Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

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schaenglars
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Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#1 Beitrag von schaenglars » 2016-01-01 18:16:38

Tach zusammen,

ich setze gerade meine Tragringe instand (170d11 - Zapfen abdrehen, Hülsen aus Edelstahl anfertigen und aufkleben). Dazu musste ich natürlich auch die Steckachsen ausbauen. Bei dem Ausbau der rechten Achse machte ich jedoch eine ziemlich unangenehme Erfahrung: Die Lauffläche der Stützlager (richtige Bezeichnung?) in der Achsfaust an der Welle ist nicht mehr so frisch. Ich muss dazu sagen, dass ich diese Steckachse vor zwei Jahren erneuert habe. Fairerweise sollte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich damals den Wellendichtring (60x90x15) nicht erneuert hatte. Das bereue ich natürlich heute sehr. Naja, war vor zwei Jahren meine erste Reparatur am Magirus und da habe ich wohl ein bisschen Mist gebaut...

Die angenagte Lauffläche könnt ihr unten auf dem Foto sehen. Was meint ihr, wie könnte dieser Schaden entstanden sein? Ist vlt. Dreck oder Wasser durch den Wedi eingedrungen? Könnte dadurch solch ein Schadensbild entstanden sein? Interessant ist auch, dass in dem Bereich der Welle zum Differential hin Rostsprengsel zu erkennen ist - an der anderen Steckachse ist sowas nicht. Oder könnte ich vor zwei Jahren durch falsche Montage der Achse das Lager beschädigt haben, was solch einen Schaden hervorrufen könnte? Was auch interessant ist, ist dass die Lauffläche nicht komplett angenagt ist, sondern nur ca. halb so breit wie die Zylinderrollen sind. Spricht das vielleicht dafür, dass z.B. eine Rolle ne kleine Macke hat und dann die Lauffläche so annagte?

Die Frage des Tages ist natürlich nun, was ich tun soll? Beim Einbau werde ich natürlich nun den Wellendichtring wechseln und das Lager will ich auch tauschen. Was meint ihr, kann ich die Achse wieder einbauen und weiter fahren? Könnte es sein, dass wenn das Lager defekt war und nun ein neues verbaut ist, die Welle nicht weiter angenagt wird? Oder meint ihr, dass der Schaden an der Lauffläche zu stark ist? Kann man sowas reparieren/reparieren lassen? Oder sollte ich vlt. mit feinstem Schmirgelpapier die Lauffläche bisserl bearbeiten und mit neuem Lager weiterfahren?

Besten Dank vorab
Lars
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#2 Beitrag von Buclarisa » 2016-01-01 19:21:49

Wie sehen den die Walzenkörper aus? Wenn das durch Dreck passiert ist, würde ich mich auf die Suche nach einer Ersatzachse machen. Es gibt die Möglichkeit einen neuen Laufring anzuarbeiten.
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#3 Beitrag von schaenglars » 2016-01-01 19:33:28

Bei meiner ersten Inspektion der Walzen konnte ich an diesen keine großartige Schäden feststellen. Aber ich habe das Lager bisher auch noch nicht gezogen. Konnte es also noch nicht soo genau inspizieren. Habe halt mit der Taschenlampe reingeleuchtet und das Lager/die Walzen gedreht. Habe das nötige Werkzeug bestellt (Kukko Innenauszieher). Deshalb ist meine Untersuchung der Walzen höchst "feldmäßig" gewesen..

Was meinst du mit: "wenn Dreck den Schaden hervorgerufen hat, sollt ich mir eine neue Achse besorgen"? Meinst du, dass der Schaden an der Lauffläche dann schlimmer ist, als wenn er von einem defekten Lager hervorgerufen worden wäre? Wenn ich nun ein neues Lager und einen neuen Wellendichtring verwende und somit kein Dreck mehr reinkommt, dürfte doch zumindest kein Dreck mehr an der Welle nagen?

