Baikal, Mongolei und so...

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Rolandderaeltere
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Baikal, Mongolei und so...

#1 Beitrag von Rolandderaeltere » 2019-10-26 22:12:56

Hallo,

bis zu dieser 2019er Jahr­esreise, war die Wartezeit besonders lange und schlimm:
Der Start zu meinem am längsten angepeilten Ziel, Ulan Bator, sollte schon 2018 stattgefunden haben.
Wir, die Iris, und ich, der Roland, bekamen da doch erst einmal einen gewissen Schuss vor den Bug; wir wurden jeweils krank und verplemperten somit die beste Reisezeit dieses Jahres.

Da ich in einschlägigen Foren und so ja schon ein paar Jahre lang „Rolandderältere“ bin und wir beide auch nicht jünger werden, nahmen wir das als Zeichen und beschlossen „alles ein wenig langsamer angehen zu lassen“ und jegliche Vorbereitungen noch gründlicher zu absolvieren.

Wie immer in den letzten 29 Jahren, fahren wir mit unserer "heiligen Kuh", einem jetzt 31 Jahre alten VW Syncro Bulli, also der Allradversion, als Reisemobil.
Der ist unser drittes selbst ausgebautes Reisemobil seit 1971.

Wunschziele

Der Baikalsee, und die Mongolei bedecken einigen Platz auf den Landkarten.
Um diese Gegenden auf unsere bewährte Art zu besuchen, berühren wir von Niederbayern aus Tschechien, Polen, die Ukraine, Russland, die Mongolei, wieder Russland, Kasachstan, wieder Russland, wieder die Ukraine, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien. Somit kommen für uns und diese Distanz ca. 6 Monate Reisezeit in Frage. ..

Russlandreisevorplanung

Der Aufenthalt in Russland ist, politisch, für uns EU-Bürger ja der komplizierteste.
Da russische Bürger für Reisen in unsere Schengenländer Visa benötigen, deren Beschaffung etliche Unbequemlichkeiten mit sich bringt, gilt das alles im Umkehrschluss ebenso für unsere Reisen nach Russland.

Die russischen Visabestimmungen besagen für uns:
Drei oder mehr mögliche Einreisen nach Russland bekommen wir mit einem 6 Monate gültigen Geschäftsvisum, mit dem wir uns während dieser Zeit jedoch insgesamt maximal 90 Tage im Land aufhalten dürfen.
Eine gültige Krankenversicherung muss für die gesamte mögliche Reisedauer in Russland nachgewiesen werden. An die allbekannte „Auslandsreiseversicherung“, die fast ein jeder hat, denkt man da schnell. Wohl auch an den äußerst geringen Jahresbeitrag dazu. Die hat in der Regel aber eine Gültigkeitsdauer von ca. 45 Tagen. Passt nicht für uns. Für diesen Zeitraum muss etwas spezielles her. Nach langen Recherchen kamen wir auf die „Hanse Merkur“ die für uns den am wenigst teuren Tarif anbot.
Wir leisten uns für diese Reise aber noch eine Besonderheit: Wir wollen im Alter über 70 Jahre reisen! Der Preis dort somit: € 3,50 pro Tag und Person.

Bedingung zur Visa Ausstellung ist zudem noch ein Nachweis, dass man ausreichend liquide ist, um wieder aus dem Land zu kommen.

Über eine fähige Visa Agentur, in unserem Fall Spomer, arrangiert kostete so etwas ca. € 252,00 pro Person.
So durften wir vor Antritt für diese Fahrt also schon einmal ca. € 1800,00 investieren ohne einen Schritt vor unsere Haustür getan zu haben.
Von Russen erfuhren wir, dass sie darüber hinaus auch noch Fingerabdrücke liefern mussten.
Für Visa zu uns!

Vorbereitungen

Andere Teile der Vorbereitungen waren dagegen schon eingespielte Routine:
Reisepässe, Impfungen (ja wir gehen da auf Nummer sicher. FMSE, Tollwut und alle sonst üblichen nehmen wir schon mit), Internationaler Führerschein und – Zulassung, passende Geldkarten nebst Anpassung der jeweiligen Limits und Maximen für Bankbewegungen, sämtliche Behörden und sonst wichtigen Kontakte auf Email Verkehr umleiten und und und.

