Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

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Andy
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#121 Beitrag von Andy » 2020-02-28 19:41:41

Allradwilli hat geschrieben:
2020-02-28 18:22:49
Hallo,

die Drehmomentverteilung im VTG kann man in einer DOKU vom MD auf Seite 18 bzw. und in der ET. Liste Gruppe 12 einsehen!

MfG.

A W
:eek: danke für die sehr präzisen angaben, das klärt natürlich einiges, jetzt weis ich direkt viel mehr :unwuerdig:


....
Kein Zaster aber zwei .. äh nee jetzt drei .........ups jetzt vier Laster - bald wieder nur drei-- jetzt sind nur noch zwei -- nu doch wieder drei :) .... und auf einmal sind es zwei;)--arrgh jetzt wieder drei--und es sind jetzt nur noch zwei---

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#122 Beitrag von ud68 » 2020-03-02 14:40:10

Richtig erkannt: es handelt sich um ein Planetengetriebe. Es besteht aus:
a) Sonnenrad, also das innen liegende Zahnrad. Hat beim Mercur-Standard-Gertrag 25 Zähne. Diese Welle geht zur Vorderachse.
b) Außenrad (oder Hohlrad genannt, weil mit Innenverzahnung). Hat beim Mercur-Standard-Gertrag 50 Zähne. Diese Welle geht zur Hinterachse.
c) Planetenräder (auch Umlaufräder genannt). Sind zwischen Außen- und Sonnenrad.
d) Planetenradträger (auch Steg genannt). Auf diesem sind die Planetenräder drehbar gelagert.
Ab jetzt Mercur-Standard-Gertrag! Es sind 3 Planeten verbaut. Außerdem sind die beiden Zahnräder der Straße/Gelände-Stufen mit dem Planetenträger verbunden.
Das Motor dreht als via Schaltgetriebe & Kardanwelle & 2-Gang-Schaltung den Planetenträger.

Funktionsweise, ungesperrt:
1. Der Motor bringt sein Drehmoment auf den Planetenträger.
2. Der außenliegende Zahn des Planeten überträgt die Kraft über das Außenrad des Planetengetriebes zur Hinterachse.
3. Der innenliegende Zahn des Planeten überträgt die Kraft über das Sonnenrad des Planetengetriebes zur Vorderachse.
4. Bei Geradeaus-Fahrt dreht sich Vorder- und Hinterachse gleich schnell, die Planeten rotieren nicht um das Sonnenrad.
5. Bei Kurvenfahrt (oder unterschieddlichen Abrollumfängen der Reifen) wälzen die Planeten über dem Sonnenrad und ermöglichen so Drehzahlunterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse.

Drehmomentverteilung ungesperrt:
Es besteht eine ungleiche Drehmomentverteilung zwischen den Achsen, die Hinterachse wird mit einem höheren Drehmoment angetrieben.
Folgender gedanklicher Versuchsaufbau vereinfacht das Verstehen: Man bocke beide Achsen des LKW einseitig auf, wickle ein Band um die Reifen und befestige es mit einer Feder-Zugwaage am Fahrzeug.
So lässt sich die Kraft ermitteln, die jede Achse auf die Straße bringt, wenn man die VTG-Antriebswelle dreht.
Was passiert:
1. Am Planetenrad stellt sich ein Kräftegleichgewicht zwischen dem äußeren Zahn und dem inneren Zahn ein (Planet auf seiner Achse frei drehbar, also gleiche Kräfte an den Zähnen zum Sonnenrad und Hohlrad).
2. Der Hebelarm des inneren Zahnes zur vorderen Achse ist jedoch viel kleiner (Sonnenrad: 25 Zähne) als der Hebelarm des äußeren Zahnes zur hinteren Achse (Hohlrad: 50 Zähne).
3. Die Feder-Zugwaage am Hinterrad wird eine größere Vortriebskraft anzeigen als die Feder-Zugwaage der Vorderachse.
4. Das Verhältnis wird bestimmt durch die Zähnezahlen zwischen Sonnenrad und Außenrad (bei meinem Kat-Schutz-Mag 50:25 Zähne, also 2/3 zu 1/3 Kraftverteilung), sowie evtl vorhandener Achsübersetzungen, speziell bei Außenplanetenachsen.


