Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

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ADK-Fahrer
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#31 Beitrag von ADK-Fahrer » 2019-01-19 14:00:28

el Capitán hat geschrieben:
2019-01-19 13:32:44

Wegen des Fliehkraftreglers! Die Standgas-Fördermenge ist nicht immer gleich, sondern wird nach der Motordrehzahl geregelt. Der Fliehkraftregler ist auf eine bestimmte Leerlaufdrehzahl eingestellt, die er anstreben soll, wenn der Gaszug auf Leerlaufstellung steht. Ist die Motordrehzahl unter der angestrebten Zahl, dann wird mehr eingespritzt, ist sie darüber, dann wird weniger eingespritzt. Das geschieht über Gewichte im Regler, die bei höherer Drehzahl weiter auseinandergedrückt werden und dabei die Stange, welche die Dieselförderung regelt, in Richtung Nullförderung verschieben.
Auch hier scheint es Unterschiede bei den Pumpen zu geben.
Bei L60 wird das Gasgestänge nach dem Wechsel der ESP wie folgt eingestellt:
Alles anschließen und Motor ohne Gestänge starten. Die ESP regelt die vorgegebene Drehzahl ein, Gestänge anpassen und einhängen.
Beim W50 hingegen muss die Leerlaufdrehzahl über Anschläge und Gestänge eingestellt werden, da die ESP die Drehzahl eben nicht von selbst einregelt.

Ich denke mal, das Thema ist einiges vielfältiger als man sich das auf den ersten Gedanken vorstellt.
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#32 Beitrag von chevyuser » 2019-01-19 15:48:02

Schiebebetrieb ist wie Anlassen, mindestens.
Folglich entstehen Temperaturen von mindestens 700 Grad laut Wikipedia allein durch die Kompression der Luft. Plus dem warm bleibenden Öl sehe ich da keinerlei Probleme.
Auskühlende Frischluftdurchströmung findet aufgrund der geschlossenen Klappe auch nicht statt. Also alles Knusper.
Der Turbolader wird auch nicht umgeklappt oder sobstiges, er bleibt wahrscheinlich stehen da der Abgasmassenstrom sehr stark gebremst wird. Da der Druck überall gleich wirkt, könnte maximal die Dichtung der Laderwelle durchlassen. irgendwann. Aber das ist auch unwahrscheinlich wenn sie dafür gebaut wurde.
Verkokung gibts auch keine weil der Öldruck oben bleibt.
Insgesamt sehe ich das Thema unkritisch und benutze die Stauklappe gerne und oft. #Motorbremsenjunkie
Allerdings macht meine manchmal recht langsam auf, so dass ich mir das mal ansehen muss warum. Verkokung dort vielleicht.

Bernhard G.
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#33 Beitrag von Bernhard G. » 2019-01-19 19:14:57

Nimrod hat geschrieben:
2019-01-19 0:02:14
Die Geschichte von kaputten Motoren durch die Motorbremse geht auf die alten Krupp Motoren zurück. Bei denen wurde schlicht das Auslassventil nicht mehr geöffnet, so daß der Motor als Kompressor arbeitet und der Druck gewaltig ansteigt. Dabei gab es tatsächlich kaputte Kopfdichtungen.
Verstehe ich nicht. Motor saugt Luft an, verdichtet diese, sie wird nicht ausgestoßen. Jetzt öffnet das Einlaßventil. Nun würde keine Luft angesaugt, sondern zunächts entweicht diese durch das Einlaßventil und wird ggf. wieder angesaugt. Wie kommt es da zu übermäßigen Drücken? Der Motor hält Verdichtung + Verbrennung stand - das sollte deutlich mehr Druck zur Folge haben.

Wenn man das Thema Abkühlen des Motors betrachtet, dann wirkt doch eigentlich die Motorbremse dem entgegen. Der Regler schaltet die ESP im Schubbetrieb auf Nullförderung. Und wenn die Motorbremse aktiv ist, wird mehr Energie im Motor in Wärme ungewandelt als ohne. Somit kühlt der Motor bei Motorbremse weniger ab als ohne.