Meinst du mit Reparieren das Anfertigen (Drehen) einer Hülse und diese dann aufschrumpfen/aufkleben? Weißt du vlt. wer sowas kann (bei so einer Welle)? Ein Gelenkwellenbauer?

Oder könnte vielleicht auch ein Materialfehler zu einem Schaden geführt haben? Schlechte Härtung der Welle? Oder sähe das Schadensbild dann anders aus? Was mich halt auch wundert, ist dass die Lauffläche nicht auf der gesamten Breite, auf der die Walzen laufen, beschädigt ist, sondern nur auf der Hälfte..

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#4 Beitrag von Wolfontheroad » 2016-01-01 20:01:08

Hallo,
Du hattest doch kein Lagergeräusch vernommen?
Ich würde mit 120er Leinen polieren und ein neues Lager einsetzen.
Die Welle ummanteln wird m.E. nicht gehen.
Falls möglich ein Lager in passender Grüsse zur Abgedrehten Welle...?
Gruss
Wolfgang
PS
Würde,falls nocht nicht gemacht das Öl der Achse erneuern.Habe vor kurzem meine Brühe ! abgelassen:Oh Schreck!Künnte noch das Öl vom Werk gewesen sein.40J. alt,so sah es auch aus!
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#5 Beitrag von Frieland » 2016-01-01 20:01:57

Mal mit meinem gefährlichen (Halb-)Wissen formuliert:

FAG -Wälzlagerschäden - Katalog

wenn ich obige Abhandlung mit deinen Bildern vergleiche, sehe ich da auf den Fotos Pittings. Das sollte durch mangelhafte Schmierung entstehen.

Zur Reparatur: Man könnte ja ggf. die beschädigten Stellen abdrehen und dann eine Hülse aufschrumpfen, um wieder Nennmaß zu erhalten.

Oder: Mit der Hutmutter am Rad kann man ja die Lage der Steckachse verschieben. Lager erneuern und Steckachse, wenn möglich, so einbauen, dass noch glatte Teile auf dem neuen Lager laufen.

Gruß, Fabian


Edith: Nachfrage zu Wolfs Antwort:
Als ich meine Lager an der Steckachse mal frei hatte, waren die voller Fett. Ich hätte jetzt gedacht, daß Fett schmiert dieses Lager und nicht das Öl in der Achse. Würde das nicht über die Jahre das Fett abwaschen?

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#6 Beitrag von Buclarisa » 2016-01-01 20:12:58

Wenn Du durch den defekten Simmerring oder Montagefehler Dreck in der Achse hast ist der überall. Klar muss der Dreck erst durch das Lager und wird dort gemahlen.
Das was ich da sehe sind zum Beispiel am rechten Laufrand 5x wiederkehrend 2 Schadpunkte, so ca im Abrollumfang der Zylinderrollen. Ja Pitting sieht man an den schwarzen Löchern.
Das Problem ist das die Wellen nitriert sind und somit sehr wenig Spielraum zur Nachbearbeitung lassen. Wie sehen Die Gelenkwellenkreuze aus? Die Welle auf Untermaß schleifen und neu nitrieren ist noch nicht mal Spaß. :angel:

20150703_173559.jpg
Mein kleiner Vorrat an Untermaßbuchsen noch ohne Fettnut.
Mann sieht wie weit der Lagersitz aus der Achse kommt.
20150708_094414.jpg
Zuletzt geändert von Buclarisa am 2016-01-01 20:26:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#7 Beitrag von Buclarisa » 2016-01-01 20:23:33

Frieland hat geschrieben: Edith: Nachfrage zu Wolfs Antwort:
Als ich meine Lager an der Steckachse mal frei hatte, waren die voller Fett. Ich hätte jetzt gedacht, daß Fett schmiert dieses Lager und nicht das Öl in der Achse. Würde das nicht über die Jahre das Fett abwaschen?
Das Achsöl steht im Normalbetrieb nur im Differentialgehäuse. Nur bei Schrägfahrten kommt es an die Lager. Das siehst Du auch wenn man beim MD170 beide Steckachsen ziehst das da nix kommt. Nimmt man den Simmerring ab kommt nur das was im Lagerbereich steht, paar ml.
Zuletzt geändert von Buclarisa am 2016-01-01 20:36:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#8 Beitrag von Wolfontheroad » 2016-01-01 20:27:11

