DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneuern

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DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneuern

#1 Beitrag von Walöter » 2017-09-16 12:31:03

Hallo Forum,

das Thema hört sich ja trivial an, und so mancher mag sich auch denken: "Hmm, ist das jetzt echt wichtig?"
Erstens war's gar nicht trivial, und zweitens ist es durchaus wichtig.
Worum es geht:
Die Federn der Achsen sind auf der einen Seite (vorne) einmal mit einem Bolzen am Rahmen befestigt. Die Halterung am Rahmen ist genietet und kann nicht entfernt werden. Auf der anderen Seite (hinten) findet sich die selbe Halterung am Rahmen und ist mit einem Schäkel mit der Feder verbunden, hier gibt es also zwei Bolzen. Die Bolzen sind beweglich, damit die Länge der Feder beim einfedern (Feder wird länger) durch den Schäkel ausgeglichen werden kann. Soweit so gut.
Aber was, wenn die Bolzen fest sind und damit der Längenausgleich nicht mehr stattfinden kann? Tja, blöde Sache, denn dann federt das Auto halt nicht mehr. Alle Schläge werden in den Rahmen eingeleitet. Merkt man daran, wenn man z.B. über einen Gullideckel fährt, macht es ein recht hartes Tock-Tock. Im Geländen macht's halt nicht nur Tock, sondern scheppert. quietscht und kracht es richtig. Früher oder später ist ein Federbruch vorprogrammiert. Wahrscheinlich nicht gerade bei Gullideckel vor der Werkstatteinfahrt.....
Damit so etwas nicht passiert, haben alle Bolzen einen schönen Schmiernippel, der immer schön sein Fett haben will. Das kommt dann an den beiden Scheiben des Bolzens wieder raus. Is so? Weil: Wahrscheinlich kommt's nur bei der vorderen Scheibe raus. Dann hast ein Problem...
Also mal Schnell Fett-Gun in die Hand, druff drücke, und...? Stimmt's, nur auf einer Seite Fett rausgekommen? Dann hast jetzt echt a Problem: Federbolzen wechseln!

Also los! Ich beschreibe erst einmal, wie's geht wenn's geht:

1) Sechskantschraube der Keilschraube lösen
2) Keilschraube mit Hammer austreiben
3) Schmiernippel ausschrauben
4) Gewindestange M10x1 einschrauben und mit Abdrückhülse oder Wichser Bolzen herausziehen
5) Messinghülse mit geeignetem Werkzeug herausziehen


Und nun die Beschreibung wie es in der Wirklichkeit aussieht:

Vorarbeit: Auto mit Stockwinde hochheben. Alles abbauen was im Weg ist (bei mir Abwassertank und Dieseltank Nr.2)

1) Sechskantschraube lösen: kein Problem

2) Keilschraube austreiben: Ging hinten mit großem Hammer ganz gut, vorher mit WD40 behandeln schadet nicht. Vorne: Mist, man kommt man mit dem Hammer nicht hin. Weil: Schutzblech im Weg. Also Flex anheizen, Blecht weg scheiden. Dann dengel, dengel, Schraube krumm, Keilschraube immer noch drin. Also aufbohren, Gewinde reinschneiden, Abdrückhülse basteln und rausziehen. Das hat funktioniert.
1875.JPG
Keilschraube Gewinde scheiden
1876.JPG
Keilschraube mit Abdrückhülse herausziehen
3) Schmiernippel herausschrauben: geht so. Manchmal mit Hammer zerstören um zu prellen. Kein großes Problem.