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#34 Beitrag von hugobaer » 2019-01-19 19:40:45

Bei Krupp könnt ich mir vorstellen daß das mit den Zweitaktdieseln zu tun hatte. Was passiert da wenn das Rootsgebläse versucht zu spülen es aber nicht geht und es dadurch einen zu großen Vordruck aufbaut? Kann es sein daß der Motor dann überhitzt und die Kopfdichtung kaputt geht?
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#35 Beitrag von brummiwomo » 2019-01-19 20:25:39

sehr interessante Diskussion. Vielen Dank dafür.
manchmal sind die Dinge ja irgendwie logisch, trotzdem kommt man selber nicht drauf.
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#36 Beitrag von Till » 2019-01-19 20:47:45

Juten Abend,
benztreiber hat geschrieben:
2019-01-18 18:21:10
bei betätigen der motorbremse bremste der auflieger nicht mehr mit
kann mich mal wer aufklären was der satz mir sagen soll?
seit wann haben die bremsen vom auflieger was mit der motorbremse zu tun?

arne
Es gibt zwei Gründe für diesen Satz:
Der Erste wurden bereits genannt, es geht um die Verbindung der Motorbremse über die Anhängerverkabelung an das Anhängerbremsventil. So wurde der Anhänger bei Betätigen der Motorbremse auch gebremst. Dadurch überhitzten oft die Anhängerbremsen - ihre Bremswirkung ist größer als die Motorbremswirkung - mit den bekannten Folgen...
Der zweite Grund trifft auch für Retarder/Wirbelstrombremsen zu: Bei verminderter Haftung durch glatte Fahrbahn (Regen, Eis etc.) besteht die Gefahr des Aufschiebens des Zugfahrzeugs was ein Knicken des Zuges zur Folge haben kann. Deswegen dürfen solche Bremssysteme nur mit Bedacht im Anhängerbetrieb eingesetzt werden. Das trifft also auch auf moderne LKWs zu. Meiner Kenntnis entzieht sich ob es eventl. in neuesten LKWs eine Steuerelektronikverbindung zwischen ABS-Sensoren und Retarder-Bedienung gibt, die so etwas unterbindet.

Bei den F8er MAN und F10/F12/F16 Volvo (also 80er-Jahre LKWs) gibt es übrigens einen Drehzahlsensor der die Bedienung der Motorbremse unterbindet (MAN) bzw einschränkt (Volvo). Bei MAN kann die Motorbremse bei diesen Modellen erst ab ca. 1200 Upm ausgelöst werden. Das Volvo-Patent ist ein wenig komplizierter und steuert auch die Ventile an. Dadurch wurde bei hohen Drehzahlen ein hoher Wirkungsgrad erzielt - ein von Kraftfahrern aus der Epoche hoch geschätztes Patent das mit Retardern vergleichbare Bremsleistungen erzielt bei geringerem technischem Aufwand und Gewicht.

Beste Grüße,

Till

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#37 Beitrag von bullyschmiede » 2019-01-19 21:28:05

JoSuPa hat geschrieben:
2019-01-19 1:41:22

@ Bullyschmiede, ich verstehe deine frage nicht, meinst du den luftkompressor? aber der ist doch überhaupt nicht tangiert durch die auspuffbremse.
Gruss John
Guten Abend.
ich bezog mich dabei auf die vorherigen beiträge wo vor abkühlen der motoren gewarnt wurde.
ein kompressor wird bekanntlich durch das verdichten von luft heiß-also auch der motor,welcher
nur luft zum verdichten bekommt.
mit dem vergleich wollte ich dem nur widersprechen-ich hoffe jetzt daß du mich verstanden hast
gruß aus thüringen
die bullyschmiede
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#38 Beitrag von JoSuPa » 2019-01-19 23:13:55