@ Frieland..gute Frage!
Wenn ich mir den Querschnitt der Achse vorstelle sollte das Öl bis zum WDR vordringen können.
Ich habe auch nach Erneuerung des Radlagers das Nadellager gut mit Wälzlagerfett gebettet.
Die paar Tropfen Öl,falls sie denn dahin kommen,dürften das Lagerfett nich abwaschen.
Gruss
Wolf
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#9 Beitrag von landwerk » 2016-01-01 22:13:18

Moin,

statt die Tragringe abzudrehen, würde ich etwas aufschweißen lassen und danach erst wieder auf Maß drehen.

Bei der Gelenkwellenlauffläche ( Achswellen) geht das auch so.

Abdrehen schwächt letztens das Material . Gerade bei den Tragringen sehe ich das als kritisch an.
Bei der Achswelle wäre das egal, Gehweg gesagt aber auch anders.

LG

Oli

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#10 Beitrag von anselm » 2016-01-01 22:33:44

Aufschweißen der Tragringe geht wohl eher nicht, aber flammspritzen. So verschlissene Laufflächen von Wälzlagern kann man galvanisch mit Hartchrom versehen und danach wieder auf Maß schleifen. Die Oberfläche ist dann besser als davor. Ob sich das bei der Gelenkwelle aber lohnt weiß ich nicht. Das macht man bei teuren Luftfahrtteilen so wie z. B. Fahrwerksteile.

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#11 Beitrag von landwerk » 2016-01-01 23:10:03

Flammspritzen ist das richtige Wort ....

Danke...

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#12 Beitrag von Techniker » 2016-01-02 1:10:28

Die obere Well sieht nicht gut aus, starke Verrottungen am Kreuzgelenkansatz... ich hätte die Angst, daß es die Welle dort abdreht, zumal wenn größere Reifen montiert sind...

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#13 Beitrag von Ingenieur » 2016-01-02 6:09:44

Hallo,

bei den Steckachsenlaufflächen wäre ich vorsichtig.

Die Wellen sind aus 42CrMo4, und dann Oberflächengehärtet.

Persönlich würde ich den 'Streuselkuchen' reinigen (Sandstrahlen),
und dann galvanisch Aufchromen lassen.
Anschließend auf Maß rundschleifen lassen.

Geschätzte Kosten bei Störzel in Hildeshein: Ca. 250,- EUR.

Selbstredend plus neue Lager, plus neue WDR.


...
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#14 Beitrag von schaenglars » 2016-01-02 8:20:25

Besten Dank schonmal an alle für die Antworten..

@ Wolfontheroad: Das Öl in der Achse hatte ich vor ca. 2,5 Jahren gewechselt. Ist also keine 30 Jahre alt. Aber ich denke, dass ich es auf jeden Fall jetzt nochmal wechsel, falls Schmutz eingedrungen ist wird der sich doch wohl (auch) dort angesammelt haben. Verstehe ich dich richtig, dass du mit der Achse weiterfahren würdest? Du hälst das Schadensbild demnach für "nicht so schlimm", meinst, dass es erst kritisch wird, wenn ich ein Lagergeräusch höre? Ich frage mich nun, ob ich dadurch evtl. Folgeschäden in Kauf nehme? Radlager, zweites Lager der Welle im Radlagergehäuse? Falls ich die Welle mit 120-Leinen bisserl abschleife frage ich mich nun, wie sich das auf die Passung zum Lager auswirkt. Das ist ja hochpräzise gefertigt. Muss ich Angst haben, dass ich evtl. durch Schleifen ein paar Tausendstel Millimeter abtrage und danach das Spiel zum Lager zu groß ist? Oder fällt ein bisserl Schleifen mit Leinen nicht ins Gewicht?

