Handbuch: erste Hilfe unterwegs - wo es keinen Arzt gibt gesucht

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landwerk
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Re: Handbuch: erste Hilfe unterwegs - wo es keinen Arzt gibt gesucht

#91 Beitrag von landwerk » 2018-12-18 20:23:34

Hallo Sepp ,


Niemand möchte, dass alle ein AED auf Reisen mitnehmen. Aber wenn jemand das machen möchte, warum nicht?

Es hatte für mich persönlich im Velauf des Threads zeitweise den Eindruck erweckt, dass die Notwendigkeit einer flächendeckenderen Etablierung von AEDˋs in Deutschland in Frage gestellt wird.

Das Beispiel mit dem Defi im Bankvorraum sollte Schule machen, ebenso wie der Ausbau von First-Responder-Gruppen im ländlichen Bereich.
Ca. 1/3 der Betroffenen ist eben doch unter 65.

Da sieht der Kuchen anders aus, aber die Kernaussage ändert sich im Prinzip nicht.

Wenn San-Trupps eine mit einem AED kombinierte Rea eventuell als Überforderung betrachten könnten, vermag ich nicht zu beurteilen woran das liegt.
Ich Fände es nur schade, wenn der Ersthelfer dann denken würde: "Wenn die Trupps der Hiorgs mit einer AED-REA zum Teil überfordet sind, wie soll ich das dann schaffen"

Ole hat ja nun aber geschrieben, das auch Laien das spielend können.
Und das ist auch meine Wahrnehmung.


Auf Reisen ist das alles etwas anders.... das sehe ich auch so....



Wahrscheinlich haben Du, Wilmaa und ich im Kern auch ganz ähnliche Ansichten was Laienreanimation betrifft.


Gut ist auf jeden Fall, wenn sich durch diesen Thread möglicherweise einfach auch noch mal mehr
Leute mit dem Thema HLW und Frühdefibrillation auseinandersetzen.

Wenn dann noch einige mehr wie Ole ihren Kurs auffrischen, wäre das doch schon etwas Wert.



:hug:


Oli

DäddyHärry
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Re: Handbuch: erste Hilfe unterwegs - wo es keinen Arzt gibt gesucht

#92 Beitrag von DäddyHärry » 2018-12-20 21:31:42

Sepp, einen statistischen Aspekt hast du vergessen..
Die viel bessere und schnellere ärztliche Versorgung. Wer nach längerer Liegedauer ( 30 Tage. IIRC) nach VU an den Folgen verstirbt, zählt nicht mehr als Verkehrstoter....

Gruß Härry
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Die Bundesfamilienministerin warnt:
Fläschchengeben führt bei Vätern zum Auftreten von Stilldemenz!

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Re: Handbuch: erste Hilfe unterwegs - wo es keinen Arzt gibt gesucht

#93 Beitrag von Schraubermeister » 2018-12-20 22:00:12

Wenn dieser Thread hier hilft, das sich wieder mehr Leute mit dem Thema erste Hilfe auseinander setzen, ist auch schon viel erreicht.
Ùnd aus eigener Erfahrung empfehle ich, macht alle 2-3 Jahre einen Auffrischungskurs und ihr seid am Tag X bereit, die geforderten
Schritte zu tun. Es nimmt einem die Scheu vor Unbekanntem und die Angst einen Fehler zu machen.
Nur wer NICHT hilft, macht einen Fehler!!

Viele Grüße
Thomas
Fährst du quer, siehst du mehr!!!!!!!!

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camada
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Re: Handbuch: erste Hilfe unterwegs - wo es keinen Arzt gibt gesucht