@bullyschmiede alles klar, danke für die antwort. Ich hatte dein gedankengang irgendwie von anfang an total anders interpretiert, aber dies liegt an meinen ungeschulten D. kenntnisse. Quasi auf der strasse gelernt :D
In den verschiedenen kommentare, welche ich alle wirklich interessant finde, habe ich den eindruck Ihr macht nie einen unterschied zwischen fahrzeug mit motorbremse verlangsamen oder auf laengerer distanz (z.b. runterfahren eines gebirge )
zurückhalten um die fussbremse zu entlasten. Der "pump-effekt" mit geschlossener stauklappe ergibt sicher mehr waerme als mit offener klappe ( und gaspedal losgelassen ) aber bei weitem nicht die waerme einer verbrennung wie sie im normalen fahrbetrieb stattfindet. Somit ergibt sich tatsaechlich eine abkühlung bei bergabfahren, dies ist unvermeidlich , irgendwann wird auch der thermostat sich wieder schliessen und die temp.faelt noch weiter da die "luftpumpe-waeme" nicht ausreicht um den motorblock sowie die 20liter wasser bei 70 grad zu halten. Ob bei dieser pass -abfahrt nun die stauklappe geschlossen oder offen war wird nicht viel daran aendern. Bei der temperatur der bremsen jedoch schon. Die diskussion um schubabschaltung resp. leerlaufstellung bei losgelassenem gaspedal ist wirklich komplex und variert je nach bauweise, aber prinzipiell gilt schon eher die variante der nulleinspritzung bei losgelassenem gaspedal und regler mit mehr als leerlaufdrehzahl, faellt die drehzahl, wird auch wieder eingespritzt. Dies ist in der regel gut hörbar wenn nach einer fahrt im gefaelle , also schubbetrieb, die strasse wieder flach oder bergauf geht und das gaspedal nur sehr leicht gedrückt wird. Ist die bergabfahrt lange genug damit der brennraum kühlt , wird bei leichtem gasgeben die verbrennung umso hörbarer, aehnlich wie das berühmte "nageln bei grosser kaelte"
Betreffend Krupp oder was auch immer: ja klar, die technik mit ventil schliessen galt vorwiegend bei 2takt-diesel, ich dachte z.b. an die Jackson-motorbremse, aber das ist schon lange vorbei...
Gruss John

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#39 Beitrag von OliverM » 2019-01-19 23:21:07

JoSuPa hat geschrieben:
2019-01-19 23:13:55
, ich dachte z.b. an die Jackson-motorbremse, aber das ist schon lange vorbei...
Gruss John
Hallo John ,
dann google mal nach Jake brake oder Jacobs HPD-Motorbremse .......die Zeiten fangen gerade erst wieder an .

Gruß

Oliver
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#40 Beitrag von JoSuPa » 2019-01-19 23:38:12

soll das heissen (in umgekehrter schlussfolgerung) das ich wieder jung werde?
schaus's mir morgen an, danke
John

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#41 Beitrag von chevyuser » 2019-01-20 10:05:26

Kritischer ist thermisch die Zylinderabschaltung, das haben aber LKWs glaube ich nicht. Da laufen die Hälfte der Zylinder frischluftgespült und der Rest arbeitet.

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#42 Beitrag von ADK-Fahrer » 2019-01-22 1:04:05

hugobaer hat geschrieben:
2019-01-19 12:57:01
Der Motor geht nicht aus wenn man die Kupplung tritt, dann regelt der Regler einfach wieder um weil die Drehzahl unter Standgas fallen will. Das Standgas wird nicht über die Fördermenge eingestellt, die macht immer der Regler. Dem Regler werden Drehzahlen vorgegeben und der macht dann die passende Fördermenge.
Hab grad nochmal nachgelesen (RQV Regler):
Zitat:
"Beim Bergabwärtsfahren ist es umgekehrt. Der Motor wird vom Fahrzeug angetrieben und beschleunigt. Dadurch gehen die Fliehgewchte nach außen, und die Regelstange wird bis zum Anschlag Richtung Stop verschoben. Erhöht sich dann die Drehzahl noch mehr, wird (Regelstange in Stop Stellung!) die Schleppfeder in entgegengesetzter Richtung gespannt."
Quelle:Bosch Diesel-Einspritzeinrichtung Teil2 Seite 22 1975
https://link.springer.com/content/pdf/b ... -4%2F1.pdf (Seite77)
hugobaer
Ps: Hät mich auch gewundert, ein Schwabe der zum Bergabfahren Diesel einspritzt. :)
Genau so ist das, hab mich heute nochmal damit beschäftigt und einen Motorenentwickler aus Nordhausen dazu befragt.
Im Schiebebetrieb geht's auch ohne Motorbremse auf Nullförderung in der ESP!
Ruß
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#43 Beitrag von Joachim » 2019-01-22 10:00:00