@ Frieland: Besten Dank für den Link. Sehr interessant. Mangelhafte Schmierung hatte ich mir auch schon überlegt. Eigentlich hatte ich ordentlich Fett reingeschmiert beim Austausch der Welle vor zwei Jahren, aber ich frage mich inzwischen ob's das Richtige war. Ich hatte das blaue Fett vom Winkler genommen (Chemasol Mehrzweckfett). Vlt. hat sich das ja auch "aufgebraucht" bzw. ist verdrängt/abgerieben worden. Ein Kumpel (Industrieschlosser) meinte zu mir, dass das Fett mir der besten "Haftwirkung"/Schmierfilmstabilität Fett mit Graphit sei (das Schwarze). Ich hatte vor beim Einbau der Welle nun auch ein solches Fett zu verwenden (z.B. Liqui Moly Radlagerfett LM 47). Mit der Hutmutter die Welle verschieben? Ich müsste die Welle in meinem Fall doch nach außen bringen. Da scheint aber auf dem Lagersitz nicht mehr viel Platz zu sein. Die zwei drei Milimeter, die ich den Lagersitz nach außen brächte würde leider noch keinen "frischen" Lagersitz schaffen, oder?

@ Buclarisa: Du sagtest der Dreck wäre nun überall. Meinst du damit, dass der Dreck im Getriebeöl ist? Meinst du Wechseln des Getriebeöls reicht aus um den Dreck weg zu kriegen? Du bist also der Meinung, dass ich mit der Welle nicht mehr fahren soll und diese durch Oberflächen-Reparatur überholen lassen sollte? Beseitigen des Drecks und neues Lager, Wedi und bisschen Schleifen der Welle würde nicht reichen? Verstehe ich dein Bild richtig, dass die Welle bei Lenkeinschlag aus der Achsfaust rauskommt, sich also Wedi und Lager auf der "Lauffläche" hin und her verschieben? Demnach wäre ja auch gar kein Spiel mehr die Welle nach außen zu "verschieben" (wie von Frieland vorgeschlagen)?

@ landwerk: Die Zapfen der Tragringe habe ich schon abdrehen lassen. Der Dreher hat bis zu 0,5 mm abgedreht. Vorher waren die Zapfen 28 mm und nun mindestens 27,5mm. D.h. dass max. 0,25mm Oberfläche weggedreht wurden. Ich habe diese Lösung gewählt, weil ich zum einen durch Anfertigen von Edelstahl-Hülsen hoffentlich Ruhe habe, was das Rostproblem anbelangt und die Reparatur (bei verschlissenen Hülsen) x-beliebig wiederholen kann. Zum anderen sagte man mir, dass durch erneutes Auftragen der Oberläche das aufgetragene Material auch nicht wirklich "Stabilität" gibt. Sprich also, dass das Material des urprünglichen Zapfens trägt und nicht die Null-Komma-Irgenwas-Milimeter, die aufgebracht wurden.

@ Techniker: Die obere Welle ist nicht weggerottet. Das ist nur eine andere Ausführung. Das ist die Originale, die nun schon dreißig Jahre drin ist. Hab irgendwo im Forum von Felix da mal was drüber gelesen, ich glaube das ist sogar die schwerere Ausführung..

@Ingenieur: Besten Dank für den Hinweis. Werde mich mal mit der Fa. in Verbindung setzen

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#15 Beitrag von anselm » 2016-01-02 11:47:21

Also ich würde wie von mir und Ingenieur vorgeschlagen den Lagersitz aufchromen lassen und neu schleifen. Wie gesagt ist das ein bewährtes Verfahren und du wirst auch keine Rostprobleme mehr haben mal ganz abgesehen davon dass der Sitz tatsächlich wie im Bild oben aus der Achse kommt bei eingeschlagenem Rad. Es kommt also immer etwas Feuchte an den Sitz... Lieber einmal richtig und dann Ruhe wie öfter und schlampig. Zudem finde ich jetzt die 250.- Schleifen auch nicht wirklich viel. Ich hätte da mit mehr gerechnet.

