LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

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Daig101
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LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#1 Beitrag von Daig101 » 2020-06-20 14:15:23

Hallo zusammen,
ich habe im letzten Herbst meinen OM366LA im 1120 auf einen moderneren Turbolader mit Wastegate Regelung umgebaut und möchte meine Erfahrungen mit euch teilen. Vorab möchte ich erwähnen, dass ich beruflich in der Entwicklung eines Turboladerherstellers tätig bin und meine Überlegungen zu diesem Umbau zumindest teilweise mit Sachverstand durchgeführt wurden :)
Der 1120 mit 204PS ist serienmäßig mit einem ungeregelten Turbolader ausgestattet. Das bedeutet, die Auslegung von Turbinen- u. Verdichterrad ist wie schon bei den Kurzhaubern mit OM352A so gestaltet, dass der maximal gewünschte LD nicht überschritten wird. Dies geschieht zu Lasten des Ansprechverhaltens, da die Turbine ohne Regelorgan entsprechend groß sein muss (Limitierung der Turbinenleistung) und war damals Stand der Technik.

Wohl wissend, dass der Grundmotor deutlich mehr Leistung als die 204PS verträgt, bestand meine Anforderung nicht in erster Linie darin mehr Leistung zu generieren, sondern die Fahrbarkeit zu verbessern, indem in unteren Drehzahlen bereits mehr Ladedruck und somit mehr Drehmoment anliegt. Ich wollte eine Verbesserung erreichen ohne gleichzeitig weitere Komponenten wie Einspritzdüsen, Einspritzpumpe, LLK usw. modifizieren zu müssen. Wie wahrscheinlich bei den meisten von uns liegt mein Fokus auf Haltbarkeit, da ich auf Reisen ungern Zeit mit Schrauben verbringe.Ich habe einen Turbolader ausgewählt, der serienmäßig auf Iveco Motoren aus den Jahren um 2005-2010 verbaut wurde. Hier kommt ein Verdichter mit sehr breitem Kennfeld zum Einsatz, der wesentlich früher Ladedruck bereitstellen kann, deutlich mehr max. Leistung liefern kann und mit einem sehr guten Wirkungsgrad dazu beiträgt, dass die Ladelufttemperatur in einem verträglichen Bereich bleibt. Die Turbine ist dazu möglichst klein ausgelegt, was auch dem Ansprechverhalten zu Gute kommt und für ein besseres Zusammenspiel zwischen Turbolader und Motor sorgt. Die Wastegate Regelung erfolgt über eine einfache Verbindung vom Verdichter zur WG Dose. Diese Art der Regelung ist nicht ideal bzw.das, was maximal möglich ist, aber schon ein deutlicher Fortschritt zum werksseitig verbauten ATL.

Zunächst habe ich alle wichtigen Parameter mit dem Serien ATL über Drehzahl erfasst um später einen aussagekräftigen Vergleich zu haben. Diese sind: Ladedruck jeweils vor und hinter LLK, Ansauglufttemperatur vor und hinter LLK, Lambda nach Turbine, Abgastemperatur nach Turbine. Um es nicht zu unübersichtlich zu machen hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
1.000 U/min // 0,0 bar LD // ᴧ 1,4
1.500 U/min // 0,2 bar LD // ᴧ 1,2
2.000 U/min // 0,5 bar LD // ᴧ 1,5
2.500 U/min // 0,85 bar LD // ᴧ 1,6
Typischerweise steigt der LD bei ungeregelten ATL ziemlich linear mit der Drehzahl an. Überraschend war, dass der Motor im Bereich 0-0,5 bar LD sehr fett lief. Ich kann nicht sagen, ob dies seitens Mercedes so gewollt war oder ob die Feder hinter der Membran im LDA nach 30 Jahren einfach ein wenig an Vorspannkraft verloren hat. Es macht jedenfalls keinen Sinn, da die Verbrennung hier so fett ist, dass sie unvollständig ist und keine zusätzliche Leistung sondern nur hohe Abgastemperatur produziert. Ich habe es nach meinem Umbau angeglichen, allerdings war die Einstellung nicht ganz so möglich, wie ich es mir gewünscht hätte.