Na jetzt gehts drunter und drüber. Bitte beachtet das Baujahr Eurer LKW.
Beim richtigen Alteisen verhält es sich anders als beim neuen LKW.
Der urprüngliche Artikel bezieht sich auf das LKW fahren in den 80er Jahren.
Jeder LKW und jede Fahrzeuggeneration ist anders.
Pauschalisieren hilft da nicht.
Jeder LKW Fahrer sollte die Eigenheiten seines LKW in dieser Alterskategorie kennen. Dann wird es keine Probleme geben.
Für meine alten Magiren gilt :
-Motor wird über Motorbremse abgestellt
-Bei betätigen der Motorbremse auf glatter Strasse kann daher der Motor ausgehen,weil die Hinterachse blockieren kann.
-Exzessiver gebrauch der Motorbremse insbesonderes bei Berg und Talfahrten im Gebirge vermeiden(Abkühlen und schnelles erwärmen der Zylinder tut nicht gut).
-Regelmäßig die Gängigkeit und Rückstellung der Klappen prüfen
-Luftversorgung und Gängigkeit des Motorbremsknopfs prüfen damit der auch gleich aufmacht wenn ich von der Motorbremse gehe,sonst kanns peinlich werden,zb. wenn man schalten muß oder sonst die Kupplung treten muß.

Mit diesen Regeln habe ich meine alten Magiren problemlos gefahren.
Bei den neuen LKW gibt es ja eh meistens Retarder.

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#44 Beitrag von Frank_404s » 2019-01-22 10:18:26

Hallo Zusammen,
ich hab mich beim letzten längeren Bergab (Trollstiegen, Norwegen) mit Motorbremse (mach die ca alle 10 Sekunden mal kurz auf - warum weiß ich auch nicht :blush: ) folgendes gefragt:

Nomalerweise müsste doch beim Motorbremsen wärme entstehen. Ich habe die motortemp dort beobachtet. Es war nichts zu erkennen - weder erwärmung noch abkühlung - also scheinbar alles locker im Rahmen des möglichen von Kühlsystem und Thermostat.
Nun - warum denke ich dass da wärme entstehen müsste:
Wie wir wissen wird Energie ja nicht "verbraucht" sondern nur umgewandelt. Wo soll die Energie der Bergabfahrt denn hin wenn nicht in wärme? Bei der Betriebsbremse ist es ja klar. Wärme durch Reibung.
Bei der Motorbremse (staudruckklappe) vermute ich dass es wärme durch komprimierte luft (auch ohne Einspritzung) ist. demzufolge wäre der Motor bei bergabfahrt MIT Motorbremse wärmer als beim schubbetrieb OHNE Staudruck...

Grüße,
Frank

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#45 Beitrag von unihell » 2019-01-22 12:17:06

Hallo
Frank_404S hat geschrieben:vermute ich dass es wärme durch komprimierte luft (auch ohne Einspritzung) ist. demzufolge wäre der Motor bei bergabfahrt MIT Motorbremse wärmer als beim schubbetrieb OHNE Staudruck...
der Hubkolbenmotor wandelt die chemische Energie (Sprit) in Abgas-Wärme, Kühlwasser (oder Lärm), Strahlungswärme und mechanische Energie. Die mechanische Energie treibt dich den Berg hoch und wird bergab wieder frei. Im Schiebebetrieb, egal olb mit oder ohne Motorbremse wird nur letztere wieder in Wärme gewandelt. Dabei teilt sich die dann wiederum in die vorgenannten Verlust-Arten anteilig um.
Um die Größenordnung einzuschätzen, bei 100KW Vortriebsleistung entstehen die gleichen Anteile im Abgas und Kühlwärme, (1/3 : 1/3 : 1/3). Bergab werden nur die 100KW mechanische Leistung in dann hälftig Kühl und Abgaswärme gewandelt, sprich jeweils 50KW, Reibungs- und Abstrahlwärme sowie Nebenverbraucher der Einfachheit mal unberücksichtigt. Anders gesagt, statt 200KW Heizleistung stehen dann nur 100KW an, das Teil kühlt dementsprechend aus.
Was die Magieren betrifft, halte ich die Vermeidungstheorie für falsch. Bei jedem Berabfahren kühlt der Motor entsprechend aus. Ich glaube kaum, dass die Brummi-Fahrer in den Kasseler Bergen, Spessart oder Alpen deshalb nicht berabgefahren sind oder z.B. am Elzer Berg unten deshalb nicht aufs Pedal gestiegen sind. Da waren deutlich mehr und länger unterwegs wie heute die fünf Womo-Kappitäne. Nach der oben aufgeführten Abkühltheorie (oder Schadentheorie) wären die Schrauberbuden bis zun Ortseingang mit wartenden Schadfahrzeugen vollgeparkt gewesen, daran kann ich mich aber nicht erinnern. Unter solchen Voraussetzungen wären die Deutschen Bullen am Markt unverkäuflich gewesen.
Die Motortemperatur sinkt zwar, der Motor friert aber sicherlich nicht ein. Der Wärmeeintrag dürfte aber deutlich über dem Leerlaufniveau liegen.
Gruß Helmut

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#46 Beitrag von Frank_404s » 2019-01-22 12:53:00

hallo Helmut,
wenn ich Dich richtig verstehe betrachten wir 2 Unterschiedliche Sachverhalte.

