Murmansk und so... Teil 3. Skandinavien

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Rolandderaeltere
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Murmansk und so... Teil 3. Skandinavien

#1 Beitrag von Rolandderaeltere » 2018-11-03 2:16:34

Hallo,

ehrlich: Dieser 3. Teil unserer 2017er Jahresfahrt sollte schon lange Vergangenheit sein.
Statt rechtzeitig daran weiter- und jetzt auch schon so langsam unsere 2018er Jahresfahrt zu beschreiben, leisteten wir uns erst einmal das blödeste, was man mit solchen Vorhaben machen kann: Wir wurden krank.
Das wollen wir wirklich niee wieder machen! Ganz großes Indianerehrenwort!

Hier aber endlich unser Rest von "Murmansk und so...":



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Norwegen.1

„Vier, Norwegisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.“ antwortete die norwegische Polizistin an der Grenze zwischen Murmansk und Kirkenes, die unsere Reisepässe gut für eine Einreise nach Norwegen befand auf meine Frage, wie viele Sprachen sie denn so gut spreche, nachdem sie uns in einwandfreiem deutsch begrüßte.
Russisch war nicht dabei.

Wir waren wieder im „Westen“.

Eine ebenfalls perfekt deutsch sprechende Uniformträgerin erwartete uns außerhalb des Abfertigungsgebäudes neben unserem Fahrzeug.

„Haben Sie Lebensmittel wie Fleisch, Wurst oder Molkereiprodukte bei sich?“ Fragte sie.
Mittlerweile wissen wir, dass diese Fragestellung recht brisant sein kann.
Wie genau unser Auto auf ein „Nein“ wohl gefilzt werden würde, können wir nicht sagen.
Auf unser „Für unseren Eigengebrauch schon ein wenig“ wollte sie es auch sehen und rief noch einen Kollegen hinzu.
Wir zogen also unsere Kühlbox heraus und durften dann den Käse und die aller leckersten Hartwürste in eine der drei bereitstehenden riesigen Mülltonnen entsorgen, die selbst schon sehr voll waren. Es war ja auch schon Nachmittag...
Eingeschweißt, für den SB- Verkauf und super gekühlt.
War das „Sie können das alles hier in Norwegen nachkaufen“ der Zollbeamtin jetzt ironisch gemeint, oder einfach nur „hilfreich“?
Unseren Alkoholvorrat hatten wir doch, bis auf den Milliliter und Promille haargenau innerhalb des Limits, wurden aber nicht danach gefragt.
Hartwürste brauchen aber wirklich nicht alle die Kühlbox...


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Klar, für die Einreise nach Norwegen gelten andere Einfuhrbestimmungen wie innerhalb der EU.

https://www.toll.no/en/l/languages/de/n ... timmungen/

Wenn man nun aber auch noch wie wir aus Russland, also von außerhalb des „Europäischen Wirtschaftsraumes“, einreist steht in diesem Link wesentliches dazu. Ergebnis: Siehe oben.

Unser Auge war danach nur sehr leicht blau.
Dunkelblau kann es offensichtlich schnell werden:
Ab Norwegen sind wir in einer Gegend, in der Strafen (auch für Verkehrsdelikte u.s.w.) in einer viel schmerzhafteren Größenordnung verhängt werden wie bei uns zuhause.
Trotzdem, oder vielleicht auch deshalb (?) sind wir ab jetzt im Land mit den glücklichsten Menschen auf dem Globus 2017.


Gute 100 Meter weiter begann dann auch sofort, hier normal: Der Wohnmobiltourismus.
Gleich auf dem ersten Parkplatz stand das erste Fahrzeug mit deutscher Zulassungsnummer.
Da aus Russland kommend, waren wir ab hier Exoten innerhalb dieser Szene. Dementsprechend hatten unsere Gesprächspartner genau so viele Fragen wie wir. Am Anfang.

