Island - ein Update von vor Ort

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Stanecker
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Island - ein Update von vor Ort

#1 Beitrag von Stanecker » 2020-11-10 23:10:38

Wir sind nun schon seit Ende September in Island und ich habe mir gedacht, nach all den positiven Dingen, die ich aus dem Forum schon habe mitnehmen können, einfach mal, besonders aufgrund der pandemiebedingten Reiseschwierigkeiten, zu berichten und damit etwas zurückgeben zu können. In vielen Posts geht es ja um den Mangel an Zielen, die Problematik mit Quarantäne usw. Vielleicht hilft dieser Status ja dem einen oder anderen und ja, ich weiß dass viele von euch schon hier waren, nur eben die meisten wohl nicht zu Coronazeiten. Vorweg und ganz ehrlich: Island war Plan C, eigentlich haben wir von der Panamericana oder Australien geträumt. Ging nicht, ist halt so, zu Hause bleiben ging nach der langen Vorbereitung aber auch nicht... also Island. Da wollten wir sowieso mal hin, nur eben jetzt nicht und besonders nicht gen Winter.

Wir haben einen stopover auf den Färöern gemacht, auf Empfehlung nur eine Woche, was eigentlich zu kurz war, ebenfalls ein richtig tolles Ziel, nein, kein offroad.

Auf der Fähre von Färöer nach Island waren wir dann mit 2(!!!) Touristenfahrzeugen und etwas Cargo, wir hätten im Bauch des Schiffes 8-ten fahren können. So krass, wo man Aufnahmen aus Reiseberichten kennt, auf denen kein Millimeter Luft ist.

Was ich sagen will: wenn ihr Hummeln im Hintern habt und loswollt und Island irgendwie auf euren Plan passt - macht es. Wir sind schockverliebt und das Reisen ist hier gerade total toll. Wo wir auch hinkommen ist alles leer, ok, hat teilweise auch den Nachteil, das vieles zu ist, aber das eher saisonbedingt. Wir waren vor ein paar Tagen auf einem riesigen Parkplatz einer der Top-Attraktionen als einziges Fahrzeug und lesen mit einem Schmunzeln einen Kommentar auf Tripadvisor, der besagt, dass der Parkplatz für die vielen Touristen doch etwas zu klein sei.

Stellplätze sind überhaupt kein Problem, es schert sich auch niemand darum, weil keine Touristen da sind. Auf Campingplätzen waren wir seit der Quarantäne immer das einzige Fahrzeug. Ver- und Entsorgung ist nie ein Problem.

Die Jahreszeit beschert einem den einen oder anderen Ausfalltag durch schlechtes Wetter, aber hat man das im Sommer nicht auch? Ich hatte größte Bedenken hinsichtlich Kälte, Dunkelheit und Regen/Wind. Alles davon erleben wir (ok, weniger Wind wäre toll), aber es tut der Freude, dieses Land zu erleben und gerade nicht zu Hause zu sein keinen Abbruch.

Die Quarantäne besteht aus 5 Tagen und 2 Tests und ist hervorragend organisiert, es geht alles über die lokale Corona-App. Während der Quarantäne darf man keine Gebäude betreten und muss Abstand halten, muss erreichbar sein, darf sich aber tagsüber vollkommen frei bewegen. Selbst Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug sind drin. So ein Quarantäne-Tag, an dem man zu einem Wasserfall fährt und dort wandert ist irgendwie viel harmloser als man es sich vorher zu Hause in trister Langeweile dort ausharrend ausgemalt hat. Die extra dafür heruntergeladenen Filme ruhen fast alle noch unangetastet auf der Festplatte. Man braucht für die Zeit zwischen den Tests zwingend eine feste Adresse, was aber wie in unserem Fall auch ein Campingplatz sein kann. Das eigene Fahrzeug muss dann aber über Dusche und WC verfügen und autark sein. Wer das nicht hat greift auf eines der vielen sowieso leer stehenden Appartements zurück.

Corona an sich ist schon ein Thema hier, aber sehr milde und nicht vergleichbar mit dem Zustand, den wir von der Familie, Freunden oder den Nachrichten aus Deutschland mitbekommen. Die Vielzahl der Fälle (aktuell rund 1000) konzentriert sich auf den Raum Reykjavik, im dünn besiedelten Rest des Landes haben wir davon wenig gespürt - wie auch wenn man kaum einen Menschen sieht. Sozial distancing at it‘s best würde ich sagen. Wir waren im Hochland (Askia, Vatnajökull), sind viele Stunden gefahren und haben keinen einzigen Menschen, auf vielen Strecken nicht einmal Spuren gesehen. Ich wüsste nicht, das schon mal in meinem Leben gehabt zu haben. Selbst im Winter im tiefsten Lappland ist mir immer noch das eine oder andere Fahrzeug begegnet. Ich finde das riesig.