Die Vorbereitungen unserer heiligen Kuh, finden für uns schon seit 29 Jahren statt, seit wir „eine Familie sind“. Die der Reisefahrzeuge eben schon seit 1971; ist Daueraufgabe.

„Kofferpacken“ kann lästig sein. Bis der Bulli fertig gepackt war, wurden Apotheke, Kleidung, Elektronik, Lebensmittel, Campingausrüstung, Ersatzteile und Werkzeug untergebracht.
Allein meine Liste „Camping- und Ersatzteile“ besteht aus 185 Posten...

Während wir dies alles abarbeiteten, wollten die Freunde in immer kürzeren Abständen wissen „Wann fahrt Ihr denn nun eigentlich?“
Wir sind dann eben gestartet als wir meinten, es langt jetzt.
Es war der 11.Mai 2019.

Anreise

Wie in den letzten Jahren verabschiedeten uns auch dieses Mal wieder die in voller Blüte stehenden Rapsfelder.Genau so wenig zu übersehen waren aber Druckerzeugnisse an sämtlichen Befestigungsmöglichkeiten, die sich nicht dagegen wehren konnten:
Der Europawahlkampf ging in den Endspurt!

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Über Thüringen und Sachsen lernten wir da in 3 Freistaaten, was so die einschlägigen Parolen sämtlicher Aspiranten sind.

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Zu spät für uns, unsere roten Umschläge waren an Ort und Stelle.
Somit sahen wir ganz anderes in

Polen

Da war ja auch Europawahlkampf. Wie der dort wirklich stattfindet, bekamen wir nicht wirklich mit. Angenehm, eigentlich wirklich kultivierter wie vor der Grenze war aber das Fehlen dieser Masse an aufdringlichen Wahlplakaten.
Offensichtlich alle von einem Designstudio entworfenen, ähnlichen und recht dezenten Darstellungen fügten sie sich gut in das allgemeine Straßenbild ein.

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Ich bin aber noch nicht fertig mit dem Loben!
Der polnische Straßenverkehr begann für uns in Görlitz.
Er begann mit einem enormen Verkehrsstau auf der deutschen Seite der Neiße.
Durch bayerische Verkehrsnachrichten vorgepolt, rechneten wir mit größeren Grenzkontrollen wegen unserer aktuellen Ausländerpolitik.
Nix da! Die waren absolut Null. Wir sahen keine Uniform.
Der Grund war die erste Straßenkreuzung auf polnischer Seite. Unsere Schlange musste in eine abknickende Vorfahrtstraße einmünden, in der deren viele nach links abbiegen wollten.
Wahrscheinlich würden wir jetzt noch in unserer Nebenstraße warten, wäre nicht auch hier, wie dann überall bei solchen Staus in Polen beobachtet ein perfektes „Reißverschlusssystem“ üblich.
Funktionierend!
Überhaupt sind wir überzeugt, dass wir uns in Deutschland von der Höflichkeit und Rücksichtnahme des polnischen Straßenverkehrs die berühmte Scheibe abschneiden könnten.

Eine geruhsame Überlandfahrt und problemlose Stellplatzfragen für die Übernachtung paarten sich mit dem Eindruck einer aufstrebenden Wirtschaft.

Die geringere Bevölkerungsdichte, gegenüber unserer Heimat, ließ uns die Baugrundstücke meist in einer angenehmeren Größe erscheinen.
Für die landwirtschaftlichen Nutzflächen sahen wir das aber gar nicht so. Da haben unsere bayerischen Felder fast schon „Kolchosengröße“.

Ukraine

wir sind, von Görlitz über Polen (Chelm) und die Ukraine (Sumy/ Sudsha) kommend, bei Kursk in Russland eingereist.