Der Umbau der Hardware war ziemlich einfach. Angepasst werden mussten im Prinzip alle Anschlüsse außer dem Flansch Krümmer-TG => verdichterseitig das originale Saugrohr sowie das Rohr nach Verdichterausgang und turbinenseitig der Flansch zum Hosenrohr. Weiterhin die Ölzulauf- u. ablaufleitung. Die originale Motorbremseinheit konnte an derselben Stelle beibehalten werden. Das nachfolgende Abgasrohr muss geringfügig angepasst werden.

Nun die Werte nach Umbau und Anpassung der EP nach meinen Vorstellungen (man hätte es schöner in einem Graphen darstellen können, ich weiß):
1.000 U/min // 0,0 bar LD // ᴧ 1,35
1.500 U/min // 0,6 bar LD // ᴧ 1,4
2.000 U/min // 1,0 bar LD // ᴧ 1,6
2.500 U/min // 1,4 bar LD // ᴧ 1,75
Ein gutes Plateau von 0,5 bar Überdruck wird bereits unter 1.500 U/min erreicht. Der Durchzug ist hier ähnlich wie mit Serienlader bei knapp 2.000 U/min. 1,0 bar Überdruck liegen knapp unter 2.000 U/min an (die Vorspannung der WG Dose ist auf dem niedrigst möglichen Level). Je nach Vorspannkraft kann der LD ab hier auch noch deutlich gesteigert werden, der ATL ist auf Dauerhaltbarkeit mit Drücken jenseits 1,8 bar ausgelegt. Durch den sehr effizienten Verdichter liegt die Ladelufttemperatur nach Verdichter bei gleichem LD immer unter den vorherigen Werten und bei max LD immer noch im selben Bereich wie vorher. Die Abgastemperatur nach Turbine liegt bei max. 500°C. Sie sollte vor Turbine nicht höher als 650°C liegen was rechnerisch ca. 550°C nach Turbine bedeutet. Also auch hier noch Luft nach oben. Der Motor läuft in dieser Konfiguration weitestgehend rußfrei. Der Verbrauch ist ganz und gar von der Fahrweise abhängig (Kraft kommt von Kraftstoff).Rein rechnerisch müsste die Motorleistung nun bei mind. 230PS liegen. Das Plus an Drehmoment ist deutlich spürbar. Bisher kommt die Kupplung damit wunderbar zurecht. Die EP hat ausreichend Reserven um dieses "Mehr" an Leistung darzustellen, die Einstellbarkeit ist bedingt gegeben und relativ einfach zu bewerkstelligen.Allerdings mit meinen einfachen Mitteln nicht so fein einstellbar wie ich mir das gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz ausreichend für meine Zwecke.

Fazit:Ein solcher Umbau ist relativ kostengünstig durchführbar und hat ein tolles Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ich habe wie schon geschrieben nicht versucht das maximal mögliche zu realisieren, sondern mit wenig Aufwand eine deutliche Verbesserung zu erzielen, die meine Anforderungen an Dauerhaltbarkeit noch erfüllt. Meine Recherchen haben ergeben, dass es eine recht große Palette an modernen Serien ATL gibt, die mit wenig Änderungsaufwand an die OM352A und OM366A Motoren passen. Falls jemand Interesse an ähnlichen Umbauten hat, kann ich gerne mit Rat und Informationen zur Seite stehen.

Wer an dieser Stelle nach einer Eintragungsfähigkeit fragt, ist bei mir leider an der falschen Adresse...
Bin auf euer Feedback gespannt!