Auch ein, seit etlichen Wochen vermisster Genuss: Kein Einreise- oder Ausreisedatum unserer Visa wollte mehr beachtet werden. Entspannung pur.
Vom Start bis zum verlassen Russlands hatten wir überwiegend „Die Zeit im Nacken“ . Wir waren ja festgelegt, eben wegen der Termine rechtzeitig unsere Russland Ein- und Ausreise zu schaffen.

Hier, fast wieder auf dem Heimweg gen Süden, brachte schon ein Abstecher nach Norden in eine Sackgasse nach Grense Jakobselv: Kommunikation satt.


Von dort aus, bis ans Schwarze Meer, an die dortige türkische Grenze verlief viele Jahre der sogenannte Eiserne Vorhang. Verlief, sagen die Geschichtsbücher. Wie eisern diese Grenze aktuell ist, oder gerade wieder wird, ist Politik.

Das Ende dieser Sackgasse ist bei Touristen vieler Länder äußerst beliebt. Wir haben dort ein paar Tage lang die interessantesten Menschen kennen gelernt.


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Für jeden Touristen diese 60 Km von Kirkenes zu fahren, wäre von seinem Bürgermeister zu viel verlangt. Die Begleitung des Berliner Europaabgeordneten der Grünen, Michael Cramer, war ihm (der rechte auf dem Bild) offensichtlich angenehm.
Der ist gerade dabei, seinen initiierten „Berliner Mauer -Radweg“ auf der Euroveloroute Nr. 13 nachzuahmen.

http://www.ironcurtaintrail.eu/


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Wenn auch das letzte Bild des 2. Teils „Murmansk und so...“ vielleicht anderes ahnen ließ, unsere Fahrräder am Fahrzeugheck waren auf dieser Jahresreise überwiegend Ballast.
Danach wurde das Wetter dann dermaßen feindlich für unsere Fahrradfahrbegeisterung, dass wir meistens nur noch außen am Fahrradträger „sportlich“ aussahen.
Unsere diesjährigen Wochen in Skandinavien waren die nassesten Reisewochen, die wir je erlitten.
Die Standheizung lief fast jede Nacht.


Die Bewohner hier oben haben schon einmal Glück, dass die Sowjetunion Ende der 60er Jahre die Königskrabbe zur besseren Versorgung ihrer Bevölkerung in der Barentssee angesiedelt hat.
Wir auch!

https://vimeo.com/259402378

Zwischen den Minuten 2.15 und dem „entbeinen“ gab es bei Minute 2.29 den Gnadenstisch!

Auf dem Teller liegen ca. 50% der Krabbenmuskeln die ich bei Minute 2,20 im Video noch in der Hand halte:

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Die Gewinnung dieser Leckerei scheint relativ einfach zu sein. Auf jeden Fall das, was wir davon mit bekamen.
Wir lernten wesentliches darüber.
Aber auch der andere Mittourist, dessen Stimme im Video hauptsächlich zu hören ist:
Als er erfuhr dass diese Krabben, die u. a. auch kannibalisieren, „kleine „Ersatzbeine“ besitzen die nachwachsen wenn ein „Hauptbein“ verloren wird, verlangte er nach einer allumfassenden Evolution: Er verlor sein linkes Bein vor 40 Jahren!


Die wohl hier oben meistfotografierte Stelle kurz vor Jakobselv:

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Hier kommt jeder westeuropäische Tourist ganz oben in Norwegen „den Russen“ am nächsten.

Im Navi fast schon eine Berührung:

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Wir sind hier schon wieder „auf dem Heimweg“ nach Süden!


Aus Russland brachte ich ja ein von mir selbstverschuldetes Problem mit über die Grenze:
Unsere Kochgasflasche war leer!
Die ersten Versuche an Tankstellen, die laut Google Propangas verkaufen, liefen ins Leere: Wir hätten zwar volle Flaschen kaufen können, da haperte es jedoch an der Größe unseres Gaskastens und den Anschlüssen. LPG aus der Zapfsäule war auch noch kein Thema.