So, genug der Werbetrommel, irgendwie war ich das diesem tollen Land in der aktuell doofen Zeit schuldig. Noch eine wichtige Info für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, das eigene Fahrzeug herzubringen: die Norröna von Smyril-Line ab Hirtshals (Dänemark) ist der einzige Weg und macht kurz vor Weihnachten ihre letzte Tour und geht dann bis März zur Renovierung in eine Werft. In der Zeit geht nichts.

Beste Grüße aus Island, safe travel und bleibt gesund
Tobias
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#2 Beitrag von LutzB » 2020-11-11 11:45:40

Stanecker hat geschrieben:
2020-11-10 23:10:38
.........eine wichtige Info für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, das eigene Fahrzeug herzubringen: die Norröna von Smyril-Line ab Hirtshals (Dänemark) ist der einzige Weg und macht kurz vor Weihnachten ihre letzte Tour und geht dann bis März zur Renovierung in eine Werft. In der Zeit geht nichts.
Das stimmt nicht ganz. Mit Samskip und Eimskip kann unabhängig von der Fähre über diverse Nordseehäfen verschifft werden.

Lutz
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Mit den Menschen ist es wie mit den Autos, Laster sind schwer zu bremsen.(Heinz Erhardt)

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#3 Beitrag von Cheldon » 2020-11-11 17:56:36

Wie habt ihr das mit den Lebensmitteln gemacht? Mitgenommen? Trotz Quarantäne eingekauft?
Wir waren im Juli/August auf der Insel. Das Wetter war auch sehr durchwachsen...
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#4 Beitrag von Stanecker » 2020-11-11 20:45:32

die anderen Verschiffungsmöglichkeiten kenne ich nicht... ist dann aber kein RoRo, sondern Container, oder? Wir passen mit 3,80 m Höhe nicht in Container.

Bezgl. der Quarantäne waren wir echt total brav und folgsam, ich habe Berichte gelesen dass die Isländer konsequent ausweisen, wenn man gegen die Quarantäne verstößt. Das Risiko wollten wir in Anbetracht der längeren Zeit, die wir bleiben wollen nicht eingehen. Es gibt eine Sonderregelung für Produkte von den Färöern, wir haben also dort für die erste Woche eingekauft. Selbst ohne stopover darf man auf Färöer von Bord.
Einige Supermärkte in Island in der Nähe der Testcenter haben aber als Alternative gegen Aufpreis einen Lieferservice eingerichtet, und normales „Pizzataxi“ geht immer.
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#5 Beitrag von SvenS » 2020-11-12 13:54:37

Ich hatte größte Bedenken hinsichtlich Kälte, Dunkelheit und Regen/Wind. Alles davon erleben wir (ok, weniger Wind wäre toll), aber es tut der Freude, dieses Land zu erleben und gerade nicht zu Hause zu sein keinen Abbruch.
Dazu muss man aber darauf hinweisen, dass der Oktober der sturmärmste und mildeste Oktober seit 1960 war.
Die Quarantäne besteht aus 5 Tagen und 2 Tests und ist hervorragend organisiert, es geht alles über die lokale Corona-App. Während der Quarantäne darf man keine Gebäude betreten und muss Abstand halten, muss erreichbar sein, darf sich aber tagsüber vollkommen frei bewegen. Selbst Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug sind drin. So ein Quarantäne-Tag, an dem man zu einem Wasserfall fährt und dort wandert ist irgendwie viel harmloser als man es sich vorher zu Hause in trister Langeweile dort ausharrend ausgemalt hat.
Es ist ausdrücklich verboten während der Quarantäne Ausflugstouren zu unternehmen!!!
Man darf keine Touren mit dem Fahrzeug während der Quarantäne unternehmen und erstrecht keine Sehenswürdigkeiten besuchen.
"Eine unter Quarantäne stehende Person darf den Quarantäneort nicht verlassen und sollte mit möglichst wenigen Personen in Kontakt kommen...
Während der Quarantäne dürfen Sie keine Sehenswürdigkeiten besichtigen und keine langen Strecken zurücklegen, außer wenn es zwischen dem Ankunfts-/Abreiseort an der Grenze und dem Quarantäneort notwendig ist."
Quelle: www.landlaeknir.is und www.covid.is
die anderen Verschiffungsmöglichkeiten kenne ich nicht... ist dann aber kein RoRo, sondern Container, oder? Wir passen mit 3,80 m Höhe nicht in Container.
Wir verschiffen Fahrzeuge aller Größen, 3,80m Höhe sind überhaupt kein Problem.