Viele Grüße, Uli
PS: Bilder folgen in Kürze

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#2 Beitrag von Daig101 » 2020-06-20 14:22:17

Auf den Bildern ist noch mein Provisorium für die Messsonden zu sehen, außerdem ist die Hitzeisolierung noch nicht fertiggestellt.

alt vs. neu
Bild

Bild

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FrankS
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#3 Beitrag von FrankS » 2020-06-20 17:14:16

Hallo Uli,
kling spannend! Hat der 1120 einen LLK oder hast du den auch nachgerüstet?
Das Anpassen der Flansche würd mich auch noch bildlich interessieren...
Hast du die Latte Meßgeräte daheim oder konntest du da auf deinen Brötchengeber zurück greifen?

Denk daran die Fotos dürfen max. 1MB groß sein!

Grüßle Frank

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#4 Beitrag von anderruh » 2020-06-20 17:23:07

Hallo Uli

Interessanter Bericht,

Grüße Günter

clyde
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#5 Beitrag von clyde » 2020-06-20 19:56:44

Hallo Uli,

vielen Dank für Deinen Bericht.
so einen Umbau aus den gleichen Beweggründen hatte ich mal an einem Deutz BF6L 913 vor.
Allerdings dachte ich direkt an einen VTG-Lader.
Habe die Sache aber noch nicht weiter verfolgt, da ich keinen halbwegs passenden Lader gefunden habe.
Hast Du daher eine Teilenummer von dem von Dir verbauten Lader und eine Bezugsquelle ?
Evtl. auch die Maße des Krümmerflansches ?
Was hälst Du davon, einen VTG-Lader zu suchen und auszuprobieren ?

Danke und Gruß

Oliver
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#6 Beitrag von Daig101 » 2020-06-21 10:13:02

Hier nochmal die Bilder:

alt vs neu

Bild

Bild

So wäre der ATL zwischen den Originalen Anschlussstücken positioniert:

Bild

Adapterplatte

Bild

Eingebauter Zustand:

Bild

Bild


@FrankS
Messelektronik ist bei mir aus diversen PKW Umbauprojekten vorhanden

@clyde
In der Tat wäre ein VTG Lader noch viel interessanter, allerdings ist hier die Regelung auch deutlich aufwändiger! Vielleicht wird das das nächste Projekt. Ein passenden Lader kann ich dir vorschlagen!

OliverM
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#7 Beitrag von OliverM » 2020-06-21 10:17:41

Daig101 hat geschrieben:
2020-06-21 10:13:02

@clyde
In der Tat wäre ein VTG Lader noch viel interessanter, allerdings ist hier die Regelung auch deutlich aufwändiger!
Schöner Bericht . Allerdings verstehe ich deine obere Aussage nicht . Solange es mechanisch geregelte VTG-Lader gibt ist das doch wirklich nicht kompliziert.

Gruß

Oliver
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#8 Beitrag von Daig101 » 2020-06-21 14:41:11

OliverM hat geschrieben:
2020-06-21 10:17:41
Daig101 hat geschrieben:
2020-06-21 10:13:02

@clyde
In der Tat wäre ein VTG Lader noch viel interessanter, allerdings ist hier die Regelung auch deutlich aufwändiger!
Schöner Bericht . Allerdings verstehe ich deine obere Aussage nicht . Solange es mechanisch geregelte VTG-Lader gibt ist das doch wirklich nicht kompliziert.

Gruß

Oliver
Stimmt, ich habe mich nicht deutlich ausgedrückt. Wenn man einen ATL nutzen kann, der standardmäßig mit Steuerdose ausgestattet ist und der für einen Motor mit ähnlichem Hub ausgelegt wurde, dann ist es genauso einfach wie bei einem Wastegate Lader.
Ich war gedanklich bei einer Sonderanfertigung mit elektrischer Ladedruckregelung :D

OliverM
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#9 Beitrag von OliverM » 2020-06-21 16:29:19

Daig101 hat geschrieben:
2020-06-21 14:41:11

Ich war gedanklich bei einer Sonderanfertigung mit elektrischer Ladedruckregelung :D
Dann sind wir uns einig, wobei eine elektrische Ladedruckreglung natürlich ungeahnte Möglichkeiten schafft. :)