Da gibt es aber „BILTEMA“!
Nicht nur ein Baumarkt!

https://translate.google.de/translate?h ... rev=search

Mit Biltema kamen wir in Kirkenes das erste Mal in Skandinavien in Berührung. Dann gibt es diesen speziellen Super(„Bau“-)markt immer wieder bis Rødekro in Dänemark.
Einen dermaßen auf unsere aktuellen Reisebedürfnisse zugeschnittenen “Laden“ haben wir unterwegs noch nie gefunden!
Kopie aus Google: „großes Jungen-Spieleparadies“.
Googelt mal.

Unser Hauptgewinn war dann der wirklich standfeste Gaskartuschenkocher (dessen 450 Gramm Kartuschen auch bei uns zuhause üblich sind) mit bis zu 2,6 KW Heizleistung.


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Da bleibt der Gaz(190 Gramm)stechkartuschenreservekocher demnächst zuhause.


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Duale Problemlösungen sind Lösungen!
Auch knappe Urlaubszeiten lassen sich hiermit optimal füllen.


Preise

Norwegische Preise sind für uns überwiegend weit oben angesiedelt. Ist ja bekannt.
Wenn man, wie wir, sein Geld am liebsten in viele Reisekilometer investiert, wird man hoffentlich auch allgemein schon seine Erfahrung im Ausgeben haben.

Aktuelle Preisvergleiche hier:

https://www.lipalu-ferienhaus.de/norweg ... telpreise/

https://wechselkurse-euro.de/kurse/NOK-krone-norwegen/

Mit einem Wohn- oder Reisemobil haben wir ja Möglichkeiten zum bunkern.

Innerhalb der EU gibt es dafür keine nennenswerten Beschränkungen mehr und zwischen EU und Norwegen bestehen die Festlandgrenzen eigentlich nur noch aus Nationalitätshinweisen und natürlich Überwachungskameras. Mit letzteren wird wesentliches gefiltert!


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531 Straßenkilometer, über Finnland in Richtung Nordwesten liegt das Nordkap von Kirkenes entfernt. Eigentlich „gleich um die Ecke“. Wenn wir uns den Besuch dort nicht schon 1993 angetan hätten, wäre das wahrscheinlich unsere nächste Fahrtrichtung gewesen.
Ein zweites Mal würde für uns wahrscheinlich von dort nur der Eindruck „Nepp“ bleiben. Das brauchen wir nicht wieder. So ging es nach Süden in Richtung Finnland und Schweden.

Internet

Bedarf, eine eigene Mobilfunk SIM Karte zu besorgen, kam für die kurze Zeit in Norwegen nicht auf: Die öffentlichen WLAN Bereiche in Kirkenes waren uns absolut ausreichend!
Für den weiteren Weg waren wir dann sowieso „guter Hoffnung“: Waren wir doch gespannt, wie gut ab dem 15. Juni 2017 wir dann unsere Aldi Prepaid SIM Karte nutzen könnten, da das Roaming innerhalb der EU, Norwegen und der Schweiz ja wegfallen sollte, und fuhren nach


Finnland

um erst einmal in ein total leeres Mobilfunkloch zu fallen:
Wir bekamen einfach keine Verbindung. Wo wir es auch versuchten.
Den „Wurm“ suchten wir natürlich bei uns. Ab sofort fragten wir jeden nichtfinnischen Touristen, der nicht schnell genug vor uns flüchten konnte, wie er denn mit seinem heimischen Gerät klar kommt.
Einige, z.B. Telekom- Vertragskunden hatten keine Probleme. Jedoch wir Aldi Kunden waren alle gleichsam frustriert ob des Empfangs. Der war erst einmal tot.
Offensichtlich waren manche Netzanbieter technisch total überfordert. Oder gar unwillig, weil doch erst einmal eine Menge Profit weg war?
Weiterreisend normalisierte sich diese Situation dann nach der Grenze zu Schweden.

Die dieses Mal zu fahrende Strecke in Finnland war recht kurz. So hab ich darüber auch nicht viel zu berichten.