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#16 Beitrag von Bernhard G. » 2016-01-02 12:40:23

schaenglars hat geschrieben: Zum anderen sagte man mir, dass durch erneutes Auftragen der Oberläche das aufgetragene Material auch nicht wirklich "Stabilität" gibt. Sprich also, dass das Material des urprünglichen Zapfens trägt und nicht die Null-Komma-Irgenwas-Milimeter, die aufgebracht wurden.
Ich hätte mir das so vorgestellt: es sind ja "nur" Einlaufspuren, der Zapfen war ja vermutlich nicht rundrum im Durchmesser um 0.5mm runtergerubbelt. Abdrehen schwächt in jedem Fall das Material, Flammspritzen machts vielleicht nicht stärker, aber es schwächt es zumindest nicht weiter. Oder sehe ich das falsch?

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#17 Beitrag von Frieland » 2016-01-02 14:17:17

schaenglars hat geschrieben:Besten Dank schonmal an alle für die Antworten..
[...]
@ Frieland: Besten Dank für den Link. Sehr interessant. Mangelhafte Schmierung hatte ich mir auch schon überlegt. Eigentlich hatte ich ordentlich Fett reingeschmiert beim Austausch der Welle vor zwei Jahren, aber ich frage mich inzwischen ob's das Richtige war. Ich hatte das blaue Fett vom Winkler genommen (Chemasol Mehrzweckfett). Vlt. hat sich das ja auch "aufgebraucht" bzw. ist verdrängt/abgerieben worden. Ein Kumpel (Industrieschlosser) meinte zu mir, dass das Fett mir der besten "Haftwirkung"/Schmierfilmstabilität Fett mit Graphit sei (das Schwarze). Ich hatte vor beim Einbau der Welle nun auch ein solches Fett zu verwenden (z.B. Liqui Moly Radlagerfett LM 47). Mit der Hutmutter die Welle verschieben? Ich müsste die Welle in meinem Fall doch nach außen bringen. Da scheint aber auf dem Lagersitz nicht mehr viel Platz zu sein. Die zwei drei Milimeter, die ich den Lagersitz nach außen brächte würde leider noch keinen "frischen" Lagersitz schaffen, oder?
[...]
Hallo,

auf dem Bild von Buclarisa sieht man ja, wie weit die Welle nach aussen kommen kann. Und wenn man jetzt noch ein paar Millimeter mehr rausholen kann, liegt ja (spekulativ) schon 75% der Fläche der Wälzkörper auf glatter Fläche.

Nun wirds spekulativ von mir mit sicherlichen Halbwahrheiten und gefährlichem Halbwissen (mein Maschinenbaustudium liegt schon etwas zurück, und fachlich fundiertere können da sicher mehr zu sagen), aber ich probiere das mal wirtschaftlich zu sehen:

Wenn ich mit Verdrehung der Hutmutter es hin bekomme, dass sagen wir mal 75% der Fläche tragen, und ich schleife (wie auch immer) das "raue" glatt bzw. etwas auf Untermaß, und ich besorge ein neues Lager, dann sollte die Welle ja erstmal nicht weiter geschädigt werden.
Wenn ich jetzt betrachte, wieviele Kilometer der Wagen fahren wird und unter welche Belastung (die Antwort darauf weißt du), und ich mal davon Ausgehe (Achtung, noch mehr Spekulationen), dass seinerzeit beim Auslegen der Welle etwas Sicherheit eingeplant wurde, dann könnte man das so machen.

Das wäre jetzt technisch nicht sehr sauber gedacht, aber vielleicht praktikabel. Und wenn ich manchmal so sehe, wie in Werkstätten gearbeitet wird (Sauberkeit und Sorgfältigkeit) und deren Reparaturen auch halten, dann bin ich persönlich manchmal geneigt auch etwas nicht ganz 100%ig wieder zu machen.

Gruß, Fabian

PS: Graphitfett hat mein Prof. damals immer verteufelt, warum habe ich leider nicht mehr auf dem Schirm.