Gruß

Oliver
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clyde
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#10 Beitrag von clyde » 2020-06-25 22:24:46

So,
habe jetzt mal einen Wastegate geregelten Lader bestellt und werde das mal ausprobieren.
Wen ich ihn reingefummelt und Erfahrungswerte gesammelt habe, werde ich berichten.
Wollen wir doch mal sehen, ob ich dem Deutz nicht Beine gemacht bekomme...
( Immer im Bezug auf Durchzug von unten und Dauerhaltbarkeit. Leistung bei Nenndrehzahl habe ich fast genug.)


Gruß
Oliver
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#11 Beitrag von stefan1965 » 2020-06-26 4:57:24

Hallo Oliver,

darauf bin ich echt gespannt.

Gruß
Stefan

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#12 Beitrag von Thomas+S » 2020-06-27 0:21:49

Hallo Daig101,
Danke für den Bericht.
einen ähnlichen etwas umfangreicheren Umbau habe ich an meinem Unimog durchgeführt.
Allerdings fehlte mir das Fachwissen dahinter. Ich hatte aber gute Unterstützung.

Mein Ausgangspunkt war ein 435 UNimog Om 366A Motor. Das Getriebe und der Antriebstrang sind hierbei auf max 650 Nm ausgelegt.
Mein Ansatz ist das gelegentliche Ziehen von 4t Anhängern auf der Autobahn. Hierbei wollte ich kein Verkehrshindernis darstellen. Also auch der Drehmomentzuwachs um am Berg nicht ganz so weit abzusacken.

Das Leistungsziel stellte die Max Drehmoment des Antriebstranges dar, also ca. 650 Nm

Eingebaut wurde:
1 Schritt
- Einspritzpumpe auf ca. 170 PS hochgedreht.
=> machte das Fahren am Berg deutlich angenehmer, Laut Boschdienst sollte dies ein Zuwachs von ca. 50 Nm bringen

2. Schritt
- LLK vom U1450 vor den Serienkühler
- Viskolüfter vom 240 Ps Dingo mit 60 cm Durchmesser ( Serien Blechlüfter hat 50 cm Durchmesser)
- Getriebeölkühler
- Motorbremse und Auspuff sind bisher weiterhin Serienstand mit 85mm Innendurchmesser
- ATL mit Wastegate vom Dingo / U2150 für 240 und mehr PS ( ich gehe davon aus, dass dieser Lader ein kleinwenig Volumengrößer als der Serienlader ist.
- max Ladedruck ca. 1,2 bar im Ansaugrohr vor den Ventilen
- Ladeluft heruntergekühlt um bis zu ca. 45 Grad ( vor LLK und nach LLK gemessen. Tempfühler von außen aufgelegt und gegen Umgebungstemp isoliert)
- Druckdose des ATL nicht an eine LDA der Einspritzpume angeschlossen
=>
die Leistung setzt im Vergleich zum 1.Schritt etwas später ab ca. 1600 Umin ein. Anfahren ist besser im 4ten Gang statt wie vorher im 5 Gang ( ohne Anhänger)
Sonst ein ausgewogenes angenehmes Fahren. Mit Anhänger jetzt fast so wie bei Stufe 1 ohne Anhänger

3.Schritt
- Einspritzpumpe getauscht gegen eine mit LDA von 130PS auf 204 PS eingestellt
- 5 Loch Einspritzdüsen
- großer Ansaugluftfilter
- Max Drehzahl von Serie 2450Umin auf auf 2600 Umin angehoben.
- max Ladedruck jetzt 1,35 bar
=> sanfter Übergang zum Einsatz des Turbodrehmomentes ab ca. 1400 Umin.