Hier taut gerade der Schnee und ein Sturm ist im Anmarsch, aktuell sind es 12 m/s mit Böen bis 17m/s, es soll aber ab dem späten Mittag deutlich stärker werden.
Wenn´s um Island geht, einfach bei mir fragen.

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#6 Beitrag von Thomasito » 2020-11-13 16:04:08

Hallo Tobias

Ein sehr interessanter und wie ich finde, schöner Beitrag. Wir sind ebenfalls begeisterte Island-Fahrer und natürlich haben wir uns auch mit dem Gedanken beschäftigt, das Land mal so zu sehen.
Uns waren die potentiellen Unannehmlichkeiten und die Reisebeschränkungen dann etwas zu bedenklich und wir konnten das nicht mit "Urlaub" verbinden.
Aber dann schließlich vor Ort zu sein und der Zivilisation etwas den Rücken zu kehren, hätte uns schon angesprochen.
Vielleicht bieten sich da gar nicht mehr so viele Möglichkeiten im Leben das Land mal so leer und damit auch irgendwie ursprünglich zu erleben.
Die in den letzten Jahren bis jenseits der Überfüllung wachsenden Touristenzahlen, haben das Land und die Leute verändert.
Genießt diese einzigartige und höchst seltene Perspektive auf eines der schönsten Länder dieser Welt.

Sven hätte vielleicht passenderweise erwähnen sollen, dass es vor allem touristisch gesehen der mildeste Oktober seit 1960 war....
Und was die Quarantäne angeht, so ist das inhaltlich sicher richtig, nur Vernunft und Augenmaß sollten da nicht fehlen.
Es geht doch nur darum Ansteckungen zu vermeiden und nicht darum Gesetze möglichst hart zu interpretieren. Aber wir Deutschen tun uns da immer etwas schwer den Unterschied zu erkennen.
Mit der selben Denke müsste man alle Rosamunde-Pilcher-Filme verbieten, denn wenn in Cornwall deutsch gesprochen wird, kann das schließlich nur bedeuten, dass Hitler den Krieg gewonnen hat.
"Wenn keiner da ist, kann sich auch keiner anstecken", das ist doch logisch und ich glaube ihr habt das im Griff.

Da ihr eine Menge Zeit mintbringt, macht es aus meiner Sicht keinen Sinn das Auto zu separat zu verschiffen. Das geht zwar, aber da ist auch ne Menge Stress dabei. Mit den Flugreisen und der jeweiligen Autoabholung und Autoablieferung ist das ein ganz schönes Hin und Her.
Das ist für Leute, die Tage sparen wollen oder müssen.
Alleine diese Zeit zur Verfügung zu haben ist Luxus, ein Privileg.

Gruß

Thomas
Zuletzt geändert von Thomasito am 2020-11-13 16:56:58, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#7 Beitrag von cruise-the-planet » 2020-11-13 16:35:48

SvenS hat geschrieben:
2020-11-12 13:54:37
Es ist ausdrücklich verboten während der Quarantäne Ausflugstouren zu unternehmen!!!
Man darf keine Touren mit dem Fahrzeug während der Quarantäne unternehmen und erstrecht keine Sehenswürdigkeiten besuchen.
"Eine unter Quarantäne stehende Person darf den Quarantäneort nicht verlassen und sollte mit möglichst wenigen Personen in Kontakt kommen...
Während der Quarantäne dürfen Sie keine Sehenswürdigkeiten besichtigen und keine langen Strecken zurücklegen, außer wenn es zwischen dem Ankunfts-/Abreiseort an der Grenze und dem Quarantäneort notwendig ist."
Quelle: www.landlaeknir.is und www.covid.is
Da steht aber auch:
„dürfen Sie in Gebieten, in denen sich wenige Menschen aufhalten, spazieren gehen. Sie müssen jedoch mindestens 1 Meter Abstand zu anderen Fußgängern einhalten.“

Ist jetzt die Besichtigung des Wasserfalls ein verbotener Ausflug oder ein erlaubter Spaziergang und war die zurückgelegte Strecke verbotenerweise „lang“ oder erlaubterweise „kurz“? Ist der Wasserfall eine „verbotene“ Sehenswürdigkeit oder ein erlaubter gewöhnlicher Wasserfall?