4) Bolzen herausziehen: jetzt fangen die Probleme an. Ein Bolzen ließ sich so mit einem Wichser ziehen.
1803.JPG
Bolzen mit Wichser herausziehen
1806.JPG
Gezogener Federbolzen
Der nächste ließ sich nicht herauswichsen, also mit Abrückhülse probiert: Hat funktioniert!
1810.JPG
Bolzen mit Abrdrückhülse ziehen
Der dritte kam ein paar Millimeter, dann war Schluss! Die 10x1 Gewindestange war das Erste, was das nicht mehr ausgehalten hat. Also den Bolzen aufgebohrt und zunächst Gewinde M12, dann M16 und schließlich M20x2,5 reingeschnitten.
1823.JPG
Gewinde M20x2,5 schneiden
1830.JPG
M20x2,5
Gewindestange in Verbindung mit Vierfachverstärker und Wichser, Mickymaus beim Wichsen nicht vergessen, und Stundenlag gewichst. Ergebnis: NULL!
Jetzt langt's mir dann langsam! Das Flammenschwert muss jetzt her!
1956.JPG
Flammenschwert
Außen heiß machen, dann wird's schon gehen. Mit so einem Föhn-Kuschel-Warm-Macher a la Butanbrenner brauchst du jedenfalls hier nicht anfangen.
1827.JPG
Warm wäre der Schäkel jetzt
Erflog messe ich mittlerweile in Zehntel Millimeter, man wird ja genügsam. Also ein (!) Zehntel nach zig Versuchen. Wie lang war der Bolzen nochmal? 136 mm. Boahhh, nee!!! Dieser Scheißdreck muss ein anderer werden! Nächster Plan: Bolzen durchbohren und aufglühen, vielleicht fällt die Hülse oder noch besser Bolzen dann in sich zusammen. 13,6 cm ausbohren, echt der volle Spaß. Mittlerweile bin ich bei Tag vier! Bolzen warm gemacht:
1814.JPG
Bolzen angewärmt
Spätestens jetzt sollte klar sein, dass hier mit Kanzler-Kandidaten-Duell-Kuschelkurs hier nix mehr geht. Hier ist Krieg. Bolzen gegen mich, bzw. ich gegen Bolzen. Das Schlimme dabei ist: Bolzen scheint echt im Vorteil, mauert einfach ohne Ende, denn: Erflog NULLKOMMANULL
Tag fünf am Arsch, alles für nix. Also so geht es auch nicht. Nach diversen Hammerschlägen konnte ich den Schäkel hin und her bewegen, und nach den ganzen Heißmach-Abkühl-Aktionen ging er sogar ganz leicht zu bewegen. Also gibt es wenigstens irgend eine Bewegung. Hmmmmmm, Nachdenken. Immer wieder mach ich ne Pause, Messe, Messe wieder, bin frustriert und denke mir: "Ok, das ganze Schauen, Gucken und Messen bringt mich auch nicht weiter."
Hmmmmmmm......
Stimmt nicht, denn jetzt habe ich was entdeckt: Auf beiden Seiten hat der Bolzen eine ca. vier mm dicke Scheibe. Die liegt rechts an, links hat sie einen winzigen Spalt. Wenn ich nun diese Scheibe zerstöre, könnte ich wahrscheinlich die Hülse sehen, und diese wiederum irgendwie zerstören und so vier mm gewinnen. Denn der Bolzen scheint eins mit der Hülse geworden zu sein, aber die Hülse ließ sich ein Stück aus dem Schäkel zeihen. Versteht ihr was ich denke?
Also die Scheibe ließ sich sogar aufbohren:
1848.JPG
Scheibe geteilt
Bei der Zerstörung der nun zum Vorschein gekommenen Messinghülse sind der Phantasie bezüglich Werkzeugwahl und -Anwendung keine Grenzen gesetzt. Ein gewisse Kreativität in Verbindung mit Frustrationsabbau durch schiere Zerstörungslust schaden nicht.
1959.JPG
Hülsenteil
Vier mm gewonnen!!
1849.JPG
Erfolg in Zehntel Millimetern
Jedes Mal vier mm, irgendwann habe ich sieben cm, dann ging er heraus, der Drecksbolzen. Es ist Tag sechs und mir tut alles weh
1887.JPG
ohne Worte
5) Messinghülse mit geeignetem Werkzeug herausziehen: Grundsätzlich kein großes Problem mehr. Etwas unorthodox die Feder vorne nach unten gedrückt um die Hülse ziehen zu können.
1852.JPG
Feder herunter drücken, nicht vorbildlich...
1912.JPG
War mal eine Hülse
Zusammenbau:

1) Hülse einpressen
2) Scheiben einführen
3) Bolzen eintreiben
4) Keilschraube eintreiben und mit Sechskantmutter sichern


Der Rep. Satz beinhaltet Bolzen, Hülse, Schmiernippel, Scheiben und Dichtring für die Scheiben.
1935.JPG
Repsatz
1) Hülse einpressen
1916.JPG
Hülse frisch aus dem Gefrierfach einpressen
1917.JPG
Hülse da wo sie hingehört
2) Scheiben einführen: Das ist ein wenig Fummelei, geht aber ganz gut. Man muss darauf achten, dass die Scheiben mit der Hülse und dem Schäkel fluchten, sonst gibt's Ärger beim Eintreiben des Bolzens.
1941.JPG
Scheiben einführen
Ich muss den Beitrag hier splitten, da schon so viele Bilder eingebaut sind. "Ihr müsst unbedingt gucken wie's weiter geht (Es war einmal... der Mensch)"

Walter
Zuletzt geändert von Walöter am 2017-09-16 16:34:39, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#2 Beitrag von Walöter » 2017-09-16 13:12:29

Hallo Forum, so geht es weiter:

3) Bolzen eintreiben: Darauf achten, dass die Nut für die Keilschraube an der richtigen Stelle ist. Sonst kein Problem
1943.JPG
Bolzen eintreiben
4) Keilschraube eintreiben und mit Sechskantmutter sichern: Die Keilschraube mit großem Hammer eintreiben. Wenn man versucht, sie mit der Sicherungsschraube einzuziehen reißt das gleich mal ab. Keilschraube gibt's auch einzeln nachzukaufen. Ich weiß wovon ich rede.
1946.JPG
Keilschraube
1947.JPG
Keilschraube sichern, Schmiernippel einschrauben
Jetzt schön Fett reindrücken. Alle Anbauteile wieder hinstricken, fertig!

Resümee:
Ich halte das schon für eine wichtige Servicearbeit, immer noch besser als unterwegs gebrochene Federn. Was man so mitbringen sollte:

Diverse Werkzeuge: Bohrer aller Art, Gewindebohrer aller Art bis M22x2,5, Flex, Winkelsäge, kleine Meißel zur Zerstörung der Hülse, Durchschläge aller Art, Flammenschwert, Stockwinde, gescheite Böcke um das Auto draufzustellen, Mickeymaus Ohrenschützer, großer Vorrat WD40 & Schneidöl, Große Schlüssel, Gewindestangen aller Art u.v.m.....

Spaß an alternativer Anwendung derselben

Hohe Frustrationstoleranz

Ein ordentlicher Arbeitsplatz sieht anders aus. Irgendwann ist dir das alles so was von scheißegal
1955.JPG
Chaotischer Arbeitsplatz
Diverse zerstörte Werkzeuge. M20 nicht nur einmal abgersissen....
1930.JPG
zerstörte Werzeuge
Ursprünglich dachte ich mir, ich mache die Bolzen und dann gleich noch die Bremse neu belegen, wenn man schon mal dran ist. Deswegen heißt der Thread auch Achsrevision Teil 1. Aber nach 10 Tagen langt's mir jetzt mal.

Probefahrt:
Ich hatte ja ein bisschen gehofft, dass das Auto nach der Revision nicht mehr auf dem Zusatzfederpaket aufliegt (ich habe die Version verstärkte Federn mit Zusatzfeder). War leider nicht so. Die Möhre ist einfach zu schwer.
Jetzt macht's beim Gullideckel nicht mehr Tock-Tock sondern Tuck-Whubb. Sehr schön! Deutlich anders. Ich bin froh das ich das gemacht habe, im Nachhinein tut mir das Auto schon leid, dass ich so lange so herumgefahren bin. Alle die Schläge....