Schon 1993 fanden wir hier wunderschöne einsame Seen und Wälder über Wälder. Auf und in denen kann man diverse passende Aktivitäten tätigen.
Wenn man, wie wir aber „nur am Durchreisen“ ist, erklärt sich der Wald hier für manchen so:
„Bäume, Bäume, nochmals Bäume, und dazwischen Zwischenräume, und im Hintergrund, man glaubt es kaum, steht noch ein Baum.“
Kann man auch zu den Seen dichten...

Das aber nur zu unserem Durchreisen!
Zum Wandern, Angeln und Natur in riesiger Freiheit genießen ist Finnland eine Top Adresse. Zu jeder Jahreszeit.
Letztes wissen wir aber nur von ganz wenigen, speziellen, Bekannten.

Ansonsten war dieser kurze Besuch in Finnland total normal und, nach deutschen Begriffen „zivilisiert“.

Die Straßen, das Einkaufen, eben jegliche Ordnung wie bekannt.

Na ja, einiges war dann doch schon anders:


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Die Gartenarbeit wird offensichtlich doch wildfremden Personal überlassen.
Ebenso die Verkehrserziehung inklusive Temporegulierung:

https://vimeo.com/264318539

So einfach auf der Durchreise kamen wir aber auch immer wieder neben der Straße mit den Spuren der Rentierpflege in Berührung:


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Kunstvolle Eingangspforten zu den Gehegen.

Offensichtlich ist aber doch nicht alles so ganz im Sinn aller Vorschriften, wie wir sie hier in Deutschland gewohnt sind?


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Solche Gerüstkonstruktionen gab es etliche.
Ansonsten kam uns dieser Teil des Landes überall aber mindestens so sicher vor wie unser zuhause.

https://vimeo.com/264881279

Die handgehäkelten Deckchen am Kreuzungsbaum werden erst, irgendwann, von der Witterung „entsorgt“.

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Schweden

Mittlerweile wohl „das“ skandinavische Wohnmobilland unserer Landsleute.
Problemlos und überwiegend angenehm.
Das ist jetzt aber kein Geheimnisverrat von mir. Wir sind hier schon deutlich zu viele, so dass wir auch schon wieder mit einem ver..... schlechten Gewissen davon schwärmen.

Bullerbü fast überall wo man es nur sehen will?
Wohl.

Wie in ganz Skandinavien bekommen wir mit englischen Fragen überall absolut verständliche Antworten.


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Um das Dalapferd

http://schweden-tipp.de/dalapferd/

kommt in Schweden kaum jemand herum.

Wir waren im Epizentrum:

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Wahrscheinlich schnitzt der Herr sein gesamtes Arbeitsleben lang „Morapferde“.
Er berichtete: Bei einer „Caravan und Boot“ in Deutschland war Schweden Gastaussteller und sie machten eine Besucherumfrage, was denn in Deutschland die 3 meisten Gedanken an Schweden wecke:
IKEA, Volvo und Morapferdchen, sagte er. Bei der Reihenfolge bin ich mir aber nicht mehr so sicher...
Auf jeden Fall werden diese Pferdchen in aller Welt geritten...


Holz

Die äußerst intensive Bewirtschaftung der Wälder konnten wir nicht übersehen.
Bei Google

https://www.sveaskog.se/de/forstwirtsch ... gefasst-1/

erfuhren wir,dass wohl für jeden gefällten Baum 3 neue gepflanzt werden. Dass jedoch Harvester pro Stunde 100 Baumfällungen schaffen sollen, ließ uns dann aber doch vermuten, dass Google auch nur von Menschen gemacht wird...
(Ironie aus) Weiter gegoogelt, ergaben sich dann aber nochmals solche Zahlen.

Ein Rätsel daraus verfolgte uns an vielen abgeernteten Waldlichtungen:


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Diese vielen, auf unterschiedlichen Höhen, geköpften Baumstümpfe, die einfach zurück gelassen wurden. War dieses Holz nicht mehr zu gebrauchen, oder sind es Sitzgelegenheiten für Trollveranstaltungen?