An keiner dieser Grenzen gab es auch nur das kleinste Problem!
Bei der Einreise in die Ukraine wurden uns sogar die Papiere am Auto abgenommen und, nach einer kurzen Bearbeitungszeit, wieder zum Auto gebracht.
"Tschüss" sagte der, ein wenig deutsch sprechende Grenzer.
Als ich noch nach der notwendigen (? in Internetinformationen war damals ja davon noch geschrieben) Zolldeklaration fragte, antwortete er nur noch "wozu?".
Bei der Ausreise war auch nicht mehr die Rede davon...

Für ganz Ahnungslose zu diesem Thema: An vielen Grenzen musste man früher bei der Einreise in einer „Zolldeklaration“ alles wertvolle im Fahrzeug (dafür gab es auch Sichtkontrollen) angeben um bei der Ausreise, durch dessen Nochexistenz, nachweisen zu können dass man davon nichts ins Land geschmuggelt hatte...

Die Straßen in der Ukraine waren nicht gerade die besten. Vielleicht vergleichbar mit einigen in der Gegend von Görlitz. Vor 30 Jahren.
Trotzdem, eine unser bis dahin extremsten Schlammschlachten hätte nicht wirklich stattfinden müssen.
Schon aus Prinzip meiden wir in der Fremde die Hauptstraßen wo es nur geht.
Prinzipien sind aber manchmal undankbar:
Zeigte uns Karte und Navi jetzt, kurz nach der Grenze, doch eine „unbefestigte befahrbare“ Ortsverbindungsstraße, sollten wir eigentlich schon stutzig geworden sein als die PKW Spuren verschwanden, dann aber auch noch die der Traktoren.
Die Straße bekam wasserhaltige Löcher, die immer tiefer wurden. Als wir fast schon ans umdrehen dachten, waren wir überzeugt, dass „das“ nur besser werden kann...

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Um diese Patina auf die, für die Grenze noch saubere heilige Kuh, zu bekommen, wühlte sie mit ihrem gesamten Fundus an Geländegang, Allrad und beiden Achssperren durch die Pampe.
Wir waren, ob dieser plötzlichen Überraschung, dermaßen baff, dass wir das fotografieren dort total vergaßen.

Klosterruhe

Am Abend auf unseren Fahrten, kommt meist nicht Johnny Walker, sondern immer die obligatorische Suche nach einem geeigneten Stellplatz.
Unsere Auswahl dazu ist eigentlich recht groß.

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Hier kamen wir, ob des Hinweises auf ein Kloster am Wegesrand, auf die Idee dann dort bestimmt einen friedlichen Parkplatz auch für unsere heilige Kuh zu bekommen.

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Der Parkplatz sagte uns gleich zu. Schattig und eben.
Die erste, mit einem Jeep aus dem Kloster ausfahrende Nonne meinte auch, dass wir auf diesem Platz, außerhalb der Klostermauern gut übernachten könnten.
So etablierten wir uns, indem die Iris unser Abendmahl bereitete und wir begonnen es zu genießen.
Wir sollten dabei aber noch etwas erleben, mit dem wir wirklich nicht gerechnet hatten. War es doch schon dunkel: Zwei Nonnen besuchten uns.
Die jüngere begrüßte uns herzlich als Touristen in einem sehr guten Englisch.
Sie stellte äußerst interessierte Fragen zu unserer Reise und dem Ganzen üblichen allgemeinen.
Wir waren angenehm überrascht. Bekamen wir doch auch auf unsere neugierigsten Fragen nach ihren Gründen zum Klosterleben bereitwillige Antworten.

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Bis dann, nach wohl einer Stunde des Austausches, zwischendurch bekam ihre Mitschwester einen Anruf auf dem Smartphone, sie erklärte, dass wir doch einen anderen Platz für unser Nächtigen aufsuchen müssten, denn hier könnte es eventuell nicht sicher sein: Am Morgen würden z. B. die Klosterarbeiter kommen und sie wüssten nicht, ob da etwas passieren könne... Wir könnten doch in die nächste Stadt fahren und dort hinter der einen Kirche stehen, die gehöre ja dem Kloster...
Auf alle Fälle haben sie uns aber ein Geschenk mit gebracht. Das seien ukrainische Lebkuchen und eine spezielle süße Milch. Wir sollten es genießen und am nächsten Tag würden sie uns gerne ihr Kloster zeigen.
Mehr wie merkwürdig für uns.
Da wir prinzipiell nirgendwo übernachten, wo irgend jemand etwas dagegen äußert, fuhren wir 200 Meter weiter und übernachteten neben einem Gehöft auf einer abgemähten Wiese. Friedlich!