Also ganz so absolut dass dafür drei Ausrufezeichen gerechtfertigt sind würde ich das nicht sehen, da ist sehr viel Ermessensspielraum drin.

Lg
Lukas

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#8 Beitrag von SvenS » 2020-11-14 20:42:26

Es ist ausdrücklich verboten mit dem Auto zu fahren, mit Ausnahme von direkten Fahrten vom Einreisepunkt zur Unterkunft und für den 2. Test zum Testzentrum und zurück.
Spaziergänge dürfen nur in der unmittelbaren Umgebung der Quarantäneunterkunft unternommen werden wenn dort nur wenige andere Personen unterwegs sind.

"During quarantine, you must not go for a drive, unless when going from point of entry to your final place of quarantine, or when going to the second screening, may not visit tourist attractions and may not drive long distances, except if necessary between the point of entry/exit at the border and the site of quarantine. " Quelle: https://www.covid.is/categories/tourist ... to-iceland

Bei Zuwiderhandlungen droht übrigens eine Strafe von 200.000,- ISK pro Person, die in den letzten Monaten übrigens bereits mehrfach von Touristen kassiert wurden die Touren mit dem Auto unternommen hatten.
Wenn´s um Island geht, einfach bei mir fragen.

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#9 Beitrag von cruise-the-planet » 2020-11-15 0:40:13

Lies doch mal die deutsche Version durch:
https://www.covid.is/de/reisen-nach-island

Da sind die Regelungen deutlich weniger strikt als in der von dir verlinkten Version. In der deutschen Version sind Fahrten mit dem privaten Fahrzeug ausdrücklich erlaubt. Nur „lange“ Fahrten sind auch in der deutschen Fassung verboten. Aber wer definiert „lang“?

Wie schon früher gesagt, so ganz absolut kann man das aufgrund der Widersprüche nicht sehen. Gesunden Menschenverstand walten lassen!

Lg
Lukas

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#10 Beitrag von Wilmaaa » 2020-11-15 9:23:36

Ich erinnere mich an Diskussionen im März darüber, ob Motorradausflüge "solo" denn möglich oder sinnvoll seien und ein Argument war, dass man im Falle eines Unfalls Rettungskräfte und Material bindet.
Vielleicht steckt eine solche Überlegung auch hinter diesen Regeln.

Natürlich steckt bei Übersetzungen auch einiges im Detail oder geht schlicht verloren. Bedenkt bitte auch, dass das Konzept des "gesunden Menschenverstands" eine kulturelle Prägung hat und dass der Verweis darauf manchmal zusätzliche Probleme schafft als die vorhandenen zu lösen.

Sven lebt vor Ort und dürfte auch den isländischen Originaltext kennen bzw auch Einblick haben, wie eine Formulierung gemeint sein könnte. Von diesem Wissen könnte man profitieren.
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#11 Beitrag von SvenS » 2020-11-16 13:39:34

Ich erinnere mich an Diskussionen im März darüber, ob Motorradausflüge "solo" denn möglich oder sinnvoll seien und ein Argument war, dass man im Falle eines Unfalls Rettungskräfte und Material bindet.
Vielleicht steckt eine solche Überlegung auch hinter diesen Regeln.
So ist es, wir hatten den Fall das sowohl eine ganze Polizeistation wie auch mehrere Sanitäter in Isolation mussten die sich um Personen gekümmert hatten die die Quarantäneregel nicht eingehalten hatten und bei denen sich herausstellte das sie infiziert waren.
Dieses Personal fehlte dann hier Vorort für Einsätze.

Letzte Woche ist eine junge Deutsche auf dem Weg zu ihrer Quarantäneunterkunft verunfallt, auch hier mussten die beteiligten Rettungskräfte für mehrere Tage in Quarantäne bis feststand, dass die Verunfalte nicht infiziert gewesen war.

Daher will man mit dem Verbot von Ausflügen das Risiko minimieren, dass Einsatzkräfte und Ersthelfer in Quarantäne müssen oder sich sogar infizieren.

