Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

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Gordie
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Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#1 Beitrag von Gordie » 2018-02-19 10:57:05

Ein dicker Draht hatte sich am Differential,um die Kardanwelle gespuhlt und dort die Dichtung zerstört.
Da Hilfe im sandigen Outback nicht zu erwarten war, musste damit mehr als 300 km weiter gefahren werden und immer wieder öl nachgekippt werden.
Nun ist die Dichtung repariert, aber die lange Fahrt ist nicht ohne Folgen geblieben. Im Differential ist nun zuviel Spiel. Man hört und merkt beim fahren nichts davon.

Was bedeutet zuviel Spiel? Wie lange kann man damit fahren und was ist wenn die Hinterachse kompelt den Geist aufgibt? Kann man dann nur mit Vorderradantrieb weiter fahren wenn man die Steckachsen entfernen würde?


Beim Fahrzeug handelt es sich um den Toyota Landcruiser, von unseren Sohn, der damit derzeit eine sehr Abenteuerliche Tour durch die abgelegensten Regionen Westaustralien macht.


Gruss derzeit aus Ostaustralien

sico
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#2 Beitrag von sico » 2018-02-19 11:51:59

Wenn es sich um Spiel im sog. Halslager handelt, dann kann man das nachstellen.
Zur Spieleinstellung hat diese Lagerung bei den Toyotas eine Distanzhülse, die beim Einstellen des Lagerspiels eine Art Stauchung erfährt.
Am besten mal in einer Toyota-Werkstatt vorsprechen. Die wissen das, wie das gemacht wird.

mfg
Sico

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Freddy
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#3 Beitrag von Freddy » 2018-02-19 12:21:16

Moin,

das ist insgesamt eine Scheißsituation, wenn der Toy eine Stauchhülse hat dann reguliert diese die Spielfreiheit bei der korrekten Lagespannung.
Die Lagerspannung erfühlst du am Wiederstand den das Kegelrad macht wenn du es händisch durchdrechst. diese sollte einen sanften Drehwiederstand machen vergleichbar mit einem Radlager. (Hierzu muss das Diff eigenmtlich ausgebaut sein, weil es sonst mitdreht).

Wichtig ist dabei, dass die Stachhülse nur ein mal verwendet werden kann und man nicht "zurück" drehen kann wenns zu fest ist (weil dann die hülse kollabiert ist und das lager wieder spiel bekommt).
Deshalb bestellt man sich immer 2-3 Hülsen wenn man bei einer Achse Sperren einbaut.

Ihr habt vermutlich den Kardanflansch gelöst um den Siri zu tausch, ja? Dadurch habt ihr die Hülse und somit die Lager entlastet.
Normalerweise misst man bei dieser Reperatur das Drehmoment mit dem der Flansch fest war und schraubt das ganze mit dem gleichen Drehmoment +2-3NM wieder zusammen und hofft die Lagerspannung getroffen zu haben.

Ich hatte schonmal das gleiche Problem bei der VA meines Jeeps, dort habe ich dann die Mutter Stück für Stück nachgezogen und versucht die Lagerspannung bei eingebautem Diff zu erfühlen. Das lässt sich natürlich nur grob schätzen, da der Wiederstand des Diffkorbs ja auch gefühlt wird.
Ich habe hierzu den Kardanflansch im Zahnflankenspiel des Diffs (also der Berreich zwischen den berührungen der Zähne = ca 1-2° Drehung) hin und her gedreht und versucht ein Optimum aus Spielfreiheit und Spannung zu treffen.

Das Ganze wurde nicht ganz dicht und die Spannung kann auch nicht richtig sein, Aber wie es mit Provisorien so ist... die Achse läuft heute noch.

Viel Erfolg und gute Reise

Freddy

Andreas_211_076
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#4 Beitrag von Andreas_211_076 » 2018-02-20 1:18:47

Hallo,

ein ähnliches Problem hatte ich ebenfalls in Australien mit meinem Landcruiser Troop Carrier irgendwo im Outback zwischen dem Uluru und Alice Springs.
Bei meinem LC hat sich ein Zahn des Kegelrades verabschiedet, Grund war eine unsachgemäßer Reperaturversuch des Vorbesitzers (WDR getauscht). Normalerweise stellt man das Spiel durch korrektes einstellen der Vorspannung duch prüfen des Schleppmomentes ein.

Wenn das hintere Diff streikt: die Steckachsen ziehen, Kardanwelle ausbauen, Allrad einschalten und Freilaufnaben sperren. Ich war erstaunt wie weit ich im Gelänge mit reinem Vorderradantrieb gekommen bin.