#94 Beitrag von camada » 2019-06-16 11:21:57

Zum Thema "Erste Hilfe unterwegs" können wir auch einen Beitrag beisteuern.
Am Pfingstwochenende haben wir an einem Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Veranstalter war die Sanitätsschule Oliver Blake in Bockenem.
Vorab: Es war wirklich super und wir sind sehr froh, dass wir uns für die Teilnahme an diesem Kurs entschieden haben!
Was wurde geboten: Anreise war am Freitag. Getroffen wurde sich auf dem Außengelände, welches der Veranstalter - Oliver Blake (wir nennen ihn ab jetzt nur noch Oli) zur Verfügung gestellt hat. Eine große Wiese in Bockenem mit einer Feuerstelle, einem kleine Bachlauf, einer TT-Toilette und einem Shelter für eventuelle Übernachtungsgäste die ohne Fahrzeug bzw. Übernachtungsmöglichkeit anreisen. Nach dem ersten Kennenlernen am Lagerfeuer waren wir gespannt, wie der Kurs am Samstag starten würde.
Banner Oliver Blake.jpg
Geländer Oliver Blake.jpg
Am Samstag startete der Tag um 08:00 Uhr bei einem gemeinsamen Frühstück am Lagerfeuer. Zusammen mit seinen beiden Mitarbeitern stellte Oli uns das Tagesprogramm vor. Geübt werden sollte alles, was in der ersten Hilfe - auch fernab einer schnellen Rettung durch einen Krankenwagen - sinnvoll ist. Jeder Teilnehme konnte seine Wünsche und Vorstellungen äußern. Eventuell bereits vorhandenes Material aus den Fahrzeugen der Teilnehmer (Beatmungsbeutel etc.) wurde von Oli begutachtet und wir erhielten hilfreiche Tipps wie wir unsere Fahrzeugausstattung zum Thema "Erste Hilfe" optimieren konnten. In der Praxis wurde geübt: Beatmung, Herzdruckmassage, Bodycheck, Lagerungsarten, Wie mache ich einen Verband, Wie baue ich eine Trage, Wie verhalte ich mich im Notfall, Wie organisiert sich eine Gruppe bei einem Unfall mit Verletzten, wie und wann setzte ich einen Defibrillator ein und noch so einiges mehr.
Beatmungsbeutel.jpg
Wie knüpft man eine Trage.jpg
Der praktische Teil des ersten Tages folge am späten Nachmittag. Verschiedene Szenarien, welche durch Darsteller lebensecht dargestellt wurden, verlangten den Teilnehmern die Anwendung des theoretisch erlernten ab. Alles immer unter dem wachsamen Auge von Oli der zwischendurch die Situation "einfrohr" und erklärte was jetzt falsch war, bzw. wie man die Rettung besser machen könnte. Geübt wurden: Ein Kettensägenunfall bei dem eine Hand abgetrennt worden war (natürlich nur eine Plastikhand :mellow: ), eine Wasserrettung und eine großflächige Verbrennung des Rückens. Auch wenn man wusste, das ist alles nur eine Übung, war es Adrenalin pur und aus heutiger Sicht gesehen, einprägsamer als jeder 1-Hilfe Kurs, den man im Pflichtprogramm beim Führerschein absolvieren musste. Machen ist halt immer besser als nur zusehen!!
Wasserrettung.jpg
Kettensägenunfall.jpg
Am Sonntag kam dann nach der Pflicht die Kür. Zusammen mit Oli und seinen Mitarbeitern sind wir in einen nahe gelegenen Wald gefahren und wurden dort von unterschiedlichen "Unfällen" überrascht. Hierzu zählten: Da hat doch tatsächlich jemand einen giftigen Pilz gegessen, ein Wanderer hat Diabetes und sieht plötzlich LKW´s im Wald, eine Schlange hat einen jungen Mann gebissen und dessen Kreislauf versagt, ein Kletterer hängt in seinem Klettergeschirr und muss geborgen werden, eine Frau hat einen allergischen Schock und zum Abschluss - eine Wanderin die von einem Felsen gefallen ist, offene Brüche hat und aus unwegsamen Gelände geborgen werden muss. Hier musste das gesamte am Vortag erlernte Wissen angewandt werden und wieder war es so, dass man froh war, am Vortag gelernt zu haben, was man tun kann, wenn ein Mensch Hilfe braucht. Sicherlich haben wir und die anderen Teilnehmer nicht immer alles "richtig" gemacht. Auch wir waren oft unschlüssig was jetzt zu tun ist, aber - wir haben uns getraut zu helfen. Und das ist glaube ich das wichtigste. Nicht nur hilflos zusehen sondern versuchen, dem Verunfallten die in diesem Moment bestmöglich Hilfe zu geben!! Oli hat uns die ganze Zeit unterstützt und darin bestärkt, keine Angst vor dem Helfen zu haben. Er hat immer gute Tipps parat gehabt und ist auf jeden Teilnehmer individuell eingegangen.
Falls auch Ihr Euch Gedanken über einen Outdoor-Erste-Hilfe Kurs macht, können wir den Kurs der Sanitätsschule Oliver Blake in Bockenem nur sehr empfehlen. Bei Interesse schaut einfach mal auf seiner Seite vorbei: https://sanitaetsschule-oliver-blake.de/outdoor/
Falls jemand meint, dass ist jetzt bezahlte Werbung - dem ist nicht so!! Wir waren auch zahlende Teilnehmer und berichten hier nur von unseren positiven Erfahrungen! Im Oktober 2019 ist der nächste Kurs!
Rettung mit Bahre.jpg
Bergrettung.jpg
Liebe Grüße Carsten und Daniela

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