Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

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Jonas
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Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#1 Beitrag von Jonas » 2020-04-04 11:19:47

Moin,

durch die allgemeinen Umstände ist nun Gelegenheit ein neues Projekt anzugehen – aus dem Arbeitsvorrat der Sorte "Wenn-mal-etwas-mehr-Zeit-ist".

Es geht um einen OM403, welcher in einem 1976er Mercedes NG 1632 steckt. Der Motor läuft auf kurzer Probefahrt zwar wunderbar und springt gut an, aber:
- qualmt im kalten Zustand stark hellgrau
- starker Eintrag von Kühlmittel ins Motoröl - Ölpegel erhöht sich nach einiger Zeit deutlich, während der Wasserpegel sinkt
- folglich ausgeprägte Bildung von "Café crema". Ablagerung von brauner "Emulsion" in Ventildeckeln usw. Öldruck nur noch niedrig, weil vermutlich der Filter schon zugesetzt ist.

Habe das Auto bislang sowieso nur in der Ecke stehen gehabt. Nach Übernahme vom Vorbesitzer vor 2-3 Jahren einmal probegefahren und dann alle paar Monate mal kurz umgeparkt.

Der erste Plan sieht nun folgendermaßen aus:
- Ölwanne runter
- alle Köpfe runter
Ich hoffe auf lediglich defekte Kopfdichtungen, befürchte aber auch undichte Laufbuchsen.

Meine Frage an die Motorspezies wäre nun, inwieweit man am besten die Laufbuchsen auf äußere Undichtigkeiten am Sitz untersuchen kann.
Gibt's irgendwelche Methoden oder Tricks vorbeisickerndes Wasser bei demontierter Ölwanne von der Unterseite erkennen zu können?

Auch andere Ideen und Hinweise sind immer willkommen!

Gruß
Jonas

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#2 Beitrag von Jonas » 2020-04-04 16:49:16

Hier gleich mal eine Fortsetzung...
Ölwanne ist runter. Zum Glück waren alle Verbindungen nach 40 Jahren noch gängig, da auch Stabi und Frontauspuffrohr (Auto war im ersten Leben eine Aral Tanksattel-SZM) im Weg waren. Anders als vermutet sind zumindest an einer Buchse deutliche Spuren zu erkennen. Auf die Pappe unter dem Wagen fiel an dieser Stelle sogar alle paar Minuten ein Tropfen Wasser. An zwei weiteren Buchsen bin ich noch nicht sicher, ob auch leichter Verlust besteht. Habe die Stellen trockengewischt und werde abwarten, ob sich mit der Zeit auch Tropfen bilden.

Damit scheint die Diagnose dann doch relativ eindeutig möglich. Weiter geht es dann mit den Köpfen.
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Wasserspuren
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Allradwilli

Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#3 Beitrag von Allradwilli » 2020-04-04 16:53:58

Moin Jonas,
wenn die Ölwanne abgebaut ist, Kühlwasser auffüllen und das Kühlsystem abdrücken 1,5 bis 2,0 bar!
Vorher Pappe unterlegen und schauen wo das Kühlwasser austritt!
Die Laufbuchsen werden mit 3 O- Ringen pro Laufbuchse abgedichtet.
Evtl. können sich die Laufbuchsen im Motorblock eingearbeitet haben!?!
Zylinderköpfe ausbauen und die Buchsenüberstände ermitteln.
Die abgenommen Zylinderköpfe sollten mit 5 bar abgedrückt werden und auf Undichtigkeiten überprüft werden!
Bin mal gespannt was Du da ermittelst!
Upps, warste etwas schneller :cool:

MfG.
A W

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#4 Beitrag von Jonas » 2020-04-04 18:36:53

Danke für die Tipps! Bin gerade dabei die Köpfe freizulegen, aber werde dann vorher nochmal Druck auf das System geben. Vielleicht zeigen sich noch weitere Leckagen.

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#5 Beitrag von Jonas » 2020-04-06 19:58:23

Als das Kühlsystem vor der Demontage zunächst noch mit Druck beaufschlagt wurde, waren die Undichtigkeiten noch etwas besser erkennbar. Zwei Buchsen tropften regelmäßig ab, an zwei weiteren bildeten sich ebenfalls Tropfen.
Diese vier mussten also auf jeden Fall raus.

Da ich auch den Kopfdichtungen nicht traute, wurden pauschal alle Köpfe demontiert. Auffällig waren teilweise nasse Düsen bei der Demontage.