Mit eingelegter Differential-Sperre:
Durch Verschieben einer Muffe wird ein Drehzahl-Unterschied zwischen Planeten-Träger und Sonnenradwelle verhindert. Dadurch können die Planeten nicht mehr am Sonnenrad abwälzen und nehmen damit auch die Hinterachswelle mit gleicher Drehzahl mit.
Die Drehmoment-Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse ergibt sich ausschließlich aus den Bodenhaftungsverhältnissen der Fahrzeugräder (volles Motor-Moment nach vorne, wenn hinten auf Glatteis / oder umgekehrt).
Mein Kat-Schutz-Mercur hat keine Außenplanetenachsen, und in VA und HA identische Differentiale. Ergo hat er keine Voreilung, beide Achsen drehen gleich schnell. Deswegen mag er gesperrt nicht gerne um die Kurve fahren.

Schnelle Schlüsse:
* ein "Zweiwelle-Verteilergetriebe" macht eine Drehrichtungsumkehr. Deswegen hat ein 4x4-LKW eine andere Hinterachse bzw. Differential als sein 4x2-Bruder.
* Ein Verteilergetriebe mit Planetensatz hat immer (ungesperrt) ungleiche Ausgangsdrehmomente. Außenplanetenachsen können das weiter beeinflussen.
* Das Gertrag im Mercur hat nur 1,5 ltr ÖL - da geht die volle Motorleistung durch. Ölstand im Blick behalten.
* bei gesperrtem VTG kann je nach Bodenverhältnis die volle Motorleistung bei einer Achse ankommen. Vorsicht mit Überlastung / Bruch.

Ich hoffe, das die Erklärung auch für Nicht-Maschinenbauer verständlich ist.
mfG Udo

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#123 Beitrag von OliverM » 2020-03-02 14:58:14

Danke für den Erklärbär Udo. :rock:

Gruß

Oliver
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#124 Beitrag von Allradwilli » 2020-03-02 16:10:24

Hallo,

sehr genau beschrieben :cool:

Jörg hat ein ZF Z 90 Verteilergetriebe von einem Jupiter 6x6 mit Außenplanetenantrieb (AP) an der VA

in seinem Mercur mit 4x4 Antrieb ohne AP an der VA eingebaut!

MfG.

A W

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#125 Beitrag von Joerg404114 » 2020-03-02 20:14:17

Hallo Udo,

danke für die Erklärung.

Hallo Allradwilli,

also hat das VTG vom Jupiter eine Verteilung von 20% Vorderache und 80% Hinterachse.
Das originale Getrag hat 33% Vorderachse und 66% Hinterachse.

Ich gehe mal davon aus, das mein Mercur der jetzt max. 7,49t wiegt damit leben kann.

Die Schwingungen treten bei beiden VTGs auf.


Zum Thema Differential:
Ich habe meine Unterlagen zum x-ten mal durchforstet.
Jetzt habe ich zwei interessante Schnittbilder der Diffs gefunden.
Beide von 8/43 er Übersetzung.
Da gibt es zwei verschiedene Lagerungen für die Trieblinge. Das eine ist ein Komplettlager am großen Durchmesser und keinen Absatz auf der Welle.
Das Andere hat ein Zylinderrollenlager und dahinter ein Ring-Schräglager und wegen der verschiedenen Innendurchmesser der Lager einen Absatz auf der Trieblingswelle.
Die vorderen kleinen Rollenlager sind wohl gleich.
Habe leider nur von er 8/43er Übersetzung das Schnittbild. Leider stehen keine Lagernummern dabei, nur Teilnummern Deutz und dies auch nur für die Version mit den zwei Einzellagern hintereinander.

Also gab es verschiedene Differentiallagerungsversionen im Mercur.

Bin mal gespannt welche bei mir verbaut ist.

Gruß

Jörg

PS. Hat vielleicht jemand hier einen Ersatzeilkatalog mit Schnittzeichnung und E-Nummern für das 7/41 Diff?