Jugendkunst

Der Rätsel blieben uns da aber noch so einige.
Diese hier nannten wir bald Asphalttattoos:


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Fast so oft, wie uns hier zuhause Tattoos inzwischen auf menschlicher Haut begegnen, war in ganz Schweden einwandfreier Asphalt verziert.
Die gab es in der Regel auf Straßenbelägen, die sich in sicheren Entfernungen offensichtlicher hoheitlicher Wahrnehmungen befinden.

Eine schwache Vermutung kam uns, als wir eine schwedische Eigenart auf der Straße kennen lernten, die „A-Traktoren“:
Vielleicht eine aussterbende Spezies, wir sahen aber noch viele Oldtimer, die nur von sehr sehr jungen Leuten bewegt wurden. Z.B. diverse „Buckelvolvos“, bei deren Erhaltungszustand, wegen des geopferten Originalteiles, uns fast Tränen kamen.

http://www.skandix.de/de/aktuell/vom-ep ... ktor/1247/

Wahrscheinlich setzt man so etwas auch zum veredeln trostlos grauen Asphalts ein.
Gislaved, Conti und Co. bieten dankbar Farbnuancen.


Naturkunst

Graffitis, wirklich in meisterhafter Art, produziert die Natur freiwillig mit ihren eigenen Materialien und Werkzeugen:

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Steinbrocken jeglicher Größe am Wegesrand.
Flechten ersetzten Spraydosen optimal.
Wir erfuhren nichts von Regressansprüchen von Besitzern dieser „Leinwände“.


Landy

Jetzt gebe ich absolutes Insiderwissen (Bulli Eigner sollten trotzdem nicht gleich ein Feuerwerk abbrennen...) preis:

Auf einschlägigen Pisten, abseits der „normalen Wege“, dieser Weltkugel treffen immer wieder zwei Fahrzeuge mit sehr ähnlichen Ansprüchen auf die selben:
Der Landrover und der Bulli!

Wir Bullifahrer bilden uns oft ein, „von denen da“ nicht für kompetent genommen zu werden, hier auf dieser Piste herum zu fahren. Vor allem aber, „nicht das richtige Material“ zu haben.
Hier trafen wir beide dann also aufeinander:


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https://youtu.be/fsvpUuPB4Hc

Dieser Landy hatte hier ein, schon länger währendes, Problem mit seiner Treibstoffpumpe.
Unser Bulli war in Topform und vorführreif!..

Der Eigner war jedoch alles andere als ein Anfänger in der Materie und hatte schon kurzzeitig erfolgreich andere Pumpen aus seinem „Campingbereich“ eingesetzt.
An diesem Ort schien er dann aber „Nägel mit Köpfen“ zu schmieden. Wir wünschten es ihm auf jeden Fall.

Er ist professioneller Hersteller seines Landyausbaus und führte uns selbstverständlich stolz dies und das daraus vor.

Hochachtung blieb bei mir aber an ihm beim betrachten seiner „Platzproblemchen“, da ich seine Einstellung zu unserem „Grundsatzkampf“ als absolut sportlich einschätzte!


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Grundnahrung

Ich schreibe jetzt ja aus Niederbayern (!), das Bier am Abend ist uns aber auch unterwegs willkommen.

Im staatlichen Alkoholverkaufsnetz, dem „Systembolaget“, immer alkoholisches mit mehr als 3,5 Vol% einzukaufen, bedarf schon einer besser gefüllten Reisekasse.
Normalerweise kauft man Bier, aber hier auch recht beliebt ist Cider, quasi dieser vergorene Apfelsaft beide im Supermarkt, oft auch an der Tankstelle. Jedoch:
2,8, maximal aber mit 3,5 Vol%.
Preiswerte Sorten ca. € 1,50 pro Liter.