Ach ja: Die sechs Repsätze für die Vorderachse liegen schon da.....

Was lernen wir daraus?

Walter
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#3 Beitrag von Andy » 2017-09-16 13:52:17

Moins,

Wie gut dass ich magirus fahr, da gibt es so nen (keilscheiben -) Edit: Keilschrauben mist nicht.

Alles andere kenne ich. Obwohl, die zwischen scheiben gibt es auch nicht.

Noch ne frage?
Hast du die federbüchse , rotguss, nicht nach dem eintreiben aufgerieben?
Bei mir sind die büchsen immer zu klein und der bolzen passt entweder gar nicht oder sehr stramm rein. Ein bissel spiel muss er haben, sonst nutzt das fett auch nix.

Und des hintere teil mit den laschen (bei dir Schäkel) heißt Federgehänge, dessen funktion du ja beschrieben hast.
Zum federbolzen ziehen habe ich ein Gerät, aber deine bastellösung geht auch, wenn man M10x1 gewinde hat.
Ist mehrfach mit adaptern einsetzbar, ein größeres Bild der Kiste habe ich leider zur Zeit nicht.

So denn
Vg
Andy
Andy
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Unbenannt.jpg
Unbenannt.jpg (13.66 KiB) 2146 mal betrachtet
Federbolzenabzieher.jpg
In Aktion
Aufreiben.jpg
Zuletzt geändert von Andy am 2017-09-16 15:21:57, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#4 Beitrag von Walöter » 2017-09-16 14:24:03

Andy hat geschrieben:Moins,

Wie gut dass ich magirus fahr, da gibt es so nen keilscheiben mist nicht.
Aha ja, wie gut... btw was für "Keilscheiben"? Von Keilscheiben habe ich nicht gesprochen. Es gibt eine Keilschraube und Abstandscheiben
Andy hat geschrieben:Alles andere kenne ich. Obwohl, die zwischen scheiben gibt es auch nicht.
Sehr gut, dann kann man die auch nicht zerstören :wack:
Andy hat geschrieben:Noch ne frage?
Hast du die federbüchse , rotguss, nicht nach dem eintreiben aufgerieben?
Bei mir sind die büchsen immer zu klein und der bolzen passt entweder gar nicht oder sehr stramm rein. Ein bissel spiel muss er haben, sonst nutzt das fett auch nix.
Zumindest bei Mercedes sind die Repsätze so dass das wunderbar passt. Hülse vorher ins Gefrierfach, dann geht sie gut hinein. Bolzen passt prima, nix zu eng. Mag sein dass das bei anderen Herstellern anders ist....
Andy hat geschrieben:Und des hintere teil mit den laschen heißt Federgehänge...
:ninja:
Andy hat geschrieben:Zum federbolzen ziehen habe ich ein Gerät, aber deine bastellösung geht auch, wenn man M10x1 gewinde hat.
Wie sieht dieses Gerät aus? M10x1 gibt es zu kaufen, fast überall. M10x1 Gewindeschneider auch.

Walter
Zuletzt geändert von Walöter am 2017-09-16 14:37:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#5 Beitrag von Andy » 2017-09-16 14:37:09

Moins,

hab oben bilder angehängt, die waren noch aufm Händy

lg
Andy

Edit,

Hier der Büchsenaustreiber, in dem man auch eine M10 Gewindestange reindrehen kann um die Büchse entweder raus oder reinzuziehen.
Der vordere Absatz passt genau in die Hülse, der längere genau in das Loch der Blattfeder ohne Hülse.
Das Teil ist eigenbau.

Ich hab sie immer mit dem Hammer raus, bzw. reinbekommen.

Und noch den Drecksbolzen der, wie bei dir, nicht wollte. Man sieht noch die Anlassfarben.

Das Federgehänge ist beim Magirus anders aufgebaut.-siehe bild
Dateianhänge
Federgehänge.jpg
Federgehänge Mercur 125 / 150 D10
Bolzen.jpg
Vergammelter Bolzen
IMG_20170916_145702.jpg
Aus-/Eintreiber der Federbüchsen
Zuletzt geändert von Andy am 2017-09-16 15:23:24, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#6 Beitrag von Freddy » 2017-09-16 15:14:36

Moin Walter!