Ich vergleiche die Bergabfahrt MIT Motorbremse mit der Bergabfahrt OHNE Motorbremse.
Ein Beispiel:
Ich fahre mit meinem LKW 2 mal den gleichen Berg hinunter.
Einmal benutze ich die Betriebsbremse und wandle Bewegungsenergie in wärme (Bremstrommeln) um.
Das zweite mal benutze ich die Motor - Staudruckbremse anstelle der Betriebsbremse. Die Trommeln bleiben Kalt - der Motor "verbrät" die Bewegungsenergie - also müsste im 2. Fall der Motor MIT Motorbremseneinsatz etwas wärmer sein als im ersten Fall.

Du vergleichst Die Bergabfahrt mit der Bergauffahrt - das der Antriebsstrang bei Berabfahrt kühler sein sollte (trotz Motorbremse) als bei der Berauffahrt ist unbestritten - denke ich...

Grüße,
Frank

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#47 Beitrag von Joachim » 2019-01-22 16:22:21

Auch Interessant
Googelt mal unter "Kolbenschäden-erkennen und beheben MS motorservice"
Punkt 3.4.4

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#48 Beitrag von husky240 » 2019-01-22 17:09:58

Hoi liebe Leut,

ein kleines Beispiel aus der „Praxis“:
Bei mir arbeitet ein luftgekühlter Deutz 913 mit Abgasthermostat für das Gebläse. Ich bin viel im Schwarzwald und dem Allgäu unterwegs und nutze die Staudruckbremse oft und lang… geht auch gar nicht anders! Für eine ordentliche Bremswirkung muss natürlich der Gang und damit die Motordrehzahl stimmen. Im Vergleich zum Retarder ist das allerdings ein Witz und ich bin auf einen langsamen Gang angewiesen. Ich habe eine nachgerüstete Öltemperaturanzeige welche nahe am Filter misst und da tut sich nicht viel. Mir ist schon klar, dass so etwas recht träge ist aber nach zB einer halben Stunde bergab sieht alles ganz normal aus. Die Temperatur pendelt sich in etwa so ein, als ob ich mit 60 auf ebener Strecke dahin bummel

Bei Deutz Traktoren (auch bei unsrem Agroextra schon passiert… mit 4 Zylinder Deutz 913… Thermostatgeregelt) geht manchmal der Motor fest wenn zB beim mähen morgens die kalte Maschine sofort mit beiden Zapfwellen und voller Leistung ran muss… macht man ja auch eigentlich nicht, aber… naja... Wenn der Motor warm ist und der Traktor zB im Wald viel im Leerlauf vor der Winde läuft gibt es die Probleme bei sofortiger Belastung nicht. Es bleibt alles warm genug/ kann sich nicht unterschiedlich schnell ausdehnen… ich denke nicht, dass der Motor bei bergab Fahrten (vor allem wenn der Motor ordentlich bremsen muss) kälter wird als im Leerlauf.

Früher gab es oft/ nur starre Lüfter und Staudruckbremsen… Kassler Berge und den Irschenberg gibts auch nicht erst seit gestern… wenn es früher den Schwerlastverkehr ausgehalten hat, wird es auch bei uns Hobby Fahrern funktionieren. Das Ganze ist doch millionenfach bewährt. Der Abgasthermostat ist beim Deutz sicher eine sinnvolle Entwicklung, damit die Temperatur der Zylinderköpfe nicht so sehr schwankt. Deutz hat sich auf das stärkere Schwanken ja auch konstruktiv eingerichtet…

Nullförderung hin oder her, die Kompression allein erzeugt doch schon genug Wärme… 700 Grad bei 30bar… reicht doch…


Gruß vom Nils
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#49 Beitrag von JoSuPa » 2019-01-24 0:38:09