Die unpräzise deutsche Übersetzung auf der Webseite wurde schon mehrfach bemängelt,auf dem Faltblatt das bei der Einreise ausgehändigt wird ist die Formulierung aber präzis.
https://www.landlaeknir.is/servlet/file ... EN-Net.pdf
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#12 Beitrag von Stanecker » 2020-11-17 11:35:43

Ich schalte mich nochmal ein, wobei es mir fern liegt, eine Corona-Diskussion von Zaun brechen zu wollen. Ich wollte über das Schöne Islands schreiben und mit Nichten, das mal wieder ein Post in diesem unsäglichen Thema endet.
Wenn die Fähre anlegt kommt ein Team an Bord, welches den ersten Test vornimmt, wie schon mal beschrieben ist das super organisiert, man hat sich im Vorfeld einen Barcode organisiert, alles geht recht zügig. Direkt nach dem Test geht man zu einem Gespräch mit einem Beamten, der einem in voller Uniform und respekteinflößend die Regeln, die man eigentlich schon kennt, nochmal erläutert und Fragen beantwortet. Wir haben genau dieses Ausflugsthema angesprochen. Seine Antwort war sinngemäß, dass es verboten sei, lange Ausfahrten zu unternehmen, aber man sich lokal durchaus maßvoll und mit Vernunft bewegen könne, ebenso wie es in den Folgekommentaren beschrieben wurde. Also nicht den Wasserfall am anderen Ende der Insel besuchen, sondern den am Stadtrand. So haben wir es getan und so war es auch gut. Parallel ist gerade ein spanisches Pärchen hier eingetroffen, die während der Quarantäne Hochlandtouren im Unimog unternehmen und davon auch noch 3 x am Tag auf FB posten, das halte ich ebenso für falsch und daneben... Vernunft und gesunder Menschenverstand sind aktuell wichtig, um sich und andere nicht anzustecken.

Ich fände es toll, wenn es damit mit dem Thema Quarantäne und Corona gut wäre, wir haben es alle verstanden, und ein Herumreiten auf Paragraphen ist wenig zielführend. Offensichtlich sieht das selbst der Officer bei der Immigration so.

Wir sind gerade in Reykjavik angekommen... fast ein Kulturschock nach den Wochen im Norden, so viele Menschen und Autos... wir werden die nächsten 4 Wochen im Süden nun den Weg Richtung Fähre antreten und hoffen, nochmals das Hochland zumindest ankratzen zu können. Dort ist schon recht viel Schnee gefallen.
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#13 Beitrag von SvenS » 2020-11-17 14:08:12

Passt auf wenn ihr in das Hochland fahrt. Momentan liegt zwar für diese Zeit noch extrem wenig Schnee dort, aber die Pisten werden nicht mehr überwacht und gepflegt.
Im Falle eines Falles kann es passieren, dass nur ihr gerettet werden, nicht aber eurer Fahrzeug.
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#14 Beitrag von Stanecker » 2020-12-05 18:38:35

noch ein kleines Update: Island wird erfreulicherweise nicht mehr als Risikoland eingestuft. Die Zahlen sind aktuell bei rund 30 je 100.000. Sogar Frisöre waren zeitweise geschlossen, die Maßnahmen funktionieren hier offensichtlich. Das erleichtert die Rückreise.

Wir sind in den Ostfjorden, das Hochland an sich geht nicht mehr. Wir sind heute an einer Furt gescheitert, die im Sommer wahrscheinlich ganz easy ist.
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#15 Beitrag von landwerk » 2020-12-05 18:52:44

...Wo seid Ihr in den Ostfjorden?

Im Winter hatte ich die Furten flacher in Erinnerung...


Liebe Grüße


oli

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#16 Beitrag von Solarer » 2020-12-05 19:42:40

Danke für den geilen Reisebericht in schwierigen Zeiten.
Ich wünsche dir/ euch unendlich viel Spaß.
Kommt einfach gesund zurück ins gelobte Land, vielleicht gehts hier dann auch wieder besser.

Ich musst leider dieses Jahr auch einige Touren absagen, konnte dafür aber ein paar Tage mit gleichgesinnten in St Peter Ording direkt am Strand verbringen

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#17 Beitrag von LutzB » 2020-12-05 19:56:36

landwerk hat geschrieben:
2020-12-05 18:52:44
Im Winter hatte ich die Furten flacher in Erinnerung...
Im Winter ist die Einfahrt und/oder Ausfahrt der Furt gerne vereist. Dann geht nix mehr.
Und im.Moment ist's ja richtig kalt.

Lutz
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#18 Beitrag von Stanecker » 2020-12-05 23:02:08

Wir sind in Porisdalur, F980... nicht nur die Ein- und Ausfahrten sind vereist, sondern die gesamte Furt und nahezu jeder Wasserfall. Wir hatten richtigen Sturm die Tage davor, eingehend mit einem Temperatursturz.
Ich habe bei Facebook ein Video eingestellt, wer mag #towardsendless
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#19 Beitrag von Ela » 2020-12-06 12:43:36

Auch ich lese Deine Berichte hier supergern :)

Euch weiterhin viele tolle Erlebnisse

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#20 Beitrag von seppr » 2020-12-06 18:51:25

Es soll ja neben mir noch einige andere Zeitgenossen geben, die Facebook meiden, nicht einmal einen Account dort haben.