Spannender Kampfbericht den du da schreibst, ähnlich, wenn auch nicht ganz so lange habe ich grade mit meinem neuen Gastank gekämpft den ich partout hinten zwischen den Federn positioniert haben wollte.

Bei dieser Arbeit fiel mir ein -für mich ungewöhnlich großer- Spalt zwischen der hinteren Federlasche (Federgehänge) und der Blattfeder selber auf.
Diese Spalt sitzt also in der Position der Scheibe ersichtlich in deinem Foto "2) Scheiben einführen:"

Da du diese Scheibe von Hand eiführen kannst muss dort also etwas Luft sein... die Frage ist wieviel?
Sitzt die am Ende "Saugend-Schmatzend"? Alles andere wäre irgentwie nicht logisch...

Darüber hinnaus sieht die Scheibe bei dir so aus als hätte sie nicht durchgehend die gleiche Stärke, ist das so?

Leider ist es durchas möglich, dass der unbekümmerte afrikanische Federschmied die Scheibe ausgetauscht, vergessen oder als unnötig anerkannt hat.

Danke schon mal und viele Grüße

Freddy

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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#7 Beitrag von Walöter » 2017-09-16 15:20:37

Hallo Freddy
Freddy hat geschrieben:Bei dieser Arbeit fiel mir ein -für mich ungewöhnlich großer- Spalt zwischen der hinteren Federlasche (Federgehänge) und der Blattfeder selber auf.
Diese Spalt sitzt also in der Position der Scheibe ersichtlich in deinem Foto "2) Scheiben einführen:"

Da du diese Scheibe von Hand eiführen kannst muss dort also etwas Luft sein... die Frage ist wieviel?
Sitzt die am Ende "Saugend-Schmatzend"? Alles andere wäre irgentwie nicht logisch...

Darüber hinnaus sieht die Scheibe bei dir so aus als hätte sie nicht durchgehend die gleiche Stärke, ist das so?
Die Scheiben passen genau (mit der Hand wie auf dem Foto gezeigt geht die zweite nicht mehr hinein) Diese Scheiben gibt es in 4,00 und 4,20 mm bei meiner Ausführung, für die Serienausführung auch 4,30 mm. Sie sind überall gleich stark, das täuscht auf dem Bild also. Wenn bei Dir ein deutlicher "Spalt" zu sehen ist besteht Handlungsbedarf.

Ciao,
Walter
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1937.JPG
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#8 Beitrag von Freddy » 2017-09-16 15:43:35

Sind es 2 die auf die gleiche Seite kommen?
Oder kommt eine rechts und die andere Links?

Gruß

Freddy

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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#9 Beitrag von Walöter » 2017-09-16 15:46:23

eine rechts und eine links
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#10 Beitrag von FrankS » 2017-09-16 19:27:58

Moin Walter,
ich bin seit ein paar Wochen an der gleichen Geschichte! Wollte schon einen eigenen Tröt starten, aber wenn du das Gewerk hier dokumentierst brauche ich das ja nicht zu machen :D
Das von Andy genannte Werkzeug ist das "WU74" - hatte ich auch im Einsatz. Hat aber nicht gereicht da nach und nach alle Adapter abrissen...
Bin dann zum Schluss bei M16 in den Federbolzen gelandet und hab den passenden Adapter auch ein paar mal abgerissen. Ich hab mich nicht getraut "freistehend" im Rahmen ohne Magnetbohrmaschine die Bohrungen auf 17,5 aufzubohren um M20 reinzuschneiden. Da geht schnell mal ein Handgelenk zu Bruch...
Mit Flammenschwert und Kältespray hab ich die zwei vorderen Bolzen am "Festlager" aber dann letztlich doch gezogen bekommen. Das Federgehänge war noch leichtgängig und die hinteren Federbolzen liessen sich ganz leicht mit WU74 herausziehen.