An 3,5 oder gar 2,8 „Umdrehungen“ muss man sich aber doch erst gewöhnen. Zumindest wenn man Bier in Bayern lieben gelernt hat...

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10 Kronen ca. 1€.

Wer allerdings wesentlich andere Zuladungsmöglichkeiten hat wie wir, und auch noch von Deutschland kommt, kann jegliche Panik zuhause lassen:
Pro über 20jähriger/m kann dann gleich 110 Liter Bier eingeführt werden:

https://hejsweden.com/alkoholimport-sch ... en-darfst/


Fester Nährstoff

Aber man muss ja auch was essen.
Dass auch in Bullerbü Knäckebrot gegessen wird, können wir nur vermuten. Das Riesenangebot ist überall aber mindestens derart:

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Wir kamen auf den Geschmack dieses Schwedengebäcks, obwohl das „normale“ Brot für uns innerhalb der letzten Jahrzehnte enorm gewonnen hat: Süße, auch dunkle jedoch dann auch süße Brote (wirklich), sind mittlerweile fast schon eine Ausnahme.


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Über 6 Jahrzehnte hinweg war ich bisher 4 Mal in Schweden. Insgesamt etliche Monate lang.
Dass es da noch Elche in freier Wildbahn gibt, glaubte ich nicht!
Ich sah nur einmal welche, im Skansen, dem Stockholmer Freilichtmuseum.
Die werden dort offensichtlich nur noch als Modelle für Verkehrsschild- Maler gehalten.
Glaubte ich!

Dann lernten wir aber in Mora eine total nette Familie kennen, die uns gleich ihre „Adresse lieh“, damit wir unsere Briefwahlunterlagen von zuhause dort empfangen konnten.
„Postlagernd“ gibt es in schwedischen Postagenturen nicht. Sagte man uns hier.
Beim abholen bekamen wir dann doch aber überraschend noch ein dickes Päckchen Hackfleisch mit auf den Weg, denn:
Der Hausherr war Jäger. Erfolgreicher!
Er hatte nicht nur eine riesige Elchgeweih Trophäe an der Wand, die Hausfrau regierte so auch über mindestens ebenso wichtige Details dieses Waldkönigs in ihrer Tiefkühltruhe.
Für uns gab es 2 Tage lang super leckere Elgköttbullar.

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Das ganze war für uns besonders exklusiv, da wir in den Supermärkten eigentlich keinerlei Elchprodukte entdeckten.
Dieser, unser Biofleischlieferant, erklärte das durch die extreme Beliebtheit des Elchfleisches und dass das deshalb nur „unter Freunden“ gehandelt werde.


Artgerechte Syncropfade

Wir mussten uns in Schweden aber nicht nur auf glattem Asphalt langweilen.
Mit guten Navi/ Kartenmaterial kommt man auch mit einem Syncro gut auf seine Kosten.
Natur- oder Schotterstraßen gibt es auf vielen schwedischen Meilen.
Die ist mittlerweile 10 Kilometer lang.

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In allen skandinavischen Ländern schafft man es, Naturstraßen ohne „Wellblech“

https://de.wikipedia.org/wiki/Wellblechpiste

zu bauen.
Liegt es am Breitengrad, dass sich dies in Asien und Afrika meist schon kurz nach dem letzten Planieren wieder bildet?

Im folgenden Video hatten wir eine Vorstufe dieses perfekten Straßenbaus hier:
Wochenlang regnete es schon in der Gegend.
Bei uns zuhause wäre diese Straßenbaustelle wahrscheinlich weiträumig gesperrt. Hier blieb die Entscheidung zum fahren einem selbst überlassen.
Während permanentem Regenguss ging der Straßenbau weiter und es wird dort erst einmal Material auf die Fahrbahn aufgebracht.
Viel.
Mit diesem losen und schwammigen Untergrund bekam unser Blick auf die Straßengräben rechts und links einen ganz ungewohnten Hintergrund.
Wir genossen „Syncro total“!

https://youtu.be/pbCYTaKcSSA

Danach:

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Kaum zu übersehen waren dann doch die Hinweise, sein Auto wieder einmal zu waschen...