Fazit:
Rückblickend hatte ich mir vom Wechsel zum größeren Lader selbst mehr versprochen.
- mehr Drehmoment in tieferen Drehzahlen ( bei Stufe 2 war das Gegenteil der Fall )
- Abblasgeräusch des Wastegate ( Ich fahre relativ selten mit hoher Drehzahlen, dénke aber, dass der dafür nötige Ladedruck nicht erreicht wird.)
- im unteren Drehzahlbereich könnte ich durchaus mehr Drehmoment z.B. beim Anfahren, Rangieren des Hängers vertragen.
- Das Ansprechverhalten auch beim Hochdrehen des Motors ist etwas träge
- ich habe den Eindruck das mein Unimog bei kalten Wetter etwas besser läuft wie bei heißem.

Grundsätzlich ist mein Ziel mit dem Umbau erreicht.

sich ergebende Fragen:
- gibt es denn Kennlinien zum Vergleich zwischen Serienlader des OM 366a und dem ab 210 PS mit Wastegate ?
- kleine Lader = geringe bewegte RotationsMasse = hoher Luft Temperaturzuwachse - Volumen großer Lader = träger im Ansprechverhalten
- bei der 240PS Motorversion mit dem zugehörigen großen Wastegate Lader liegen schon bei deutlich niedrigerer Drehzahl mehr Drehmoment an wie bei meinem Umbau in der 3.Stufe.
- mit der Ladedruckangleichung wird die Spritmenge bei niedrigen Drehzahlen ( Ladedrücken ) zurückgenommen. Fehlt diese Spritmenge jetzt beim Verbrennungsvorgang um im unteren Drehzahlbereich heißere Abgase mit mehr Volumen dem ATL zuzuführen?
- Könnte man mit der Druckdose am ATL das Verhalten des Laders verändern oder ist die Druckdose nur für die Steuerung der LDA für die Abgasemmisionen vorhanden ?
- Du nennst als Kriterien den Druck vor und nach dem LLK. Was sagt dies aus?
- Die Höhe der Abgastemperatur an den Ventilen wurde mir als Grenzmass für die Motorgesundheit genannt. Die im Betrieb zu messen wüßte ich im Moment nicht wie. Am Flansch des Laders schon, doch ist es da nicht schon zu spät ?
- Würde sich das aktuelle Ergebniss mit moderen Ladern ( wie z.B. den von Iveco ) noch verbessern lassen ohne an der Einspritzpumpe die Leistung weiter hoch zu setzen ?
- Kann man z.B. über Einstelldaten der Einspritzpumpe und dem mir nicht bekannten Kennfeld des Laders auf das mögliche Drehmoment schließen ?

Ich würde mich freuen wenn ein paar meiner Fragen beantwortet werden könnten.

Gruß
Thomas+S

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#13 Beitrag von Daig101 » 2020-06-29 17:40:33

Thomas+S hat geschrieben:
2020-06-27 0:21:49

sich ergebende Fragen:
- gibt es denn Kennlinien zum Vergleich zwischen Serienlader des OM 366a und dem ab 210 PS mit Wastegate ?
- kleine Lader = geringe bewegte RotationsMasse = hoher Luft Temperaturzuwachse - Volumen großer Lader = träger im Ansprechverhalten
- bei der 240PS Motorversion mit dem zugehörigen großen Wastegate Lader liegen schon bei deutlich niedrigerer Drehzahl mehr Drehmoment an wie bei meinem Umbau in der 3.Stufe.
- mit der Ladedruckangleichung wird die Spritmenge bei niedrigen Drehzahlen ( Ladedrücken ) zurückgenommen. Fehlt diese Spritmenge jetzt beim Verbrennungsvorgang um im unteren Drehzahlbereich heißere Abgase mit mehr Volumen dem ATL zuzuführen?
- Könnte man mit der Druckdose am ATL das Verhalten des Laders verändern oder ist die Druckdose nur für die Steuerung der LDA für die Abgasemmisionen vorhanden ?
- Du nennst als Kriterien den Druck vor und nach dem LLK. Was sagt dies aus?
- Die Höhe der Abgastemperatur an den Ventilen wurde mir als Grenzmass für die Motorgesundheit genannt. Die im Betrieb zu messen wüßte ich im Moment nicht wie. Am Flansch des Laders schon, doch ist es da nicht schon zu spät ?
- Würde sich das aktuelle Ergebniss mit moderen Ladern ( wie z.B. den von Iveco ) noch verbessern lassen ohne an der Einspritzpumpe die Leistung weiter hoch zu setzen ?
- Kann man z.B. über Einstelldaten der Einspritzpumpe und dem mir nicht bekannten Kennfeld des Laders auf das mögliche Drehmoment schließen ?