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Wir grübelten intensiv über dieses Erlebnis, brachten am nächsten Morgen das „Gastgeschenk“ wieder zu dieser Schwester Julia und erklärten, dass wir es nicht gerade ehrlich empfanden, nach einer dermaßen harmonischen Konversation von dannen geschickt zu werden.
Wir sind jetzt noch von dieser Taktik mehr als enttäuscht.
Nicht weil Kloster, sondern erst Gespräch und Geschenk, und uns dann von dannen jagen...
Was dabei dann auch noch den Klosterarbeitern unterstellt wurde; unsere Worte dazu könnten jetzt sehr hart ankommen.

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Schwarzmarkt

An den Rändern mancher Parkplätze der Hauptrouten sahen wir merkwürdige Kastenwägen innerhalb von Kanistern und anderen Behältern offensichtlich dauerparken. Alles etwas schmuddelig.
Beim rangieren entdeckten wir dann wohl das „Geheimnis“: Da hing ein Schlauch aus dem Tank eines daneben parkenden LKW´s in solch einen Kanister.
Wir hatten gerade voll getankt. Brauchten unser Gewissen also nicht wirklich belasten...

Verkehrs Chaos? Russisch

Vor Kiew wird der Verkehr langsam russisch.
Da, wie wohl vor jeder Hauptstadt, die Straßen immer besser und breiter werden, wird der Verkehr mehr und schneller.
Eine Spezialität wird ab hier auch schon das „russische“ überholen:
Wenn es die Breite auch nur im geringsten zulässt, wird auf einer Straße auch bei Gegenverkehr überholt. Der Gegenverkehr reagiert darauf („russisch“) nicht geschockt, sondern weicht immer (?) nach rechts aus.
Offensichtlich wird meist auch das von hinten heranfahrende Auto aufmerksam beobachtet: Sobald das mit einem entsprechendem Tempoüberschuss herankommt, wird bei ausreichend breiter Fahrbahn nach rechts ausgewichen. Fast immer bedankt sich der Überholende danach mit einem Gruß seiner Warnblinkanlage.
Ansonsten wird manchmal auch auf dem rechten Standstreifen überholt, auch wenn der nur geschottert ist.
Am Anfang kann man da ganz schön erschrecken...
Später, in verschiedenen Regionen in Russland recht unterschiedlich, ist das dann schon Gewohnheit.

Weiter nach Osten, zur Russischen Grenze bei Sumy/ Sudsha, wurde der gesamte Verkehr aber äußerst wenig. Lange kaum ein Fahrzeug, der Straßenzustand immer schlechter und die Baustellen darauf lieferten immer mehr Provisorien. Lasten transportierende Kraftwagen sahen wir keine mehr.
Wir zweifelten schon an der Existenz eines kommenden Kontrollpunktes ins Nachbarland.
Der kam dann aber doch. Als erster dieser Reise „aus Schengen raus“.
Nach:
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Nun, jetzt hoffe ich selbst, dass ich mit dem nächsten Teil dieses Reiseberichtes zügiger fertig werde wie mit diesem hier
und grüße erst wieder einmal aus Niederbayern
Rolandderältere
mit Reisemobil VW T3 15" Syncro seiner heiligen Kuh,
und 74 seit 1971 mit VW Bulli bereisten Ländern

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Re: Baikal, Mongolei und so...

#2 Beitrag von RandyHandy » 2019-10-27 9:42:24

Hallo Roland,
weiter so :angel:
Nächstes Jahr solls bei uns Richtung Baikal und Ulan Batar gehen :blush:
Viele Grüße

Henry



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