MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

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Globi
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MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

#1 Beitrag von Globi » 2019-04-08 23:38:46

hier nochmal ein neuer tröt, da das problem eher im radantrieb/außenplaneten liegt.

ich habe im bereich der kronenmuter/radnabe außen leichte rostspuren festgestellt und weiß nicht recht weiter, ob ich nun das ganze in der werkstatt auseinanderbauen und anschauen lassen soll, oder einfach ignorieren ? :joke:

was würdet ihr mir empfehlen, bzw hat jemand schon mal ähnliches gehabt? der werkstattmeister meinte, das wäre äußerlicher flugrost; er hat scheinbar genug arbeit und ist wohl auch nicht unbedingt versessen darauf, das zu zerlegen.

vor jahren wurde das ganze im iran schon einmal zerlegt und ich hänge davon bilder an, wo man deutlich sieht, wie sich damals der rost breit machte.

vielleicht hat auch jemand eine idee, wie sich da rost breitmachen konnte, trotz regelmäßiger schmierung der kugelgelenke und austausch des VA-differntialöls ?
vielen dank
grüße
wolfgang
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FrankS
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Re: MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

#2 Beitrag von FrankS » 2019-04-09 10:20:04

Moin,

die Verzahnung auf der Steckachse überträgt das Drehmoments mittels des innenverzahnten Flansches auf die Nabe somit auf die Räder - hier kämmen also keine Zahnräder. Aussenplaneten kann ich da keine sehen... LK mit AP-Achsen?

Hinter der Kugel - in Richtung Diff - sollte ein Dichtring seinen Dienst tun und Difföl von der Fettfüllung in der Kugel trennen.
Dichtlippen auf der Kugel sollten Dreck und Wasser fern halten, was diese aber leider nicht immer tun - es kann also Wasser eindringen und durch die Spindel in die Radlager gelangen. Wasser findet auch von aussen über die Spindel den Weg in die Radlager - wenn der Dichtring in der Bremstrommel nicht sauber dichtet. Dichtringe "leiden" unter falschem Radlagerspiel bedingt durch Verschleiss oder fehlerhafter Einstellung des Lagerspiels.

Wasser kann auch in die Nabe eindringen wenn der innenverzahnte Flansch nicht sauber gedichtet ist - gleiches "Schadensbild".
Du solltest prüfen ob Wasser in die Kugel eindringt - ggf. müssen die Lippendichtungen erneuert, im besten Fall nur gereinigt werden.
Da auf jeden Fall Rostpartikel in die Lager eingedrungen sind, reicht Reinigen m.E. nach nicht aus. Zur Sicherheit würde ich die erneuern - samt Mutter(n) und Sicherungsblech! Passendes Fett einarbeiten in die Lager!
Den Flansch würde ich so gut es geht reinigen, die die Verzahnung der Steckachse abbürsten und den Flansch mit Blue Seal eindichten.

Grüßle Frank
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Re: MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

#3 Beitrag von Globi » 2019-04-09 20:30:53

hallo frank,

vielen herzlichen dank für diese umfangreiche und anschauliche erklärung. somit verstehe ich auch die zusammenhänge besser und kann nachvollziehen, wie was zusammenhängt und wo der rost herkommen kann.

noch eine frage:
braucht sich das fett in den radlagern und im bereich des innenverzahnten flansches mit der zeit auf?
und kommt beim abschmieren über die schmiernippel der kugelgelenke auch fett in den o. g. bereich?

schon mal vielen dank und viele grüße
wolfgang

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FrankS
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Re: MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

#4 Beitrag von FrankS » 2019-04-11 10:03:44

Moin,
nein, Fett braucht sich nicht auf, altert aber. D.h. das Fett zersetzt bzw. trennt sich - ein Teil verfestigt sich und andere Teile verflüssigen sich und fliessen ab. Hier zeigt sich wie "gut" sprich beständig ein Fett ist! Im Betrieb wird Fett auch abgestreift/abgeschleudert von den sich bewegenden Teilen und steht dann dem Zweck der Schmierung nicht mehr zur Verfügung weil es irgendwo an unnützer Stelle klebt.
Die Radlager erreichst du ehr nicht mit Fett wenn du kugelseitig schmierst - es sei denn du flutest die Nabe :D Je nach Bauart der Vorderachsgelenke braucht man auch rein theoretisch zwei verschiedene Sorten Fett - Hochleistungs/Hochtemperatur-Radlagerfett einerseits und Fett für Gelenke andererseits. Ist das der Fall, sollte man vornehmlich Fette eines Herstellers nehmen da die Fette sich "vertragen" müssen in der Nabe. (Lithium- vs. Calciumverseift).
Wikipedia gibt da gerne nähere Auskunft
"Unsere" LKW werden in der Regel ja NICHT im Alltagsbetrieb eines Gewerbes eingesetzt wo schnell Kilometer zusammen kommen und regelmässig gewartet wird. So wird bei privater Nutzung in der Regel nur alle paar Jahre mal eine Nabe geöffnet. So hat Fett genug Zeit zum Altern...das bissl Fetten durch die Kugel ist m.M. nach nur Kosmetik :D
Aber wie wir ja gelernt haben, sind z.B. bei Mercedes die Schmiernippel in den Kreuzgelenken teilweise weggefallen...
Hab neulich mal die Naben meines 711er aufgemacht - ich hab die Kiste schon über 10 Jahre und hab vorher noch nie die Radlager nachgestellt geschweige denn geschmiert - und was soll ich sagen - alles fluffig! Da hat Daimler schon gute Hard- und Software verarbeitet :D

Hab fertig...
Grüßle Frank
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Re: MB 917 Rost im vorderen Radnabenantrieb?

#5 Beitrag von Globi » 2019-04-12 13:42:05

hallo Frank,
vielen dank auch für die neuerlichen ausführungen. da habe ich wieder einiges dazugelernt und die infos sind sicher auch für andere sehr interessant.
viele grüße
wolfgang

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