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#126 Beitrag von Hatzlibutzli » 2020-08-28 18:25:56

So, ich kann zumindest einen Teilerfolg berichten:

Eine "neue" spielfreie Vorderachskardanwelle hat einen Großteil meines Geräusches weggemacht. Es kommt jetzt erst bei etwa 108 km/h ... die Alte hatte im Schubstück einen kaum spürbaren Nackler bei sagittal einwirkender Kraft ...

Ich bleibe bei meiner Theorie, dass es eine sich um eine bei Spiel im Antriebsstrang aufschaukelnde Welle wandelt. Spannend wird jetzt nur, ob es sich im Laufe der Zeit wieder einschleicht, wenn man zu oft zu schnell fährt .....

Grüsse ... Simon

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#127 Beitrag von Joerg404114 » 2020-08-28 22:04:16

Hallo Simon,

interessant, ich war Anfang des Jahre mit meiner VA Kardanwelle beim Gelenkwellenbauer. Nach intensiver Begutachtung vom Meister und Gesellen haben diese gesagt die Welle ist OK. Soll ich so lassen hat kein Spiel.
Habe die letzten Monate mich nicht um die Schwingungen gekümmert. Waren mit der Mercur im Urlaub. Wir sind dann meist 85 km/h gefahren, maximal mal 90 km/h. Mit genügend Übung sind die Schwingungen dann gering.

Gruß

Jörg

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#128 Beitrag von Joerg404114 » 2020-12-26 0:05:00

Guten Abend,
länger Zeit hat sich nichts getan, aber jetzt will ich mit etwas Messtechnik den genauen Ort der Schwingungen auf den Grund gehen. Ein Freund hat mir ein paar Elektronikbauteile zu Schwingungsmessung/Beschleunigungsmessung besorgt. Mal schauen ob der Messaufbau zu Klärung hilft.
DSC03032.JPG
Es werden zwei Beschleunigungssensoren, die in x, y, z Richtung messen an das Diff der Vorderachse und an das VTG montiert.
Hier am VTG
DSC03041.JPG
Hier am Diff Vorderachse
DSC03048.JPG
Kabel in den Innenraum gezogen
DSC03049.JPG
Dann über eine Auswerteeinheit an einen Laptop angeschlossen und auf der App sind dann die Schwingungen in x, y, z Richtung zu sehen.
DSC03053.JPG
Wegen schlechtem Wetter konnte die Messfahrt noch nicht stattfinden. Die ganze Verkabelung ist nicht Regenfest. Ich kann dann nur die beiden Amplituden vergleichen. Wo sie höher ist, da bin ich dann näher an der Quelle des Geräusches.
Mal sehen was das wird. Werde dann berichten, ob das Geräusch aus den Diff oder VTG kommt. Wenn es von der Kardanwelle ist, dann kann ich es nicht messe, da die Sensoren ja Kabelgebunden sind.

Gruß

Jörg

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#129 Beitrag von Apfeltom » 2020-12-26 13:17:53

Manno Jörg :eek:
...das ist ja langsam regelrecht kriminalistisch...
Echt spannend , was da rauskommt

Weihnachtsgruß
Thom

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#130 Beitrag von Weickenm » 2020-12-27 21:31:48

Jörg,

Das hat Gesicht, das gefällt mir sehr!
Bin auf die Ergebnisse gespannt :rock:

Beste Grüße
Florian
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#131 Beitrag von micha der kontrabass » 2020-12-28 11:54:08

Cool, bin gespannt!

Viele Grüsse
Micha d.k.
mit dem am nördlichsten stationierten Magirus Mercur!

Es ist nie zu spät um aufzugeben!
schwedisches Sprichwort

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#132 Beitrag von TDFahrer » 2020-12-28 12:50:01

Super Sache! Das interessante Thema wurde gerettet und doch noch zu Fakten von denen Alle, evtl. auch nicht Mercur Fahrer, profitieren!

Ich suche nämlich auch nach Schwingungen :spassbremse:

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#133 Beitrag von Mercur 125 D10 A » 2020-12-28 12:56:52

Hallo
Super Sache! Das interessante Thema wurde gerettet und doch noch zu Fakten von denen Alle, evtl. auch nicht Mercur Fahrer, profitieren!
Dem kann ich nur beipflichten, ich habe nämlich genau das gleich Problem bei meinem 125er Mercur.
(Bj.63 aufgerüstet mit dem ZF AK6-55 und 13R 22,5er Rädern.)