Bezahlmethoden

Die Bezahlmethoden an allen möglichen Kassen sind ja überall im Umbruch.
Dass man in Schweden fast nur noch mit der Karte bezahlen kann, haben wir so nicht erlebt. Überwiegend wurden wir auch unser Bargeld los.

https://youtu.be/kc7bSrN3-XE

In etlichen Supermärkten lernten wir eine uns neue Methode, mit dem meist unbeliebten Münzgeld umzugehen, kennen:
Hier kann man jeden Betrag aus seinem Portemonnaie oben in die Schale dieses Münzschluckers werfen und, wenn nötig, dem Kassierer auch noch einen Schein reichen.
Nachdem der Kassencomputer den herauszugebenden Betrag errechnet hat, spuckt dieser Münzschlucker über das untere Loch passend die Wechselgeldmünzen aus.
Hier verlieren die X,99 Öre Preise schon einmal einen Teil ihren Schreckens. Für Kunden und KassiererIn.


Norwegen.2

Der ganze Bericht zu unserer Murmanskreise birgt aber noch ein Geheimnis. Das lüfte ich jetzt:
Hier sind wir unserem eigentlichen Reiseziel 2017 schon sehr nahe!
Die Iris, die wo meine bessere Hälfte ist (Originalton Niederbayerisch), wollte doch endlich einmal nach Südwest-Norwegen!
Sie traf mit diesem Wunsch bei mir ins Schwarze! Dass der Weg dorthin dann über Murmansk und so ging, war unser beider Entscheidung. Im Nachhinein sind wir beide darüber froh.

Ich vor allem, weil ich in dieser Region Norwegen ganz anders kennen lernte, wie den Norden als wir vor Jahren im allgemeinen Strom gen Nordkap mit schwammen.
Noch imposanter!

Irgendwie ist hier alles noch mehr darauf bedacht, uns Alemannen u.s.w. unvergessliches zu bieten.

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Wo und wie die Tourismusindustrie uns hier die schönsten Plätzchen zugänglich macht, ist in anderen Ländern die ebenfalls Naturschönheiten haben, so nicht immer üblich.
Einfach größtenteils perfekt!

Die Ortswahl ist das Einfachere, da die schönen einfach überwiegen. Das Niveau der, fast immer kostenlosen, Stellplätze, Ver- und Entsorgungsstationen für Reise- und Wohnmobile, Informations- und Verkehrshinweisanlagen liegt überwiegend auf oberstem Niveau.


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Voll beheizt!


Kunst neben der Landstraße

Graffitis, Tattoos, Schnitzereien und so hatten wir auf dieser Reise schon viel beobachtet und auch beschrieben.
Hier konnten wir, ganz frisch, Neptuns jüngstes Kunstwerk bestaunen, fotografieren und filmen:

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https://youtu.be/Z7whrIcGdew

Das Material dieses lebendigen Flussgemäldes war nicht irgendein Sickerwasser einer Mülldeponie, sondern Schaummittel der Natur.
Die darf das!


Autowandern

Ich schrieb schon öfters, dass wir unsere Reisen am liebsten mittels „Autowandern“ genießen.

In Norwegen lassen die großen „E“s, also die, bei Kurzurlaubsreisenden (keine Ironie, wir hatten früher auch manchmal nur unseren normalen Jahresurlaub...) so wichtigen „Europastraßen“, Autowandern nicht zu.
Mit Hilfe unseres recht guten Navi´s, von der Iris, meiner angetrauten Computerfreakadelle gepimpt, fanden wir aber besondere Reisewegschmankerl, indem wir dort gezielt Tunnel suchten. ???.
Diese touristisch zu befahren, sind uns natürlich ein Gräuel. Auf dem Navi fanden wir aber sehr oft die ehemaligen Bergstraßen, die diese Tunnel „entschärften“. Im zweideutigen Sinne.
Die waren´s dann...