@ Helmut
Könnte ich die sätze auf D besser formulieren hätte ich genau so geschrieben wie du es gemacht hast, leider fehlt mir dazu der wortschatz wie auch die korrekte formulierung. :(
Abgesehen davon ob die motortemperatur nun bergab etwas mehr oder etwas weniger stark sinkt mit oder ohne die staudruckbremse, ist es mit sicherheit besser in allererster prioritaet versuchen die temperatur der radbremsen so tief wie möglich zu halten. Dies ist massgebend für die sicherheit. Wenn ich hier in der CH einen Pass runterfahre, ziehe ich die motorbremse ohne bedenken auf der gesamten strecke, auch 15km lang. Aber mit der fussbremse kann und darf ich nicht 15km abbremsen. Einen schaden an einem motor , herbeigeführt durch den einsatz der staudruckbremse habe ich noch nie gesehen, beschaeftige mich aber immerhin seit 40 jahren mit reparaturen an LKW's und habe in dieser zeit doch diverse überhitzte ,verzogene, und sogar verbrannte bremsen ausgetauscht.
Wenn ich die diverse beitraege richtig verstanden habe, so schreiben doch fast alle mehr oder weniger in die gleiche richtung, einfach verschieden formuliert oder von einem anderen blickwinkel betrachtet. :angel:
Wichtig scheint mir noch den folgenden zusatz : gilt alles nur für motoren um euro O. Bei neueren motoren, finden wir technische einrichtungen welche die funktion haben die temperatur im brennraum nicht schwanken zu lassen.
Gruss John

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#50 Beitrag von Frank_404s » 2019-01-25 11:51:03

JoSuPa hat geschrieben:
2019-01-24 0:38:09
Abgesehen davon ob die motortemperatur nun bergab etwas mehr oder etwas weniger stark sinkt mit oder ohne die staudruckbremse, ist es mit sicherheit besser in allererster prioritaet versuchen die temperatur der radbremsen so tief wie möglich zu halten.
Das sehe ich ganz genau so.
Mein ex BW Unimog 1300L hatte (noch) keine Motorbremse (ich hatte die Klappe schon liegen aber noch nicht eingebaut).
Die Temperaturen an den Radnaben / Bremsen waren nach Bergabpassagen beachtlich!! Mit diesem Fahrzeug bin ich dann zB Passtraßen deutlich langsamer beragab gefahren als bergauf.

Auch wenn die Motorbremse am 1222 nicht die Wirkung hat wie ein Retarder ist das eine super Sache. Meist reicht die Motorbremse aus um die Geschwindigkeit bergab zu halten. Die Betriebsbremse wird wenn nötig nur kurzzeitig zur Hilfe genommen...

Grüße,
Frank

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#51 Beitrag von husky240 » 2019-02-06 10:46:33

Hier noch ein kleines Experiment mit einem Opel Corsa bei dem der Auspuff blockiert wird... macht ca 4bar:

https://youtu.be/xQM5q-LgjuQ


Gruß vom Nils
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#52 Beitrag von ud68 » 2019-02-06 13:33:00

brummiwomo hat geschrieben:
2019-01-18 14:51:10
weiss jemand was hier für Dichtungen gemeint sind?

Aus "Last und Kraft" 1/2019


20190118_135014.jpg
Hier werden ja mal ganz viele technisch unterschiedliche Systeme in einer Suppenschüssel kräftig durchgerührt. :ninja: :sick:
Korrekt wurde festgestellt: es gibt unterschiedliche System von Auspuffklappen, Einspritzpumpen und deren Regelungen.

Vielleicht kann der TE uns mal schreiben, über welches Auto in o.g. LuK berichtet wurde - ich hab die nämlich nicht.

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#53 Beitrag von brummiwomo » 2019-02-06 13:58:32

Da ging es wohl um eine MAN 19.321 SZM. Bj ca 1981.