Andreas
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Stauchhülse (Spannhülse) LC HA

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Gordie
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#5 Beitrag von Gordie » 2018-02-20 6:55:37

Danke
Sico
Der Vorschlag mit Toyota Werkstatt kann nicht umgesetzt werden. Ersten gibt es im Outback keine und zweitens wird Toyoata immer eine umfassende teure Reparatur machen müssen.

Freddy
klingt alles ziemlich kompliziert. Aber toll zusammengeschrieben. Ich habe das mal an unsern Sohn weiter geleitet.

Andreas.
So hatte ich mir das vorgestellt. Wieviel km bis du so gefahren? Wie hast du das Loch dicht gemacht von der gezogenen Steckachse? Oder einfach offen lassen?

Es geht für ihn über den Gunbarel weiter.

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Freddy
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#6 Beitrag von Freddy » 2018-02-20 8:03:42

Moin,

bei Andreas sieht man deutlich die Konsequenzen wenn die Vorspannung vs Lagerspiel nicht stimmen. Durch das erhöhte Spiel Drücken sich Kegel und Teller auseinander und die Zähne tragen nicht mehr auf der vorgesehenen Fläche sondern zu weit außen und brechen ab oder sprengen den Achskörper.

Links im Bild sieht man die Stachhülse oder "Collaps spacer" diese hat beim Toy erstaunlich viel "Luft" zu kollabieren, es könnte allso passen, dass er durch suksessives nachziehen der Zentralmutter noch in den spielfreien Bereich kommt.
Das Problem wird sein, dass er viele hundert NM zum Anziehen brauchen wird, gegenhalten muss er am Kardanflansch weil er sonst natürlich das Diff belastet.

Viel erfolg weiterhin!

Freddy

Andreas_211_076
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#7 Beitrag von Andreas_211_076 » 2018-02-20 14:53:31

Hallo Gordie,

da ich das Diff ausgebaut hatte und mir das Kegelrad entgegenfiel habe ich diese Öffnung mit einer passenden, abgeschnittenen Plaste- Flasche verschlossen und die Radnaben hinten hatte ich mit Folie und Klebeband abgedichtet. Wasserdurchfahrten wären so nicht möglich gewesen, die standen aber auch nicht an. Die Ausrüstung des Fahrzeuges mit Werkzeug und sonstigen Hilfsmittelchen war praktisch nicht vorhanden, was das Lösen der Schrauben des Gelenkwellen- Flansches zur langwierigen Sache machte (Imho braucht man einen 14er Ringschlüssel, besser noch eine 14 Stecknuss mit 6-Kant (kein 12- Kant).
Ich bin damals bis nach Alice Springs gefahren (ca. 250km, aber auf der 3 / 6 / 2, mit Abstechern), dort habe ich mir auf dem Schrottplatz ein gebrauchtes Diff. gekauft. Wie viel es genau gekostet hat weiß ich nicht mehr, irgendwas um die 200 bis 300 AUD. Im Zubehör- Teilehandel hätte ein neues Nachbau- Diff ca. 1500 AUD gekostet. Bei einem anderen Diff auf die Übersetzug und Diff- Sperren achten.
Wenn es interessiert hier nachzulesen: https://andreasdownunder.wordpress.com/ ... alschaden/

Mit reinem Frontantrieb bin ich schon vorsichtiger gefahren, habe die Temperatur des vorderen Diff anfangs kontolliert, was aber völlig problemlos war. Abstecher von der Strecke zur Übernachtungsplatzsuche konnte ich mir aber nicht verkneifen. Schließlich wollte ich ja auch sehen wie weit man mit reinem Frontantrieb kommt :angel:

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Ulf H
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Re: Mit der Kardanwelle alten Draht aufgespuhlt.

#8 Beitrag von Ulf H » 2018-02-20 23:07:38

... Spraydose mit Blechschere aufgeschnitten, ins Loch gestopft, mit Silikon abgedichtet und mit Spanngurt gesichert hielt etliche km und auch Wasserdurchfahrten ...

... einfaches Sanitärsilikon ist mittlerweile mein bevorzugter Unterwegswashinpfuschabdichtungsimprovisationsstoff ... klebt ausreichend und geht leichter wieder ab als Sikaflex ... auserdem wesentlich einfacher zu beschaffen ...

Gruss Ulf
Ein Problem, welches mit Bordmitteln zu beheben ist, ist keines !!!

Hanomag, der mit dem vollnussigen Kaltlaufsound !!

Sisu (finnisch) die positivste Umschreibung für Dickschädel.

Da ist man ständig dran die Karren zu verbessern, schlechter werden sie ganz von alleine.

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