Es bleibt spannend :happy:

@Jörg : Danke das du dies hier so umfangreich dokumentierst :unwuerdig:

Gruß Fabian

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Joerg404114
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#134 Beitrag von Joerg404114 » 2020-12-28 14:55:38

Hallo,
habe es am 2 Weihnachtfeiertag mit der ganzen Familie geschafft die Messfahrt durchzuführen. Es war trocken und kein Salz auf der Straße. Meine Tochter hat den Laptop bedient.

1. Wichtige Anmerkungen zu den Diagrammen. Nur bei dem rechten unterem Diagramm, in dem die X, Y, Z Achse zusammen sind ist der Maßstab der Y-Achse vergleichbar. Also VTG und Diff. könne von der Amplitude verglichen werden. Habe hier den Messbereich von 50 bis -50 einstellen können. Bei den Diagrammen auf der linken Seite ist mir das in dem Programm nicht gelungen, nur beim rechten unteren Diagramm. Bei der Messung handelt es sich um eine Beschleunigungsmessung. Die Sensoren zeigen in X,Y,Z Richtung an. Die haben sogar die Kurvenfahren angezeigt. Ich kann leider nur immer einen Sensor anschließen, nicht zwei gleichzeitig.
2. Vorgehensweise. Wir sind auf der Landstraße gefahren, habe dann auf 105 km/h hochbeschleunigt und dann mit dem Gaspedal den momentfreien Bereich bis ca. 80 km/h probiert einzuhalten. In diesem Bereich ist das "Rasseln". Das hat auch ganz gut geklappt und auf den Diagrammen ist es sichtbar geworden.
3. Der Bereich des Rasselns ist eingekreist auf den Diagrammen. Nur die schwarzen Kreise können verglichen werden, da gleicher Maßstab. Die blauen Kringel sind die einzelnen Diagrammachsen in X, Y, Z Richtung.

Diagramme vom Differential der Vorderachse:
Diff VA 6500sec.B.png
Diff VA 16200sec.B.png
Diagramme des Verteilergetriebes:
VTG 40600B.png
VTG 77600B.png
Habe noch viel mehr Diagramme, aber die sind alle ähnlich ausgefallen.

Ergebnisse:
- Als erstes Ergebnis kann ich sagen, das das VTG deutlich mehr Grundrauschen erzeugt als das Diff. der Vorderachse.
- Es ist auch deutlich abhängig von der Geschwindigkeit, Je schneller desto mehr, ist jetzt auf den Diagrammausschnitten nicht zu sehen.
- Das Rasseln ist am VTG auch deutlicher Messbar.
- Die Amplituden sind ähnlich, beim VTG ein bisschen mehr.

BITTE WEITERE INTERPRETATIONEN AUS DEN DIAGRAMMEN SCHREIBEN.

Resume:
Es ist näher am VTG. Ob es die Kardanwelle ist, kann mit Kabelgebundenen Sensoren nicht gemessen werden.
Eine Möglichkeit könnte das Schiebestück der Kardanwelle sein. Es ist direkt am VTG. Hier waren auch die Schwingungen/Beschleunigungen deutlicher zu messen.
Die Schwingungen habe ich bis jetzt bei zwei verschiedenen VTGs.
Wenn ich die Kardanwelle ausbaue, die Sperre einlege und dann fahre gibt es keine Schwingungen.

Meine Maßnahme wird jetzt sein eine neue vordere Kardanwelle bauen zu lassen mit sehr langem Schiebestück.