Solche wohl querdenkenden Mitmenschen dürfen deine Videos dann nicht anschauen ?!

Oder kann man das Problem technisch lösen?

Schöne restliche Reisetage

Sepp

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#21 Beitrag von landwerk » 2020-12-06 23:25:48

Moin,

ein Furt Video habe ich da auf die Schnelle nicht gesehen...
Nur MAN auf verschneitem Weg, oder trockener Straße

Und viele schöne Bilder!

Liebe Grüße



Oli

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#22 Beitrag von landwerk » 2020-12-06 23:33:23

landwerk hat geschrieben:
2012-10-31 13:34:46
Moin....

Die Furten waren häufig gefroren. Manche konnte man einfach auf dem Eis überfahren, in andere ist man eingebrochen. Das haben wir natürlich nur bei bekannt, flachen, kleinen Furten gemacht.

Schön wars.

...........

LG

OLI

...Gefrorene Furten, ich erinnere mich wieder... So war das auch im Herbst 2012... hab ich selber von geschrieben...

Ts, wie man so etwas nur vergessen kann ?


Liebe Grüße

Oli
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#23 Beitrag von Pitmaster » 2020-12-07 0:05:17

seppr hat geschrieben:
2020-12-06 18:51:25
Es soll ja neben mir noch einige andere Zeitgenossen geben, die Facebook meiden, nicht einmal einen Account dort haben.

Solche wohl querdenkenden Mitmenschen dürfen deine Videos dann nicht anschauen ?!

Oder kann man das Problem technisch lösen?

Schöne restliche Reisetage

Sepp

Hallo Sepp,

ich bin auch bekennender Social Media Verweigerer, oder gehört das ALG schon dazu? :D

Gehe auf die Startseite von YouTube und kopier das towardsendless da in die Suchzeile, nach dem Enter wirst Du fündig.

Tolle Bilder, danke fürs Zeigen.

Guido
Meine Vermutung wurde bestätigt, dass ein Auto mit zwei angetriebenen Rädern nur eine Notlösung ist. Walter Röhrl

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#24 Beitrag von Stanecker » 2020-12-07 0:52:07

Oh nein, wie konnte ich nur davon ausgehen, dass das Video dann allgemein zugänglich wäre :angel: große Entschuldigung. Wir haben es auf unserem YouTube-Kanal gerade extra für euch eingestellt.

https://youtu.be/r5jT3AYBB_E

Ich habe heute mit einem Isländer darüber gefachsimpelt. Er meinte, es ist bei meiner Gewichtsklasse wichtig das Eis ab der Einfahrt ständig zu brechen, also immer auf dem Grund zu fahren, auf keinen Fall auf das Eis fahren... denn wenn es nicht hält sitzt man fest, weil man sich dann nur in Fahrzeuggröße ein Loch schafft und es kein vor oder zurück gibt. Denke es war weise, aufzugeben, obwohl man (Mann) das ja nicht gerne macht.

Beste Grüße aus Island
Tobias
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#25 Beitrag von landwerk » 2020-12-07 6:52:47

..Ja, von den Einheimischen kann man viel lernen...


Für alle VA-Sperren-Muffel:

Ab 0:47 bis 0:50 fährt das Auto nicht mehr, weil die Vortriebsenergie am linken Vorderrad verloren geht, was implizert, dass das rechte Vorderrad mehr Bodenhaftung hatte (wenn auf dem Eis auch nur geringfügig).
Und genau das ist manchmal das I-Tüpfelchen an der "Fährt-oder fährt-nicht-Waage" (auch ohne Verschränkungs Passage)

Hab den Bericht nicht ganz gelesen...

...Hattet ihr Spikes auf den Reifen?....

...Sehr schönes und interessantes Video.....

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#26 Beitrag von seppr » 2020-12-07 12:31:00

Hallo Tobias

Dankeschön für Dein Entgegenkommen.