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#18 Beitrag von sico » 2016-01-02 19:58:48

hallo Lars,
ich hole dazu mal etwas weiter aus. Das Thema ist ja recht komplex.

Das Schadensbild zeigt Materialausbrüche aus der Oberfläche, auch Pitting genannt.
Diese Ausbrüche sind eine Folge der lokalen Belastung/Überlastung des Werkstoffes an der Oberfläche.

Folgende Mechanismen können diese Ausbrüche erzeugen:
schlechte Schmierung mit zu dünnem Schmierfilm und/oder ungeeignetem Schmierstoff
Überrollen von eingedrungenen Schmutzpartikeln (Sandkörner) durch Wälzkörper
Roststellen nach Wassereintritt.

In deinem Fall sind wahrscheinlich diese Faktoren auch in Kombination vorhanden.
Schmutz und Wasser durch defekten WDR, daher der Rost auch auf der restlichen Oberfläche der Welle. Dabei kann auch Kondenswasser im Achsrohr eine Rolle spielen.
Zur korrekten Schmierung muß der Ölstand im Differenzial genau bis Unterkante Einfüllöffnung stehen. Jeder Millimeter weniger verschlechtert die Schmierung der weit außen liegenden Lagerung der Antriebswellen.

All diese Mechanismen setzen jedoch eine Materialqualität voraus, die in Festigkeit und Härte ähnlich der Qualität von Wälzlagerstählen ist.
Nur so ist gewährleistet, dass die Hertzsche Pressung sowie die Striebeck-Pressung, welche in der Belastung des Werkstoffes in der Wälzzone eine entscheidende Rolle spielen, auf dem vom Konstrukteur berechneten Niveau sein können, ohne den Werkstoff zu beschädigen.

Merkwürdigerweise ist das Pitting nur auf halber Tragbreite der Wälzkörper zu sehen.
Hier sehe ich folgenden Ansatzpunkt:
Ich habe den Verdacht, dass an der Pittingzone die Härte des Materials nicht in Ordnung ist. In der benachbarten Zone stimmt die Härte und damit ist erklärbar, warum diese Zone unbeschädigt ist.

Was kann man tun?
Schleifleinen mit Körnunng 120 halte ich für gefährlich. Diese Körnung rauht die Oberfläche zu sehr auf und bedingt sogar Materialabtrag.
Also nur Polierleinen mit Körnung mindestens 320 zur Reinigung der Fläche verwenden.

Schleifen der Wälzfläche auf ein Untermaß ist zwar prizipiell technisch möglich. Die gehärtete Oberfläche ist damit nicht mehr vorhanden. Weiterhin braucht man anschließend Wälzkörper mit größerem Durchmesser, die dieses Untermaß der Welle ausgleichen. So ein spezielles Lager wird man jedoch nicht beschaffen können.

Abdrehen der Welle und Aufziehen einer Buchse ist leider auch keine Lösung:
Die Buchse müßte eine Wandstärke von 2,5-3,0 mm haben und natürlich gehärtet sein. Durch diesen um 5-6 mm reduzierten Durchmesser würde aber die Welle in ihrem tragenden Querschnitt zu sehr geschwächt und neigt damit zum Brechen.

Ich würde zuerst mal eine Härtemessung machen an verschieden Stellen der Oberfläche.
Sollte sich der Verdacht auf Härtfehler bestätigen, so kommt eine Nachhärtung in Betracht.
Das Flammaufspritzen ist eine Reparaturnmethode, die zum Auffüllen von flächig abgetragenem Material geeignet ist. Z.B. verschlissener Wellenaußenduchmesser am Lagersitz oder an der Laufstelle der WDR.
Das Flammaufspritzen erfordert eine gewisse Stärke des aufgetragenen Materials. Anschließend muß auf Maß geschliffen werden.
Leider ist nach meinem Wissen eine durch Flammaufspritzen erzeugte Oberfläche auf Grund ihrer geringen Dicke nicht geeignet, um von Wälzkörpern überrollt zu werden. Die Schicht neigt unter der Pressung, die während des Wälzvorganges des Wälzkörpers auf der aufgespritzen Schicht herrscht, zum Abplatzen.
Die Seite 36 der oben verlinkten FAG-Infoschrift beschreibt, dass sogar gesamte obere Einsatzschicht abgetragen werden kann.