Gruß

Jörg

sico
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#135 Beitrag von sico » 2020-12-28 15:39:24

hallo Jörg,
Kompliment für dein systematisches Vorgehen.
Das Schiebestück an der vorderen Kardanwelle ist natürlich sehr verdächtig. Auch, ob die Kardanwelle verbogen ist oder eine sonstige Unwucht aufweist.
Aber wie sieht denn das radiale Lagerspiel an den Kardanflanschen des VTG aus?
Auch der Mercur hat im VTG diese sog. Vier-Punkt-Lager verbaut. Das sagen jedenfalls meine Ersazteilunterlagen auf Bild 5146 154-003-5. Mit Position 26 ist an beiden Abtriebsflanschen je ein Vier-Punkt-Lager QJ 209 mit 45x85x19 mm verbaut.
Diese Lager sind eine bekannte Schwachstelle bei diesen VTGs und neigen zu Verschleiß und damit zu erhöhtem Spiel. Prüfe mal das Radial-Spiel an den Abtriebsflanschen.

mfg
Sico

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#136 Beitrag von Joerg404114 » 2020-12-28 16:09:35

Hallo Sico,

das Vierpunktlager im VTG zur Vorderachse habe ich vor einem Jahr erneuert.

Gruß

Jörg

sico
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#137 Beitrag von sico » 2020-12-28 16:13:20

Joerg404114 hat geschrieben:
2020-12-28 16:09:35
Hallo Sico,

das Vierpunktlager im VTG zur Vorderachse habe ich vor einem Jahr erneuert.

Gruß

Jörg
Prüfe das Spiel trotzdem mal.
Auch hinten.
Sicher ist sicher.
Dann weiß man, daß man diese Ursache ausschließen kann.
mfg
Sico

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#138 Beitrag von Hatzlibutzli » 2020-12-29 14:59:15

@Sico,
diese 4-Punkt Lager haben von Haus aus eine erhöhte Lagerluft C3 ... und in kaltem Zustand neu eingebaut einen "mini-Nackler" ... its not a bug, its a feature ;-)

@Jörg: Chapeau vor dem von Dir betriebenen Aufwand. es scheinen sich in der Tat die Indizien für den Übeltäter zu verdichten.
Ich denke ja, dass eine sorgfältigst feingewuchtete vordere Kardanwelle mit möglichst langem Schiebestück das Problem komplett wegmachen könnte ... ich fahre jetzt meine neue gebrauchte bis es mich wieder nervt ... wenn man die Herkunft eines Geräuschs kennt fällt es einem zunehmend leichter wegzuhören ...

Grüsse ... Simon

Andy
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#139 Beitrag von Andy » 2020-12-29 15:17:46

Moins,

Ich verfolge das ja auch schon länger :D

Die frequenz liegt um die 40kHz , dass ist doch kein Basston?
Brummen ist doch eher basstonartig, oder irre ich mich?


..ö :wack: ,akku leer, melde mich später
Andy
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#140 Beitrag von sico » 2020-12-29 16:09:53

Hatzlibutzli hat geschrieben:
2020-12-29 14:59:15
@Sico,
diese 4-Punkt Lager haben von Haus aus eine erhöhte Lagerluft C3 ... und in kaltem Zustand neu eingebaut einen "mini-Nackler" ... its not a bug, its a feature ;-)


Grüsse ... Simon
Hallo Simon,
Ich weiß schon auch, daß diese Vier-Punkt-Lager in Lagerluft C3 ausgeführt sind.
Dazu einige Anmerkungen
Die Lagerluft ist wie folgt ( in µm):
Normal Luft: 76-126
C3 Luft: 116-166

Diesen Unterschied in der Lagerluft kann man mit der Hand als „Nackler“ nicht feststellen. Dazu braucht es bessere Meßtechnik.
Der mit der Hand feststellbare „Nackler“ hat eine andere Ursache:
Die vordere Ausgangswelle des VTG ist ausgangsseitig in der Nähe des Flansches mit diesem vier-Punkt-Lager radial präzise gelagert. Das andere innere Ende dieser Welle steckt über Schiebesitz in der Innenverzahnung des Sonnenrades des Ausgleichsdifferenziales.
Dieser Schiebesitz ist als radiale Lagerung nicht so präzise und hat fertigungsbedingt einige hundertstel Millimeter Radialspiel. Durch dieses Radialspiel kann die Welle um den Punkt des Vier-Punkt-Lagers eine Kippbewegung machen.
Diese Kippbewegung ist schon mit der Hand als vermeintlich radiales Lagerspiel zu spüren.
Man spürt das auch, wenn man grade vorher das Vier-Punkt-Lager erneuert hat.

