschein gemacht und dort war genau das Thema Fahrtenschreiber intensiv besprochen worden. Nun kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Fahrschule über dieses Thema nicht Bescheid weiß.
Doch, gerade die. Wenn ich so überlege, was ich u.a. von frischen Fahrschülern schon über die Führerscheinklassen (vor allem die Anhängerregeln) schon so alles gehört habe. Auch teilweise mehrere übereinstimmende falsche Aussagen, wo man es deifinitiv auf eine falsche Aussage eines Fahrlehrers zurückführen konnte. Auch beim TÜV habe ich so meine Erfahrungen gemacht, auch und gerade, weil mich als Regionalbeauftragten des Unimog-Club Gaggenau viele mit entsprechenden Fragen ansprechen. Man sollte nicht vergessen, dass sowohl WoMos über 7,5t als auch Privatnutzung eines LKW über 7,5t nicht gerade alltäglich sind sondern eher die Sonderfälle. Dass da ein Fahrlehrer nicht alle Regeln kennt, wundert mich da nicht, im Gegenteil, es wäre schon verwunderlich, wenn der alles im Detail wüsste.

Vielfach werden da auch der Einfachheit pauschalisierte Aussagen vermischt. Oft wird gesagt, bei Privatfahrten braucht man keine Scheibe einzulegen / die Karte nicht zu stecken. Dass das aber nicht in allen Fällen gilt, sollte man eben dazusagen. Beim Fahrtenschreiber (analog) muss immer eine Scheibe rein, wenn die Ausrüstungspflicht und Benutzungspflicht besteht. In ein EG-Kontrollgerät muss ich u.U. keine Scheibe einlegen, weil das Fahrzeug zwar im gewerblichen Betrieb ein Kontrollgerät bräuchte, im Privatbetrieb aber nicht (z.B. LKW zwischen 3,5 und 7,5t).

Gruß,
Michael
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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#36 Beitrag von lura » 2020-09-17 16:03:22

Hab mal 200 Scheiben bestellt, dann kann nichts passieren.
Gruß
Bernd

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Re: MB 1224 AF zwischen WoMo und ExMo

#37 Beitrag von garem » 2020-09-26 10:51:09

garem hat geschrieben:
2020-04-25 18:30:19

Die Frage, ob die Änderung des Radsatzes auf 43:10 mit meinem Automatikgetriebe kompatibel ist, ist noch nicht abgeschlossen. Viele Meinungen und Hinweise innerhalb und außerhalb des Forums gehen alle fast in dieselbe Richtung, dass es eigentlich kein Problem sein sollte, aber … Nun, eine Anfrage an den Hersteller ZF blieb bis jetzt unbeantwortet, da das Werk erst Ende Mai wegen Corona wieder verbindliche Auskünfte geben kann. Es bleibt also spannend.
Hallo liebe Forumsmitglieder,

diese Frage hat sich inzwischen auch erledigt. Ich habe einen Mitarbeiter von ZF erreicht, der diese Frage beantworten konnte. Es ist also so, dass das Getriebe die benötigten Signale vom Tachometer, dem Gaspedal und dem gewählten Fahrbereich erhält. Die Anzeige des Tachometers muss nach dem Radsatzwechsel durch Wechsel/Korrektur des Winkelgetriebes entsprechend angepasst werden. Eventuell, je nach Bedarf und wohl nicht zwingend, so meinte der Mitarbeiter, könnte noch ein Softwareupdate für das Steuergerät aufgespielt werden. Hier gibt es aber bereits fertige Lösungen durch ZF.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.
Gruß Jens
Life‘s an adventure.

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