All diese Aktion wie Härtemessung, Härten, Schleifen, Flammaufspritzen etc. erforden einen versierten Fertigungs-Betrieb, der diese Prozese sicher beherrscht.

Fazit:
Ich sehe keine Reparaturmethode, die den Schaden behebt und zukünftig sicher vermeidet.
Lediglich das Nachhärten auf Grund eines Härtefehlers bietet eine gewissse Chance auf Erfolg.

Natürlich kannst die die Sache mit neuen Lagern und Wellendichtringen wieder zusammenbauen. Wird einige Zeit bzw. Kilometer auch funktionieren.
Wie lange das gut geht, weiß man leider nicht.
mfg
Sico

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#19 Beitrag von schaenglars » 2016-01-03 14:38:49

Besten Dank für eure Beiträge, insbesondere Besten Dank auch an sico für seine sehr ausführliche Abhandlung...

Ich habe mir zwischenzeitlich mal den verlinkten FAG-Schadens-Ratgeber zur Gemüte geführt und bin dabei über eine sehr interessante (für mich nur leider sehr unerfreuliche) Sache gestolpert. Vorweg muss ich noch erklären, dass das Rad an der Steckachse nicht mehr ganz gerade stand (Unterseite des Rades stand nach innen). Das gegenüberliegende Vorderrad steht gerader. Ich wunderte mich darüber schon seit einiger Zeit. Wie kann das Rad zuviel Sturz bekommen? Da kann doch wohl nur was verbogen sein? Ich hatte gedacht, dass auf der Seite vlt. der Tragring verbogen ist. Gewundert hat mich nach dem Ausbau dann nur, dass dieser auf der Drehbank zwischen Zentrierspitzen absolut sauber lief (ohne einen Höhenschlag). Wenn dieser verbogen wäre, so müsste der in der Drehbank doch "eiern". Danach hatte ich für mich beschlossen, dass es vlt. an der ausgeschlagenen unteren Buchse lag. So dachte ich mir: Mach die Reparatur und dann ist das Rad hoffentlich wieder gerader.. Nur in Verbindung mir der EINSEITIG abgenudelten Lauffläche der Welle dämmert mir so langsam was. Auf Seite 30 in dem FAG-Pamphlet steht folgendes:"Ermüdung infolge statischer Überbelastung: Ähnlich wie bei Fremdkörpereindrücken [Pittings; meine Anmerkung] entstehen durch hohe statische Überbelastung eines Lagers Wälzkörpereindrücke, deren Randaufwerfungen bevorzugt zum Ausfall führen. Merkmale: Im Frühstadium gleichmäßig berandete Eindrücke im Wälzkörperabstand, davon ausgehend Ausbrücke, oft nur auf einen Teil des Umfangs begrenzt. Machmal nur auf einem Ring. Bevorzugt UNSYMMETRISCH zur Laufbahnmitte." Könnte sowas in meinem Fall vielleicht vorliegen, was die einseitigen Pittings in der rechten Hälfte der Laufbahnfläche erklären würde??

Wenn das Rad schief steht könnte ich mir vorstellen, dass es irgendwie zu einer einseitigen Belastung des Lagers führen könnte und dementsprechend zu einer einseitigen statischen Überbelastung, oder? Oder würde das durch die Kreuzgelenke ausgeglichen. Normalerweise ist ja aber die Achse gerade. Durch ein schief stehendes Rad würde das Gelenk doch immer etwas nach unten gebogen sein? Oder irre ich mich, müssten dann die Pitting auf der anderen Seite der Lauffläche sein? Weil es ja die Achse an der Stelle des Lagers marginal "hoch drücken" würde. Dann würde die Achse doch leicht schief sein. Dann müssten die Pittings doch in der anderen Hälfte der Lauffläche sein??