Noch eine Anmerkung zur Lagerluft:
C3-Luft verwendet man bei Bauteilen, die große thermische Dehnung machen.
Oder bei sehr starken Preßsitzen der Lagerringe (innen und/oder außen) wegen sehr hoher Umfangslasten an den Lagerringen.
Diese Voraussetzungen sind bei diesem VTG nicht gegeben. Die Temperaturbelastung ist gering und die Sitze der Lagerringe haben normale Preßung.
Aus diesem Grund verwende ich im Reparaturfall gerne auch Lager mit Normal-Luft, keine C3-Lager, die zudem noch deutlich schwieriger zu beschaffen sind.

So, und jetzt ist die Grundvorlesung in Konstruktionslehre auch schon wieder beendet.

LG
Sigi

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#141 Beitrag von Joerg404114 » 2021-01-01 14:20:04

Hallo und ein frohes neues Jahr allerseits.

Ich habe jetzt mal flugs die Kardanwelle Vorderachse abgeschraubt und das Radialspiel der Flansche gemessen.
Vorgehensweise. Messuhr dran, mit aller Kraft den Flansch nach oben gedrückt und dann drangehangen. Ergebnis am VTG 15 Hundertstel Radial (Neues Vierpunktlager vor einem Jahr verbaut, 3000km Laufleistung).
DSC03056.JPG
An der Vorderachse 11 Hundertstel Radial.
DSC03068.JPG
Ich habe noch ein Ersatzdiff, das sehr wenig Km haben soll. Diese hat 11 Hundertstel Spiel radial.

Die Messergebnisse dürften OK sein.

Gruß

Jörg

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#142 Beitrag von tonnar » 2021-01-01 18:12:55

Ich kann gerade nicht am Fahrzeug nachschauen, aber könntest du die Welle probeweise verkehrt herum einbauen (vorausgesetzt die Flansche passen) und dann die Messung wiederholen? Wenn sich die Schwingungen dann vom VTG Richtung Achse verlagern, wäre das ein eindeutiges Indiz für das Schiebestück als Ursache. Oder habe ich einen Denkfehler?

Gruß
Tino

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#143 Beitrag von Itchywheels » 2021-01-01 18:59:00

Hallo Jörg,
erst mal ein gutes neues Jahr!
Ich würde an deiner Stelle die Wellen zum Wellenbauer bringen - der soll die mal einspannen und auf Rundlauf prüfen.
Außerdem kann der die Auswuchtung prüfen. Evtl. hast du ja ein Wuchtgewicht auf der Welle verloren.

Gruß
Rico
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#144 Beitrag von TDFahrer » 2021-01-01 20:09:48

Beim Defender hat man je nach Fahrwerkszustand oder Federn/Hoherlegung die Wellengabel zueinander verdreht, weiß nur nicht ob 45 oder 90°. Hab da auch irgendwo eine Abhandlung zu. Ging darum die sich aufbauenden Schwingungen zu brechen, wenn irgendwelche Winkel nicht mehr stimmen.

Suche die Tage Mal danach

OliverM
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#145 Beitrag von OliverM » 2021-01-01 20:48:20

TDFahrer hat geschrieben:
2021-01-01 20:09:48
Beim Defender hat man je nach Fahrwerkszustand oder Federn/Hoherlegung die Wellengabel zueinander verdreht, weiß nur nicht ob 45 oder 90°. Hab da auch irgendwo eine Abhandlung zu. Ging darum die sich aufbauenden Schwingungen zu brechen, wenn irgendwelche Winkel nicht mehr stimmen.

Suche die Tage Mal danach
Da wurden i.d.R. dann Doppelgelenkwellen verbaut . Anschließend war Ruhe.

Gruß

Oliver
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#146 Beitrag von Joerg404114 » 2021-01-01 21:42:47

Guten Abend,

ein paar Dinge zur Kardanwelle Vorderachse.
Habe die Welle jetzt mal auseinandergezogen, die Schmutzabdeckung entfernt und das Schiebestück vermessen.
Die minimale Länge ganz zusammengeschoben ist 1235mm. (Auf der Werkbank liegend)
In der Fahrstellung hat sie 1295mm.
Dann habe ich den Magirus am Rahmen hochgehoben, sodass die Vorderräder in der Luft hängen und die Blattfern somit voll ausgefedert sind.
Dann ist die Welle 1340mm lang. (Immer das Maß zwischen den Flanschen Vorderachse zu VTG).