Ich würde mich freuen wenn ein paar meiner Fragen beantwortet werden könnten.

Gruß
Thomas+S
Hi Thomas,

1. Es gibt eine Turbinenkennlinie und ein Verdichterkennfeld. Diese kann man je Lader miteinander vergleichen.

2. Grundsätzlich hat ein kleiner Lader weniger Massenträgheit und läuft mit höherer Drehzahl. Die Temperatur der Ladeluft muss deshalb nicht zwingend höher sein, denn diese ist abhängig vom Verdichterwirkungsgrad im Kennfeld. Man kann aber auch nicht einfach die Turbine verkleinern um besseres Ansprechverhalten zu generieren und den Verdichter gleich groß belassen, da man sonst schnell ins Verdichterpumpen gerät. Das ganze ist nicht so trivial und eine richtige Laderauslegung ist von vielen Faktoren abhängig.

3. Da müsste man jetzt die beiden Lader genau miteinander vergleichen um die Ursache zu finden. Evtl sind nicht alle Randbedingungen wirklich genau identisch.

4. Das Prinzip ist richtig, aber man kann nicht sagen, dass die Spritmenge fehlt, weil man sie ja bewusst nicht haben will. Wenn die Einspritzmenge im Bereich mit wenig Drehzahl und LD nicht zurückgenommen würde, hättest du eine unvollständige Verbrennung, die sich in unnötig hohem Verbrauch, unnötig hoher Temperatur und jeder Menge Ruß äußern würde. Eine ideale Verbrennung erreichst du beim Diesel ungefähr bei Lambda 1,4 (plus minus, denn es gibt natürlich unterschiedliche Anwendungsfälle und im Bereich des LD Aufbaus schadet es auch nicht, wenn er einen Tick fetter läuft). Es gilt also nicht je mehr desto besser.

5. Die Funktion der Druckdose ist es, den Ladedruck zu steuern, deshalb nennt man sie eigentlich auch Steuerdose. Je mehr LD vom Verdichter auf die SD kommt, desto weiter wird das Wastegate geöffnet, was bedeutet, dass mehr Abgasmassenstrom an der Turbine vorbei direkt in den Auspuff geleitet wird. Dadurch wird die Turbine gebremst und es liegt weniger LD an. Über die Vorspannung der Membran in der SD (einstellbar an der Regelstange) kannst du in einem gewissen Rahmen beeinflussen wie früh, sprich ab wieviel LD, das WG geöffnet und letztlich auch wie weit es geöffnet wird. Man könnte also sagen: Je fester vorgespannt, desto mehr LD kann ich über den gesamten Drehzahlbereich erhalten. Aber vorsicht: Der Lader muss dafür ausgelegt sein und mehr LD heißt nicht mehr Leistung!

6. Für den Motor ist der Wert nach LLK relevant. Das ist der Zielwert, den wir einstellen möchten. Um den Lader beurteilen zu können muss ich den Wert vor LLK kennen, da der LLK einen Druckverlust erzeugt. In Abhängigkeit von dem, was am Motor ankommen soll äußert sich das in mehr Abgasgegendruck (p3) am Lader. Was wiederum zu höherer Abgastemperatur (t3) führt. Ein LLK sollte also möglichst wenig Druckverlust erzeugen.