Anbei der gesamte Absatz
20190206_125713.jpg

edit: warum das Bild auf der Seite liegt? Keine Ahnung.
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#54 Beitrag von JoSuPa » 2019-02-07 0:36:09

Die demo mit dem Opel finde ich interessant. Hauptsaechlich weil hier gut sichtbar ist dass der auspuffdruck mit geschlossener Klappe sofort auf einen gewissen wert geht- dann aber auch dort bleibt. Bei , in diesem fall 4 bar, ist das maximum erreicht und folgende "pump-aktionen" der kolben gehen ins leere.
Die aussage des LKW-fahrer hingegen , wie im auszug des magazins formuliert, ist aber bedenklich. Er hat zwar eine motorbremse, braucht sie aber nicht, aus angst eine dichtung zu beschaedigen. Er zieht es vor die bremsscheiben oder bremstrommeln zu überhitzen, im schlimmsten fall landet er im strassengraben= hat sein auto zu schrott gefahren aber die auspuffdichtung waere dann noch intakt :wack:
Ich staune auch immer wieder wie lange und hartnaeckig gewisse stammtisch-weisheiten überleben, wahrscheinlich sehen diese leute auch noch defekte auspuffdichtungen dort wo schon seit 20 jahren keine mehr verwendet werden.
Gruss John

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#55 Beitrag von Bernhard G. » 2019-02-07 16:28:03

JoSuPa hat geschrieben:
2019-02-07 0:36:09
Ich staune auch immer wieder wie lange und hartnaeckig gewisse stammtisch-weisheiten überleben, wahrscheinlich sehen diese leute auch noch defekte auspuffdichtungen dort wo schon seit 20 jahren keine mehr verwendet werden.
Mein Opa hatte seinen (LKW)-Führerschein noch bei der Wehrmacht gemacht. Damals war Stromsparen angesagt. Das hat er beibehalten. Heckscheibenheizung war tabu. Der ist immer schon ganz nervös geworden wenn das Gebläse mehr als eine Minute lief. Lieber nach Erinnerung fahren ... :joke:

JoSuPa
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#56 Beitrag von JoSuPa » 2019-02-07 23:04:34

@Bernhard
Ich weiss ja nicht von welcher zeit an dein Opa im strassenverkehr war, aber stromsparen war bis in die fünfziger jahre auch wirklich notwendig. Luxus wie heute war einerseits nicht vorhanden rein technisch gesehen oder wenn, dann eben nicht so wichtig: in einer kalten kabine musste sich der fahrer halt eine decke über die füsse legen. Diverse fahrzeuge hatten scheibenwischer- motoren welche nicht elektrisch sondern mit vakuum funktionierten, eben um strom zu sparen welcher nötig war um die batterie wieder aufzuladen. Der stromverbrauch eines anlassers war ja nicht geringer als bei einem heutigen fahrzeug, eher mehr, aber die Lima lieferte 3mal weniger strom und nur ab einer gewissen drehzahl, darunter fuhr man eben auf "verbrauch" (Batterie) Den motor am tag danach starten zu wollen war dann umso schwieriger : der anlasser frass der zündspule den strom "von der spule" und mit jeder umdrehung verschlechterten sich die hoffnung das er ansprang. Die besten chancen hatten Die mit einer vollen batterie, d.h. genügend power für den anlasser und noch etwas für die zündspule. Beim diesel-motor war es einfach in der umgekehrter reihenfolge( und ohne zündspule) aber die vorglühkerzen frassen dem anlasser den strom weg.
Gruss John

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#57 Beitrag von JoSuPa » 2019-02-07 23:07:05

...ich wollte damit eigentlich sagen das dein Opa schon recht hatte, für in seiner zeit zumindest.

Bernhard G.
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#58 Beitrag von Bernhard G. » 2019-02-09 16:50:06

JoSuPa hat geschrieben:
2019-02-07 23:04:34
@Bernhard
Ich weiss ja nicht von welcher zeit an dein Opa im strassenverkehr war, aber stromsparen war bis in die fünfziger jahre auch wirklich notwendig.
Bis Mitte der 1990er. Bei seinen ersten Autos nach dem Krieg war das sicher notwendig. Nur hat er das bis zu Schluß gemacht, mit beschlagener und vereister Scheibe im Winter Blindflug zu machen, weil er Angst hatte, die elektrische Anlage zu überlasten.

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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#59 Beitrag von JoSuPa » 2019-02-10 0:38:31

Schade. Die einen sparen zu viel und andere verschwenden ohne rücksicht, (nicht nur beim Lima-strom )

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Swalley
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Re: Motorbremse führt zu Schäden an Dichtungen ?

#60 Beitrag von Swalley » 2019-02-10 11:23:08

Mittlerweile zwar OT, aber genau deswegen bau ich mir mittlerweile in Fahrzeugen Voltmeter ins Armaturenbrett, dann sieht man direkt wenn's mal bergab geht.
Kost auch nichts und fällt kaum auf so ein kleines digitales...
Gruß,
Fred
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