So jetzt wirds interessant. In der Fahrstellung ist die Überdeckung im Schiebestück 88 mm.
Voll ausgefedert nur noch 43mm. Max. mögliche Überdeckung ist 148 mm.
Das ist zu wenig. Die Welle hat dann auch Spiel in Torsionsrichtung und radial im Schiebestück. (macht dann klack klack)
Ich bin der Meinung, die Welle ist zu kurz. Wenn ich die ganz zusammenschiebe und davon ausgehe, das er ganz einfedert/durchschlägt, da erreiche ich das min Maß von 1235 nie. Die Überdeckung im Schiebestück sollte doch länger sein. Wieviel mm Sicherheit legt man aus?

Ich werde mich morgen nochmals unters Auto legen und vermessen welche längen max. und min. im Fahrbetrieb vorkommen können. Danach mal überlegen wie lang die Welle sein sollte und wie lang das Schiebestück sein muss.
Ich habe in Gelenkwellenkatalogen gesehen, das es Standardwellen 80mm max. Auszug haben, Wellen mit langem Schiebestück 85mm und mit sehr langem Schiebestück 210 mm.
Da muss ich mich jetzt erst mal schlau machen, da ich mit der Auslegung von Gelenkwellen bzw. Schiebestücklängen keine großen Erfahrungen habe. Welche Dimensionierung die Flansche haben und Kreuzgelenke ist ja vorgegeben. Nach Katalog ist die jetzige Welle für 2500 Nm ausgelegt. (Quelle Walter Still Kardanwellen Gelenke)

Gruß

Jörg

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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#147 Beitrag von TDFahrer » 2021-01-11 14:55:49

OliverM hat geschrieben:
2021-01-01 20:48:20
TDFahrer hat geschrieben:
2021-01-01 20:09:48
Beim Defender hat man je nach Fahrwerkszustand oder Federn/Hoherlegung die Wellengabel zueinander verdreht, weiß nur nicht ob 45 oder 90°. Hab da auch irgendwo eine Abhandlung zu. Ging darum die sich aufbauenden Schwingungen zu brechen, wenn irgendwelche Winkel nicht mehr stimmen.

Suche die Tage Mal danach
Da wurden i.d.R. dann Doppelgelenkwellen verbaut . Anschließend war Ruhe.

Gruß

Oliver
Moin Oli,

das trifft nur auf extreme Höherlegungen zu und dem Verkaufsdrang einiger bekannter Firmen.... Das Verdrehen der Welle wurde mir von einem Wellenbauer empfohlen, der auch Doppelgelenkwellen für den Defender baut.
Wie gesagt darüber gibt es auch umfangreiche Schriften. Suchbegriff "Propshaft Phasing" - Da ich nur eine Kopie aus einer Zeitschrift habe, lade ich es nicht hoch.

Gruß Micha

OliverM
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Re: Schwingungen im Antriebsstrang Mercur

#148 Beitrag von OliverM » 2021-01-11 20:18:00

TDFahrer hat geschrieben:
2021-01-11 14:55:49

Moin Oli,

.... Das Verdrehen der Welle wurde mir von einem Wellenbauer empfohlen, der auch Doppelgelenkwellen für den Defender baut.


Gruß Micha
Moin Micha ,
ich habe mich zu Zeiten des 300TDI und td5 intensiv mit der Materie auseinandersetzen müssen . Das Fazit war : Baue abschmierbare Doppelgelenkwellen ein und es ist Ruhe . Ein verdrehen der Welle brachte, je nach Hersteller, leider nicht den gewünschten Effekt . Bei extremen Höherlegungen ( Reifen größer als 36,5 " ) haben wir dann Gleichlaufgelenkwellen verbaut .
Doppelgelenkwellen und auch Gleichlaufgelenkwellen verzeihen deutlich größere Abweichungen der Flanschwinkel zueinander. Das war bei Höherlegungen oft das Problem und durch Caster-Kit u.Ä. nicht immer zu kompensieren.

Gruß

Oliver
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