Wenn an meinen Überlegungen was dran wäre dann würde ja selbst eine neue Steckachse nix bewirken. Dann hätte ich nach ein paar Monaten vlt. wieder dasselbe Schadensbild. Was könnte denn sonst noch an der Achse verbogen sein? Kann eine Achsfaust verbiegen? Die sieht mir eigentlich noch am robustetsten aus.

Hat einer von euch eine Idee, wie ich die Teile (Tragring ausgebaut, Achsfaust und Achsbrücke am Fahrzeug) auf Verzug messen könnte. Mit Zollstock kommt man da ja nicht weit. Hat einer eine Idee, wie ich mir vlt. eine Messvorrichtung mit einfachen Mitteln basteln könnte?

Besten Dank und Grüße
Lars

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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#20 Beitrag von Wolfontheroad » 2016-01-03 15:00:10

@ Sico,Deine Ausführung halte ich für gut.Aber glaubst Du mit 320er Körnung eine plane Fläche zu erhalten? Zudem die Fläche ja noch gehärtet ist...
Schönen Sonntag.
Gruss
Wolf
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sico
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#21 Beitrag von sico » 2016-01-03 15:43:21

Wolfontheroad hat geschrieben:@ Sico,Deine Ausführung halte ich für gut.Aber glaubst Du mit 320er Körnung eine plane Fläche zu erhalten? Zudem die Fläche ja noch gehärtet ist...
Schönen Sonntag.
Gruss
Wolf
hallo Wolf,
erkläre uns doch bitte, wo du hierbei eine Planfläche siehst.
Nach meinem Verständnis ist die Lauffläche für die Wälzkörper auf der Antriebswelle eine zylindrische Fläche.
Diese Fläche sollte man schonend behandeln und nur reinigen und glätten, nicht aber im Durchmesser runter schmirgeln.
mfg
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#22 Beitrag von sico » 2016-01-03 15:44:34

hallo Lars,
du hast PN
mfg
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joe`s mercur
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#23 Beitrag von joe`s mercur » 2016-01-03 15:47:13

Hallo,
wieviel km liegen denn zwischen den Reparaturen? Bei der Pittingbildung dauert es normal ne ganze Zeit. Durch Verschleiß passiert das nicht innerhalb weniger 100km . Pittingbildung ist wie ein Schlagloch in der Strasse. Ist erstmal eins da , kommen nachfolgend immer neue. Ursprung kann auch eine kleine Schlagstelle (shit :blush: , gegen geeckt beim Zusammenbau, ist ja aber nix zu sehen auf den ersten Blick :angel: ...) Auch ist ein Kratzer quer wesendlich kritischer wie Längs in Laufrichtung des Lagers.
Oder einfach nur ein Sandkorn beim Zusammenbau..... oder ein Rostpigment?
Gibt viele Möglichkeiten zum Schadenshergang.
Thomas
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Frieland
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Re: Schadensbild Lauffläche Lager Steckachse

#24 Beitrag von Frieland » 2016-01-03 21:41:57

schaenglars hat geschrieben: Hat einer von euch eine Idee, wie ich die Teile (Tragring ausgebaut, Achsfaust und Achsbrücke am Fahrzeug) auf Verzug messen könnte. Mit Zollstock kommt man da ja nicht weit. Hat einer eine Idee, wie ich mir vlt. eine Messvorrichtung mit einfachen Mitteln basteln könnte?

Besten Dank und Grüße
Lars
Hallo,

soweit ich das mal quergelesen hatte, hatte Vossi (http://www.6westfalen.de) mal möglicherweise ein Problem mit einer krummen (Hinter-)Achse.
Genaueres dazu steht hier: http://www.allrad-lkw-gemeinschaft.de/p ... 32&t=48843

Vielleicht hilft aus dem Thead ja eine Idee weiter.

Gruß, Fabian

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