Im Gegensatz zu deinem "Patienten" waren an meinem 1019 aber an beiden Seiten die Federpakete "brüchig" und zu einem festen Metallklumpen zusammengerostet - sie taten nur noch dem Namen nach ihren Dienst. Gefedert hat da nix mehr da es keine Relativbewegung mehr im Paket gab. Daher musste ich noch die Federbriden demontieren und vorher den Stabi abnehmen...die Herzbolzen sind mir beim Lösen der Federbriden gleich um die Ohren geflogen :eek:
Also flink neue Federpakete und Federbolzen gekauft und dann wieder zusammenbauen. Nun stellt sich aber heraus, das alle vier Federbriden unterschiedliche Längen haben. Am falschen Ende gespart - ich hätte gleich neue Federbriden mitkaufen sollten :wack:
Jetzt wo die Trommeln frei zugänglich sind, werd ich gleich die Bremsen überholen.
Aber dazu fehlt mir grad im Moment die M12x1,5 Schrauben zum Abziehen der Trommeln und vor allem die Zeit...

Meanwhile guck ich mir hier bei dir an wie das mit den Bremsen "richtig" gemacht wird :cool:

Grüßle
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneue

#11 Beitrag von Walöter » 2017-09-17 10:57:42

Hallo Frank,
FSausS hat geschrieben:Moin Walter,
ich bin seit ein paar Wochen an der gleichen Geschichte! Wollte schon einen eigenen Tröt starten, aber wenn du das Gewerk hier dokumentierst brauche ich das ja nicht zu machen :D
Deinen Bericht habe ich schon gelesen und wusste nicht nur dadurch was da auf mich zukommt. Deshalb habe ich die Sache auch etwas vor mir hergeschoben. :angel:

FSausS hat geschrieben:Das von Andy genannte Werkzeug ist das "WU74" - hatte ich auch im Einsatz. Hat aber nicht gereicht da nach und nach alle Adapter abrissen...
War ziemlich schnell klar dass da mit Adaptern nix zu holen ist. Deshalb bin ich zu den massiveren Werkzeugen gewechselt. WU74: Hübscher Schlüsselanhänger! (SWF3 "Marianne 013")
FSausS hat geschrieben:Ich hab mich nicht getraut "freistehend" im Rahmen ohne Magnetbohrmaschine die Bohrungen auf 17,5 aufzubohren um M20 reinzuschneiden. Da geht schnell mal ein Handgelenk zu Bruch...
Das geht schon. Wie ich oben schrieb: ..irgendwann ist dir das alles so was von scheißegal

Ciao,
Walter
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneuern

#12 Beitrag von Tasmane » 2018-05-29 14:46:02

Servus,

nach Durchlesen des Horrorberichts was da an Arbeit auf mich zukommt, habe ich mich bei meinem 911er mit dem Thema beschäftigt.
Jede Blattfeder ist vorne mit einem Bolzen befestigt und hat hinten den beweglichen Schäkel mit zwei Bolzen.
Pro Blattfeder also 3 Schmiernippel.
Mein 911er stand lange in Afrika und die Blattfedern wurden seit Jahren nicht vernünftig geschmiert. Ca. 40.000 km, 5 Jahre.
Ich habe das leider sehr vernachlässigt und hatte keine gute Fettpresse. (ich schäme mich)

Bestandsaufnahme vorne : Von den 6 Schmiernippeln war einer zu : Neuer Nippel eingeschraubt, noch immer kein Fett durch.
Danach mit Bremsenreiniger und WD40 gespühlt, dann ging das Fett durch.

Bestandsaufnahme hinten : Von 6 Schmiernippeln ging nur bei einem Fett durch.
Alle Schmiernippel gegen neu getauscht : kein Erfolg
Alle Schmierkanäle mit WD 40 und Bremsenreiniger geflutet : kein Erfolg

Ich habe mir dann eine Hochdruck Fettpresse mit Schraubkartuschen besorgt. Die bringt 400 Bar statt der üblichen 200 Bar.
Zusätzlich gibt es von Limora / Busching eine Einschlag Ölpresse "Nippelfips" .