Ich habe noch ein Argument für das Umkehren an dieser Stelle.
Angenommen das Eis trägt erstmal ein paar Meter und Du kommst dann an eine dünnere Stelle, wo das Eis an einer Seite, sagen wir links einbricht. Dann hängt es von der Tiefe des Wassers dort ab, ob Du seitlich nach links umkippst oder nur stecken bleibst.
Der Isländer hat schon Recht. Man darf nur über schon gebrochenes Eis fahren. Mit dem Gewicht hat das eher wenig zu tun, mehr mit der Höhe des Schwerpunkts. Eine flache Flunder kippt nicht so leicht um.

Schöne Reise noch

Sepp

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#27 Beitrag von cruise-the-planet » 2020-12-07 13:46:55

Hätte eine Motorsäge in diesem Fall genützt oder waren ums Eis rum Steine?

Lg
Lukas

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Re: Island - ein Update von vor Ort

#28 Beitrag von SvenS » 2020-12-07 14:04:22

Zum Thema Island im Winter mit dem Wohnmobil bereisen möchte ich ein paar grundlegende Informationen geben.

Island ist auch im Winter mit dem dem Wohnmobil bereisbar, man muss aber ein paar Dinge beachten und willens sein flexibel zu reagieren und Ratschläge von Leuten die sich damit auskennen zu akzeptieren und befolgen.

Normalerweise ist ab Okober mit Schnee und Eis zu rechnen, Winterreifen sind Pflicht und zwischen dem 01.November und dem 15. April dürfen Spikes verwendet werden, allerdings wurde in den letzten Jahren immer von der Polizei eine frühere Nutzung erlaubt, weil die Straßenverhältnisse in einigen Landesteilen bereits winterlich waren. (Die Gesetze werden von Reykavíkern gemacht, die im Winter nie außerhalb der Innenstadt unterwegs sind :angry: )
Wenn ihr im Winter durch Island reisen wollt kann ich auch nur zu Spikes raten, gerade im küstennahen Bereich sind die Straßen (auch die Ringstraße) oft stark verreist. Ein typisches Winterzenario bei uns im Süden ist, dass es mehrere Tage stark friert, dann fängt es an zu schneien und die Temperaturen steigen und es taut, oft verbunden mit Regen, wenn es dann so richtig schön nass ist friert es wieder und durch den noch sehr kalten Boden bildet sich eine solide Eisschicht. Und dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach, durch den gefrorenen Boden taut die Eisschicht auf der Straße nicht ab und mit jedem dieser Zyklen wächst die Eisschicht auf der Straße.

Zusammen mit dem oft starken Wind und den ab Herbst oft starken Stürmen (im vergangenen Winter hatte der Stärkste bei uns 72m/s) ist dieses eine ziemliche Tücke für Wohnmobile und ohne Spikes schieben schon leichte Stürme ein großes Fahrzeug ohne Spikes einfach von der Straße. Große Wohnmobile über 7,5t sollten unbedingt Schneeketten dabei haben, an den meisten Bergpässen gibt es vorher Parkplätze zum anlegen der Ketten.
Die Zufahrtsstraße zu uns hat im Winter meist eine mehrere cm dicke Eisschicht aus sehr festem Eis, dass selbst die Spikes nur leicht ankratzen.

Zum Thema Hochland: Ob Mitte September muss damit gerechnet werden, dass die Hochlandpisten auf den Status Impassable gestellt werden. Das ist aber jedes Jahr anders, dieses Jahr waren kurzzeitig Ende September ein paar Hochlandstrecken für wenige Tage als unpassierbar gestellt worden, ansonsten waren das Hochland diesen Herbst/Frühwinter aufgrund des ungewöhnlich milden Wetters extrem lange befahrbar gewesen.
So wenig Schnee und Stürme hat es in Island in den Monaten Oktober und November seit 60 Jahren nicht mehr gegeben.

Den aktuellen Zustand der Straßen im ganzen Land kann man hier einsehen: http://www.road.is/travel-info/road-con ... tions-map/
Es gibt 3 Straßenzustände die in Bezug auf das Hochland wichtig sind:
  • Grau- No Winterservice:
Diese Strecke wird aktuell nicht überwacht, die Bedingungen können von problemlos bis extrem schwierig variieren. Vor dem Befahren einer solchen Strecke sollte man sich unbedingt vorab bei Einheimischen informieren.
  • Rot - Impassable:
Schwere bis extreme Bedingungen, das Befahren ist auf eigens Risiko mit einem geeignetem Fahrzeug möglich. Und Nein, ein schweres Expeditionswohnmobil ist definitiv kein geeignetes Fahrzeug, dazu mehr weiter unten.
  • Rot- Closed:
Diese Strecke ist gesperrt, das Befahren ist streng verboten und wird mit sehr hohen Strafen im vierstelligen Eurobereich bestraft!