Als nächstes kamen an den betroffenen vier Zylindern die Kolben und Buchsen raus.
Hierbei war deutlich zu erkennen, dass die Oberfläche der jeweils obersten Kolbenringe zahlreiche kleine Ausbrüche aufweisen.
Aus dem Sitz der Laufbuchsen im Kurbelgehäuse konnte ich völlig ausgehärtete und gebrochene Dichtringe entfernen. Einer sah so aus, als wäre dieser schon zuvor im eingebauten Zustand gequetscht und defekt gewesen.

Letztlich habe ich mich dazu entschlossen, alle übrigen Zylinder auch zu demontieren. Wenn sowieso schon alles offen ist, kommt es auf etwas Mehrarbeit auch nicht mehr an. Die Ersatzteile gibt es zwar auch nicht gratis, aber mit etwas Recherche im Netz waren auch Markenteile preiswert zu finden.
Jetzt möchte ich zusätzlich die Laufbuchsen neu honen und die Kolbenringe ersetzen.

Die nächsten Tage wird der ganze Kram erstmal gereinigt und vorbereitet. Wird zur Zeit sicher ein paar Tage länger dauern bis alle Teile ankommen. Aber eilt ja auch nicht...
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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#6 Beitrag von JoSuPa » 2020-04-06 21:30:41

Viel Arbeit :angry: aber mit sicherheit war es der korrekte entscheid alle Zylinder auszubauen, immerhin jahrgang 76 , sind ja über 40 jahre
Gruss
John

Allradwilli

Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#7 Beitrag von Allradwilli » 2020-04-06 21:42:57

Zunächst sollten die Laufbuchsen vermessen werden!
Ebenso die Kolben!
Und natürlich sollten die Laufbuchsen mit dem vorgeschriebenen Fett wieder eingestzt werden!

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#8 Beitrag von Jucksnjo » 2020-04-07 18:02:04

@Jonas

Nur mal so aus Spaß an der Freude: Hast du ein Foto vom ganzen Auto und magst es hier zeigen? Ein 1632 gehört hier doch eher zu den seltenen Spezies, wo sich doch jeder Sorgen um den Verbrauch macht. :joke:
Hubraum statt Wohnraum :)

Mit einem Gruß

Johannes

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#9 Beitrag von Jonas » 2020-04-08 16:38:58

Zunächst sollten die Laufbuchsen vermessen werden!
Ebenso die Kolben!
Und natürlich sollten die Laufbuchsen mit dem vorgeschriebenen Fett wieder eingestzt werden!
Habe zwischenzeitlich die Laufbuchsen schön gesäubert, äußere Anhaftungen und Rückstände entfernt. Die inneren Rußablagerungen im oberen Bereich vorsichtig beseitigt und die O-Ring-Nut nass saubergeschliffen. Vorhin beim Instandsetzer gewesen wegen Überprüfung der Köpfe und Vermessung der Buchsen (habe keine entsprechend präzise Meßgerätschaft, die sich für Innendurchmesser verwenden läßt) usw... Guckt mich der Inhaber etwas fragend an, ob ich denn wüßte, was diese Buchsen neu kosten würden. Die wären wahrscheinlich so billig, daß jeglicher Bearbeitungsaufwand nicht lohne. Morgen bekomme ich Rückmeldung, was mit den alten Teilen los ist und was neue Buchsen kosten würden.
Tja, klarer Fall von falscher Arbeitsreihenfolge... :dry: (weil ich eigentlich fest entschlossen war, die alten Teile wiederzuverwenden, sofern technisch sinnvoll).

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Re: Laufbuchsencheck... Wasser im Öl

#10 Beitrag von Jonas » 2020-04-08 17:13:44

@Jonas

Nur mal so aus Spaß an der Freude: Hast du ein Foto vom ganzen Auto und magst es hier zeigen?
Das Auto soll, wenn fertig, kein Reisemobil sondern ein Werkstattwagen werden. Werkbank, Regale und alles an Material, was an einem Linienbus kaputtgehen oder nützlich sein könnte. Die Rockinger ist tiefergelegt, so dass auch die Abschleppstange bei niedrigen Bus-Fronten angesetzt werden kann.
Bislang war der dringende Bedarfsfall für so ein Fahrzeug eher selten (was auch so bleiben soll), aber es kommt vor. Desöfteren ist es einfach praktisch, bei geplanten Vorhaben das Werkzeug abfahrtbereit zu haben, ohne erst die Werkstatt ins Auto umladen zu müssen.
Der Spritverbrauch des 32ers spielt bei der Nutzung eher keine Rolle. Der Wagen soll das Nützliche mit dem Schönen verbinden :D
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