7. Es geht um zwei verschieden Dinge. Für den Motor gibt es eine Grenztermperatur im Brennraum. Auch bei gleichem Luft/Kraftstoffverhältnis steigt die Temperatur, wenn ich den Massenstrom erhöhe. Das siehst du als erstes an deiner Wassertemperaturanzeige, dann an der Öltemperatur und spätestens an defekten Kolben o.ä. Eine Messung an dieser Stelle ist für uns nicht machbar.
Meine Aussage bezieht sich auf das was Krümmer- und Turbinengehäusematerial aushalten.

8. Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Für den Fall, dass ein modernerer Lader ein noch besseres Ansprechverhalten erzielen kann und die Einspritzpumpe diesen mehr LD in mehr Einspritzmenge umsetzen kann, ja! Dafür müsste man aber die Lader genau vergleichen. Und die Verbesserung wird sich in einem sehr überschaubaren Rahmen bewegen.

9. Nein. Dafür müsste man die genau Luftmasse und Kraftstoffmenge, sowie den Wirkungsgrad des Motors an einem definierten Betriebspunkt kennen. Das wären einfach zu viele Annahmen.

Ich hoffe das ist einigermaßen verständlich und bitte nicht vergessen, dass das sehr komplexe Fragestellungen sind, die im Einzelfall unterschiedlich beantwortet werden müssen.

Grüße, Uli

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#14 Beitrag von clyde » 2020-07-29 22:35:51

So,

habe nun auch mal so einen Wastegate geregelten Turbolader eingebaut.
Meine Erwartungen wurden voll erfüllt bis übertroffen.
Der Motor hat im unteren und mittleren Drehzahlbereich deutlich mehr Leistung.
Mangels Drehzahlmesser habe ich zwar keine genauen Messwerte, aber an der Ladedruckanzeige kann ich sehen wie schnell bei weniger Drehzahl mehr Ladedruck anliegt.
Und das merkt man auch an der Beschleunigung.
Maximaler Ladedruck im oberen Drehzahlbereich bisher 1,2 bar und mehr gegenüber 0,9 bar vorher.
Ist mir ein bisschen viel, werde evtl. mal Abgas- und Ladelufttemperaturen messen und ggf. auf 1,0-1,1 bar runterregeln.
Einziger Nachteil bisher:
Das Gänsehaut erzeugende Fauchen des Laders beim Gas wegnehmen ist nicht mehr so präsent.
Vielen Dank nochmal an den TE Uli, der mit viel Fachkompetenz, Hilfsbereitschaft und Teilebesorgung das Projekt unterstützt hat.
K640_IMG_20200713_141427.JPG
Dateianhänge
K640_IMG_20200729_172847.JPG
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#15 Beitrag von OliverM » 2020-07-29 22:57:01

Da wollen wir mal hoffen, daß der Anlasser die Temperaturen dauerhaft verträgt ...... Ansonsten: Schön daß du zufrieden bist .

Gruß

Oliver
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#16 Beitrag von clyde » 2020-07-29 23:54:23

Ist ja noch die lange Anlasserversion.
Die verkürzte kommt noch.
Das Auto ist jetzt vollkommen. Es bedarf keiner Verbesserung mehr. (Allgemeine Automobil Zeitung. Berlin 1921)

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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#17 Beitrag von OliverM » 2020-07-29 23:55:24

clyde hat geschrieben:
2020-07-29 23:54:23
Ist ja noch die lange Anlasserversion.
Die verkürzte kommt noch.
Gut so.

Gruß

Oliver
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Eisho
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Re: LN2 OM366A - Turbolader Upgrade Erfahrungsbericht

#18 Beitrag von Eisho » 2020-07-30 19:03:56

clyde hat geschrieben:
2020-07-29 22:35:51
Einziger Nachteil bisher:
Das Gänsehaut erzeugende Fauchen des Laders beim Gas wegnehmen ist nicht mehr so präsent.
Hallo Oliver

Ich durfte diesen Sound bei der NET-Rundfahrt erleben und werde ihn vermissen. Oder anders gesagt: Ich hätte nix umgebaut :-)

Viele Grüße aus Köln, Peter
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