Sobald der Boden gefroren und von einer festen Schneedecke bedeckt ist, darf man abseits der Pisten fahren. Wenn im Winter richtig Schnee im Hochland liegt, und damit meine ich nicht 20-30 cm Schnee sondern ab Hüfthöhe bis zu mehreren Metern, sind die Pisten nicht mehr erkennbar. Man fährt nach GPS, eine große Gefahr sind hier Flussläufe. Manche sind von Schneebrücken überdeckt die unter dem Gewicht von Fahrzeugen zusammenbrechen können und andere sind ganz oder teilweise zugefroren.
Neben dem Tiefen Schnee sind Flüsse der Grund warum ein Expeditions-Womo kein geeignetes Fahrzeug für das Hochland ist. Wenn ihr einen gefrorenen Fluß überquert besteht zum einen die Gefahr dass das Fahrzeug einbricht und wenn das Wasser etwas tiefer ist steckt das Fahrzeug fest, da man es in der Regel nicht schafft mit dem Fahrzeug wieder auf das Eis zu kommen oder mit dem Fahrzeug eine Spur durch das Eis zu brechen.
Und wenn man bei dünneren Eis von beginn an eine Spur durch das Eis bricht, kann die Ausfahrt ein Problem werden, da im Gegensatz zum Sommer die Ausfahrt aus der Furt oft nicht erkennbar ist und man schnell an einer hohen Böschung hängen bleiben kann. Einen festsitzenden Super-Jeep kann man meist mit einem oder mehreren Superjeeps freibekommen, bei einem schwerem Expeditionsfahrzeug sind die Chancen deutlich geringer.
Und drauf das ein großes Bergungsfahrzeug zu einem geschickt wird kann man nicht vertrauen, denn das muss in der Lage sein den Ort auch zu erreichen. Ich kenne einen Fall, wo jemand einen Bagger organisiert hatte, der dann 2 Tage gebraucht hat um den Ort zu erreichen an dem das Fahrzeug im Fluss steckte. Die Kosten für eine solche Aktion liegen dann schnell im hohen vierstelligen Eurobereich.

Grundregeln für eine Hochlandtour im Winter:
1. Vorab über den Streckenzustand und das Wetter informieren
2. Nie mit nur einem Fahrzeug ins Hochland fahren
3. Nur mit geeigneten Fahrzeugen ins Hochland fahren.
Eine Hochlandtour im Winter ist ein tolles Abenteuer, kann aber leider auch schnell zum tödlichen Abenteuer werden wenn man die Grundregeln nicht beachtet.
Es gibt viele erfahrene Anbieter von Hochlandtouren mit Superjeeps, die haben die richtigen Fahrzeuge und kennen die Strecken und Verhältnisse.
Wenn´s um Island geht, einfach bei mir fragen.

sico
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#29 Beitrag von sico » 2020-12-07 14:09:43

landwerk hat geschrieben:
2020-12-07 6:52:47
..Ja, von den Einheimischen kann man viel lernen...


Für alle VA-Sperren-Muffel:

Ab 0:47 bis 0:50 fährt das Auto nicht mehr, weil die Vortriebsenergie am linken Vorderrad verloren geht, was implizert, dass das rechte Vorderrad mehr Bodenhaftung hatte (wenn auf dem Eis auch nur geringfügig).
Und genau das ist manchmal das I-Tüpfelchen an der "Fährt-oder fährt-nicht-Waage" (auch ohne Verschränkungs Passage)

Also, ich sehe da, dass das Fahrzeug ohne größere Probleme mit der Vorderachse bis auf das Blankeis gekommen ist.
Ich zweifle stark daran, dass eine Sperre in der Vorderachse das Weiterfahren auf der Eisplatte möglich gemacht hätte. Das Fahrzeug wäre mit größter Wahrscheinlichkeit, egal ob mit oder ohne vordere Sperre, nicht mit der Hinterachse auf die Eisplatte hoch gekommen. Dazu hätte es an der Vorderachse maximalen Grip gebraucht, den es auf Blankeis natürlich nicht gibt.
Der Fahrer hat das einzig Richtige gemacht, indem er die Durchfahrt abgebrochen hat.
mfg
Sico

Ela
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Re: Island - ein Update von vor Ort

#30 Beitrag von Ela » 2020-12-07 14:16:30

Danke, f. d. Teilen .... Echt klasse :- )))

Würde mich über weitere Berichte von euch echt freuen .... - bin auch ohne FB unterwegs

Viel Spaß euch noch

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