Meist keinerlei, sonst sehr wenige andere Fahrzeuge in uriger Landschaft. Oft über die schroffsten Bergpisten.
Hier immer noch gut fahrbar, zumindest mit einem T3! (Quatsch, nicht all zu große Wohnmobile können da auch problemlos fahren...)
Dank aktueller Navidaten immer ohne Verbotsschilder. Für uns.

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Nach vielen Kilometern im Wald gibt es aber auch schon einmal eine Sackgasse:

https://youtu.be/S4gDkg-RIb4

Auch die einsamsten Wege sind irgendwann zu Ende und man steht in Norwegen nicht selten so vor einem Wasserfall. Ist dort oft aber alles andere als einsam.
Hier war es nun der Latefossen.

https://youtu.be/0gnOmnHj3GM

alles andere als einsam.


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Syncropfadpflege,

also die normale Fernstraßenreparatur kennen wir meist mit Ampelregelung im Wechsel für jeweils eine Fahrtrichtung, wenn sie auf nur einer Straßenseite stattfinden.
Das Sicherheitsbedürfnis hat in Skandinavien offensichtlich einen anderen Stellenwert.
Bemerkenswert fanden wir hier die schwedische und norwegische Lösung, Einbahnstraßenverkehr mittels Lotsen zu regeln:

https://youtu.be/VaHRqbGjbfk

Aber ehrlich:
Dieses Tempo war nicht wirklich vorgegeben, sondern dem Zeitraffer geschuldet...

Alt

Wenn man als Oldtimer mit einem Oldtimer in Skandinavien herumfährt, bimmelt die Motivklingel der Kamera bei jedem Oldtimer im Fokusbereich oft, sehr oft.
Ihr sollt ein wenig daran teilhaben:

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Frei mit Google übersetzt:
HIER GIBT ES DEN ERSTEN AUTUMOBILTURIST IN NORWEGEN, DEN DER NIEDERLANDE IM AUGUST 1901 AUF DER STRASSE VON KRISTIANIA NACH LAERDAL ERSCHEINTE

Da war vor uns schon einer da.
So wurde es also innerhalb von 116 Jahren (unsere Reise fand schließlich 2017 statt) immer voller an den schönsten Stellen der Weltkugel.

Danke fürs mitreisen.
Bis zum 2019er Reisebericht
grüßen herzlichst aus Niederbayern
die Iris mit ihrem älteren Roland.
mit Reisemobil VW T3 15" Syncro,
seiner heiligen Kuh,
und 70 seit 1971 mit VW Bulli bereisten Ländern

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Lassie
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Re: Murmansk und so... Teil 3. Skandinavien

#2 Beitrag von Lassie » 2018-11-03 10:28:58

Hallo,

Danke für den Lesegenuss am frühen Morgen.
Schöne Bilders übrigens!

Viele Grüße
Jürgen
... was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest ?

Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.
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Re: Murmansk und so... Teil 3. Skandinavien

#3 Beitrag von Mongoleifan » 2018-11-03 13:31:00

Danke für die Mühe, den Leser so nah und intensiv teilnehmen zu lassen an Eurer Reise!
Dann bin ich mal gespannt, was Ihr vielleicht irgendwann aus meiner Gegend Schönes zu berichten habt.
Ich freu mich jetzt schon drauf ! ;) ;)

Gruß Mongoleifan

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Re: Murmansk und so... Teil 3. Skandinavien

#4 Beitrag von Cheldon » 2018-11-03 14:09:12

Ich habe euren Reisebericht gern gelesen. Wir planen die Reise ähnlich, jedoch etwas später im kommenden. Über Schweden, die Alandinseln und Finnland nach St. Petersburg ( Wochenende und Nacht der Roten.Segel) dort Hotel an der Newa und dann auf eurer Route nach Murmansk mit einem weiteren Landerwechsel nach Finnland zur Bärenbeobachtung.
Danke für deine Informationen...
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