Ich habe dann die 5 Lager mit der Einschlagpresse behämmert :
Zuerst mit Diesel, dann WD40...
Bei Drei Nippeln sickerte zuerst wenig, dann immer stärker die Flüssigleit raus. Danach ließen sich die Nippel abschmieren.
Die restlichen zwei Nippel am Schäkel hinten links waren ein größeres Problem :

Ich habe hier den Wagenheber direkt auf Höhe der Befestigung am Rahmen angesetzt. Das untere Auge muss sich regulär nach vorne bewegen,
bis die Augen genau übereinander stehen.
Dabei habe ich in die Ritzen massiv Karamba eingesprüht. Das Lager war merklich blockiert und bockte mit einem Knacken jeweils auf halben Weg.
In allen Hebestellungen habe ich mehrmals die Einschlagpresse verwendet und dann die Fettpresse maximal Druckaufbauen lassen.
Im Idealfall hat man einen Helfer, der den Wagenheber langsam betätigt, während man gleichzeitig sowohl in die Schlitze sprüht und die Fettpresse
auf Druck hält.
Nach ca.5 mal Aufbocken und runterlassen hat das Lager sich mit einem Knall gelöst und das Fett ging durch.

Da ich sowieso die Stoßdämpfer hinten zum Tausch ausgebaut hatte, bin ich danach mal eine schlechte Straße in Schlangenlinien gefahren.
Den Koffer habe ich maximal aufgeschaukelt, um Bewegung in die Federung zu bekommen.
Danach ließ sich auch noch der letzte Bolzen abschmieren.

Bolzen wo nur auf einer Seite Fett Rauskam, habe ich mit Diesel mit der Einschlagpresse geflutet. Danach gehen jetzt alle Schmierstellen regulär.

Fazit : Selbst blockierte Lager lassen sich unter Umsänden frei bekommen.
Es geht über Bewegung und Schmieren der Ritzen von außen, spülen des Innenbolzens und eine druckstarke Fettpresse.

Werkzeug : Limora Einschlagpresse 80 Euro, Fettpresse Zweihand Pressol 40 Euro mit Verriegelungsmundstück, Hammer,
Diesel, Karamba, WD40, Fettkartuschen

Zeitaufwand war bei mir komplett ca. 6 Stunden

Grüße, Tasmane

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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneuern

#13 Beitrag von FrankS » 2018-05-29 15:40:22

Moin Tasmane,
Fett in die Gleitlager einzubringen ist eine Sache, die Federbolzen ziehen im Fall einer nötigen Reparatur des Federpaketes ein ganz anderer Schuh!
Sicher mag ein Federbolzen "leichter" rausgleiten wenn Gleitlager fluffig gefettet sind und der Bolzen sich aus dem hinteren Sitz gelöst hat. Aber grad dieser hintere Sitz macht (fast) allen Operateuren besonders zu schaffen - gelinde ausgedrückt.
Ich hab die hinteren Federbolzensitze nun mit einem Spezialzeug aus dem Maschinenbau von Chesterton - Anti-Size auf Nickelbasis - versorgt und hoffe auf einfachere Demontage wenn mal wieder nötig. Möge dieser Tag in weite Ferne rücken :joke:

Grüßle
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Re: DB 911/1113/1017 Achsrevision Teil 1: Federbolzen erneuern

#14 Beitrag von Tasmane » 2018-05-29 22:53:19

Hi,

zumindest hoffe ich, dass sich bei Zeiten die Bolzen besser ziehen lassen, als beim Walter.
Bedarf ware doch dann, wenn die Messingbuchsen verschlissen sind ? !
Das müsste man evtl. an der Bewegung sehen können ?

Bei meiner LKW Wekstatt haben die einen Abzieher. Aber wenn beim M10x1 das Ding ausreisst, dann bist bei der Walter Aktion.

VG Tas

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